Swami Sivananda

Sadhana zur Beseitigung von Egoismus

I

Egoismus ist das Prinzip, das den Menschen dazu bringt, sich selbst zu behaupten. Er ist eine Vritti, eine Erscheinungsform, die im Geist entsteht. Patanjali Maharshi nennt sie Asmita. Derselbe Geist nimmt die Form von Egoismus an, wenn man beginnt, sich selbst zu behaupten. Ahamkara zeigt sich zuerst, dann kommt Mamata, Verhaftung.
Dieser verhängnisvolle Egoismus läßt Handlungen, Wünsche und Leid entstehen. Er ist die Quelle allen Übels. Er ist Illusion. Er täuscht Menschen. Obwohl er nichts ist, ist er für weltliche Menschen alles. Er ist der Verbündete von Besitzdenken. Er entsteht aus Avidya, Unwissenheit. Er rührt von falscher Selbstgefälligkeit her. Eitelkeit nährt ihn. Er ist der größte Feind des Friedens. Wenn man diesem schrecklichen Ahamkara entsagt, wird man stets glücklich sein. Das Geheimnis der Entsagung ist Verzicht auf Ichdenken.
Ahamkara hat seinen Sitz im Geist. Unter dem Einfluß von Egoismus begeht der Mensch schlechte und falsche Handlungen. Es sitzt tief. Ängste und Sorgen entstehen aus Ichdenken. Es ist eine wirkliche Krankheit. Stolz, Gier, Zorn, Täuschung, Habgier, Eifersucht, Liebe und Haß begleiten Ahamkara. Ahamkara zerstört die Tugenden und den geistigen Frieden. Es legt die Schlinge der Zuneigung, um den Menschen einzufangen. Wer frei ist von Egoismus, ist immer glücklich und friedvoll. Wünsche vervielfachen sich und breiten sich durch Egoismus aus. Der hartnäckige Feind des Menschen, der Egoismus, hat den Zauber von Frau, Kindern, Freunden und Verwandten über ihn gelegt, dessen Faszination schwer zu brechen ist. Es gibt keinen größeren Feind als den Egoismus.
Wer weder etwas wünscht noch ablehnt, wer jederzeit Ruhe des Geistes bewahrt, wird vom Gefühl des Egoismus nicht betroffen.
Es gibt drei Arten von Egoismus. Davon sind zwei Arten des Egoismus vorteilhaft und höherstehend, die dritte aber ist schlecht und jeder muß ihn aufgeben. Die erste ist das höchste und ungeteilte Ego, das ewig ist und die ganze Welt durchdringt. Es ist die höchste Seele (Paramatman), neben der es in der Natur nichts gibt. Meditiere über die Formel „Aham Brahma Asmi - Ich bin Brahman“. Identifiziere dich mit Brahman. Es ist sattviges Ahamkara. Das Wissen, das erkennen läßt, daß das eigene Selbst feiner ist als das untere Ende von ungeschältem Reis, oder so winzig wie der hundertste Teil eines Haares, und daß es immer existiert, ist die zweite Art von Ahamkara. Diese beiden Arten von Egoismus finden sich in Jivanmuktas, befreiten Weisen. Sie führen zur Befreiung des Menschen. Sie verursachen keine Bindung. Daher sind sie vorteilhaft und höherstehend.
Die dritte Art von Ahamkara ist das Wissen, das das „Ich“ mit dem Körper identifiziert, der sich aus fünf Elementen zusammensetzt, und den Körper für Atman hält. Das ist die schlechteste und niedrigste Form des Ichdenkens. Sie findet sich in allen weltlichen Menschen. Das ist der Grund für das Wachstum des giftigen Baumes der Wiedergeburt. Wer diese Art des Egoismus besitzt, kann nie wirklich zur Besinnung kommen. Unzählige Menschen wurden von dieser Form des Ahamkara getäuscht. Sie verloren Intelligenz, Unterscheidungskraft und die Fähigkeit, Fragen zu stellen. Diese Art von Egoismus erzeugt unheilvolle Ergebnisse. Menschen geraten unter den Einfluß aller Übel des Lebens. Wer Sklave dieser Form des Ahamkara ist, wird durch verschiedene Wünsche geplagt, die ihn dazu bringen, falsch zu handeln. Sie erniedrigt ihn auf die Stufe des Tieres. Diese Art von Ahamkara muß mittels der beiden anderen Arten von Ahamkara zerstört werden. Je mehr dieser Egoismus geschwächt wird, desto mehr Wissen über Brahman oder das Licht des Selbst wird erlangt.
