Wie diese Bhagavad Gita Kommentare entstanden sind
(Anmerkung des Yoga Vidya Internet Teams: Dieser Artikel ist ein Auszug aus Sukadevs Buch “Die Yoga-Weisheit der Bhagavad Gita für Menschen von heute, Band 1“)
(Anmerkung des Yoga Vidya Internet Teams: Dieser Artikel ist ein Auszug aus Sukadevs Buch “Die Yoga-Weisheit der Bhagavad Gita für Menschen von heute, Band 1“)
Die Bhagavad Gita gilt als eine der wichtigsten Yogaschriften. Die vier bedeutendsten Yogaschriften sind:
Zum besseren Verständnis der Bhagavad Gita kann es hilfreich sein, den Leser kurz in die sechs klassischen indischen Darshanas (Philosophiesysteme) einzuführen. Ich möchte den Leser jedoch warnen: Dieses Kapitel ist das schwierigste dieses Buches… Weniger philosophisch orientierte Leser sowie solche, die mit indischer Philosophie bisher wenig zu tun hatten, können auch gleich zum nächsten Kapitel springen…
Die Bhagavad Gita ist ein Teil der Mahabharata. Die Mahabharata ist eine der beiden Hauptitihasas (Epen). „Maha“ bedeutet „groß“. Bharata war ein indischer König. Ein König, der ganz Indien vereint hat, der sehr spirituell war und im Alter die Selbstverwirklichung erreicht hat. Es heißt, dass es nichts im Leben gibt, was nicht in der Mahabharata geschrieben steht.
In der Bhagavad Gita selbst beschreibt Vyasa die Geschichte von einem Herrschergeschlecht namens Bharata. Der Ahnherr der Bharatas, Bharata, galt als der erste König, der ganz Indien vereint haben soll. Er galt als ein sehr tugendhafter und großartiger König, der Hingabe an Gott, Tugend und Tapferkeit in sich vereinte. Und weil er so großartig war, wird Indien auch als „Bharata Varsha“ bezeichnet, was übersetzt „das Land Bharatas“, heißt
Duryodhana wollte die Macht an sich reißen und die Pandavas ausschalten. So verübte er mehrere Mordanschläge auf die Pandavas, um sie zu töten. Er versuchte sie zu vergiften, zu ertränken, oder auch sie in einem extra für sie gebauten Palast zu verbrennen. Alle seine geschickt eingefädelten Versuche scheiterten. Die Pandavas, als Inkarnationen des Gutes und des Tapferen, überlebten alle hinterhältigen Mordanschläge Duryodhanas. Irgendwann mischte sich Yudhishtira ein und entschied: „So kann es nicht weitergehen. Lasst uns die Erbfolge vorwegnehmen. Dhritarashtra bleibt der Oberkönig und wir teilen uns das Königreich auf. Duryodhana kriegt die eine Hälfte und ich regiere die andere Hälfte. Duryodhana kann sich aussuchen welche Hälfte er möchte.“
Yudhishtira errichtete eine neue Hauptstadt namens „Indraprastha“, das heutige Delhi. Er war ein sehr fähiger König. Viele Menschen zogen zu ihm hin. Sie machten das Land urbar. Innerhalb kürzester Zeit wurde es ein sehr reiches Königreich. Es war wie eine Abstimmung mit den Füßen[1]. Viele Untertanen von Duryodhana wechselten über in Yudhishtiras Königreich. Auch aus anderen Königreichen kamen Menschen. Die Wirtschaft florierte, und Yudhishtira stellte auch eine große Armee auf.
Duryodhana gefiel natürlich gar nicht, dass Yudhishtira jetzt der machtvollste Herrscher Indiens war. Er wusste aber auch, dass er Yudhishtira nicht offen bekämpfen konnte. Deshalb ersann er eine List. Er lud Yudhishtira zum Würfelspiel ein. Yudhishtira hatte nämlich eine kleine Eigenart, ein Laster[1]. Yudhishtiras Eigenart nun war, dass er eine Spielschwäche hatte. Wenn er einmal anfing um Geld zu spielen, dann konnte er nicht mehr aufhören. Weil er das wusste, gab es in seinem Königreich keine Spiele um Geld. Er selbst war sehr konsequent darin, Spiele überhaupt gar nicht erst anzufangen, weil er wusste, dass das ausarten würde. Demzufolge hatte er schon seit Jahren nicht mehr gespielt und war kein guter Spieler mehr. Es gab aber folgende Regel: Wenn ein König den anderen König einlud, dann musste der andere König kommen. Wenn er nicht erschien oder wenn er eine Einladung ausschlug, dann galt das als Beleidigung, auf die normalerweise die
Duryodhana hingegen hatte nicht vergessen, dass Yudhishtira sein Königreich zurückbekommen hatte. Im Gegenteil, er kochte vor Wut darüber, dass sein Vater, alles was er gerade gewonnen hatte, wieder zurückgegeben hatte. Aber er war schlau und wusste, wie er weiter vorgehen konnte. Er lud Yudhishtira nach einiger Zeit erneut zum Würfelspiel ein. Wieder verlor Yudhishtira eine Sache nach der anderen. Zum Schluss spielten sie aber nicht um das ganze Königreich, weil Duryodhana dachte, dann wird mein Vater ihm alles wieder zurückgeben. Er sagte zu Yudhishtira: „Wer diesmal verliert, muss zwölf Jahre ins Exil gehen. Im 13. Jahr muss er inkognito irgendwo sein. Wenn er erkannt wird in diesen zwölf Jahren, dann muss er noch mal zwölf Jahre ins Exil gehen.“ Yudhishtira willigte ein. Und es kam, wie es kommen musste: Shakuni, der Onkel von Duryodhana, gewann dieses Spiel wieder mit den präparierten Würfeln. So gingen Yudhishtira und seine vier Brüder mit Draupadi für zwölf Jahre ins Exil. Die fünf Pandavas waren sehr spirituelle Menschen. Und was machen spirituelle Menschen, wenn sie arbeitslos werden? Sie meditieren, machen Asanas und Pranayama, gehen in einen Ashram und lernen von Meistern. Genau das machten die fünf Pandavas und Draupadi für die nächsten zwölf Jahre.
Duryodhana war in der Zeit des Exils der Pandavas nicht untätig gewesen. Er hatte ein Terrorregime errichtet, in dem die Menschen unterdrückt wurden. Eine Diktatur, in der die Menschen nicht mehr ihre Meinungen frei äußern durften, wo Duryodhanas Günstlinge in den Hauptpositionen waren.
