Sukadev Bretz

Jnana Yoga / Vedanta-Philosophie

Pranamaya kosha

Jnana Yoga geht jedoch über die Physik hinaus und erklärt, das physische Weltall sei nicht alles. Es gibt nicht nur verschiedene Energieschwingungen auf der physischen Ebene, sondern Energie kann noch subtiler schwingen als physikalische Messinstrumente es jemals messen konnten und jemals messen werden. Mit rein physikalischer Messung wird es niemals möglich sein, den Astralkörper wirklich zu messen. Es ist zwar möglich, die Wirkungen des Astralkörpers zu messen - es gibt da schon Ansätze wie zum Beispiel die Kirlian-Fotografie, die man manchmal auf Messen sehen und ausprobieren kann. Man legt die Hand auf eine elektrische Platte; Hand und fotografische Platte werden an Elektroden angeschlossen und Strom in einer sehr hohen Frequenz durchgejagt. Was dabei gemessen wird, sind einige Parameter der Hand, Hautwiderstände etc. Diese Werte werden dann über einen Computer ausgewertet und auf ein Foto projiziert. Das wunderschöne Bild, das man dann sieht, hat aber nichts mit Parapsychologie zu tun, sondern es gibt eher gewisse physiologische Parameter wieder, die rational zugänglich sind – was nicht heißt, dass es deshalb nicht aussagekräftig wäre. Es ist die Ausstrahlung von prana (Lebensenergie), die dabei gemessen wird. 

Die Bilder, die man dabei erhält, sind je nach Situation und Gefühlslage sehr unterschiedlich. Wenn zum Beispiel zwei ineinander verliebte Menschen, die Hände gegeneinander halten, vereinigen sich ihre beiden Auras. Wenn zwei Menschen sich nicht mögen, dann stoßen die Auras sich gegenseitig ab. Das ist ganz interessant und lustig zu sehen. Es reicht sogar schon, wenn man zwei Menschen sagt, sie sollen sich vorstellen, sie mögen sich wahnsinnig gern oder sie können sich nicht ausstehen, um diesen Effekt hervorzurufen. Ich würde das aber jetzt nicht als ausreichende Entscheidungsgrundlage für eine Heirat empfehlen....

Die pranamaya kosha ist nun also die Lebenshülle, die Ebene des pranas. Sie selbst ist nicht physiologisch fassbar, aber ihre Auswirkungen sind sichtbar, fühlbar und messbar. Prana ist das, was den physischen Körper lebendig macht. Wenn kein prana mehr da ist, ist der Körper tot und verfällt innerhalb kürzester Zeit. Ist prana da, ist auch Leben da, deshalb heißt es ja auch die Lebensenergie. 

Manche Menschen haben viel prana - das sieht man ihnen an, sie strahlen etwas aus, in ihrer Gegenwart ist man gerne und fühlt sich irgendwie gut. Andere Menschen haben ein sehr unruhiges prana. Wenn man mit ihnen zusammen ist, wird man selbst nervös. Andere haben ein deprimiertes prana. Wenn man mit ihnen eine Weile zusammen ist, dann geht es ihnen sehr gut und einem selbst weniger gut - das sind die sogenannten Vampire. Es gibt ja keine echten physischen Vampire, auch in Transsilvanien nicht, wo diese Geschichten herkommen. Es ist einfach ein Ausdruck dafür, dass jemand einem anderen Energie, Lebenskraft, aussaugt. Als Yogis brauchen wir trotzdem nicht geizig zu sein mit unserer Energie, denn wir kennen viele Möglichkeiten, Energien zu sammeln, unser prana wieder aufzuladen – mit Asanas, mit Atemübungen, durch die Meditation, usw. Also wir können ruhig anderen Menschen auch ein bisschen von unserer Energie abgeben. Und wir können uns als Kanal Gottes oder der kosmischen Energie fühlen. Wir wissen, wir brauchen uns nur zu öffnen, uns zu verbinden, dann fließt unendliche kosmische Energie durch uns hindurch, so dass wir uns immer wieder aufladen können. Und wir stellen uns nicht vor, dass wir uns abkapseln. In manchen Büchern, die sich mit Energien beschäftigen, steht zum Beispiel, man soll sich vorstellen, man sei von einem Ei oder einer eisernen Ritterrüstung umgeben, in die nichts einbrechen kann. Das halte ich für eine furchtbare Vorstellung - so durch die Gegend zu gehen und sich von allem abzukapseln. Ich meine, Energie muss fließen. Am besten ist es, sich vorzustellen, man empfängt ständig Energie, ist in Verbindung mit dem kosmischen Energiefluss und schickt Energie und strahlt Energie aus. Wenn wir dafür sorgen, dass wir diesen Zugang zur kosmischen Quelle von prana haben, dann können wir die Energie frei ausstrahlen. 