Wieder gibt es drei Unterformen von Ahamkara, nämlich sattvigen Egoismus, rajasigen Egoismus und tamasigen Egoismus. Sattviger Egoismus bindet den Menschen nicht an Samsara. Er hilft dem Suchenden, die letztendliche Befreiung zu erlangen. Wenn man festzustellen versucht: „Ich bin der Diener des Herrn, Er ist die manifeste Form in mir, und mir wurde diese Geburt gegeben, um dem Herrn zu dienen, der sich in allem offenbart.“ Sogar im Jivanmukta ist eine schwache Spur von diesem sattvigen Egoismus. Er handelt durch diesen sattvigen Egoismus. „Ich bin ein König. Ich weiß alles. Ich bin sehr klug.“ - das ist die Form von rajasigem Egoismus. „Ich bin ein Dummkopf, ich weiß nichts.“ Wenn jemand dies sagt, aber unverschämt und anmaßend ist - ist das tamasiger Egoismus.
Die wörtliche Bedeutung oder Vachya Artha von ›Aham‹ Pada ist Aham Vritti, die im Geist auftaucht, das kleine ›Ich‹, das sich mit dem physischen Körper identifiziert. Die angedeutete Bedeutung oder Lakshya Artha von ›Aham‹ Pada ist Atman, Brahman, das unendliche ›Ich‹. Nichts anderes als Illusion, Maya, ist die Ursache von Egoismus. Wissen ist der Grund von Egoismus. Wissen entsteht durch die unwirklichen Dinge wie Körper, Baum, Fluß, Berg, Tiere, etc. Wenn die Dinge nicht existieren, können wir weder an sie denken, noch etwas wissen. Wenn es keine Dinge gibt, haben wir überhaupt kein Wissen über Dinge. Dann wird sich Egoismus, der Same von Manas, auflösen.
Dieser Gedanke von ›Ich‹, der das Nest ist, in dem alle Schwächen liegen, ist der Same des Geistbaumes. Der Keim, der als erster aus dem Samen von Ahamkara entspringt, ist Buddhi, der Intellekt. Von diesem Keim nehmen die sich verzweigenden Äste, genannt Sankalpas, ihren Ursprung. Durch diese Differenzierung sind Geist, Chitta und Buddhi nichts als die einzelnen Namen oder Eigenschaften des einen Ahamkara. Die Zweige der Vasanas werden natürlich unzählige Ernten von Karmas erzeugen, wenn sie jedoch mit dem Schwert von Jnana aus tiefstem Herzen abgetrennt werden, werden sie zerstört. Schneide die Äste des gewaltigen Geistbaumes ab und zerstöre schließlich den Baum vollständig an seiner Wurzel. Die Zweige abzuschneiden ist nur zweitrangig - erstrangig ist die völlige Vernichtung des Baumes an seiner Wurzel. Wenn du durch rechtschaffene Handlungen die Vorstellung von ›Ich‹ an der Wurzel des Baumes (Geist) zerstörst, wird er nicht aufkeimen. Atma Jivana, Selbsterkenntnis, ist das Feuer, das das Konzept von Ahamkara, den Samen des Baumes (Geist), zerstört.
