Du bist hier: Yogatherapie / Erfahrungen / Unfall / 

Katalog anfordern
Online Anmelden
Beratung und Anmeldung

Yoga und Yogatherapie nach Unfall

Nilakantha

Yoga Therapie im Krankenbett

Dieses Erlebnis möchte ich allen Personen widmen, die sich in einer besonders schwierigen Lebensituation befinden. Jene, die vielleicht durch einen Unfall oder Krankheit in eine Lebenssituation gekommen sind, die ihnen und ihren Lieben alles abverlangt. Vielleicht ist es hier und da ´zwischen den Zeilen´ zu lesen, wie Yoga Mut macht und Kraft gibt, den tieferen Sinn hinter allem was geschieht zu suchen und zu finden. Dann wird Heilung, wenn auch auf physischer Ebene eingeschränkt, auf höherer Ebene möglich.

Vorgeschichte

Es war der 6. Dezember, der Tag an dem die Kinder voller Erwarten in ihre Schuhe schauen, die sie am Abend zuvor vor die Türe gestellt hatten.Frühmorgens waren wir, das sind meine beiden Söhne (16 und 14 Jahre) der Freund eines Sohnes und ich auf der Fahrt in die Schweizer Berge für einen schönen Skitag unterwegs.

Nach knapp einer Stunde Fahrt sahen wir plötzlich vor uns einige Fahrzeuge, die gerade in einander gefahren sein mussten. Es dauerte einige Sekunden, bis wir das alles realisiert hatten. Es war auf einer Brücke, und diese muss eisglatt gewesen sein. Die Straße hatte 2 Fahrspuren in jeder Richtung, die bis dahin jedoch nur durch 2 durchgezogene Linien getrennt waren. Wir konnten dank gemäßigtem Tempo rechtzeitig behutsam bremsen und uns langsam an der Unfallstelle vorbeitasten.

Dabei sahen wir, dass 4 oder 5 Fahrzeuge kreuz und quer auf der Fahrbahn standen, manche dampfend, alle schwer beschädigt und sagten betroffen zueinander: „Da hat´s aber ordentlich gekracht, sieht gar nicht gut aus“.

Um nicht im direkten Unfallfeld anzuhalten und im schlimmsten Fall von nachfolgenden Autos getroffen zu werden parkte ich unseren Wagen ca. 100 m weiter auf dem Standstreifen. Zu meinen Söhnen sagte ich: “Wartet mal kurz, ich geh mal schauen“. Um sie nicht mit eventuell schockierenden Szenen konfrontieren zu müssen und zu ihrer eigenen Sicherheit. Ich wollte klären was man helfen kann und wie schwer die Personen verletzt sind, so dass wir eine hilfreiche Meldung an die Rettungsdienste machen könnten. Andere Personen beteiligter Fahrzeuge standen herum, taten aber für mich ersichtlich nichts und sahen nur ratlos aus.

So näherte ich mich den verunfallten Fahrzeugen; in einem Wagen lag ein Mann bewusstlos auf dem Fahrersitz. Eine Frau war an dem Fahrzeug, beugte sich ebenfalls in das Fahrzeug hinein und bat den Mann verzweifelt, doch etwas zu sagen. Ich fragte nur:“ Hat er noch Puls“ und wollte gerade sein Handgelenk greifen.

Dann hörte ich mich zunächst nicht einzuordnende Geräusche. Es knallte, quietschte und ein lautes Schleifgeräusch kam immer näher. Alles spielte sich in Bruchteilen von Sekunden ab, und das Einzige was ich noch tun konnte war mich aus dem Wagen aufzurichten und in die Richtung umzudrehen, aus der die Geräusche kamen.

Es kann sein dass ich in dieser Schrecksekunde auch noch ein Schreien und Rufen hörte „Achtung, passt auf, geht weg“ oder ähnlich. Da war schon dieser silberne Wagen, der auf die 2 Autos neben uns prallte, diese auseinander schob, und direkt auf mich zukam. Er hat mich mit der Stoßstange am Bein getroffen und es hat sich wie ein Zerbersten angefühlt. Das Licht der Scheinwerfer war sehr grell, und das Schleifgeräusch, und die Geräusch durch aufeinanderprallendes Metall und aneinander reibenden Metallflächen war beängstigend. Dann traf der Wagen mit der Kühlerhaube meine rechte Brust, und ich dachte nur „jetzt wird’s aber eng, bitte halt jetzt endlich an“. Wie von Geisterhand gestoppt hielt der Wagen an, das unerträgliche Qietschen und Schleifen war zu Ende, und zunächst folgte eine absolute Stille.

Ich saß auf meinem Allerwertesten, und wollte mich nur schnellstens im ´Krebsgang´ rückwärts auf allen Vieren aus der Enge befreien, als ich sah, dass mein rechter Fuß, nur noch von einem Socken bedeckt, die nagelneuen Asics Schuhe hatte es mir ausgezogen und sie waren auch nie mehr gesehen - nach unten hing, als ich mein Knie anhob. Ich meine mich sogar daran zu erinnern wie es meinem Wunsch, draufzustehen und davonzurennen einfach nicht folge leisten konnte und schrie laut „mein Bein, mein Bein“.

Einer meiner Söhne kam, sah wie ich da verwundet auf dem Schlachtfeld lag und auf mein Bein zeigte. Er sagte nur „Ach du Scheiße“ und „was soll ich jetzt tun“? Ich meinte nur, ruf die Rettungsdienste an. Er versuchte verzweifelt jemanden zu erreichen unter 110, aber in der Schweiz gilt eine andere Nummer. Er versuchte dann zuhause jemanden zu erreichen, aber die schliefen alle noch. Später erzählte er dann, das er das Fahrzeug aus der Gegenrichtung kommen gesehen hat. Es war vie zu schnell um anhalten zu können, wobei auf der Gegenfahrbahn genügend Platz gewesen wäre, um einfach vorbeizufahren. Dann hat er gesehen, wie jemand durch die Luft geschleudert wurde. Dass muss dann ich gewesen sein. So erklärt sich auch die durchweg blaue Außen und Rückseite des Oberschenkels vom Knie bis einschließlich Gesäß.