Dhritarashtra als blinder alter Mann, Großkönig ohne Regierungsbefugnis und Vater von Duryodhana, blieb zurück in der Hauptstadt. Dhritarashtra hatte seine ganzen Söhne, sein ganzes Heer, die Hauptstadt verlassen sehen. Sein Wunsch war es informiert zu bleiben, was mit diesen auf dem Schlachtfeld passieren würde. Da jeder Mann auf dem Schlachtfeld gebraucht wurde, konnte noch nicht einmal ein Bote hin und her gehen und ihm Informationen bringen. Dhritarashtra beklagte sich bei Vyasa darüber. Vyasa bot ihm an, das dritte Auge zu öffnen, was Dhritarashtra aber ablehnte. Damit hätte er zwar aus der Entfernung sehen können, was auf dem Schlachtfeld passierte. Aber Dhritarashtra sagte: „Ich habe Zeit meines Lebens nichts gesehen. Das erste was ich dann sehen würde, wäre wie meine geliebten Kinder sich mit meinen geliebten Neffen
Arjunas Konflikt: Die Bhagavad Gita beginnt mit dem ethischen Dilemma von Arjuna. Er weiß nicht, was seine Aufgabe ist. Auf der einen Seite will er sich dafür einsetzen, ein tyrannisches Regime zu überwinden, welches das ganze Land in Elend gestürzt hat. Er will helfen wieder eine gerechte Ordnung zu schaffen, wo die Menschen ohne Angst und Sorge leben können. Darauf hat er sich vorbereitet. Nun geht es los und er soll auf dem Schlachtfeld für diese Ideale kämpfen. In diesem Moment wird er sich bewusst, auch auf der Gegenseite sind nicht nur Bösewichte; im Gegenteil, es sind alles Menschen wie er, teilweise sogar seine eigenen Verwandten und Lehrer. Eine der ersten Erkenntnisse aus der Bhagavad Gita ist hier, dass im weiteren Sinne alle Menschen unsere Verwandten sind. Wir sind alle eine Familie, und nicht nur unter den Menschen, sondern auch mit unseren Mitgeschöpfen – selbst mit Schimpansen haben wir 98% der Erbguts gemeinsam, mit dem Schmetterling 76% und mit Pilzen immer noch über die Hälfte. Aus der Frage von Arjuna, wie er sich verhalten soll, entwickelt sich das Lehrgespräch der Bhagavad Gita. Sie ist zeitlos, weil es sich nicht wirklich um den realen Kampf zwischen den Kauravas und den Pandavas handelt, sondern unter anderem um unser inneres Schlachtfeld.
Sanjaya, der Dhritarashtra immer ein guter Ratgeber gewesen war, und ihn immer wieder aufgefordert hatte, seine Kinder zur Raison zu bringen, der auch ein Yogi war, der meditierte und dem Narada das dritte Auge geöffnet hatte, so dass es alles in geistiger Vision mitverfolgt hatte, antwortete ihm nun:
Die Namen dieser heldenhaften Krieger werden in der Mahabharata immer wieder erwähnt. Mit den folgenden Worten lobt Duryodhana seine Gegner.
Als Zweimalgeborene werden in Indien die höheren Kasten, also die Brahmanen, die Kshatriyas und die Vaishyas bezeichnet. Es wird mit ihnen ein bestimmtes Einweihungsritual durchgeführt, was so eine Art spirituelle Neugeburt (also Zweitgeburt) darstellt. Jeder, der an diesem Ritual teilnimmt, wird als Zweimalgeborener bezeichnet. In den letzten Jahren gab es in Indien viele Bestrebungen, das Kastenwesen aufzulösen. Dies ist inzwischen in den meisten Teilen Indiens auch geglückt. Die Aufhebung des Kastenwesens ermöglicht es dann nämlich auch den „Kastenlosen“ eine Einweihung zu bekommen.
In diesem Vers wird ein großes Paradox beschrieben, nämlich Tyrannen, die Furcht haben. Die Armee der Kauravas war doppelt so groß wie die Armee der Pandavas. Aber die Pandavas hatten das Recht auf ihrer Seite stehen. Ferner stand Krishna auf ihrer Seite. Duryodhana wusste, dass Krishna nicht nur irgendjemand war, und so bekam er Angst. Das ist sehr charakteristisch. Es gibt keinen Tyrannen, der nicht paranoid war und letztlich auch Gründe dafür gehabt hat, paranoid zu sein. Alexander der Große z.B. hat alles Mögliche unternommen, um zu verhindern, dass er vergiftet werden würde. Er zählte zu den ganz großen Menschenschlächtern. Die Schlachten, die er angeführt hatte, waren die größten Schlachten, die es bis zu dieser Zeit gegeben hat. Hunderttausende von Menschen sind gestorben. Wenn irgendjemand ihm was Böses gesagt hat, dann ließ er diesem Menschen mit dem Schwert den Kopf abschlagen. Es konnte sowohl seinen besten Freund als auch seinen Geliebten treffen. Dieser hatte ihn irgendwann mal beleidigt, worauf hin Alexander der Große ihn umbringen ließ. Im Nachhinein hat er sich dafür Vorwürfe gemacht. Des Weiteren arbeiteten viele Vorkoster für ihn und er unterhielt eine riesige Leibwache. Man weiß nicht, wie oder woran er letztlich gestorben ist. Ob er doch irgendwie vergiftet worden ist - es gibt ja einen Roman darüber, wo das so beschrieben wurde – oder ob er vielleicht an Malaria gestorben ist oder sich zu Tode getrunken hat. Auf jeden Fall ging er als Begründer eines riesigen Reichs in die Geschichte ein. Er war zu keinem Zeitpunkt zufrieden und hatte immer Angst vor irgendwas gehabt.
Duryodhana hat Angst, dass sein Heeresführer dort getötet wird.
Das war dann eigentlich der Beginn der Schlacht. Jetzt sollte es eigentlich beginnen.
Devadatta und Paundra sind Muschelhörner. Es gibt viele Sagen des Altertums, in denen manche Kämpfer ihren Schwertern Namen gaben. In der Mahabharata wurde das ebenso gehandhabt. Hier hatten sowohl die Muschelhörner als auch die Streitwagen Namen.
Dies bedeutet, dass die Kauravas Angst hatten. Obgleich sie mehr Kämpfer waren wussten sie, dass das Recht nicht auf ihrer Seite war.
Mit „Herrn der Erde“ ist in diesem Fall „Drithahastra“ gemeint. Sanjaya erzählt ja Dhritarasta das Geschehen auf dem Schlachtfeld. Herr der Erde ist eine besondere Anrede für Könige. Diese fühlen sich dadurch besonders geehrt.
Arjuna weiß noch nicht genau, gegen wen er kämpfen soll, wer auf der anderen Seite steht. Duryodhana hat das bereits gesehen und es seinem stellvertretenden Heeresführer, dem Drona erzählt. Arjuna möchte es jetzt auch endlich sehen.
Einem anderen Vers der Mahabharata zufolge soll die „Mitte“ ein kleiner Hügel gewesen sein. Von dort konnte man beide Formationen erkennen. Der Sage zufolge sollen es mehrere hunderttausend Menschen gewesen sein. Gelehrte nehmen an, dass diese Zahl ein bisschen übertrieben wäre, wahrscheinlich eine Null zu viel hätte. In jedem Fall war es eine riesige Ansammlung von Menschen und Arjuna bricht aus der Schlachtreihe aus und stellt sich oben auf den Hügel. Dazu gehörte eine Menge Mut. Alle Beteiligten überlegten, was er damit bezwecken wollte.
Krishna stellt den Schlachtwagen auf den Hügel zwischen beiden Armeen und fordert Arjuna auf, es sich gut anzuschauen.
Bislang war Arjuna davon ausgegangen, dass es eine ganz normale Schlacht sein würde. Es war ihm nicht bewusst gewesen, dass es Duryodhana gelungen war, so viele seiner Verwandten und Freunde und selbst seine Lehrer auf seine Seite zu ziehen. Jetzt erkennt er, was es eigentlich ist, nämlich ein Bruderkrieg.
Arjuna sagt in diesen Versen, dass sie eigentlich nur in den Krieg ziehen wollten, um wieder Recht und Ordnung herzustellen. Um Menschen zu helfen, wieder ein freudevolles Leben führen zu können, damit die Armut, die Hungersnöte und die Tyrannei wieder aufhören können.