Es gibt eine andere Klassifizierung von Egoismus, grob (Sthula) und fein (Sukshma). Identifikation mit dem groben physischen Körper ist grober Egoismus. Identifikation mit Geist und Karana Sarira (Samenkörper) ist feiner Egoismus. Wenn man Stolz, Selbstsucht, Wünsche und die Identifikation mit dem Körper zerstört, verschwindet der grobe Egoismus, aber der feine Egoismus bleibt. Auch der feine Egoismus muß vernichtet werden. Feiner Egoismus ist gefährlicher und schwieriger auszurotten. „Ich bin ein reicher Mann. Ich bin ein König. Ich bin ein Brahmane.“ - das ist grobstofflicher Egoismus. „Ich bin ein Yogi. Ich bin ein Jnani. Ich bin ein guter Karma Yogi. Ich bin ein moralischer Mensch. Ich bin ein guter Sadhaka oder eine Sadhu.“ - das ist feinstofflicher Egoismus. Es gibt noch eine andere Einteilung des Egoismus: Samanya Ahamkara (gewöhnlicher Egoismus) und Visesha Ahamkara (besonderer Egoismus). Gewöhnlicher Egoismus ist in Tieren vorhanden. Visesha Egoismus ist in Menschen vorhanden.
Man sagt: „Dieser Körper gehört mir.“ Geier, Schakale und Fische sagen auch: „Dieser Körper gehört mir.“ Wenn eine Schicht der Zwiebel nach der anderen abgelöst wird, schrumpft die Zwiebel zu einen luftigen Nichts. So ist das ‹Ich‹. Dieser Körper, dieser Geist, dieses Prana, diese Sinne, usw., all das sind Kombinationen der fünf Elemente oder Tanmatras. Sie alle sind nur Erscheinungsformen von Prakriti. Wo ist dann das ‹Ich‹? ‹Ich‹ ist ein trügerisches Nichts, das der Gaukler Geist geschaffen hat. Von nichts kann man sagen, daß es existiert, wenn es nicht durch eine Ursache hervorgerufen wurde. Dieser Körper, der durch Karmas entstanden ist, ist nicht selbst die Ursache. Das Wissen, das Bewußtsein, das wir von ihm haben ist selbst unwirklich. Deshalb existieren auch Ahamkara und andere Wirkungen nicht, die aus der Täuschung von Wissen entstehen. Das wirkliche ‹Ich‹ ist nichts anderes als Sat-Chid-Ananada Brahman.
Genauso wie die Bewegung des Zuges oder Bootes auf den Baum übertragen wird, wird auch das ›Ich‹ durch die Gaukelei des Geistes auf Körper, Geist, Prana und Sinne übertragen. Wenn man sagt: „Ich bin dick. Ich bin dünn.“, überträgt sich das ›Ich‹ auf die Sinne, und man identifiziert sich mit den Sinnen; wenn man sagt: „Ich bin hungrig, ich bin durstig.“, überträgt sich das ›Ich‹ auf das Prana; wenn man sagt: „Ich bin zornig, ich bin geizig.“, überträgt sich das ›Ich‹ auf den Geist. Wenn man sich mit dem höchsten Selbst identifiziert, verschwinden alle falschen Identifikationen.
Wenn der Armeekommandant getötet ist, können die Soldaten sehr leicht besiegt werden. Genauso, wenn dieser Kommandant - Egoismus in der adhyatmischen Schlacht getötet wurde, können sehr leicht die Soldaten, nämlich Lust, Zorn, Stolz, Eifersucht, Habsucht, Verblendung und Heuchelei besiegt werden, die für ihren Meister, den Egoismus kämpfen.
Versuche, mittels der ersten beiden Arten des höheren Egoismus, Brahman zu erreichen. Wenn du in diesem erhabenen, reinen Zustand fest verankert bist, in dem sogar diese beiden Arten des höheren Egoismus nacheinander aufgegeben werden, ist solch ein Zustand der unvergängliche Sitz Brahmans. Identifiziere das ›Ich‹ nicht mit dem physischen Körper. Identifiziere dich mit dem höchsten Selbst, Para Brahman.