Dann spielten sich Szenen ab wie in der besten Medicopter Serie. Unfallbeteiligte schrien geschockt herum, einer schlug wild um sich und auf die Autos ein, die Frau neben mir war eingeklemmt und konnte von 2 Helfern befreit werden, die die verkeilten Autos auseinanderschoben. Sie schrie nur „ich will nicht sterben“. Die Unfallbeteiligten hatten sie direkt neben mich gelegt, so konnte ich sie trösten, ihr meine Hand auf die Stirn legen und das ´Om Tryambakam Mantra´ wiederholen.

Mein anderer Sohn kam und war ebenfalls völlig geschockt, ratlos und doch ruhig. Ich sagte „hol´ bitte meinen Rucksack und eine Mütze aus dem Auto“, dann kam er und hielt meinen Kopf. Das war sehr beruhigend und ich fühlte, dass es nicht wirklich seine Hände waren; Tränen tropften in mein Gesicht. Sein Freund kam und lief umher wie ein angeschossener Tiger, vollkommen hilf.- und ratlos.

Mein älterer Sohn hat dann wohl mein Bein gerettet. Unfallbeteiligte und auch Rettungsleute kamen und hätten mir beinahe gegen den verletzten Unterschenkel gekickt, hätte sich er nicht schützend mit seinen 1.80 m davor gestellt und gebrüllt „He, passt auf, seht ihr nicht sein Bein“?

Dann kamen Rettungskräfte und kümmerten sich zuerst um die Frau, ich sagte auch :“Ihr geht es noch schlechter als mir“ - später erfuhr ich, dass sie ein Bein verloren hatte. Leider hat sie auf meine späteren Anrufe nicht reagiert. Dann hat mir irgendjemand eine Aludecke gebracht. Ich hätte nie gedacht dass eine solche so angenehm sein kann. Es wurde langsam Tag, ich schaute in den sich in der Morgendämmerung erhellenden Himmel, die Luft war rein und klar, und eine unbeschreibbare Ruhe und das Gefühl „Alles ist gut“ stieg in mir auf und umarmte mich.

Die ganze Zeit war ich bei vollem Bewusstsein, hatte keinerlei Schmerzen, und wartete einfach was passieren würde, nicht jedoch ohne ständig das Heilmantra „Om Tryambakam“ zu rezitieren. Ein Helfer meinte: „Der murmelt nur noch vor sich hin“ worauf ich energisch entgegnete „das ist kein Murmeln, das ist ein Mantra“. Ein anderer Helfer kam schauen und sagte: „Da liegt nochmal einer mit einer Amputations-verletzung“ - das hat mich wach gehalten.

Als dann endlich nach ca. einer halben Stunde die Notärzte kamen sagte ich nur:

Ich brauche mein Bein noch, bitte tut was ihr könnt“, worauf sie mich tröstend aber mit einem alles und nichts sagenden Blick anschaute. Einige Minuten zuvor sagte ich noch zu meinen Söhnen „Es kann sein dass ich ohnmächtig werde“, und etwas wie „Es wird schon gut werden“. Wie viel Blut ich verloren hatte wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, ich hatte das Bein und den Boden nicht mehr angeschaut. Aber es muss viel gewesen sein.

Als die Helfer zu mir kamen hat mir zuerst jemand eine Halskrause angelegt, und mich dabei fast erwürgt. Ich fragte nur “wollt ihr mich umbringen“ ? Nachher tat mir das leid, aber für die Achtsamkeit desjenigen hat es hoffentlich etwas beigetragen. Die Notärztin hat dann verzweifelt versucht, an meiner linken Hand eine Infusion zu legen, was dann irgendwann auch geklappt hat. Dann sagte jemand zu mir sie müssen das Bein erstmal wieder grob richten, es war ein offener Bruch 3. Grades, Schienbein und Wadenbein haben in alle Himmelsrichtungen gezeigt. Das haben sie erst gesehen als sie meine Skihose aufgeschnitten hatten. Auch mit Maske und Betäubungen muss ich laut geschrien haben, meine Söhne haben mir das später erzählt.

Dann erinnere ich mich an eine ziemlich holprige Fahrt auf der Liege über die Autobahn zum Helikopter. Gut dass die Straße mittlerweile neu geteert wurde und eine Mittelbegrenzung gebaut wurde. Es waren schon viele Unfälle auf dieser Brücke, einer hat sie auch als Todesbrücke beschrieben, passiert.

An den Hubschrauberflug nach Zürich erinnere ich mich nur bruchstückhaft, ein Moment des Abhebens und großer Lärm der Rotorenblätter ist mir noch im Gedächtnis. Irgendwann, noch an der Unfallstelle oder im Hubschrauber kam dann dieser unbeschreibare ´Zwischenzustand´. Es war sehr hell, ich sah einen dichten schneeweißen Wolkenhimmel, hatte alle meine Konzentration ohne bewusste Anstrengung im dritten Auge, wiederholte Om und meine Mantra, war voller Vertrauen und sogar etwas gespannt, was nun passieren würde. Dann erinnerte mich daran, wie Yogis den physischen Körper verlassen wenn es dann soweit ist. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht ob er gekommen war. Die Unterscheidbarkeit von Wahrnehmendem und Wahrzunehmendem war für einen Moment aufgelöst. Aus weltlicher Sicht mag es etwas paradox klingen wenn ich sage, dass dieser Zustand wunderschön war, und dass es keinen Grund gibt, vor dem Todangst zu haben. Vielmehr sind es die Umstände für die, die man zurücklässt. Zurückgeholt wurde ich durch Geräusche von Quietschen, Quetschen und Drücken, als ob mein Gehirn gerade in eine Art Zahnpasta Tube zurückgequetscht werden würde. Kurze Blickeinblendungen der fürsorglich und mich keine Sekunde aus den Augen lassenden Rettungsassistentin/Flugbegleiterin, wie kurze Werbeeinblendungen folgten immer wieder, dann muss eine weile `Ruhe´ gewesen sein, und dann kommt der Notfall-Aufwachraum.