Arjuna reagiert sehr emotional und versucht gleichzeitig das Ganze noch intellektuell auf dem Hintergrund der Purva Mimamsa Philosophie zu begründen. In der Purva Mimamsa Philosophie haben die Angehörigen verschiedener Kasten verschiedene Pflichten. Es gibt Pflichten für die Shudras, die Bauern. Es gibt Pflichten für Vaishyas, die Kaufleute. Es gibt Pflichten für die Kshatriyas, die Krieger, Pflichten für die Herrscher und Verwaltungsbeamte. Auch die Brahmanen haben bestimmte Pflichten. Ursprünglich galten die Brahmanen als Priesterkaste. Doch schon zu Krishnas Zeiten waren nicht mehr alle Brahmanen gleichzeitig auch Priester. Oft waren es einfache Bauern die, um zu überleben, ein einfaches Leben geführt haben. Die Kshatriyas hatten folgende Aufgaben: das Land gerecht zu regieren, das Reich und die Menschen im Reich zu beschützen, und auch nach Ruhm und Ehre zu streben. Es war ihnen allerdings verboten gegen ihre eigenen Angehörigen und gegen ihre eigenen Lehrer zu kämpfen. Arjunas Herz blutete, weil er wusste, dass das nicht richtig war. Durch solche Taten entstehen Papas. Papas sind Sünden. Verwandte zu töten sind Papas.
Gemäß der Purva Mimamsa Philosophie hat man die Aufgabe, sich um die eigene Familie zu kümmern. Und jeder hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Familie sich fortsetzt, dass die Sippe sich fortsetzt. Es gibt die Großkasten, die so genannten „Varnas“, und es gibt die Kleinkasten, die so genannten „Jatis“. Beide gelten als Sippen mit eigenen Gesetzen, eigener Ethik und eigenen religiösen Riten.
Durch die religiösen Traditionen jeder Sippen wurden im Besonderen auch die Frauen beschützt, die ansonsten Vergewaltigungen, Entführungen usw. zum Opfer gefallen wären. Als eine der größten Papa (Sünden) galt es dort, eine Frau zu vergewaltigen. Wenn jemand nicht mehr daran glaubte, dann wurden auch die Frauen nicht mehr beschützt.
Wenn man, als Angehöriger einer Jati, die religiösen Riten nicht mehr durchführt, und zusätzlich noch die Ahnen nicht mehr ehrt oder Opferzeremonien durchführt, landet man laut Purva Mimamsa Philosophie nicht nur selbst in der Hölle, sondern alle eigenen Verwandten ebenfalls. Die Verehrung der Ahnen galt als ein besonders hohes Gut.
Dieses erste Kapitel endet mit einem bestimmten Vers, der sehr wahrscheinlich ursprünglich nicht aus der Mahabharata stammt, sondern von späteren Übersetzern eingefügt worden ist. Dieser Vers ist die Beschreibung der Bhagavad Gita. Es könnte sein, dass dieser Zusatz zum Schluss von Shankara geschrieben worden ist und er jedem Kapitel einen Titel gegeben hat.
Die Grundlage von allem ist eine schwierige ethische Frage, die Arjuna hat. Er weiß nicht, was er tun soll, was seine Pflicht ist – entweder kämpfen oder sich zurück ziehen. Diese Frage kann man im wörtlichen Sinne verstehen und sich fragen: Gibt es so etwas wie einen gerechten Krieg? Oder man kann sie im übertragenen Sinne behandeln. Ich glaube, da es heißt, dass die Bhagavad Gita für jeden Einzelnen gedacht ist, sollte man es mehr auf den Einzelnen beziehen.
„Sri bhagavan uvaca“ bedeutet immer „sprach“. In der Bhagavad Gita kann man immer wieder den Begriff „Bhagavan“, was übersetzt „Gott“ heißt, finden. Insbesondere die Manifestation von Vishnu wurde als Bhagavan bezeichnet. In dieser Ausgabe wird es immer übersetzt mit den Worten: „Krishna sprach“. Man könnte auch sagen „Gott sprach“ oder „der gepriesene Herr sprach“:
Der Kampf auf dem Schlachtfeld steht symbolisch für viele Situationen. Glücklicherweise ist niemand von uns in der Situation, dass er über einen Krieg zu entscheiden hätte. Und ich hoffe, dass wir über so etwas niemals entscheiden müssen. Der deutsche Bundestag musste irgendwann mal entscheiden, ob er Truppen in den Kosovo oder nach Afghanistan entsenden wollte. Dies war keine leichte Entscheidung. Menschen, die zum Teil Jahre und Jahrzehnte für bedingungslosen Pazifismus gekämpft haben, dafür demonstriert haben, haben entschieden, Heere und Truppen dorthin zu entsenden. Es war eine äußerst schwierige Situation und es ist schwierig zu beantworten, was wirklich richtig oder falsch wäre. Dies ist ein Beispiel, derer es viele gibt.
Mit „Bharata“ ist hier „Dhritarashtra“ gemeint. Normalerweise werden alle NachfolgerBharatas,Bharatagenannt.
Das klingt jetzt zuerst einmal etwas brutal. Mitgefühl ist eigentlich auch ein wichtiger Aspekt, Sorge aber nicht. Warum sorgen sich die Weisen nicht um die Lebenden oder um die Toten?
Die Seele ist unsterblich. Ob wir jetzt leben oder nicht ist unerheblich. Vor der Geburt waren wir, nach dem Tod werden wir sein. Jetzt leben wir eine Weile, die Ewigkeit ist sehr lange, und dieses Leben ist kurz. Vielleicht leben wir 20 Jahre, 80 Jahre oder gar 100 Jahre. Vielleicht werden wir es noch erleben, dass der Durchschnitt von uns 100 oder 120 Jahre alt werden könnte. Aber es ist nichts im Vergleich zur Ewigkeit. Wir werden auch in Wahrheit niemals aufhören zu sein.
Wir haben schon viele Jahre mit unserem Körper gelebt und sind mit ihm alt geworden. Wenn wir ein altes Foto von uns anschauen sagen wir oft: „Das bin ich.“ Was heißt das eigentlich: „Das bin ich?“ Bin ich dieses Stück Papier? Nein. Bin ich derjenige mit diesen kurzen Haaren. Nein, die Haare sind ergraut und sehen anders aus. Bin ich derjenige, der so gut sehen kann?
Die Kontakte der Sinne haben ein Anfang und ein Ende. Das ist eine banale Weisheit, aber eine Weisheit, die wir immer wieder vergessen. Wenn es uns schlecht geht haben wir manchmal die Befürchtung, dass es uns nie mehr besser gehen wird. Und wenn es uns gut geht, dann denken wir, das muss immer so bleiben. Aber wenn es uns gut geht, geht dieser Zustand irgendwann wieder vorbei. Wenn es uns schlecht geht, dann geht dieser Zustand ebenfalls wieder vorbei. Gestern schien die Sonne. Heißt das, dass ab sofort immer die Sonne scheint? Heute war der Himmel den ganzen Tag grau. Wird der Himmel jetzt immer den ganzen Tag grau sein? Heute loben einen die Menschen, werden sie einen immer loben? Heute tadeln einen die Menschen, werden sie einen immer tadeln? Ein anderes Mal seid ihr in einen Raum gekommen indem es kalt war. Ist er deswegen immer kalt? Irgendwann seid ihr in einen Raum gekommen, der sehr warm war. Habt ihr jetzt immer warme Räume?
Wir sind schon unsterblich. Wir brauchen nichts zu machen, um unsterblich zu werden. Nur haben wir das vergessen. Wir identifizieren uns mit dem Vergänglichen, mit dem Sterblichen.
