Das 11. Kapitel ist der Wendepunkt der Bhagavad Gita. Bis dahin einschließlich des Anfangs des 11. Kapitels fragt Arjuna immer wieder, stellt Krishnas Worte zum Teil fast respektlos in Frage. Er hat Zweifel, er glaubt nicht, dass er umsetzen kann, was Krishna ihm empfiehlt. Er weiß nicht, was er tun soll. Im 11. Kapitel hat Arjuna eine ganz besondere Erfahrung, nämlich die Erfahrung von Vishvarupa, der Kosmischen Gestalt Gottes. Mit anderen Worten, Arjuna macht die Erfahrung von Sarvikalpa Samadhi. Er sieht Gott in seiner Kosmischen Gestalt. Ab da sind die Zweifel von Arjuna erheblich schwächer. Wer einmal eine wirklich tiefe Gotteserfahrung hatte, für den wird der spirituelle Weg sehr viel klarer und sicherer. Zweifel werden viel schwächer. Darum war das 11. Kapitel auch eines der Lieblingskapitel von Swami Vishnu-devananda. Ich habe ihn mehrmals über dieses Kapitel sprechen hören. Swami Vishnu-devananda legte besonderen Wert auf die eigene Erfahrung. Er sagte, man kann das Pferd zur Tränke führen, aber trinken muss es selbst. So hat er uns auf den Weg zur Tränke geführt. Bis man das Wasser getrunken hat, mag man zweifeln, ob überhaupt Wasser zu finden ist. Wenn man es getrunken hat, weiß man, ja, da ist tatsächlich Wasser.
So ist es auch mit dem spirituellen Weg: Die Meister erzählen von der Großartigkeit Gottes, dass es möglich ist, Gott zu erfahren und dass nur die Erfahrung Gottes allen menschlichen Sehnsüchten wirklich gerecht wird. Dann zeigen sie uns den Weg dahin. Auf dem Weg mag man immer wieder Zweifel haben. Wenn man dann Sarvikalpa Samadhi, die Gotteserfahrung, gemacht hat, verschwinden diese Zweifel. ...>>> weiter zum vollen Artikel...
अर्जुन उवाच |
मदनुग्रहाय परमं गुह्यमध्यात्मसंज्ञितम् |
यत्त्वयोक्तं वचस्तेन मोहोऽयं विगतो मम || ११ १ ||
arjuna uvāca
madanugrahāya paramaṃ
guhyamadhyātmasaṃjñitam
yattvayoktaṃ vacastena
moho ’yaṃ vigato mama ...>>> weiter zum vollen Artikel...
arjunaḥ – Arjuna
uvāca – sprach
mat-anugrahāya – mir (mat) zu Gefallen (anugraha)
paramam – das höchste
guhyam – Geheimnis (betreffend)
adhyātma-saṃjñitam – welches als (Wissen) über das Selbst (adhyātma) bezeichnet (saṃjñita) wird
yat – welches
tvayā – von dir
uktam – gesprochen wurde
vacaḥ – das Wort (d.h. die Aussagen)
tena – durch dieses
mohaḥ – Täuschung
ayam – diese
vigataḥ – ist verschwunden
mama – meine
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 1. – 3. Vers: Meine Täuschung ist verschwunden ...>>> weiter zum vollen Artikel...
भवाप्ययौ हि भूतानां श्रुतौ विस्तरशो मया |
त्वत्तः कमलपत्राक्ष माहात्म्यमपि चाव्ययम् || ११ २ ||
bhavāpyayau hi bhūtānāṃ
śrutau vistaraśo mayā
tvattaḥ kamalapatrākṣa
māhātmyamapi cāvyayam ...>>> weiter zum vollen Artikel...
bhava-apyayau – über Ursprung (bhava) und Zerstörung (apyaya)
hi – gewiss
bhūtānām – der Wesen
śrutau – wurde gehört
vistaraśaḥ – ausführlich, in vollem Umfang
mayā – durch mich
tvattaḥ – von dir
kamala-patra-akṣa – oh Lotusäugiger „dessen Augen (akṣa) wie Lotosblätter (kamala-patra) sind“ (Kṛṣṇa)
māhātmyam – Größe, Majestät
api – auch
ca – und
avyayam – (über deine) unerschöpfliche
Er sagt hier: Ich habe jetzt einiges verstanden. Die Täuschung ist verschwunden. Jetzt weiß ich, was das Selbst ist.