Dort sagte man mir die OP sei gut verlaufen und dass sie mein Bein in einer Not OP zusammengeflickt haben. Externe Fixateure schauten zu allen Seiten aus meinem Fuß und unterhalb des Knies heraus. Sie erzählten noch was von einer Hauttransplantation und weiteren notwendigen Schritten, die man mir dann in etwas klarerem Zustand nochmals erklären musste.

Als erstes muss ich mich nach der verunfallten Frau erkundigt haben, doch sie wussten nichts von Ihr. Sie war nach Winterthur gebracht worden. Dann meinte ich nur völlig benebelt von der 3 stündigen Narkose „ schön ist´s ja schon in der Schweiz, aber ein Baum vor dem Fenster wäre ja auch schön“ und „Wann darf ich endlich wieder durch meinen eigenen Schnüffel atmen“ waren die nächsten Worte.

Das innere Bedürfnis, gleich mit Pranayama (Yoga Atemtechniken) zur Reinigung des Körpers von den Narkotika zu beginnen war gleich da. Ja, die Yoga Praxis hinterlässt schon ihre Spuren im Unterbewusstsein. Zum Zeitpunkt des Verlassens des Körpers ist dies, neben einem bewussten und dienenden Leben die vielleicht allergrößte Segnung und ausschlaggebend für den Weitergang der Seele oder deren Einswerdung mit dem Absoluten.

Meine Frau war inzwischen angereist. Die Söhne wurden von der Polizei und netten Rettungskräften betreut, durften ihre Erlebnisse gleich zu Protokoll geben, und fuhren dann mit den Eltern des anderen Jungen nach Hause.

Schon an der Unfallstelle „kam“ automatisch das uralte „Om Tryambakam Heil-Mantra“, welches ich inmitten dramatischer Szenen und Todesängsten anderer Beteiligter intuitiv ständig wiederholte. Dies führte zu einer außergewöhnlichen inneren Ruhe, Besonnenheit und einem erstaunlich entspannten anwesend bleiben trotz des großen Blutverlustes. Erst als die Notärzte mit der Maske kamen war die bewusste Mantrarezitation erstmal unterbrochen. Und eben diese Maske war es, die ich dann im Aufwachraum schnellstmöglich wieder loswerden wollte um gleich Pranayama zu üben.

Die Not-Operation war am 6.12., danach waren noch 3 weitere Operationen nötig.

2 Tage später wurden die Fixateure entfernt, und ein ca. 40 cm langer Marknagel ins Schienbein eingebracht, um dem Knochen von innen her Stabilität zu geben, mit einer

Kompressionsmechanik, die bei Druck die Bruchenden näher zusammenbringt. Im Bereich des Sprunggelenks 2 und unter dem Knie 1 Bolzen zur Fixierung. Das ebenfalls gebrochende Wadenbein wurde mit Metallplatten und Schrauben fixiert. In einer Flughafenkontrolle war ich seither noch nicht, dürfte aber interessant aussehen und klingeln.

Durch den starken Aufprall entstand eine größere Weichteilverletzung. Etwa zwei Hände groß wurde Haut und Gewebe am Schienbein abgerissen, welche dann in der Skihose klebten. Eine Knochenheilung wäre ohne Weichteildefektdeckung mittels Lappenplastik nicht möglich gewesen. Das bedeutet, das man Teile des breiten Rückenmuskels Latissimus Dorsi entnimmt, also rauschneidet, der dann auch ohne Funktion bleibt und nicht mehr nachwächst. Dieser wird dann in Präzisionsarbeit mit den vorhandenen Gefäßen am Unterschenkel, die zuvor betrachtet werden müssen (das war auch eine spannende Geschichte...) inwieweit sie intakt sind, verbunden und eingearbeitet. Das war die zweite OP. Durch weiteren Blutverlust und einem HB Wert von mittlerweile unter 6 waren Bluttransfusionen, insgesamt 12, unumgänglich. Spiegel wurden mir an diesen Tagen vorenthalten, ich hatte keinerlei Farbe mehr im Gesicht, auch nicht in den Lippen.

Das war das Gröbste. Nun musste noch Haut auf den verpflanzten Muskel. Hierzu wurde innerhalb der gleichen OP ca. eine DIN A 4 Seite Haut vom linken Oberschenkel abgeschabt und aufs Schienbein angebracht. Die Gefäßgröße bewegt sich im 1/1000 mm Bereich, die dann unter Präzisionsarbeit verbunden werden, das ist schon fast unvorstellbar. Größtenteils ist alles auch gut angewachsen.

Ungeplant war, dass ich nach letzten OP meinen linken Arm, also die Seite der Entnahmestelle, nicht mehr bewegen konnte. Das war ein Schock. Wie soll ich denn jetzt an Krücken gehen ? Wie fühlt man sich wenn der Arzt sagt, heben sie doch mal ihren Arm hoch, um zu sehen weit der noch eingeschränkt ist, und das einzige was geht war ein Zucken im Daumen und Zeigefinger? Man sagte mir dass es eine Irritation des Plexusnerves sei, was sich wieder vollständig legen müsste. Ein Neurologe hat es sich angeschaut und getestet, und meinte mit großer Wahrscheinlichkeit müsste das wieder kommen. Nun hatte ich die Infusion am Handrücken, Schläuche aus dem Rücken die noch viel Wundsekret förderten und einen Arm den ich nicht bewegen konnte. Ich habe trainiert den Arm zu bewegen, wie selten zu vor in meinem Leben. Gleichzeitig durfte ich es aber auch nicht übertreiben, finde da mal den goldenen Mittelweg. Unter größten Anstrengungen konnte ich nach 2 Tagen die Hand heben, später sogar den Ellenbogen, heute mache ich wieder Handstand.