Wir sind schon unsterblich. Wir brauchen nichts zu machen, um unsterblich zu werden. Nur haben wir das vergessen. Wir identifizieren uns mit dem Vergänglichen, mit dem Sterblichen.
Wir alle wissen, dass unsere Körper sterben. Krishna fordert Arjuna dazu auf zu kämpfen. Dies kann vielfältig interpretiert werden. Zum einen könnte man sagen, unsere Körper sterben sowieso, deshalb kann man auch kämpfen. Zum anderen könnte man Krishnas Worte auch übersetzten mit: wir sollten uns in diesem Leben bemühen.
Zuerst argumentiert Krishna vom Jnana Yoga Standpunkt, von der Vedanta Philosophie aus. Doch nun beginnt er seinen Argumentationsstandpunkt zu verändern. Er bemerkt, dass Arjuna mit den Gedanken abdriftet, wie dessen Gesichtsausdruck langsam ausdruckslos wird. Es ist eine Erfahrung, die alle großen Yogameister machen, wenn sie einen längeren Vortrag über Vedanta halten. Die Zuhörer driften ihnen ab.
Krishna argumentiert zuerst vom Sankhya und Vedanta Standpunkt aus, dass dieses Unsterbliche durch nichts berührt wird. Das impliziert, dass noch nicht mal die Seele verkörpert wird. Die Seele existiert einfach. Demgegenüber steht, dass es einen relativeren Teil der Seele, nämlich Atman oder Jiva gibt. Und dieser Jiva wird geboren und stirbt.
Hier liefert Krishna uns einen guten Grund, warum es nicht so gut ist, sich umzubringen. Mit einem Selbstmord ist das Weltall nicht wirklich vorbei, sondern man wird wiedergeboren. Unser physischer Tod bedeutet nicht automatisch eine Verwirklichung unseres Selbst. Es ist so ähnlich, wie wenn wir uns mal abends um 18.00 Uhr ins Bett legen oder abends um 22.00 oder um 24.00 Uhr. Ganz so erheblich ist es nicht. Es führt zwar am nächsten Tag zu mehr oder weniger Müdigkeit und vielleicht führt es dazu, dass wir nicht einschlafen und lange wach bleiben. Aber so ähnlich ist der Tod, nur mit dem Unterschied, dass im Moment der Geburt Gedächtnisschwund herrscht. Währenddessen, wenn wir morgens aufwachen, können wir uns typischerweise doch nach einer Weile erinnern, was gestern war.
Gebrauchen wir einmal das Beispiel der Sonne. Nehmen wir an, es wäre ein sonniger Tag, dann wäre um 5.00 Uhr die Sonne unsichtbar. Um 7.30 Uhr im Winter geht sie auf, und abends um 18.00 Uhr wahrscheinlich schon um 17.00 Uhr, geht sie wieder unter. Später am Tag ist sie wieder unsichtbar. Wir brauchen jetzt nicht um die Sonne zu trauern, weil wir wissen, dass sie später am Tag wieder scheint. Es ist wichtig diese Sache zu verstehen.
In diesem Vers heißt es, dass wir versuchen können, das Selbst zu verstehen. Aber wir sollten begreifen, dass es ist nicht wirklich verstehbar ist. Wie ich vorher schon beschrieben habe, geht die moderne Physik nicht mehr davon aus, dass wir das Weltall intellektuell schlüssig erklären können. Viele Wissenschaftler behaupten, Naturwissenschaft sei ein Weg zu Gott. Je mehr wir dort forschen, desto mehr stehen wir vor diesem grandiosen, phantastischen Leben und sehen, was für eine Intelligenz inwendig ist. Wir sollten uns aber niemals einbilden, dass wir die Intelligenz 100 % verstehen können. So ähnlich ist es auch mit der Philosophie des Vedanta. Wir können sie sehr schlüssig in Begriffe fassen. Und es gibt ja auch Indologiestudien an einigen Universitäten in Deutschland, wo versucht wird, diese Philosophie sehr logisch zu erfahren. Aber wenn wir dabei das Gefühl dafür verlieren, dass es wie ein Wunder ist, dann haben wir die Logik nicht ganz erfasst. Dann schaffen wir das Verständnis nur mittels Begriffen, wie schon Buddha mit den Worten: „Beschränke nicht das Unbeschränkte mit Begriffen.“, festgestellt hat. Anfangs hat Buddha völlig darauf verzichtet eine größere Philosophie zu entwickeln. Er hat zwar eine Psychologie entwickelt, eine Theorie des Geistes, die ähnlich der von Patanjali ist und Menschen sich fragen, wer diese Theorie von wem übernommen hat, aber über Philosophie hat er wenig gesprochen. Erst seine Nachkommen, wie z.B. Nagachula, haben dann auch große philosophische Systeme entwickelt.
Diese Aussage hört sich für einen westlichen Menschen unvorstellbar schrecklich an. Wir sollten aber verstehen, dass Krishna hier aus der Purva Mimamsa Philosophie heraus argumentiert, die Arjuna vertraut ist. Krishna argumentiert aus Sicht dieser Philosophie heraus, weil er Arjuna erreichen möchte. Viele große Meister handeln so. Sie vermitteln ihre Lehren so an ihre Schüler, dass diese sie in ihrem jeweiligen Weltanschauungskonzept verstehen. Deshalb sprechen auch viele Yogis, die in den Westen kommen, über den wissenschaftlichen Kontext. Was ich ja auch gemacht habe. Damit das Ganze etwas verständlicher wird, habe ich ein paar Beispiele aus der Physik gebraucht.
Swami Sivananda schreibt, dass Krishna weltliche Gründe angibt, warum er kämpfen muss. Weltlich bedeutet zu Zeiten Krishnas etwas anderes, als es heute bedeutet. Zu Krishnas Zeiten hieß weltlich zu sein, Vergnügen zu haben und Verdienste anzusammeln. Heute bedeutet „weltlich“ eher materielle Güter anzusammeln. Für uns heute klingt dieser Vers sicher befremdlich. Aus gutem Grund würde hoffentlich kaum jemand denken, dass irgendein Krieg irgendetwas „Hohes“ darstellen würde, wie „gerecht“ er auch sein möge. Jeder Krieg, auch ein „gerechter“ Krieg ist letztlich das Eingeständnis einer Niederlage, nämlich dass man den Konflikt nicht mit friedlichen Mitteln lösen konnte. Krishna allerdings bezieht sich hier auf das Weltbild, die Ethik seiner Zeit.
Es ist die Pflicht eines Kshatriyas sich um seine Ehre zu bemühen.
Das hört sich paradox an. Zuerst erzählt Krishna Arjuna, er sollte gleichmütig in Sukha (Vergnügen) und Dukha (Schmerz), in Ruhm und Schande sein. Dann verdeutlicht Krishna Arjuna die Auswirkungen seines Handelns. Krishnas Ziel ist es, Arjunas Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Krishna lehrt Arjuna, dass er gleichmütig in Erfolg und Misserfolg sein soll. Es ist eine der essentiellen Lehren Krishnas, für die Krishna immer wieder neue Begründungen sucht. Arjuna soll gleichmütig in Erfolg oder Misserfolg sein, gleichmütig er ob Lohn erntet oder nicht. Und aus dem Purva Mimamsa System heraus begründet Krishna das mit den Worten aus den nächsten Versen.