एवमेतद्यथात्थ त्वमात्मानं परमेश्वर |
द्रष्टुमिच्छामि ते रूपमैश्वरं पुरुषोत्तम || ११ ३ ||
evametadyathāttha tvam
ātmānaṃ parameśvara
draṣṭumicchāmi te rūpam
aiśvaraṃ puruṣottama ...>>> weiter zum vollen Artikel...
evam etat – nun („so ist es“)
yathā – wie
āttha – beschrieben hast
tvam – du
ātmānam – dich selbst
parama-īśvara – oh höchster Herr
draṣṭum – zu sehen
icchāmi – wünsche ich
te – deine
rūpam – Form
aiśvaram – göttliche
puruṣa-uttama – oh höchster (uttama) Geist (puruṣa)
मन्यसे यदि तच्छक्यं मया द्रष्टुमिति प्रभो |
योगेश्वर ततो मे त्वं दर्शयात्मानमव्ययम् || ११ ४ ||
manyase yadi tacchakyaṃ
mayā draṣṭumiti prabho
yogeśvara tato me tvaṃ
darśayātmānamavyayam ...>>> weiter zum vollen Artikel...
manyase – du hältst
yadi – wenn
tat – das
śakyam – für möglich
mayā – von mir
draṣṭum – (es) gesehen werden kann
iti – dass
prabho – oh Herr
yoga-īśvara – oh Herr des Yoga
tataḥ – dann
me – mir
tvam – du
darśaya – zeige
ātmānam – Selbst
avyayam – (dein) unvergängliches
Arjuna sagt hier mit anderen Worten: „Erzählt hast Du mir jetzt viel. Ich bin Dir sehr dankbar. Ich glaube, ich habe es auch verstanden. Aber jetzt möchte ich es auch erfahren.“ ...>>> weiter zum vollen Artikel...
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 4. Vers: Ist es für mich möglich, Gott zu sehen? ...>>> weiter zum vollen Artikel...
श्रीभगवानुवाच |
पश्य मे पार्थ रूपाणि शतशोऽथ सहस्रशः |
नानाविधानि दिव्यानि नानावर्णाकृतीनि च || ११ ५ ||
śrībhagavānuvāca
paśya me pārtha rūpāṇi
śataśo.atha sahasraśaḥ
nānāvidhāni divyāni
nānāvarṇākṛtīni ca ...>>> weiter zum vollen Artikel...
śrī-bhagavān – der Erhabene
uvāca – sprach
paśya – sieh
me – meine
pārtha – oh Sohn Pṛthās (Arjuna)
rūpāṇi – Formen
śataśaḥ – hundertfach
atha – und
sahasraśaḥ – tausendfach
nānā-vidhāni – von unterschiedlicher (nānā) Art (vidha)
divyāni – göttlichen
nānā-varṇa-ākṛtīni – mannigfaltig (nānā) in Farbe (varṇa) und Gestalt (ākṛti)
ca – und
Er kündigt es ihm jetzt an und sagt: Du wirst das jetzt gleich sehen und du wirst hunderte und tausende Formen von mir sehen, und du wirst auch sehen, dass ich es tatsächlich bin. Schon jetzt sehen wir hunderte und tausende von Formen, dennalles ist letztendlich eine Form Gottes.
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 5. und 6. Vers: Wenn du das göttliche Auge öffnest, siehst du die Welt als Körper Gottes ...>>> weiter zum vollen Artikel...