Nun war mehr Fläche meines Körpers eingewickelt als frei. Rechter Unterschenkel sowieso, für 5 Tage absolute Ruhe für das Bein. Das sollten lange Tage und vor allem

Nächte werden. Linker Oberschenkel wegen der großflächigen Hautabschabung für 10 Tage, mit Schmerzen bei jeder Bewegung die ersten 3 Tage. Dazu der linke Unterschenkel wegen einer zusätzlich festgestellten Muskelvenenthrombose, und der Rücken sowieso.

Dann kamen zunächst 2 ½, nach einer Verlängerung insgesamt 4 Wochen Reha. Bis es soweit war durfte ich 2 Tage vor Weihnachten bangen, ob die Versicherung die Reha rechtzeitig vor den Feiertagen genehmigen würde und die Kostenzusage rechtzeitig da wäre. Schade, dass ich so wegen der offenen Wunde die Zeit der Reha in Freiburg kaum nutzen konnte, um physisch Fortschritte zu machen. Die Unsicherheit war zu groß, dass das ganze Projekt hätte scheitern können. Da man eine weitere OP vermeiden wollte, fuhr ich die meiste Zeit im Rollstuhl durch die Gänge, saß auf dem Zimmer und machte Atem, Meditationsübungen und die Anwendungen die ich machen konnte. Es war ein wunderbar ruhiger Ort, und ich konnte mich innerlich sehr gut erholen. Dort haben wir auch Weihnachten mit der ganzen Familie gefeiert, und meine Tochter war mehrmals auch zum Übernachten da, so auch an Silvester.

Letztendlich wurde dann seitens der Spezialisten doch zu einer weiteren OP geraten, um die offene Stelle zur Minimierung der Infektionsgefahr zu schließen. Einen Tag darauf durfte ich schon nach Hause, das war natürlich wunderbar aber auch anstrengend. Der Fuß durfte wegen der Gefahr einer Hautverschiebung 4 Tage lang nicht auf den Boden, sonst hätten die Mikrogefäße Schaden nehmen können mit dem Risiko einer weiteren OP. Und das bei Schnee, Eis und vielen Treppenstufen im Haus.

Der ständige Spagath war: Wieviel kann, darf, muss ich selbst tun, wo muss ich loslassen und vertrauen? Wie geht man mit den vielen Aufklärungen, Risiken einer OP, und den spezifischen Risiken einer Verletzung um? Kann ich jemals wieder normal laufen? Heilen die Knochen zusammen? Heilt der Muskel gut ein? Wenn nicht müsste die OP wiederholt werden und der andere Latissimus auch noch entnommen werden. Heilt die Wunde am Rücken gut zu, die immerhin eine Narbenlänge von fast 30cm hat ? Welche Defizite werden dort bleiben, auch wenn es heißt es gäbe kaum welche? Wie werde ich mich mit so einem zusammengeflickten Bein fühlen? Wird alles gut gehen? Wäre das alles vermeidbar gewesen, habe ich einen Fehler gemacht? Wird meine Psyche, das Gemüt das alles gut überstehen? Und die Gemüter aller Beteiligten, Kinder,. Ehefrau Familie, Freunde, Bekannte? Darf ich so viel an mich und meine Probleme denken? Wieviel darf ich mir wünschen, womit muss ich mich abfinden?

Und anderseits: Die unbeschreibbare Dankbarkeit am Leben zu sein, beide Beine zu haben, klaren Geistes zu sein, keine Verletzung an Kopf oder Wirbelsäule, also im Verhältnis zu solchen Unfällen unsagbares Glück gehabt zu haben ?

Und da beginnt Yoga. Yoga steht ja für Einheit, Verbindung und ´Wiederherstellung´.

Wie schon früher erwähnt, hatte ich mit meinen täglichen Atemübungen nie aufgehört. Schon am Tag nach der 1. OP übte ich wahrscheinlich stundenlang täglich tiefes bewusstes Atmen. Bauchatmung hilft ja den Organen auch sehr, dem Geist zur Ruhe, zur natürlichen inneren Ruhe zu kommen und ein Gespür für die Bedürfnisse des Körpers zu bekommen. Und so auch besser zu verstehen und zu verarbeiten, was da vor sich geht und wie man es verarbeiten kann. Viel Tiefenentspannungen habe ich gemacht, täglich mehrmals dank des MP 3 war das gut möglich. Ich war sehr dankbar, dass die Notärzte an der Unfallstelle in wenigen Sekunden oder Minuten entschieden hatten, mich nach Zürich in das Uni Spital zu bringen. Dort wurde ich wirklich bestens versorgt und war medizinisch sicherlich in allerbesten Händen. Und

sehr wahrscheinlich wäre das Projekt Beinerhaltung an anderer Stelle erst gar nicht in Erwägung gezogen worden. Die schweizer Präzisionsarbeit war wirklich unbezahlbar wertvoll und zukunftsentscheidend.

An dieser Stelle möchte ich einige Gedankenmomente schreiben. Was geht einem durch den Kopf, wenn man so daliegt, nach dem der Besuch wieder gegangen ist ? Da gibt es natürlich viele `Löcher` und Momente der absoluten Leere und Traurigkeit, Ratlosigkeit, Verzweiflung, Angst und Unsicherheit. Auch Wut und Ärger über verschiedene Begleitumstände, wenn man wirklich völlig ausgeliefert daliegt.