Auch wir in der heutigen Zeit kommen immer wieder in ethische Dilemmas. Manchmal wissen wir, was ethisch richtig ist, aber wissen nicht, ob wir damit Erfolg haben werden oder nicht. Wir wissen nur, wir sollten so oder so handeln. Wir wissen, wir sollten es einfach tun, weil wir merken, dass es richtig ist. Es ist egal, ob wir nachher das richtige Ergebnis erzielen oder nicht. Ich erinnere mich an eine Teilnehmerin einer 2-jährigen Yogalehrerausbildung. Sie hat irgendwann mal gefühlt, dass sie die Krankenkassen finanzierte Krankengymnastik, die sie angeboten hat, nicht mehr machen will. Stattdessen wollte sie einen Naturkostladen eröffnen, was sie dann auch gemacht hat. Sie hat in einer Großstadt einen Naturkostladen eröffnet, viel investiert, sowohl Geld und Ersparnisse, als auch Zeit und Herz. Wenn man etwas Neues aufmacht, dann reicht ein sieben bis acht Stunden Arbeitstag nicht aus – und war zwei bis drei Jahre glücklich. Der Naturkostladen lief gut, bis eines Tages einer dieser großen Naturkostsupermärkte nebenan aufgemacht hat. Diese sind natürlich etwas billiger und haben ein größeres Angebot. Der Vorteil ist, es werden mehr Menschen dazu gebracht, Naturkost zu verzehren. Der Nachteil ist, sie sind der Tod der kleinen Naturkostläden, wo Menschen mit viel Idealismus arbeiten. Und so musste auch die Teilnehmerin der 2-Jahresausbildung ihren Laden wieder schließen, wodurch sie einiges an Geld verloren hat.
Sankhya ist in der Bhagavad Gita der Name für Jnana Yoga (Yoga des Wissens) verbunden mit Entsagung.
Krishna lobt Yoga und bezeichnet Arjuna als „Freude der Kurus“.
In diesen Versen spricht sich Krishna eigenartigerweise gegen die Lehren der Veden aus. Er bezieht sich dabei auf den Karma Kanda der Veden, also dem Teil der Veden, der über Punyas und Papas spricht. Der Teil, wo man lernt, bestimmte Dinge zu tun, um Wünsche zu befriedigen, und in den Himmel zu kommen. Natürlich wird das nicht in allen Veden beschrieben, auch nicht in den ersten drei Teilen der Veden. Es gibt Schöpfungsmythen und Weisheitslehren und vieles mehr. Aber es gibt eben auch einiges, was dort steht, was wir tun können, um unsere Wünsche zu befriedigen. Dem zu folgen, ist, laut Krishna, unweise. Falsche Motive in blumige Worte zu kleiden bringt nichts. Wenn wir nach falschen Motiven handeln, dann richtet sich unser Geist nicht beständig auf Meditation und Samadhi aus. Wir werden stattdessen von unseren Wünschen getrieben und bekommen immer mehr Wünsche.
Krishna gibt uns jetzt viele Tipps, wie wir auf dem spirituellen Weg voranschreiten können.
Das Wort „Brahmane“ kann man auch übersetzen mit „Brahmankenner mit Selbsterkenntnis“.
Krishna rät Arjuna, nicht an den Früchten der Handlung zu haften, und die Handlung nicht auszuführen, mit der Intention, Früchte zu bekommen, belohnt zu werden. Die Mehrheit der Menschen handeln, um etwas zu erreichen. Man arbeitet, um Geld zu verdienen. Man isst, um den Körper zu erhalten usw. Kann man überhaupt handeln, ohne etwas erreichen zu wollen? Ja, man kann handeln ohne etwas erreichen zu wollen. Immer wenn wir handeln, weil etwas getan werden muss, weil es unser Karma ist zu handeln, weil es unsere Svarupa ist etwas zu tun oder, weil wir uns dazu berufen fühlen.
Bindungen kann man auch mit Verhaftungen übersetzen. Der 48. Vers ist einer der berühmtesten Verse der Bhagavad Gita. „Samatva“, wie es im Sanskrittext heißt, bedeutet „Ausgeglichenheit im Geist“.
Im Sanskrittext wird das Wort „Karma“ verwendet. „Karma“ ist ein sehr vielschichtiger Begriff. Das Verständnis der Vielschichtigkeit dieses Begriffs, ist der Schlüssel zum Verständnis der Bhagavad Gita. Karma hat die folgenden Bedeutungen:
Wenn etwas schief gegangen ist, forschen wir vielleicht nach der Ursache. Wenn es möglich ist, die Urschache zu beseitigen, dann beseitigen wir sie. Es kann aber auch sein, das wir feststellen: es gibt eine bestimmte Ursache, die man nicht abstellen kann.
Wenn wir so handeln, dann befreien wir uns von den Fesseln der Geburt und wir erreichen die Selbstverwirklichung.
Krishna hat zuvor über denjenigen gesprochen, der in dem Zustand der Selbstverwirklichung weilt bzw. hat er Arjuna erklärt, wie er zur Selbstverwirklichung gelangen kann. Es ist wichtig darauf zu achten, wie wir handeln, nach welchen Kriterien wir unsere Entscheidungen treffen, nämlich: ohne Verhaftung oder ohne an den Früchten zu hängen und gleichmütig in Erfolg und Misserfolg zu sein, gelten als die wichtigsten Grundlagen bei der Ausführung von Handlungen. Krishna spricht jetzt davon, dass, wenn Ajruna das beachtet, er die Selbstverwirklichung erreichen wird.
Hier wird also der „Sthitaprajna“ beschrieben. Prajna bedeutet „Weisheit, Wissen“. Sthita bedeutet „beständig“. Es ist ein zufriedener, wonnevoller Zustand.
In Situationen, wo einem ein Unglück geschieht, kann man am besten erkennen, ob jemand weise ist oder nicht. Wir können sehen, wie jemand in so einer Situation reagiert. Wird er durch sie erschüttert oder nicht. Reagiert er voller Angst oder eher ärgerlich. Manchmal gibt es Meister, die, um ihre Schüler zu lehren, auch mal ein bisschen Ärger zeigen. Wenn wir etwas lernen wollen ist es gut, wenn in den Worten des Meisters eine große Kraft liegt. Angenommen der Meister wäre wie eine wandelnde Statue oder wie ein Computer, der ganz monoton sprechen und sagen würde: „Du hast dich heute nicht richtig verhalten. Ich erwarte von dir, dass du das änderst.“ So etwas hilft uns nicht zu lernen. Manchmal wird bei den Meistern der Geist zum Spiegel des Schülers. Man erkennt aber trotzdem wenn er ärgerlich wird, dass es sich nicht um einen tiefen Ärger handelt, sondern nur etwas ist, wie eine Art Lehrenergie, die durch den Meister fließt. Swami Vishnu z.B. war ein Meister, der auch sehr gut schimpfen konnte. Allerdings hat er auch nie von sich behauptet, dass er selbstverwirklicht wäre. Er meinte Ärger sei eine Schwäche von ihm, die er noch überwinden müsste. Ich selbst habe Swami Vishnu mal während einer Mitarbeiterbesprechung erlebt, wo jemand etwas zum wiederholten Male nicht getan hat, was er hätte tun sollen. Swami Vishnu wurde sehr ärgerlich und sagte: „Warum hast du das nicht gemacht? Wie oft habe ich dir gesagt, dass du das tun sollst? Das mir das nie mehr vorkommt bei dir.“ Wenn ein Meister, der sehr viel Energie hat, mal ärgerlich wird, dann wird das Tamas im Astralkörper des Gegenübers durcheinander gerüttelt und nicht nur bei dem Angesprochenen, sondern bei allen anderen Menschen im Raum ebenfalls. Es war noch nicht einmal notwendig, dass Swami Vishnu die Stimme erheben musste, um diese Wirkung zu erzielen. In der gleichen Versammlung sprach er direkt danach zu einer Frau, die erst ein paar Wochen im Ashram und sehr schüchtern war, und fragte sie: „Wie geht es dir? Hat alles geklappt mit deiner Aufgabe? Ist alles in Ordnung?“ Swami Vishnu änderte seine Stimmung von einem Moment auf den nächsten. Er musste nicht vorher den Raum verlassen und sich abzukühlen, bevor er mit dem nächsten Menschen sprechen konnte. Swami Vishnu war nicht wirklich ärgerlich, sondern es floss einfach eine Lehrenergie durch ihn hindurch.