पश्यादित्यान्वसून्रुद्रानश्विनौ मरुतस्तथा |
बहून्यदृष्टपूर्वाणि पश्याश्चर्याणि भारत || ११ ६ ||
paśyādityānvasūnrudrān
aśvinau marutastathā
bahūnyadṛṣṭapūrvāṇi
paśyāścaryāṇi bhārata ...>>> weiter zum vollen Artikel...
paśya – sieh
ādityān – die Ādityas
vasūn – die Vasus
rudrān – die Rudras
aśvinau – die beiden Aśvins (Ärzte der Götter)
marutaḥ – die Maruts
tathā – ebenso
bahūni – viele
adṛṣṭa-pūrvāṇi – zuvor (pūrva) noch nie gesehene (adṛṣṭa)
paśya – sieh
āścaryāṇi – Wunder
bhārata – oh Nachkomme des Bharata (Arjuna)
Er sagt ihm: „Du wirst jetzt auch die Astralwesen sehen, die Engelswesen, die verschiedenen Götter im Sinne von höheren Astralwesen. All das wirst du sehen können.“ Wir können vielleicht jetzt schon Engelswesen oder Naturwesen spüren, manchmal vielleicht auch ein Leuchten oder Glänzen, manchmal etwas hören oder etwas mehr sehen. Aber Krishna sagt hier zu Arjuna: „Gleich wirst du es vollständig sehen.“ So wie wir jetzt diese Welt sehen, bestehend aus verschiedenen Einzelwesen, die miteinander in Verbindung treten. Aber wir sehen, riechen, schmecken, hören, fühlen hauptsächlich die physische Welt. Wir können in anderen Bewusstseinsebenen auch die Astralwesen sehen, riechen, schmecken, hören, fühlen. Sie sind dann genauso wirklich wie das, was wir jetzt in der physischen Welt sehen. Und wir können sie als Teil Gottes erleben.
इहैकस्थं जगत्कृत्स्नं पश्याद्य सचराचरम् |
मम देहे गुडाकेश यच्चान्यद् द्रष्टुमिच्छसि || ११ ७ ||
ihaikasthaṃ jagatkṛtsnaṃ
paśyādya sacarācaram
mama dehe guḍākeśa
yaccānyad draṣṭumicchasi ...>>> weiter zum vollen Artikel...
iha – hier
eka-stham – vereint, „an einem (eka) Ort befindlich (stha)“
jagat – Universum
kṛtsnam – das ganze
paśya – sieh
adya – nun
sa-cara-acaram – samt Beweglichem (cara) und Unbeweglichem (acara)
mama – (in) meinem
dehe – Körper
guḍākeśa – oh Guḍākeśa (Arjuna)
yat – was
ca – und
anyat – anderes (mehr)
draṣṭum – zu sehen
icchasi – du wünschst
Krishna nimmt hier als Analogie den Körper. Der Körper ist eine Gestalt, eine gewisse Swarupa. Rupa heißt Gestalt, Swarupa heißt eigene Gestalt. Das kann sich sowohl auf die physische Gestalt beziehen, aber auch auf das physische Wesen. Der Ausdruck Swarupa wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich benutzt. ...>>> weiter zum vollen Artikel...
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 7. Vers: Krishna bereitet Arjuna vor ...>>> weiter zum vollen Artikel...
न तु मां शक्यसे द्रष्टुमनेनैव स्वचक्षुषा |
दिव्यं ददामि ते चक्षुः पश्य मे योगमैश्वरम् || ११ ८ ||
na tu māṃ śakyase draṣṭum
anenaiva svacakṣuṣā
divyaṃ dadāmi te cakṣuḥ
paśya me yogamaiśvaram ...>>> weiter zum vollen Artikel...
na – nicht
tu – jedoch
mām – mich
śakyase – du vermagst
draṣṭum – zu sehen
anena – mit diesem
eva – eben
sva-cakṣuṣā – deinem eigenen (sva) Auge (cakṣus)
divyam – das göttliche
dadāmi – ich gebe
te – dir
cakṣuḥ – Auge
paśya – sieh
me – meine
yogam – Yogamacht
aiśvaram – herrliche
Divya, das göttliche Auge. „Divyam dadami te chakshuh“ – Divya heißt göttlich, Chakshuh ist das Auge, dadami te heißt „ich gebe dir“. ...>>> weiter zum vollen Artikel...