Du hast vielleicht deinen Egoismus in einem sehr großen Ausmaß reduziert oder geschwächt, wenn du aber für Tadel und Lob noch empfänglich bist, wisse, daß der feine Egoismus noch immer in dir lauert.
Ein Suchender auf dem Pfad der Hingabe zerstört sein Ichdenken durch Hingabe seiner selbst, Atma-Nivedan, an den Herrn. Er sagt: „Ich bin Dein mein Herr, alles ist Dein, Dein Wille geschehe.“ Er fühlt, daß er ein Werkzeug in den Händen des Herrn ist. Er widmet all seine Handlungen und die Früchte seiner Handlungen dem Herrn. Er fühlt, daß es nichts gibt außer dem Herrn, daß alles durch den Herrn geschieht, daß sich nicht einmal ein Atom ohne Ihn bewegen kann, und daß alle Wesen in Ihm leben, sich in Ihm bewegen und ihr eigentliches Sein in Ihm haben.
Ein Karma Yogi zerstört sein Ichdenken, dadurch daß er sich opfert. Ein Jnana Yogi tötet sein Ichdenken durch Verneinung und Verleugnung seiner selbst, durch Vichar und die Praxis der Neti-Neti Lehre - ›Ich bin nicht dieser Körper, ich bin nicht dieses Prana, ich bin nicht dieser Geist oder die Sinne.‹ und durch Identifikation mit dem höchsten Selbst durch Meditation über die Formel: ›Ich bin das alldurchdringende Selbst, Brahman.‹

II

Das Ego ist eine Stahlwand, die den Menschen vom Herrn, dem unsterblichen Atman, trennt. Es ist eine stinkende Substanz, die den Menschen von seiner höchsten, göttlichen Ebene heruntergeholt hat und ihn zu einem Wesen mit niedrigen tierischen Instinkten und brutalen Impulsen degenerieren ließ. Es ist eine Zauberchemikalie, hergestellt im Labor von Prakriti oder Maya, welche ihm seine ursprüngliche, wesentliche, göttliche Natur vergessen und ihn dem zweifelhaften Tand einer weltlichen vergänglichen Kombination von Opium, Canabis, Alkohol, Wein, Brandy, Gin, Rum, Traubenessenz, Malz, Whisky und etwas anderem, dessen Zusammensetzung den Wissenschaftern und sogar Brahma, dem Schöpfer, unbekannt ist, nachlaufen ließ. Es ist ein mysteriöses Gas, das sich für den, der Fragen stellt, in Nichts auflöst, aber für einen Menschen, der nicht unterscheidet und weltlich ist, aussieht wie ein Granitfels, der nicht einmal mit Dynamit und mächtigen Bomben weggeblasen werden kann.
Es ist höchst machtvoll. Seine Methoden sind außerordentlich. Seine Natur ist unbeschreiblich. Seine mysteriöse Wirkungsweise übersteigt den Verstand. Es ist heimtückisch und hinterhältig, wenn es eindringt oder angreift. Es bringt einen Yogi oder Sannyasin, der zu einer großen Höhe auf der Leiter des Yoga aufgestiegen ist, im Handumdrehen auf ein niedriges Niveau. Es nimmt verschiedene Formen an, attackiert auf verschiedene Weise und täuscht den Menschen.
Diese ganze Welt ist ein Spiel des Ego. Ego, Sexualität und Welt sind untrennbar. Wenn man die Natur des Ego versteht, hat man das ganze Mysterium der Schöpfung verstanden. Deshalb analysiere. Genaues Studium des Egos ist unbedingt erforderlich. Es trägt dazu bei, ewige Wonne, die letztendliche Wirklichkeit, zu erreichen.
Ego ist eine Erscheinungsform von Prakriti oder Maya. Es ist das Tattva oder Prinzip, das Selbstbehauptung ermöglicht. Es ist ein Ergebnis von Avidya. Es entstand aus Unwissenheit. Es hat drei Formen, nämlich sattviges Ego, rajasiges Ego und tamasiges Ego. Sattviges Ego führt zu Befreiung, rajasiges und tamasiges Ego binden an das Rad von Geburten und Toden.