Wir sollen Gutem und Schlechten verhaftungslos begegnen. Dieses Universum ist gekennzeichnet von Dualität. Alle Menschen haben gute und schlechte Eigenschaften. Wir bemühen uns zwar immer wieder das Gute zu tun, das Gute in anderen Menschen zu stärken, aber manchmal müssen wir auch dem Schlechten Widerstand leisten und trotzdem verhaftungslos sein.
Krishna fordert uns auf, die Fähigkeit zu entwickeln, jederzeit unsere Sinne zurückziehen zu können. Er verwendet das Beispiel der Schildkröte. Wenn eine Schildkröte in Gefahr ist, dann zieht sie einfach alle vier Beine und ihren Kopf ein und ist geschützt, so dass niemand ihr etwas tun kann.
Hier beschreibt Krishna eine Weise, wie wir zum Höchsten kommen können. Als erstes sollten wir uns den Dingen enthalten, von denen wir wissen, dass sie nicht so gut sind. Shankara, ein großer Yogameister, hat einmal die Shatsampat beschrieben, die so genannten „sechs edlen Tugenden“.
Selbst einem Weisen, wenn er noch nicht selbstverwirklicht ist, passiert es immer wieder, dass er die Kontrolle verliert. Diese Beobachtung kann uns trösten. Selbst wenn wir schon weise sind, kann es immer wieder Objekte geben, die unsere Sinne unkontrolliert werden lassen.
Krishna erzählt Arjuna, wie ein selbstverwirklichter Mensch sein sollte. Krishna identifiziert sich mit Gott. Wir sollen unsere Sinne zügeln, uns ruhig hinsetzen und uns dann in die göttliche Wirklichkeit versenken. Dies gilt auch als eine Meditationstechnik, die wir üben können. Wenn wir ein Mantra wiederholen, dann sind wir uns der göttlichen Gegenwart bewusst. Wenn wir unsere Sinne beherrschen, kann unsere Erkenntnis beständig wachsen und stetig sein. Wenn wir von unseren Sinnen immer wieder hin und her gerissen werden, verlieren wir das Wissen, da unser Buddhi in den Dienst der Sinne gebracht wird anstatt umgekehrt, die Sinne in den Dienst des Buddhi. Die meisten Menschen benutzen ihre Vernunft, um ihre Sinne zu befriedigen. Andere Menschen haben plötzlich den Wunsch nach einer Mango. Was könnten sie tun? Sie könnten sich überlegen, wo sie jetzt eine Mango herbekommen. Sie könnten eine andere Person fragen, wo es im Ort ein Lebensmittelgeschäft gibt. Sie könnten im Internet suchen, ob sie vielleicht die Telefonnummer von einem Geschäft herausbekommen und dann dort anrufen und fragen, ob sie Mangos haben. Falls ja überlegen sie sich weiter, wie sie dahin gelangen können. Sie benutzen ihren Intellekt um in den Genuss einer Mango zu gelangen. Wenn wir wirklich etwas wollen, dann nutzen wir unseren Intellekt, um genau das zu bekommen.
Krishna lehrt uns, wie wir schrittweise der Maya verfallen und in Dukha, dem Leiden, gefangen sind. Zuerst haben wir einen kleinen Gedanken, wie z.B. den Gedanken an eine Mango. Dann entwickeln wir Verhaftung und denken: „Wäre doch toll, wenn ich jetzt eine Mango hätte.“ Das zieht den tiefen Wunsch nach, dass man jetzt unbedingt eine Mango braucht. Dann setzt man sich ins Auto und fährt zum Supermarkt. Vorher hat man noch in dem Supermarkt angerufen und sie haben einem beteuert, dass sie reife Mangos haben. Als man aber im Supermarkt ankommt, liegen nur steinharte grüne Mangos im Regal. Wir werden ärgerlich, zornig. Wenn wir ärgerlich, zornig sind, dann sind wir getäuscht. Wir haben vergessen, dass es eigentlich nur ein kleiner Wunsch war und die Mango eigentlich gar nicht so wichtig ist. Wir haben vergessen, dass wir eigentlich mal gesagt haben, wir wollten die Selbstverwirklichung erreichen und, um sie zu erreichen, wollten wir eigentlich liebevoll Ahimsa üben. Aber anstatt Ahimsa zu üben, haben wir unsere Unterscheidungskraft verloren und beschimpfen jemand gänzlich Unschuldigen. Was kann die Verkäuferin dafür, dass ihre Vorgängerin etwas gesagt hat, was gar nicht wahr ist oder wenn gerade vorher ein Kunde im Geschäft war, der die einzigen fünf reifen Mangos aufgekauft hat.
Im Sanskrittext stehen „raga“ und „dvesha“. Raga heißt übersetzt „Anziehung“, Dvesha heißt übersetzt „Ablehnung“.
Wenn ihr das so hört, klingt es zunächst ganz vernünftig. Wenn ihr aber am Montag wieder nach Hause geht, dann könnt ihr überprüfen, ob es wirklich so ist. Es ist heutzutage nicht so einfach diese Weltanschauung zu haben, da sie allen Weltanschauungen entgegenläuft, wie die Philosophie des Alltags auszusehen hat. Wer allerdings eine Weile nach dieser Philosophie lebt, lebt ein friedvolles, glückliches Leben. Es macht einen eben nicht glücklich, seine Wünsche zu befriedigen. Es macht uns nicht glücklich, einfach das zu tun, was uns in den Sinn kommt. Es macht uns auch nicht glücklich für unser Recht zu kämpfen. Es macht uns glücklich, wenn wir Dinge akzeptieren. Wenn wir erkennen, was unsere Aufgabe ist und uns für diese einzusetzen. Wir setzen uns für unsere Aufgabe ein, nicht in dem Gefühl, mein Einsatz ist nur dann etwas wert, wenn hinterher etwas dabei herauskommt. Wir tun, was getan werden muss und was hinterher dabei herauskommt, liegt nicht an uns. Ob uns Menschen dafür mögen oder nicht mögen ist eine andere Sache. Wir handeln mit Geschick und unter Beachtung von Ahimsa. Es gibt auch Menschen, die sagen: „Ich mache alles für das Wohl der Menschheit, ob die anderen wollen oder nicht.“ Dafür wird dann erst einmal ein Viertel der Bevölkerung getötet und dann schauen wir, wie es weitergeht. Es gibt immer ethische übergeordnete Prinzipien, die bei jeder Handlung zu beachten sind. Dazu zählt u.a. Ahimsa, was manchmal auch als „Prinzip des geringsten Mittels“ dargestellt wird.
