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Yoga und Partnerschaft

16.08.2011

Muss man als spiritueller Mensch jetzt auch „ganzheitlich lieben“? Die Gefühle sind – Gottseidank! – immer noch frei. Yoga-Übende haben aber manchmal ein paar Vorteile im Finden und Halten von „glücklichen Beziehungen“.

Wie oft wir uns früher „ver“liebt haben können wir heute meist nicht mehr mit Sicherheit sagen. Oft ist uns damals eine romantische Definition von Liebe im Hinterkopf gewesen, die für eine langfristige Beziehung keine gute Grundlage war. Die verschiedenen Wege die uns die Yoga-Philosophie und –Praxis bietet helfen uns zunächst dabei, uns selbst ganz zu fühlen. Dadurch kommen wir in das Vergnügen, auch mit anderen Menschen gut auszukommen.

Das „Yoga der hingebungsvollen Liebe“, wird der Weg des Bhakti-Yoga verheissungsvoll in der Bhagavad Gita genannt. Wer in seinem Yoga-Studio mal ein Bild von eng umschlungenen Götter-Paaren gesehen hat, oder im Urlaub eine Buddha-Figur erstanden hat die er nicht mehr hergeben möchte, der hat einen Geschmack davon bekommen. Durch die Liebe zum Göttlichen, ausgedrückt durch Singen und Tanzen – egal ob zu Mantren oder Schlagern, kann etwas im Herzen berührt werden, dass größer ist als die Identifikation mit menschlichen Alltagssorgen. Diese Weite hilft auch in Beziehungen, mit Herausforderungen entspannt umzugehen.

Die Grenzen zum Karma-Yoga, dem „Yoga des selbstlosen Dienens“ sind dabei fließend. Auf dem ersten Blick mag es ein sehr archaisches Bild von Beziehung sein, stets zu versuchen, das Göttliche im Gegenüber zu sehen, und den Partner auch dann als Lehrer zu sehen, wenn man mal nicht einer Meinung ist. Spätestens seit dem letzten Jahrhundert möchten Mann und Frau gleichberechtig sein. Das sind sie auch im traditionellen östlichen Verständnis der Ehe. Freiheit entsteht hier dadurch, sich nicht in einer Beziehung gefangen zu fühlen, sondern die manchmal spannenden Effekte der Berührung zweier Menschen auf kleinem Raum als Hinweis zu nehmen, wo man selbst lieber kontrollieren als fließen möchte. Das vielbeschworene „los lassen“… in einer Partnerschaft wird man immer wieder dazu aufgefordert sein. Das Geschick im Handeln liegt laut Yoga darin, die eigenen Hartnäckigkeiten los zu lassen, und nicht gleich die gesamte Beziehung.

Dann ist Jnana-Yoga, das „Yoga des Wissens“ keine trockene Philosophie mehr, sondern ein Übungsweg die Welt und den Partner realistischer zu betrachten. Die Beschäftigung mit der Frage „Wer bin ich?“ führt früher oder später zu einem Moment der Stille und – paradoxerweise – des Nicht-Wissens. Das hilft Forderungen abzubauen, der andere müsste so-und-so sein damit man ihn lieben könnte. Und auch in langjährige Partnerschaften kommt Bewegung, denn der Partner wird so wieder täglich zu einer neuen Überraschung. Im besten Sinne des Wortes.

Wenn Liebe so verstanden und gehalten wird, ist man froh, sie auch genießen zu können. Yogis werden nicht müde zu betonen, dass es im Yoga um mehr geht als nur den Körper. Aber es geht eben auch um ihn. Und was ist ein schönerer Grund auf der Welt zu sein, als sich als Mann und Frau zu begegnen. Hatha-Yoga macht uns nicht nur entspannt und stabil für die Meditation; ganz nebenbei hilft uns die mit der Übung wachsende Lebensenergie und Geschmeidigkeit auch, die Begegnung mit unserem Partner als „Fest der Liebe“ zu erleben.

Ralf Sturm, Yoga Vidya