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 8. Vers: Nimm die Welt durch die Augen Gottes wahr ...>>> weiter zum vollen Artikel...
संजय उवाच |
एवमुक्त्वा ततो राजन्महायोगेश्वरो हरिः |
दर्शयामास पार्थाय परमं रूपमैश्वरम् || ११ ९ ||
saṃjaya uvāca
evamuktvā tato rājan
mahāyogeśvaro hariḥ
darśayāmāsa pārthāya
paramaṃ rūpamaiśvaram ...>>> weiter zum vollen Artikel...
saṃjaya – Sañjaya
uvāca – sprach
evam – so
uktvā – nachdem er gesprochen hatte
tataḥ – daraufhin
rājan – oh König (Dhṛtarāṣṭra)
mahā-yoga-īśvaraḥ – der große (mahā) Herr (īśvara) des Yoga
hariḥ – Hari (Kṛṣṇa)
darśayām āsa – zeigte
pārthāya – dem Sohn Pṛthās (Arjuna)
paramam – (seine) höchste
rūpam – Gestalt
aiśvaram – herrliche
Wer ist noch einmal Sanjaya? Der Erzähler, der Weise. Und wer ist der König? Dhritarashtra. Sanjaya erzählt dem König Dhritarashtra die Geschichte der Bhagavad Gita und des Kurukshetra Krieges. ...>>> weiter zum vollen Artikel...
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 9. Vers: Arjuna macht die Gotteserfahrung ...>>> weiter zum vollen Artikel...
अनेकवक्त्रनयनमनेकाद्भुतदर्शनम् |
अनेकदिव्याभरणं दिव्यानेकोद्यतायुधम् || ११ १० ||
anekavaktranayanam
anekādbhutadarśanam
anekadivyābharaṇaṃ
divyānekodyatāyudham ...>>> weiter zum vollen Artikel...
aneka-vaktra-nayanam – mit zahlreichen (aneka) Mündern (vaktra) und Augen (nayana)
aneka-adbhuta-darśanam – mit zahlreichen (aneka) wunderbaren (adbhuta) Anblicken (darśana)
aneka-divya-ābharaṇam – mit reichem (aneka) göttlichem (divya) Schmuck (ābharaṇa)
divya-aneka-udyata-āyudham – mit zahlreichen (aneka) göttlichen (divya) erhobenen (udyata) Waffen (āyudha)
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 10. – 13. Vers: Arjuna sah das ganze Universum durch die Gnade Krishnas ...>>> weiter zum vollen Artikel...
दिव्यमाल्याम्बरधरं दिव्यगन्धानुलेपनम् |
सर्वाश्चर्यमयं देवमनन्तं विश्वतोमुखम् || ११ ११ ||
divyamālyāmbaradharaṃ
divyagandhānulepanam
sarvāścaryamayaṃ devam
anantaṃ viśvatomukham ...>>> weiter zum vollen Artikel...
divya-mālya-ambara-dharam – göttliche (divya) Girlanden (mālya) und Gewänder (ambara) tragend (dhara)
divya-gandha-anulepanam – mit göttlichen (divya) Düften (gandha) und Salben (anulepana)
sarva-āścarya-mayam – der aus allen (sarva) Wundern (āścarya) besteht (maya)
devam – Gott
anantam – als unendlich (ausgedehnten)
viśvataḥ-mukham – dessen Gesichter (mukha) nach allen Seiten (viśvataḥ) blicken
दिवि सूर्यसहस्रस्य भवेद्युगपदुत्थिता |
यदि भाः सदृशी सा स्याद्भासस्तस्य महात्मनः || ११ १२ ||
divi sūryasahasrasya
bhavedyugapadutthitā
yadi bhāḥ sadṛśī sā syād
bhāsastasya mahātmanaḥ ...>>> weiter zum vollen Artikel...