Es heißt, dass Liebe eines der wenigen Dinge ist, die mehr werden, wenn man sie verschenkt. Und ab und zu mal muss man sich Zeit für sich selbst nehmen, meditieren, Pranayama machen, Asanas üben. Denn wenn man Yoga übt, profitiert man nicht nur selbst davon, sondern alle Menschen in seiner Umgebung. Wichtig ist, andere nicht zum Yoga missionieren zu wollen – das macht einen selbst eher aggressiv und unbeliebt -, sondern einfach nur praktisch zu üben. Nach einer Weile suchen andere von selbst die Nähe und fühlen sich wohl. 

Letztlich ist Schönheit auch nichts anderes als Prana.  Schönheit ist nicht nur das richtige Verhältnis von Nasenhöhe zu Nasenlänge, von Farbe der Augen zum Rot der Wangen, die Länge des Ohrläppchens usw, sondern Schönheit ist Ausstrahlung. Das sieht man auch in Bildern von großen Heiligen, da strahlt das noch durch. Swami Sivananda hätte wahrscheinlich keinen Schönheitswettbewerb gewonnen, aber es ist eine Schönheit im Gesicht, da strahlt etwas, selbst noch in Fotos.

Prana macht auch den Unterschied aus, ob man jemandem zuhört, wenn er spricht oder ob man dabei müde wird und jedes Interesse verliert. Die Vorträge mancher Menschen sind faszinierend, während man sich bei anderen wahnsinnig zusammenreißen muss, damit der Geist nicht abschweift. Und es ist nicht nur die rhetorische Kunst, die das ausmacht, sondern im wesentlichen die Ausstrahlung. Wie kann man nun seine Ausstrahlung zum Ausdruck bringen? Vor allem durch die Atmung. Das Allerwichtigste beim Sprechen ist der richtige Atem. Wenn man nicht die tiefe Bauchatmung einsetzt, sind Vorträge langweilig, man kann sich selbst nicht konzentrieren und keiner will zuhören. Das gilt sogar im persönlichen Gespräch. Unser Prana-Speicher ist das Sonnengeflecht im Bauchbereich. Wenn wir von dort aus atmen, ist Kraft darin. Es gibt da den berühmten Armversuch: Jemand streckt seinen Arm aus und hält ihn mit aller Kraft oben, während jemand anders den Arm nach unten drückt. Vorher macht der Zweite ein paar Armbewegungen vor dem Bauch der Versuchsperson nach unten. Drückt er dann den Arm nach unten, so senkt sich dieser, egal wie stark die Versuchsperson dagegen drückt. Dann lässt man die Versuchsperson ein paar mal in Kapalabhati (Schnellatmung, yogische Atemtechnik) atmen, wedelt mit den Armen vor dem Bauch nach oben  und wiederholt den Versuch. Dieses Mal bleibt der Arm oben. 
Das kommt daher, weil im Bauchbereich das Sonnengeflecht als Prana-Speicher ist und das prana weit nach vorne und oben ausstrahlt. Bringt man mit Armbewegungen das prana nach unten, fehlt die Energie. Macht man umgekehrte Armbewegungen, steigt es wieder nach oben. 

 Prana ist nichts Körperliches, aber es ist etwas, was körperlich sehr relevant ist. Körperliche Gesundheit ist der Normalzustand, wenn die Energie gut fließt. Wenn die Energie nicht fließt, ist auch der Körper nicht gesund. Wir müssen also dafür sorgen, unser prana immer wieder aufzuladen und die Energie in uns auch nicht zu blockieren. 

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