Letztendlich kann man nur weiter üben, loszulassen. Doch es sind auch eine Menge Entscheidungen zu treffen, das Leben geht ja weiter. Bei medizinischen Fragen hat man kaum eine Wahl; was willst du sagen wenn dich die Ärzte am Vorabend der OP´s über die Risiken aufklären und dich fragen ob du damit einverstanden bist? Wenn dir jemand sagt, wir brauchen einen ihrer Rückenmuskeln um das Loch an Ihrem Schienbein zu flicken, es kann aber auch sein der wächst dort nicht an. Dann müsste man den anderen

(Latissimus) auch noch nehmen. Gut, die Wahrscheinlichkeiten sind verhältnismäßig gering, aber in diesem von Schmerzmitteln geschwängerten Nebelzustand ist man nicht ganz man selbst.

Umgang mit dem Ereignis, Tage und Nächte

Klinikatmosphäre, piepsende Infusionen, überhaupt keine Privatsphäre, am ist einfach ein medizinisches Beobachtungsobjekt und manchmal fühlt man sich auch wie ein Versuchskaninchen. Ständig die schrillen hallenden Sirenen der Krankenwagen, das Heulen der Sirenen hört man eine Ewigkeit lang. Rettungshubschrauber sind es täglich und nächtlich auch viele, und mit diesen hatte ich noch mehr Mühe. Und dann war da noch die Straßenbahn, das Quietschen der Räder hörte sich an wie Jammerschreie und Rufe verlorener Seelen. Nachts, in den längsten Nächten des Jahres, und an kalten, trüben nebligen Tagen.

Stundenlanges Wachliegen und nicht einschlafen können, sei´s wegen Schmerzen oder einer nie für möglichen geglaubten inneren Unruhe. Ich erinnere mich an die verzweifelte Bitte nach etwas zusätzlichem Morphin, als der Oberschenkel des verletzten Beines, der 5 Tage nach Bewegung schrie, ich musste ihn ja 5 Tage lang bewegungslos halten, sich immer wieder zusammenzog und verkrampfte, ein Einschlafen manchmal unmöglich machte. Es war wie ein kleiner Tod, diesen Lebensschrei des Oberschenkels abtöten zu müssen. Ja, man hätte es aushalten können, oft habe ich das auch getan. Oft haben die Atemtechniken und Meditationstechniken auch geholfen. Aber ohne Schlaf erfolgt auch keine Heilung - ein kleiner Teufelskreislauf.

Und da hast du dann den inneren Zweitstreit. Immer mit Hinblick auf ein bestmögliches Heilungsergebnis. Ohne Schlaf geht das eben auch nicht, und ich danke Sukadev von Herzen für seinen Anruf, in welchem er mir auch die ´yogische Legitimation´ für Medikamente und Schmerzmittel gab. Bis dahin habe ich in meinem Leben vielleicht 5 Tabletten genommen, und jetzt war es ein ganzer Cocktail täglich. Und ich war und bin heute sehr dankbar dass es diese gibt.

Es wurde mir auch ein Gespräch mit einer Psychotherapeutin angeboten, irgendwann habe ich dann auch ja gesagt. Außer medikamentöser Behandlung konnte mir die nette Dame nichts raten, diese habe ich dann abgelehnt. Ich musste mich aber auch etwas dagegen wehren, einmal habe ich mich nachts nicht getraut, noch einmal bei der Nachtschwester zu klingeln , da sie meinte das nächste mal geht’s nur noch mit

Psychopharmaka. Diese konnte ich vermeiden – wobei auch jene an der rechten Stelle in rechter Weise ein Segen sein können.

Tagsüber war es oft auch sehr anstrengend: Diverse Untersuchungen, Aufklärungen, Operationsvorbereitung und OP´s selbst, Gespräche wegen Reha, Polizeiverhör über den Unfall, Telefonate mit Versicherungen und dann noch entscheiden was man essen soll wenn man gar keinen Hunger hat. Nach der 1. OP wollten sie mir gleich Fleisch anbieten um zu Kräften zu kommen... Da hielt ich es doch lieber mit meinem Spezialmüsli zum Frühstück, bestehend aus Haferflocken, Quark, Nüssen + Samen, Braunhirse, Teffflocken, etwas Ovomaltine, Honig, Rosinen und Früchten. Als bei einer Visite die Ärzteschaft dies alles ausgebreitet auf meinem Tisch und Bett sah meinte der eine Professor zu seiner Gefolgschaft: „Dass man als Vegetarier so gut aussehen kann ? “....Als ich dann herausgefunden hatte wie ich es mit dem Essenbestellen bei der reichlichen Auswahl anstellen und deutlich sagen musste, war es königlich. Nun wissen die in der Küche auch dass ein ´Bündner Teller` nicht vegetarisch ist.

Was man am meisten befürchtet, oder was man am wenigsten mag, kommt irgendwann als kleinere oder größere Prüfung zu einem. Gut wenn man möglichst wenig wünscht und möglichst wenig ablehnt.

Nur 1x zuvor war ich für 3 Tage in einem Krankenhaus (Bienenstich+Blutvergiftung beim Radfahren) und machte immer eher einen Bogen drum herum. Noch nie hatte ich etwas gebrochen (außer bei Kunjar Kriya 1-2 Liter Salzwasser, und das freiwillig, die Yogis wissen was ich meine). Ich hatte noch nie Fremdkörper in ´meinem´ Körper und die Einstellung: “Mein Körper gehört mir, den halte ich selbst gut in Ordnung“. Und ich wollte so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus wieder raus in die Reha, und keinesfalls noch eine weitere OP. Ich war eher ein Medikamenten Gegner, und sagte des öfteren: „Hoffentlich komme ich nie als erster an einen Unfall“. Dies lag zwar schon Jahre zurück, aber auch diese Wünsche können wir nicht oder nur schwer zurücknehmen. Auf irgendeine Weise werden sie uns früher oder später begegnen.