Am liebsten verweilt es im Geist eines Reichen, eines trockenen Pandit, eines großen Offiziers, Ministers, Wissenschafters, Arztes, Atheisten, Rationalisten, Agnostikers oder Kommunisten, deren Geiste von Religion und dem Streben nach der Wahrheit abgewandt sind.
Man fühlt Aham Asmi, ›Ich bin.‹ Das ist sattviges Ichdenken. Vibhishana und Tulsidas sagten: „Ich neige mein Haupt vor keinem anderen Gott als Sri Ram.“ Das ist sattviges Ego. Der Wunsch, sich selbst zu erkennen, Befreiung zu erlangen und ein tugendhaftes Leben zu führen, entsteht aus sattvigem Ichdenken. Der Wunsch, andere zu beherrschen, Land zu besitzen, eine gute Stellung, Macht und Ansehen zu haben, entstehen aus rajasigem Ichdenken. Müßiggang, Zögerlichkeit, Sorglosigkeit, Trägheit, Starrsinn und Eigensinn entstehen aus tamasigem Ichdenken.
Ego ist eine Vritti oder Erscheinungsform des Geistes. Zuerst manifestiert sich Aham Vritti, und dann heften sich alle anderen Vrittis an diese Aham Vritti. Aus dem Ego entsteht Geist. Intellektuelles Überlegen, das mit dem Ego verbunden ist, ist Jiva. Es verursacht, daß der Jiva sich mit dem physischen Körper identifiziert. Dann entsteht die Vorstellung von ›Ich‹ im Körper. Das ist der Grund für menschliches Elend und Leid.
Wohlstand, Schönheit, körperliche Kraft, Besitz von Tugenden, Gelehrsamkeit und rajasige Ernährung mästen das Ego und machen es fett. Satsang, Japa, Meditation, Studium religiöser Bücher, sattvige Ernährung und Kirtan schwächen das Ego.
Wenn das Ego direkt durch Brahma Chintan, das Fragen: ›Wer bin ich?‹ oder Jnana Abhyasa getötet wird, gehen alle seine Erscheinungsformen von selbst zugrunde. Sie haben keine unabhängige Existenz. Zerstörung von Lust, Zorn, usw. führt zu Abschwächung des Egoismus.
Durch Wiederholung von Handlungen werden Lust, Zorn und Stolz gestärkt. Sie verwurzeln sich tief und werden zur Gewohnheit. Man muß sehr hart und mit großer Geduld und unbezähmbarem Willen kämpfen, um diese schlechten Vrittis auszurotten.
Stolz und Eitelkeit sind alte Verbündete des Ego. Er verläßt nicht einmal fortgeschrittene Sannyasins und Yogis. Wenn ihnen nicht der nötige Respekt erwiesen wird, sind sie gekränkt, auch wenn sie keine heftigen Wutausbrüche zeigen. Was ist der Grund dafür? Es ist zurückzuführen auf verletzte Eitelkeit. Das Ego bleibt hartnäckig. Es wünscht Respekt und Anerkennung zu seiner geheimen Genugtuung.
Wenn man das Bhava des Dieners bewahrt, auch wenn man sich in hoher Position befindet, kann Eitelkeit nicht gefährlich werden. Bedenke auch, daß die hohe Position sich in jedem Augenblick ändern kann.
Wenn ein Sannyasin, ein Yogi oder ein bedeutender Mensch sehr oft von seinen Bewunderern und Schülern verehrt, gegrüßt und mit Girlanden bekränzt wird, oder wenn er immer auf einem hohen Sitz Platz nimmt, findet er es schwierig, die Grüße zu erwidern, seinen Körper zu neigen oder auf dem Boden zu sitzen. Nach einiger Zeit schleicht sich allmählich unbewußt Eitelkeit in seinen Geist ein, und er wird zum Sklaven von Respekt und Verehrung.