divi – am Himmel
sūrya-sahasrasya – von tausend (sahasra) Sonnen (sūrya)
bhavet – wäre
yugapat – gleichzeitig
utthitā – erschienen („aufgegangen“)
yadi – wenn
bhāḥ – der Glanz
sadṛśī – gleich
sā – dieser (Glanz)
syāt – wäre
bhāsaḥ – dem Glanz
tasya – dieser
mahā-ātmanaḥ – großen (mahā) Seele (ātman)
Arjuna hat jetzt eine Bewusstseinserweiterungs-Erfahrung. Er sieht nicht mehr einzelne Dinge sondernalles auf einmal. Und er sieht, dass die Münder und Augenaller Wesen wie die Münder und Augen Gottes sind. Aber er sieht jetzt nicht nur zehn, sondern er sieht vieles gleichzeitig. Und er sieht dies schön und strahlend, wie mit Girlanden und Gesichtern zuallen Wesen.
तत्रैकस्थं जगत्कृत्स्नं प्रविभक्तमनेकधा |
अपश्यद्देवदेवस्य शरीरे पाण्डवस्तदा || ११ १३ ||
tatraikasthaṃ jagatkṛtsnaṃ
pravibhaktamanekadhā
apaśyaddevadevasya
śarīre pāṇḍavastadā ...>>> weiter zum vollen Artikel...
tatra – dort (wo sie sich befanden)
eka-stham – vereint, „an einem (eka) Ort befindlich (stha)“
jagat – Universum
kṛtsnam – das ganze
pravibhaktam – unterteilte
anekadhā – vielfach
apaśyat – sah
deva-devasya – des Gottes der Götter
śarīre – im Körper
pāṇḍavaḥ – der Sohn Pāṇḍus (Arjuna)
tadā – da
Das ist die Beschreibung der Bewusstseinserweiterung von Arjuna. Sie geht in mehreren Schritten vonstatten: Zuerst schaut Arjuna Krishna an. Erst sieht er Krishna ganz normal, also mit einem Mund, zwei Augen, vier Armen – Krishna wird manchmal auch als vierarmig beschrieben. Dann wird Krishna in Arjunas Wahrnehmung riesengroß, er hat plötzlich immer mehr Arme und Münder, er hat mehrere Köpfe, er strahlt immer mehr. Die Vision wird wunderschön und großartig. Sie wird immer weiter. Krishna wird so groß, dass das ganze Universum mit eingeschlossen ist. Arjuna sieht Sonne, Mond, Sterne – alles im Körper von Krishna. Später geht er sogar über die Zeitgrenzen hinaus – er sieht, was in der Zukunft passieren wird und was in der Vergangenheit geschehen ist – letztlich sieht er die Unendlichkeit im ewigen Jetzt. Während Arjuna Krishna so sieht, ist er trotzdem teilweise noch in seinem Körperbewusstsein. Er hat also das, was Swami Sivananda das „Doppelbewusstsein“ genannt hat, sich gleichzeitig des Begrenzten und des Unbegrenzten bewusst zu sein. ...>>> weiter zum vollen Artikel...