Nun:

Die Geschichte beschreibt auch deutlich, dass man gut daran tut, aufzupassen was man sich wünscht und was man ablehnt. Genau diese Dinge müssen sich laut höheren Naturgesetzen irgendwann manifestieren, wenn man auf seiner Evolutionsreise weitergeht. So hatte ich nicht nur einen sondern gleich 2 Knochen gebrochen, und das komplett, haufenweise Metall im Bein, einen Körper der mir nicht mehr gehorchte und gehorchen konnte, den ich auch erst wieder verstehen lernen musste, war völlig abhängig und angewiesen auf andere, sogar beim Bettpfanne bringen, Hintern abwischen und gewaschen werden. Mich musste noch ein weiteres Mal ungeplant operiert werden plus der Metallentfernung in etwa ½ bis 1 Jahr. Und ich bin seither

sehr dankbar, dass es Schmerzmedikamente gab. Und komfortable Thrombosespritzen, die ich dann auch gelernt hatte mir sie selbst in Oberschenkel und Bauch zu geben. Und ich/wir waren die ersten, die als zunächst Unbeteiligte an diesen Massenunfall herangefahren waren.

Eine weiter Begebenheit möchte ich noch berichten:

In der Reha gab es eine Physiotherapeutin, die zu diesem Zeitpunkt im 6. Monat schwanger war. Natürlich spricht man über seine Geschichte, und viele waren immer betroffen, wie man als Helfer zum Opfer werden kann. Oft musste ich die Leute dann wieder aufbauen und ihnen Mut machen und sie wissen lassen, dass es insgesamt für o.k. ist. Und es mir gut geht. Wenige Tage später hatten wir einen Termin, und sie kam beinahe mit Tränen in den Augen zu mir, um mir folgendes zu erzählen: In der Neujahrsnacht war sie mit ihrem Freund in eine Massenkarambolage auf der Autobahn verwickelt, es waren 33 Autos auf nebelblinder Strecke in einander gerast. Sie standen, wussten nicht ob nicht noch ein weiteres Fahrzeug von hinten in sie hineinknallen würde, was dann auch später geschah. Aber sie sind angeschnallt im Fahrzeug sitzen geblieben, sich an meinen Fall erinnernd. Ein Autofahrer direkt nebendran ist ausgestiegen, hat sein Auto betrachtet, und ist dabei überfahren worden. So hatte meine Geschichte einen weiteren Sinn bekommen.

Wie hat mir Yoga, Yoga als Therapie Therapie geholfen ?

Welche Yogaübungen kann man im Krankenbett machen?

Zunächst einige technische Dinge, wie Yogaübungen als äußere und innere Instrumente

dienen können:

Pranayama - Atemübungen

Trotz gebrochener Rippe ging die tiefe Bauchatmung sehr gut. Der therapeutische Nutzen der tiefen Bauchatmung kann nicht oft genug betont werden. Sei es für die Verdauungsorgane, um Darmträgheit nach den OP´s vorzubeugen, sei es für die Verarbeitung und Aufarbeitung des Ereignisses selbst, der vielen ärztlichen Überlegungen, Informationen und Eventualitäten und der Risiken, (Selbst)-Vorwürfe, Ängste und Ungewissheiten wie alles werden wird und warum einem das passieren musste.

Die Wechselatmung übte ich fortan täglich. Mit entspanntem Luftanhalten. Das geht ebenso im Liegen, wie in leichter Schräglage, auch im Dämmerschlaf und auch mit Infusionsschläuchen und während einer Bluttransfusion. Gerade dabei kann man sich gut die pranische Aufladung des neuen Blutes und die Verbindung der neuen Blutkörperchen mit den vorhandenen visualisieren. (Interessanterweise habe ich soviel Blut gebraucht und bekommen, wie ich in meiner Blutspenderkarriere bis dato gespendet hatte, 12 Infusionen)

Kapalabhati geht auch gut, schräg oder aufrecht sitzend, auch angelehnt. Allerdings etwas weniger intensiv, und mit mäßigem Luftanhalten. Nach diesen Pranayamas waren immer auch augenblicklich die inneren Unsicherheiten überwunden, wie weggeatmet. Dankbarkeit und Zuversicht „es wird alles gut“, und das annehmen können der Situation wurden dadurch sehr gefördert. Mula Bandha war dabei zur Förderung der Inneren Sicherheit und Überwindung von Angstzuständen besonders hilfreich.

Da man ja nie ganz alleine ist, und ständig irgendjemand rein und rausrennt ist es gut, den Personen zu signalisieren dass es einem gut geht. Die kennen das nämlich nicht, dass jemand mit Schläuchen die überall aus dem Körper ragen und alle möglichen Körpersäfte auffangen da sitzt, sich die Nase zuhält und die Luft anhält. Mit Om Singen und Mantrarezitieren habe ich deshalb auch pausiert wenn jemand reinkam. Die machen sich dann schon mal ernsthaft Sorgen.

Mudras, Bandha

Mula Bandha (Anspannen der Beckenbodenmuskulatur) zur Wiedergewinnung des Realitätssinns und des gesunden Menschenverstandes, um nicht zu sagen um die Ängste zu überwinden, ist von allergrößtem Nutzen, war immer auch Bestandteil von Wechselatmung und Kapalabhathi, und kann auch separat und völlig unerkannt

geübt werden.

Mudras Hand.-/Fingerhaltungen zur Energielenkung

sind ebenso bestens geeignet, liegend oder sitzend zu üben. In meinem Fall war besonders Pran- Mudra (Daumen-Ring-kleiner Finger) empfohlen, welches mir sehr viel innere Kraft und Sicherheit zurückgegeben hat.