Manchmal drängt sich ein rajasiger Mensch in den Vordergrund und sagt: „Ich werde nie meine Bemerkungen und Aussagen zurücknehmen, auch nicht wenn ich sterbe. Ich werde nie nachgeben. Ich werde nie zuerst zu ihm sprechen. Ich werde ihn nie zuerst grüßen. Ich werde mich nie entschuldigen. Ich muß den ersten Platz haben.“ So spricht ein eitler Mensch. Wenn seine Eitelkeit verletzt wird, tut er alles, um diejenigen anzugreifen und zu töten, die seine Eitelkeit verletzt haben. Wenn ein Mensch seine Natur korrigiert und ein wenig Demut und Anpassungsfähigkeit entwickelt, wenn er sich ein bißchen beugen und süße Worte sprechen kann, kann er die Herzen aller gewinnen und der wahre König der ganzen Welt werden. Der Mensch leidet schrecklich an seinem verletzten Stolz. Er kann nicht in seiner Position, an einem Ort, bei einem Vorgesetzten, bei einem Guru bleiben. Er macht Schwierigkeiten, kämpft und streitet, er verliert seine Annehmlichkeiten und andere Vorteile, wandert ziellos von Ort zu Ort und führt ein freudloses Leben. All das wegen seiner verletzten Eitelkeit und seines starren Egos, das härter ist als Stahl und Granit.
Maya ist mächtig. Sie täuscht ihn. Er hat keine Zeit, Innenschau zu halten und zu analysieren, um seine Fehler herauszufinden. Er ist verärgert, auch wenn ihm seine Fehler von seinen besten Freunden aufgezeigt werden. Er hat nicht die Kraft, seine Fehler zu beseitigen, seine Eitelkeit zu zerstören. Diese Fehler lauern in seinem Geist Geburt um Geburt. Er wiederholt die gleichen Fehler immer wieder und führt ein elendes Leben. Es ist leicht, an der Universität den Doktor zu machen oder einen Titel zu erwerben. Es ist leicht, faszinierende Vorträge zu halten und die Hörerschaft zu begeistern, aber es ist schwierig, diese Eitelkeit und dieses starre Ego zu beseitigen, das der Urgrund menschlichen Leidens.
Ego verschont nicht einmal einen Yogi oder Vedantin. Eine Frau ist stolz auf ihre physische Schönheit und Grazie, ein König auf seine Herrschaftsgebiete, ein Vedantin auf seine Gelehrsamkeit, ein Yogi auf sein Samadhi und seine Siddhis, ein Brahmachari auf seine Reinheit. Nur ein wirklicher Bhakta, der von dem üblen Zug frei ist, wird vor diesem schrecklichen Feind durch die Gnade des Herrn gerettet.
Oh Mensch! Verstehe genau, was dieses unheilvolle Ego ist. Untersuche seine Natur sehr sorgfältig. Sitze täglich einige Minuten ruhig mit geschlossenen Augen. Halte Innenschau und finde deine Fehler heraus. Sei regelmäßig in deiner Meditation. Habe immer wieder Satsang. Beseitige Eitelkeit. Lösche dieses Ego aus und ruhe in deinem ursprünglichen Zustand von Satchidananda.

III

Das Wirken des Egos ist überaus rätselhaft. Es ist sehr schwierig, seine verschiedenen Arbeitsweisen zu entlarven. Es bedarf eines subtilen und scharfen Intellekts und genauer Selbstbeobachtung, um seine Arbeitsweisen herauszufinden. Wenn man täglich Selbstbeobachtung praktiziert und unterscheidet, wird man seine mysteriösen Wirkungsweisen herausfinden können.
Überall, wo Ego ist, sind Selbstsucht, Zu- und Abneigungen, Arroganz, Selbstgefälligkeit, Unverschämtheit, Vasanas, Trishnas oder Sehnsüchte, Vrittis und Sankalpas, ein Hängen am irdischen Leben von Heuchelei und die Vorstellung, Handelnder und Ausführender zu sein. Man muß ein sehr klares Verstehen haben, wenn dieses Ego vernichtet werden soll. Nur geduldige und ausdauernde Bemühungen können zum Erfolg führen.