Diese beiden Verse können auf verschiedenste Art und Weise interpretiert werden. Vor der Erfindung des elektrischen Lichts galt der Tag als ewas besonders Schönes, die Nacht hingegen galt als weniger schön. Am Tag kann man besonders aktiv sein. Man kann sich bemühen, reich zu werden, Geld anzuhäufen, Ruhm zu bekommen. Das ist für den weltlichen Menschen Tag. Für den Yogi ist das Nacht. Da kommt das, was kommen soll und wofür wir uns nicht besonders bemühen sollen. Man macht das, was zu tun ist. Es ist auch nicht yogisch von der Gemeinschaft zu leben und Sozialhilfe zu kassieren oder Arbeitslosengeld, wenn man arbeiten könnte. Wenn keine andere Möglichkeit da ist, dann muss man auch seinen Stolz überwinden und von der Sozialhilfe leben. Aber wenn man arbeiten könnte, dann gehört es auch dazu, dass man sich bemüht Arbeit zu finden und seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Man sollte nicht auf Kosten von anderen leben. Wir bemühen uns darum und gehen gleichzeitig davon aus, dass wir all das bekommen, was für uns kommen soll. Es ist nicht einfach der Tag, um jetzt reich zu werden usw.
Hier wird ein ähnliches Prinzip beschrieben, wie die Buddhisten es aus der Vipassana Meditation kennen. Angenommen man hat einen Wunsch: Was macht man im Vipassana Buddhismus? Man nimmt ihn zur Kenntnis, atmet ein und atmet aus, stellt fest, dass da ein Wunsch ist nach dem man nicht handeln muss. Dann kommt der zweite Wunsch. Man beobachtet ihn wieder, ohne ihn zu erfüllen und denkt nur: Der Wunsch erweitert mein geistiges Potential. Und so kommt ein Wunsch nach dem nächsten.
Dieser Vers beinhaltet einen wichtigen Gedanken. Wenn wir sagen, das ist „Mein“, mein Yogacenter, meine Yogaschüler, mein Kooperationscenter und mein Gebiet, dann müssen wir in irgendeiner Weise damit umgehen lernen. Wir haben Verpflichtung für etwas. Ich z.B. bin der Leiter von Yoga Vidya, was bestimmte Verpflichtungen beinhaltet. Doch es ist nicht „mein“ Yoga Vidya. Es kann sein, dass wir Pleite gehen. Es kann sein, dass eines Tages ein großartiger Meister kommt und er die Leitung des Hauses übernimmt. Vieles ist möglich. Wir identifizieren uns mit etwas. Und diese Identifikation und das Sagen: „Das ist meins“ schafft uns Probleme. Verschiedenste Beispiele, die ich öfters gebrauche, verdeutlichen das. Nehmen wir einmal an, ich identifiziere mich besonders mit dieser Uhr, die ich am Handgelenk trage. Ich sage: „Das ist meine Uhr.“ Während der Meditation lege ich die Uhr ab und vergesse manchmal hinterher sie wieder an mich zu nehmen oder es tritt jemand auf sie. Angenommen ich sage: „Das ist meine Uhr“ und es tritt jemand auf sie, dann bin ich sehr ärgerlich. Wenn ich aber nicht denke, dass das meine Uhr ist, und jemand tritt auf sie, dann ist es zwar immer noch ein finanzieller Verlust und ich muss mir eine andere Uhr anschaffen, aber ich bin nicht so ärgerlich. Bei manchen ist es aber mehr als nur ein finanzieller Verlust. Sie sagen: „Das ist meine Uhr. So eine Uhr finde ich nie wieder. Sie ist ein Erbstück. Was wird der Schenker von mir denken.“
Im Sanskrittext steht brahma-nirvanam. Man erreicht den Zustand von Nirvana, der Zustand der Einheit, der gleich Brahman ist.
Yogasastre = der Schrift von Yoga.
Sri krsnarjunasamvade = der Dialog von Krishna und Arjuna
Sankhyayogo = der genannt wird: Sankhya Yoga.
Arjuna sagt, dass das Wissen und die Wunschlosigkeit das Wichtigste sind und er fragt Krishna, warum er sich an einer solchen Handlung beteiligen soll.
Die Sankhyas folgen dem Jnana Yoga Weg. Die Yogis folgen dem Karma Yoga Weg. Nicht immer ist die Sache philosophisch ausreichend logisch stringent. Man kann sagen, dass es zwei Wege gibt: zum einen den Weg der Entsagung, welchen die Sankhyas beschreiten, sich zurückziehen vom Leben, wenig involviert sein und zum zweiten den Weg des Karma Yogis, dem Weg des Involviert seins.
Das Nichtausführen von Handlungen führt nicht zu Naiskarmya. In der deutschen Übersetzung dieses Verses wird das Wort Handlungslosigkeit gebraucht. Eine bessere Übersetzung wäre meines Erachtens „Freiheit von Karma“. Wir erreichen also nicht dadurch Freiheit von Karma, indem wir nicht handeln. Einfach nur durch Entsagung kommen wir ebenfalls nicht zur Vollkommenheit. Nehmen wir mal ein Beispiel, wo das Nichtausführen von Handlungen zu Karma führt. Angenommen wir gehen die Straße entlang und finden jemanden, der in seinem Blut liegt. Wenn wir einfach an ihm vorbeigehen und nichts tun, dann schaffen wir uns Karma.
Als Menschen handeln wir ununterbrochen. Zum einen müssen wir essen. Zum anderen müssen wir auf die Toilette. In unseren Breiten brauchen wir Kleidung. Wir können nicht nachts auf der Straße leben. Zumindest bräuchten wir dafür einen Pappkarton und eine Decke darunter und darüber. Dafür müssen wir etwas tun. Die Natur treibt uns dazu. Aber die Natur treibt uns noch zu mehr an. Das entstammt dann aus unserer Prakriti. Wir wollen irgendetwas tun.
Diese Worte dürfen wir nicht wörtlich nehmen. Sonst müssten wir sagen, dass jeder, der meditiert, ein Heuchler ist, weil er ab und zu mal an Sinnesobjekte denkt. Wenn wir aber sehr viel meditieren und eigentlich nicht wirklich meditieren, sondern an alles mögliche denken, dann ist es besser, die Zeit der Meditation zu verkürzen und mehr selbstlosen Dienst zu machen. Und selbst wenn wir merken, dass wir durchaus stundenlang meditieren könnten, kann es immer noch sein, dass es mein Karma ist, das hervortritt. Swami Vishnu war jemand, der gerne viele Stunden meditiert hatte und in seinen späteren Lebensjahren hat er sich auch immer für ein paar Wochen oder Monate zurückgezogen. Allerdings hat er immer gemerkt, dass er dort nicht bleiben kann, sondern dass er wieder sein Karma erfüllen muss. Er hat uns auch erzählt, dass er in seinem vorherigen Leben vor seinen Pflichten davongelaufen wäre. Deshalb muss er in diesem Leben wieder zurückkommen und muss umso mehr und intensiver arbeiten und uns alles, was er uns in einem früheren Leben vorenthalten hätte, in diesem Leben geben. Erst wenn das alles abgearbeitet wäre, dann könnte er sich ganz zurückziehen.
Es gibt einen Unterschied zwischen Karma und Karma Yoga. Karma sind Handlungen. Es ist auch das Gesetz von Ursache und Wirkung. Karma kann aber auch ein Ritual sein, das wir ausführen, um etwas Bestimmtes zu erreichen. Wir können aber auch Handlungen tun, um etwas Gutes zu bekommen. All das, ist verschieden vom Karma Yoga.