Mantras

Im Krankenhaus Radioprogramm noch nicht enthalten. Schade eigentlich. Im Zeitalter von MP3 und Notebooks eine wunderbare Möglichkeit, die heilenden Klänge der Mantras zur Aktivierung und Unterstützung der Selbstheilungskräfte einzusetzen. Täglich min. 3 Tiefenentspannungen mit der Yoga Vidya Tiefenentspannungs CD waren eine schöne Pflichtübung und regelmäßiger Bestandteil des Tagesablaufes. Manchmal auch zum Einschlafen oder in langen Nächten. Gut ist es , den MP3 Player mit einer Auswahl an Mantras und Entspannungsanleitungen zu bestücken.

Asanas

Welche Körperübungen kann man mit Blasenkatheter, 2 Schläuchen aus dem Fuß und 3 aus dem Rücken machen ?

Nun: Visualisieren kann man alles, und die Wirkungen sind erstaunlich.

So habe ich erstmal meine Yogastunden mit einer Entspannung, eingeleitet mit dem Durchwandern von Beinen, Armen, Rücken, Bauch, Brust, Hals, Kopf, Gesicht, ganzer Körper begonnen. 6-12 Runden Sonnengruß konzentrativ; mit dem anschließenden Gefühl von körperlicher Harmonie und innerem Gleichgewicht. Sogar der Puls hat sich schneller angefühlt.

Persönliche Yoga Therapie Betreuung

Neben der riesigen Anteilnahme, aufmunternden e-mails, Anrufen, Besuche, Briefe und Mitbringsel, Weihnachtsgebäck, Vitaminsäfte, dutzende Bücher von so vielen lieben Menschen, und vieler Heil.- und Segenswünsche, war die persönliche Betreuung durch (m)eine Yogatherapeutin Mahashakti für den ganzheitlichen Heilungserfolg herausragend wichtig.

Es ist neben der bestmöglichen medizinischen, äußeren Versorgung auch von grundlegender Bedeutung, wie die seelischen Wiederherstellung abläuft. Und dass sie bewusst abläuft! Ich beschränke mich hierbei auf allgemeingültig nachvollbeziehbare Vorstellungsmodelle von Körper- Geist- Seele. Im Yoga hat Seele als Atman ja eine etwas andere Bedeutung, dort können wir seelisch auch nicht krank oder verletzt werden.

Mein „Seelenklempner“ war Mahashakti. Ich hatte wenig Ahnung vom Umgang mit traumatischen Erlebnissen. Theoretisch ja, aber praktisch nicht. Nun durfte ich dies gleich am Selbstversuch lernen. Es gibt ja 3 Wege zu lernen: „Nachahmen, das gilt als der leichteste Weg, Selbsterkenntnis, der Edelste und eigene Erfahrungen, der schmerzvollste Weg“.

Stundenlange Telefonate im Krankenbett, oft spät abends waren Seelenbalsam pur.

Auch lernte ich besser zu verstehen, was passiert war, wie ich es in meinem Weltbild einordnen konnte, und ich lernte den tieferen Sinn darin zu verstehen. Auf rein physischer und psychischer Ebene war das nicht möglich. Nach den Gesprächen konnte ich oft wunderbar selig einschlafen und tief regenerieren.

Dass jemand einfach nur für einem da ist, der zuhört und dem man alles erzählen kann ohne ihn und dabei sich selbst zu sehr zu belasten, wie es im familiären Kreis manchmal der Fall ist, da die nahestehenden Personen ja selbst schon hochbelastet und gänzlich involviert sind. Und nicht nur zuhören war die Hilfe, sondern auch konkrete Tipps geben, was ich auf welcher Ebene anwenden konnte. Gleichzeitig war und bin ich dankbar, dass mir das zu dem Zeitpunkt passiert war, da ich schon einige Jahre mit Yoga, Meditation, Bewusstseinsentfaltung und Sinn des Lebens aktiv beschäftigt habe.

Um langsam zum Schluss zu kommen begrenze ich meine Ausführungen noch um folgende Wahrnehmungen:

Immer wenn ich etwas ehemals vertrautes und ´normales´ wieder zum ersten mal erlebte, war es ganz besonders intensiv und schön. Jemanden Bekanntes zum ersten mal nach dem Unfall wieder zu sehen, war auf eine nicht direkt zu beschreibende Weise etwas sonderbar, aber sonderbar intensiv. Als ich meine Frau, Kinder und sogar den Hund zum ersten mal wieder sah, nach Hause zurückkam, das erste mal im Yogazentrum, alles fühlte sich irgendwie neu, bisschen fremd und vertraut zugleich an. Das erste mal schwimmen gehen, ganz vom Wasser umgeben zu sein, war wunderbar. Das erste mal duschen nach rund 3 Monaten ebenfalls. Und das erste mal auf beiden Beinen zu stehen, nach wochenlangem Training, erst mal wieder den Fuß aufzusetzen, die Beweglichkeit soweit wiederherzustellen um überhaupt den Fuß ganzflächig aufsetzen zu können, dann Teilbelastung, danach theoretische Vollbelastung. Theoretisch deshalb, weil es wegen der Sperre im Fußgelenk aufgrund des Bolzens im Schien.- und Wadenbein und der Schmerzen einfach nicht ging, für das Knochenwachstum aber von großer Wichtigkeit war, dass diese Kompression bekommen.

Das erste mit nur einer Stütze gehen war ein phänomenales Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Dann ganz ohne. Die letzte Thrombosespritze, die letzte Schmerztablette, das erste mal Kompressionsstrumpf statt dem wochenlangen einwickeln des Fußes/Beines jeden Tag. Das erste mal mit dem Hund alleine laufen können. Ohne dass er mich mit seinen knapp 10 Kg. Von den Beinen holt wenn eine Katze den Weg kreuzt. Das erst mal 100 m am Stück, dann 15 min. , dann ohne Kompressionsstrumpf usw. Letzte Woche bin ich zu Fuß ins Yogazentrum gelaufen, das sind 45 min. Und zurück. Das erste mal selber Autofahren, eine Mut-und Überwindungsübung sondergleichen, nicht ständig an die Gefahren zu denken was alles passieren kann.

