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Erfahrungsberichte: Krebs

Anja

Ich bin an Krebs erkrankt und habe eine statistische Weiterlebenschance von 10-15 %. Mein Karzinom ist langsam oder schnell in meiner Speiseröhre gewachsen. Das lässt sich heute nicht mehr sagen.

Mein Krebs hat sich in einer Zeit entwickelt, in der ich bereits langjährig Yoga praktiziert und unterrichtet habe. Kann Yoga seine heilende Kraft nur entwickeln, wenn der Mensch vorher kein Yoga praktiziert hat?

Das ist zynisch und entspricht nicht meiner Überzeugung von der Kraft des Yoga. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass es Krankheiten gibt, die stärker als Yoga sind.

Solang ich noch halbwegs bei Kräften war, habe ich noch intensiv meditiert. Für Atem­übungen und Asanas fehlte mir sehr früh die Kraft. Ich nahm bis zur Entdeckung des Karzinoms 10 kg ab. Übergewichtig war ich schon vorher nicht.

Ab dem zweiten Tag der Chemo konnte ich nicht mehr aufrecht sitzen. Statt Meditation und positivem Denken hatte ich nur einen Gedanken, der sich ständig in meinem Kopf wieder­holte: Ich will leben!

Vielleicht hat mir meine Yoga-Praxis auch in diesen Tagen über mein Unterbewusstsein ge­holfen. Auch wenn mir für Affirmationen die Kraft fehlte, so konnte ich vor meinem inneren Auge Filme abspielen lassen: Szenen aus meinem Leben. Momente, in denen ich glücklich war. Erfahrungen, die ich gern gemacht habe. Menschen, denen ich gern begegnet bin.

Ich habe und hatte Angst um mein Leben und empfand Demut und Dankbarkeit gegenüber den Dingen, die ich erlebt habe. Hätte ich die gleiche Haltung, wenn ich mich nicht mit Yoga-Philosophie beschäftigt hätte?

Meine Einstellung zum Leben ist von meinen Glauben an Gott geprägt. Yoga als Gedanken­gebilde ist hier dazugekommen. Einen Alltag entgegen yogischer Grundsätze kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Ich habe inzwischen fünf Chemo-Zyklen à 5 Tagen sowie die Höchstdosis an Bestrahlung hinter mir. Eine Operation ist nicht möglich. Das Karzinom lässt andere Körperregionen in Ruhe, wuchert aber wild und behindert mich so beim Essen und Trinken. Die Speiseröhre kann mit einem Ballon geweitet werden. Mit jedem Mal wächst allerdings das Risiko von Komplikationen. Insbesondere besteht die Gefahr, dass die Speiseröhre platzt.

Für mich geht es täglich darum, mir einen Alltag mit so wenig fremder Hilfe wie möglich zu schaffen. Ich kann meditieren, Atemübungen machen und Asanas ausprobieren. Ich kann jetzt nachfühlen, wie es bei meinen Schülern immer zwickt und zwackt, wenn sie lange nichts getan haben. Mein größte Herausforderung bleibt, mir meine Kräfte einzuteilen. Auch mit Yoga-Erfahrung ist die Anpassung an einen ausgelaugten und ausgemergelten Körper nicht leicht. Schweißausbrüche passieren mir immer noch. Es ist schwer zu akzeptieren, dass nichts so wie früher ist und sein wird. Es kommt immer auf die Tagesverfassung an.

Mir ist auch sehr bewusst, dass mir momentan etwas fehlt: ein Meister, ein Yoga-Lehrer, der mich gleichzeitig bremst und fordert. Mir fehlt die Verbindung zum Göttlichen. Glaube, Liebe, Hoffnung – sie sind manchmal schwer am Leben zu erhalten.

Meiner Überzeugung nach kommt mit einem Medium auch die entscheidende Komponente ins Spiel: das Mitmenschliche. Leben wäre nicht lebenswert, wenn wir uns nicht in gemeinsamen Überzeugungen die Hand reichen könnten. Ist jemand krank, braucht er diese Hand oder wenigstens die Erinnerung daran. Leben bedeutet Leben in der Gemeinschaft. Für mich wird dieses Prinzip in jeder Yoga-Stunde lebendig: ich fühle mich eins mit mir und integriert in die Gruppe um mich herum.