ततः स विस्मयाविष्टो हृष्टरोमा धनंजयः |
प्रणम्य शिरसा देवं कृताञ्जलिरभाषत || ११ १४ ||
tataḥ sa vismayāviṣṭo
hṛṣṭaromā dhanaṃjayaḥ
praṇamya śirasā devaṃ
kṛtāñjalirabhāṣata ...>>> weiter zum vollen Artikel...
tataḥ – dann
saḥ – er
vismaya-āviṣṭaḥ – von Staunen (vismaya) ergriffen (āviṣṭa)
hṛṣṭa-romā – mit gesträubten (hṛṣṭa) Haaren (roman)
dhanaṃjayaḥ – Dhanaṃjaya „Schatzgewinner“ (Arjuna)
praṇamya – indem er neigte
śirasā – den Kopf
devam – vor dem Gott
kṛta-añjaliḥ – mit gefalteten Händen
abhāṣata – sprach
Er kann sich noch verbeugen, er kann sprechen. Arjuna sitzt also nicht in der Meditation. Er hat diese Erfahrung von Krishna als Gott, des ganzen Universums, während er sich normal bewegen kann. Er beschreibt, was er gesehen hat. Er beschreibt Krishna, was er sieht.
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 14. Vers: Arjuna mit gefalteten Händen voller Demut ...>>> weiter zum vollen Artikel...
अर्जुन उवाच |
पश्यामि देवांस्तव देव देहे
सर्वांस्तथा भूतविशेषसङ्घान् |
ब्रह्माणमीशं कमलासनस्थं
ऋषींश्च सर्वानुरगांश्च दिव्यान् || ११ १५ ||
arjuna uvāca
paśyāmi devāṃstava deva dehe
sarvāṃstathā bhūtaviśeṣasaṅghān
brahmāṇamīśaṃ kamalāsanasthaṃ
ṛṣīṃśca sarvānuragāṃśca divyān ...>>> weiter zum vollen Artikel...
arjunaḥ – Arjuna
uvāca – sprach
paśyāmi – ich sehe
devān – Götter
tava – (in) deinem
deva – oh Gott
dehe – Körper
sarvān – alle
tathā – sowie
bhūta-viśeṣa-saṅghān – die Scharen (saṅgha) der verschiedenen Arten (viśeṣa) von Lebewesen (bhūta)
brahmāṇam – Brahmā
īśam – den Herrn
kamala-āsana-stham – der sich auf dem Lotosthron (kamala-āsana) befindet (stha)
ṛṣīn – Seher
ca – und
sarvān – alle
uragān – Schlangenwesen
ca – und
divyān – die himmlischen
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 15. und 16. Vers: Arjuna sprach nach der Vision mit Ehrfurcht ...>>> weiter zum vollen Artikel...
अनेकबाहूदरवक्त्रनेत्रं
पश्यामि त्वां सर्वतोऽनन्तरूपम् |
नान्तं न मध्यं न पुनस्तवादिं
पश्यामि विश्वेश्वर विश्वरूप || ११ १६ ||
anekabāhūdaravaktranetraṃ
paśyāmi tvāṃ sarvato ’nantarūpam
nāntaṃ na madhyaṃ na punastavādiṃ
paśyāmi viśveśvara viśvarūpa ...>>> weiter zum vollen Artikel...
aneka-bāhu-udara-vaktra-netram – mit vielen (aneka) Armen (bāhu), Bäuchen (udara), Mündern (vaktra) und Augen (netra)
paśyāmi – ich sehe
tvām – dich
sarvataḥ – überall
ananta-rūpam – als unendliche (ananta) Gestalt (rūpa)
na – weder
antam – Ende
na – noch
madhyam – Mitte
na – noch
punaḥ – wiederum
tava – deinen
ādim – Anfang
paśyāmi – ich sehe
viśva-īśvara – oh Herr (īśvara) des Universums (viśva)
viśva-rūpa – oh Allgestaltiger
Er sagt, ich sehe dich nach links und nach rechts; überall, wo ich hinblicke, da bist du, Vishveshvara (Herr des Universums), Vishva-rupa (kosmische Gestalt).