Dieses Ego liebt den eigenen Geburtsort, die eigene Provinz, die Menschen aus dieser Provinz, die Muttersprache, die Verwandten und Freunde, die Eßgewohnheiten, die Art, sich zu kleiden und Ähnliches. Es hat seine Vorlieben und Prioritäten. Es lehnt andere Gewohnheiten zu essen oder sich zu kleiden ab.
Diese Ego will Macht und Einfluß auf andere ausüben. Es will Titel, Prestige, Status, Respekt, Reichtum, Haus, Frau und Kinder. Es will sich selbst vergrößern. Es hat den Wunsch, zu dominieren und über andere zu herrschen. Wenn jemand seine Fehler aufzeigt, ist seine Eitelkeit gekränkt. Wenn jemand es lobt, ist es hocherfreut. So sagt das Ego: „Ich weiß alles. Er weiß nichts. Was ich sage ist richtig. Was er sagt ist ganz falsch. Er ist mir unterlegen. Ich bin ihm überlegen.“ Es zwingt andere, seiner Richtung und seinen Ansichten zu folgen. Dies sind die allgemeinen Erscheinungsformen des Ego.
Dieses Ego lauert wie ein Dieb, wenn man mit Selbstbeobachtung und Selbstanalyse beginnt. Es wird sich dem Verstehen entziehen. Man muß stets wachsam und aufmerksam sein. Wenn man die Gnade des Herrn durch Japa, Kirtan, Gebet und Frömmigkeit erlangt, kann dieses Ego leicht getötet werden. Allein durch die Gnade des Herrn wird die Selbstaufgabe vollkommen werden. Wenn dieses Ego im kosmischen Ego aufgeht, wird durch Selbstverwirklichung man Gemeinschaft mit dem Herrn erlangt.
Versuche, die Methoden und Gewohnheiten dieses Ahamkara zu erkennen. Es dürstet danach, sich selbst zu vergrößern, fortzuschreiten, nach Macht, Besitz von Dingen und Genuß. Töte dieses Ahamkara und die Selbstsucht. Sei neutral. Setze deinen Glauben in die entgegengesetzten Tugenden, den Geist des Opferns und des Dienens als die führenden Prinzipien des Lebens. Sofort wirst du ein reiches, erweitertes spirituelles Leben haben.
Entfache die Widerstandskräfte. Halte das positive Ideal des aktiven Dienens für die Menschen und der reinen Liebe aufrecht. Erzeuge den positiven, sattvigen Gegenstrom von Energie, um die abwärtsgerichteten, negativen Ströme von Vasanas zu bekämpfen. Halte dich in einem positiven Zustand. Überwinde negative Gedanken durch die Pflege positiver göttlicher Gedanken. Erhebe dich über Unreinheit, Unfähigkeit und Schwäche des Herzens. Sei kühn, sei immer froh. Kultiviere Daivi Sampat als Barmherzigkeit, Frieden, Nachsichtigkeit, Toleranz, usw. Zerstöre Asurig Sampat wie Arroganz, Egoismus, Stolz, Zorn, Lust, usw. Du wirst sicherlich die höchste Wonne und Kenntnis des Ewigen erreichen.
Kühne Suchende! Nehmt Zuflucht zu euch selbst, zur unsterblichen Seele. Seid fest in eurem Entschluß. Beschreitet den Pfad von Wahrheit und Rechtschaffenheit. Beobachtet den Geist sehr sorgfältig. Seid wachsam und gewissenhaft. Diszipliniert die ungestümen Indriyas. Haltet Zunge und unreine Wünsche im Zaum. Ihr werdet den Ozean von Samskara überqueren und Unsterblichkeit, immerwährenden Frieden und Freude erreichen.

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