Wer gegen eine Kraft wie Krebs ankämpft, tut gut daran, sich seiner eigenen Kräfte gewahr zu werden. Wer sich mit Krebs auseinandersetzt, tut gut daran, sich seiner selbst klar zu sein. Yoga ist dafür ein Weg.

Hari OM
Anja

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Erfahrungsbericht von Marielle

Ich heiße Marielle ich bin 55 jahre alt vor einem jahr wurde bei mir Brustkrebs diagnostiziert. Ich war mitten in der Yogalehrerausbildung im zweiten jahr. An dem Tag an dem ich die Diagnose bekam, habe ich ganz normal gearbeitet (ich bin Ballettlehrerin und habe eine Ballettschule) ich musste schnell meine Vertretung organisieren weil ich direkt ein Tag später ins Krankenhaus kam. Ich war zwar sehr traurig aber auch sehr ruhig (im Grunde war ich in einem sekundären Zustand). Am Abend habe ich meine Yogastunde gegeben ich habe den Schüler nichts gesagt aber ich habe die Ruhe gespürt die in mich kam durch das Yoga unterrichten. Ich sang das Gayatrimantra, was mein Lieblingsmantra ist und habe mich dabei geborgen gefühlt. Ich konnte es denen nicht sagen weil ich wusste alle wären schokiert und ich brauchte Ruhe und die Ruhe ist durch mich gekommen durch die Energie der Schüler und wer weiss noch welche????? Ich habe meine ganzen Yogasachen mit ins krankenhaus mit genommen und habe am Abend vor der OP meine Yoga-Vidya-Reihe gemacht von Anfang bis Ende. Es war eine Art Abschied von vielen Asanas die ich erstmal lange nicht machen können würde. Es störte mich nicht dass noch eine Person im Zimmer war, so war ich doch weiterhin ruhig - voll Trauer aber ruhig. Ich habe nach der ersten OP und nach den folgenden zweiten sofort mit kleine Übungen angefangen mit Hilfe von Kissen (ich war 4 wochen im Krankenhaus). und sobald ich konnte bin ich zur Yogalehrerausbildung gefahren. Eine liebe Freundin holte mich von Krankenhaus ab und ich flüchtete - sogar mit Drainage!!! Einfach nur dabei sein und weiter machen...... ich muss sagen das Yoga hat mich in Angstphasen und Wutphasen immer geholfen. Ich hatte immer etwas wo ich mich halten konnte. Sobald ich aus dem krankenhaus war, habe wieder angefangen Yoga zu unterrichten (nicht Ballett! da brauchte ich länger). Yoga unterrichten gibt mir Energie, Ballett raubt mir die Energie!! Da ich keine Chemo bekommen habe konnte ich die Yogalehrerausbildung zu Ende machen. Ich hatte im Februar die 4. OP (nach der Prüfung) und ging wieder mit Matte und Kissen im Krankenhaus und habe sofort mit kleine Übungen im Bett angefangen Füße,Hände ,Viparita Karani. Es war wenig was ich durfte aber ich habe es mehrmals am Tag gemacht. So konnte sich mein Körper schnell erholen (die Ärtze und Schwester kannten es schon von mir!!!) und nach einer langen Zeit kann ich schon wieder alles machen. Ich habe die Kraft und die Gelenkigkeit nicht verloren und weiss dass ich alles ohne Yoga nicht so gepackt hätte. Natürlich hat meine Familie mir auch sehr geholfen aber die Unruhe innen kann ich auch durch meditieren jetzt besser im Griff bekommen. In der schlimmen Phase konnte ich überhaupt nicht meditieren, da waren die Asanas wichtiger. Ich muss starke Tabletten nehmen (Antihormon) und meine Knochen tun mir manchmal weh aber ich freue mich auf jede Yogastunde die ich machen kann weil es mir danach immer besser geht. Ich hoffe dass es so weiter geht und ich würde gerne anderen Frauen motivieren nach solchen Schock und OPs Yoga zu praktizieren um schneller wieder sich gut zu fühlen. Ich bin so froh die Yogalehrerausbildung vor meiner Krankheit angefangen zu haben. Da ich nicht mehr soviel Ballett unterrichten kann gebe ich jetzt jeden Tag einen Yogakurs und einen Ballettkurs und ich integriere vieles aus dem Yoga in meine Ballettstunden.

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