किरीटिनं गदिनं चक्रिणं च
तेजोराशिं सर्वतो दीप्तिमन्तम् |
पश्यामि त्वां दुर्निरीक्ष्यं समन्ताद्
दीप्तानलार्कद्युतिमप्रमेयम् || ११ १७ ||
kirīṭinaṃ gadinaṃ cakriṇaṃ ca
tejorāśiṃ sarvato dīptimantam
paśyāmi tvāṃ durnirīkṣyaṃ samantād
dīptānalārkadyutimaprameyam ...>>> weiter zum vollen Artikel...
kirīṭinam – mit der Krone
gadinam – mit der Keule
cakriṇam – mit dem Diskus
ca – und
tejaḥ-rāśim – als eine Fülle (rāśi „Menge“) von Glanz (tejaḥ)
sarvataḥ – überallhin
dīptimantam – strahlend
paśyāmi – ich sehe
tvām – dich
durnirīkṣyam – der schwer anzuschauen ist
samantāt – ringsum
dīpta-anala-arka-dyutim – da sein Leuchten (dyuti) einem lodernden (dīpta) Feuer (anala) oder der Sonne (arka) gleicht
aprameyam – unermesslich
Diadem, Keule, Diskus sind die Attribute von Vishnu. Arjuna sieht Krishna als persönlichen Gott, dann wieder abstrakt als Lichtgestalt. So verändert sich die Vision Arjunas immer weiter.
Bhagavad Gita, 11. Kapitel, 17. Vers: Die höchste Schatzkammer ist Gott ...>>> weiter zum vollen Artikel...
त्वमक्षरं परमं वेदितव्यं
त्वमस्य विश्वस्य परं निधानम् |
त्वमव्ययः शाश्वतधर्मगोप्ता
सनातनस्त्वं पुरुषो मतो मे || ११ १८ ||
tvamakṣaraṃ paramaṃ veditavyaṃ
tvamasya viśvasya paraṃ nidhānam
tvamavyayaḥ śāśvatadharmagoptā
sanātanastvaṃ puruṣo mato me ...>>> weiter zum vollen Artikel...
tvam – du (bist)
akṣaram – das Unzerstörbare
paramam – das Höchste
veditavyam – was zu erkennen ist
tvam – du (bist)
asya – des
viśvasya – Universums
param – die vortrefflichste
nidhānam – Schatzkammer
tvam – du (bist)
avyayaḥ – der unvergängliche
śāśvata-dharma-goptā – Hüter (goptā) der ewigen (śāśvata) Ordnung (dharma)
sanātanaḥ – der ewige
tvam – du
puruṣaḥ – (höchste) Geist
mataḥ – erscheinst
me – mir
Twam Purusha: du bist die Seele des ganzen Universums. Du bist das Wesen des Universums.
अनादिमध्यान्तमनन्तवीर्यम्
अनन्तबाहुं शशिसूर्यनेत्रम् |
पश्यामि त्वां दीप्तहुताशवक्त्रं
स्वतेजसा विश्वमिदं तपन्तम् || ११ १९ ||
anādimadhyāntamanantavīryam
anantabāhuṃ śaśisūryanetram
paśyāmi tvāṃ dīptahutāśavaktraṃ
svatejasā viśvamidaṃ tapantam ...>>> weiter zum vollen Artikel...
anādi-madhya-antam – ohne Anfang (ādi), Mitte (madhya) und Ende (anta)
ananta-vīryam – mit unendlicher (ananta) Macht (vīrya)
ananta-bāhum – mit endlos (ananta) vielen Armen (bāhu)
śaśi-sūrya-netram – mit Sonne (sūrya) und Mond (śaśi) als Augen (netra)
paśyāmi – ich sehe
tvām – dich
dīpta-huta-aśa-vaktram – mit einem Mund (vaktra) aus loderndem (dīpta) Feuer (huta-aśa)
sva-tejasā – mit deinem eigenen (sva) Glanz (tejas)
viśvam – Universum
idam – dieses
tapantam – erwärmend, erhitzend