Im Sanskritvers steht das Wort Yajna. Yajna bedeutet übersetzt „Feuerzeremonie“. Es ist ein kleines Feuerritual. Ein Feuer, in das Opfergaben gegeben werden, wird entzündet. Meistens wird Ghee (geklärte Butter) hinein gegeben. Manchmal aber auch Reis oder Sesamkörner oder andere Dinge. Das Opfern steht symbolisch dafür, dass wir Gott etwas darbringen. Zur Zeit von Krishna und Arjuna waren diese Homas/Yajnas sehr weit verbreitetet. Arjuna selbst führte Homas und Pujas sehr enthusiastisch aus.
In der Mythologie gibt es die so genannte Kamadhenu, die dem Vashistha gehörte. Sie war eine wunscherfüllende Kuh. Kama heißt „Wunsch“ und dhenu heißt, „sie gibt“. Wenn Vashistha irgendetwas brauchte, dann sagte er das seiner Kuh gesagt und sie hat es ihm gegeben. Eines Tages kam der König Vishwamitra mit einem riesigen Gefolge in die Einsiedelei des Vashistha. Vashistha lud ihn zu einer Mahlzeit ein. Vishwamitra antwortete ihm: „Ich habe ein paar hundert Menschen hier in meinem Gefolge. Wie willst du die alle verpflegen? Lass mich weiterziehen.“ Vashistha lehnte ab und meinte: „Nein, nein, ich bewirte euch gerne.“ Vashistha ging zu Kamadhenu, flüsterte ihr etwas ins Ohr und im nächsten Moment manifestierte sich das großartigste Mahl, was der König je gesehen und gegessen hatte. Der König und seine Gefolgsleute schlemmten. Nachdem sie satt waren, wurde der König allerdings sehr gierig. Er sagte zu Vashistha: „Du, Vashistha, du brauchst so eine Kuh doch überhaupt nicht. Ich gebe dir alles, was du brauchst. Gib mir diese Kuh, ich habe eine bessere Verwendung für sie.“ Vashistha lehnte ab und daraufhin nahm Vishmamitra die Kuh mit Gewalt. Mithilfe von Mantras holte Vashistha seine Kuh zurück. Diese Mantras waren stärker als alle Macht der Soldaten. Vishwamitra wurde ärgerlich und meinte: „Okay, wenn spirituelle Kräfte stärker als weltliche Kräfte sind, dann will ich auch spirituelle Kräfte bekommen.“ Daraufhin ruhte er nicht bis er alle seine Wünsche und alle seine Gedanken bezwungen und die Selbstverwirklichung erreicht hatte.
Dies ist eine ähnliche Analogie wie die, die ich mit dem Körper und der Zelle beschrieben habe. Arjuna hat folgendes Weltbild verinnerlicht: Es gibt Ishwara. Ishwara ist als Gott die Intelligenz des Universums. Es gibt Devas, die so genannten „Engelswesen“, die das Universum im Dienst von Iswhara steuern. Die Menschen geben den Devas etwas und die Devas geben den Menschen etwas. Wir haben durchaus das Recht zu genießen, was uns gegeben wird. Allerdings sollten wir auch etwas zurückgeben, so dass ein richtiger Kreislauf entsteht. Heutzutage würden wir das als ökologischen Kreislauf bezeichnen. Die Natur ist ein Ökosystem. Wir bekommen etwas von der Natur und geben ihr etwas zurück. Allerdings geben wir im Vergleich zu allem, was wir von der Natur bekommen ihr recht wenig zurück. Das schafft Probleme. Wenn wir Menschen da unser Verhalten nicht ändern, dann wird die Erde eines Tages versuchen uns loszuwerden. Der Mensch ist das einzige Wesen, welches Abfall in der Natur produziert. Ein Tier produziert als Abfallprodukte nur Urin und Kot. Vom Standpunkt der Pflanzen aus betrachtet sind diese Abfallprodukte Dünger.
Im engeren Sinne war es zu Krishnas Zeit tatsächlich üblich, dass man nie nur für sich selbst kochte. Man kochte für sich und andere gleichzeitig. Es galt als ein Grundsatz. Der Mensch ist ein geselliges Wesen. Gemeinsames Essen beugte auch vor, dass Menschen vereinsamen. Des Weiteren wurde sichergestellt, dass Menschen, die nicht für sich selbst sorgen können, eingeladen wurden. Es gehört einfach zur Kultur dazu. Wenn jemand allein gelebt hat dann musste er von Bettelgaben leben oder er musste Bettler zur Mahlzeit einladen. Das war damals sehr üblich. So eine Art Privatsphäre, wie wir sie in Deutschland haben, war relativ unüblich und ist es bis heute in Indien. Wer mal eine zeitlang durch Indien reist, der kann sich bald gar nicht mehr wehren vor Einladungen der Inder zu sich nach Hause. Wenn man Deutsche fragt, wie oft sie fremde Touristen zu sich nach Hause eingeladen haben, dann folgt oft ein betretenes Schweigen. Wenn man dagegen in einem indischen Bus fährt, erlebt man viele gastfreundliche Inder, die einen direkt ansprechen, und im nächsten Moment ist man schon eingeladen. Sie erwarten dann aber auch eine Gegeneinladung. Und die Gegeneinladung in den Westen ist etwas Attraktives. Für die Inder ist es ganz natürlich das, was sie haben, mit anderen zu teilen. Wenn man eine Familie hat, dann reicht es auch schon, wenn die Mutter für die Familienangehörigen kocht. Auch indische Männer kochen. Die meisten Inder, die in den Westen kommen, können kochen. Sie führen zwar nicht den Haushalt, so emanzipiert sind sie noch nicht, aber das Kochen übernehmen sie doch hin und wieder. Das gleiche gilt für die deutschen Männer.
In diesem Vers wird auf Mythen Bezug genommen. In Indien ist der Regen sehr wichtig. Bei uns ist der Regen nicht ganz so wichtig, weil wir meistens sehr viel davon haben. Im Jahr 2003 regnete es weniger, was aber nicht zur Folge hatte, dass wir verhungert sind. In Indien dagegen, wenn der Monsun ausbleibt, verhungert regelmäßig ein Drittel der Bevölkerung.
Krishna lehrt hier den Weg zum Ziel. Alle Handlungen, die wir tun, kommen irgendwie von Brahma. Brahma ist der Schöpfer. Dieser Schöpfer, diese Schöpfungsenergie, stammt letztlich von etwas Unvergänglichem. Und so ist alles, was wir tun, letztlich in Brahma aufgehoben. Und dessen sollten wir uns auch immer wieder bewusst sein.
Wenn wir im Atman, im Selbst sind, dann handeln wir nicht, selbst wenn wir handeln. Der Körper macht, was er machen soll. Das Selbst macht nichts. Außerdem ist das Gesetzt des Karmas dann nicht mehr vorhanden. Wir erschaffen kein neues Karma. Man könnte den Vers auch anders übersetzen:
Der Weise, der sich im Selbst erfreut, gewinnt nichts durch das Ausführen irgendwelcher Handlungen. Trotzdem handelt er, warum? Letztlich muss er ein- und ausatmen. Das geschieht von selbst. Er muss verdauen, auch das geschieht von selbst. Sein Parabdha Karma wird ausgearbeitet. Aber er muss nichts machen, um irgendwelche Wünsche zu befriedigen. Er braucht sich auch nicht mehr weiterzuentwickeln. Er handelt nicht, um sich spirituell weiterzuentwickeln. Er hat das Ziel erreicht.