Das erste mal wieder alleine Zug fahren, auch von Reise zu Reise geht’s immer unbeschwerlicher, anfangs war das auch eine Kopfsache, das erste mal wieder von zu Hause weg, nachdem man ja endlich wieder zu Hause war. Das erste mal wieder alleine zu Hause sein, und vieles mehr...

Das Ereignis traf mich zwar völlig überraschend, aber dank der jahrelangen Yogapraxis in gewisser Weise auch nicht ganz unvorbereitet. Ich weiß nicht, wie ich vor 20 oder 10 Jahren ohne das Wissen und den Erfahrungsschatz des Yoga mit der Situation hätte umgehen können. Es ist gut, viel innere Stabilität aufzubauen, viel Prana zu haben und aufzuspeichern, einen tiefen Glauben und Vertrauen zu entwickeln. Oder darum zu bitten und zu beten. Das Ziel des Lebens ist nicht, dass das gesamte Leben erfolgreich, immer nur angenehm, leicht und schön, fehlerfrei und bist zum letzten Atemzug ohne Zwischenfälle und Hindernisse verläuft – welch Illusion möchte uns da manchmal vorgegaukelt werden.

Für die ganzheitliche Weiterentwicklung von uns Menschen sind Erfahrungen unumgänglich. Klingt banal, aber ja genau deshalb sind wir hier. Und das ist ja auch wunderbar, den wer möchte schon auf all die schönen Dinge des Lebens verzichten, die da ja auch genauso da sind! Nur denkt keiner gerne freiwillig an die anstrengenden und schmerzlichen Erfahrungen, durch die wir doch im Nachhinen betrachtet erst so richtig reifen konnten.

Womöglich war diese Erfahrung für alle Beteiligten unvermeidbar. Wenn nicht in dieser Weise an diesem Ort, dann später im Leben an einem anderen Ort in einem anderen Zusammenhang. Gelegenheiten hätte es in der Vergangenheit bereits genügend gegeben, und Rationalisten würden es vielleicht mit der Wahrscheinlichkeitstheorie zu erklären versuchen, dass wenn man nur ausreichend risikoreich oder lange genug lebt, es einem irgendwann erwischt. Das mag sicherlich auch gewissermaßen zutreffend sein, ich halte es jedoch für müßig, wenig tröstlich und unvollständig.

Alles ist für etwas gut; es gibt nichts das so schlecht ist als dass es nicht für irgendetwas

gut sein könnte, so ähnlich sagt es der Volksmund.

Alles Karma, Gutes Karma-Schlechtes Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Aber auch hier muss man etwas weiter gehen, dann wo ist die Gerechtigkeit Gottes, wenn jemand beim helfen zum Opfer wird. Wie früher angesprochen findet man auf dieser Ebene die Antwort nicht. Natürlich ist es in Ordnung, wenn man etwas weiter geht. Würdest du es wieder tun, hat mich ein Bekannter nach einigen Monaten gefragt? Und ich konnte ohne zu zögern sagen: „Ja, selbstverständlich“.

Zwei Mönche waschen ihre Bettelschalen am Fluß aus. Einer sieht einen Skorpion im Wasser treiben, rettet ihn aus dem Wasser, setzt ihn in´s Gras, dabei sticht der Skorpion den Mönch. Wenige Minuten später fällt der Skorpion wieder in´s Wasser. Der Gleich Mönch rettet Ihn wieder, und – der Skorpion sticht ihn erneut. Der andere Mönch kann das nicht verstehen und fragt seinen Freund: „Lieber Freund, du weißt doch, dass es in der Natur des Skorpions liegt, zu stechen“ - Ja, das weiß ich wohl – und in meiner Natur liegt es, zu retten“.

Diese Geschichte soll allen Menschen Zuversicht und Mut schenken, in schweren, dunklen Zeiten des Leidens. Sicher gibt es viele Menschen, die noch weitaus Schlimmeres erlebt haben und durchleiden müssen, mit weniger ´Glück´ und Begleitung. All denjenigen gilt mein Trost und mein Gebet in besonderem Maße.

Alles im Leben hat einen Sinn, vieles einen tiefen Sinn, es ist nur schwierig, ihn zu finden und verstehen. Es braucht Zeit, und Zuversicht. Der beste Ratgeber und Kraftspender dabei war für mich stets das Licht. Das Licht der Sonne, die immer scheint, jedoch nicht immer sichtbar ist. Sei gewiss, sie wird auch morgen wieder aufgehen und für dich und deine Lieben strahlen, dein Herz erhellen und erwärmen. Das Licht im Feuer und einer Kerzenflamme, spüre ihre Wärme, Geborgenheit , Kraft, Positivität und Zuversicht. Oder das Licht in Mond und Gestirnen.

„Das Licht das in der Sonne ist und die ganze Wellt erhellt/erhält, das im Mond und im Feuer ist, wisse, das ist mein Licht ist“ Bhagavad Gita Kap. 15 Vers 12

Yoga als Werkzeug hilft zweifelsfrei sehr auf der körperlichen Ebene.

Yoga, Entspannung und Meditation helfen auf der emotionalen, energetischen und geistigen Ebene. Yoga hilft, vielleicht gerade auch in schwierigsten Situationen, sich voll und ganz hinzugeben und zu sagen “Dein Wille geschehe“.

Amen wirklich in seiner Essenz zu verstehen und zu leben, zu verstehen als bedingungslose Akzeptanz des Gesetzes von Ursache und Wirkung, um zu wachsen, alle die Erfahrungen möglichst bewusst zumachen, unabdingbar für unsere vollständige Reifung und Rückkehr zum Ursprung.

Om tat sat.

Nilakantha Christian Enz

Nach oben

Katalog anfordern
Online Anmelden
Beratung und Anmeldung