Jun 30 2017

Wie wir durch Hingabe an einen Guru wachsen können


swami_sivananda08Am 8./9. Juli 2017 feiern wir Guru Purnima, das Fest an dem traditionellerweise der spirituelle Lehrer verehrt wird. Was es mit einem Guru auf sich hat und welche positive Wirkung eine Guru-Schüler Beziehung auf unser Leben haben kann, erfährst du in diesem Beitrag.

Wer oder was ist ein Guru?

„Der Guru ist Gott selbst, der sich in einer persönlichen Gestalt manifestiert, um den Aspiranten zu führen…. Er ist ein Wesen, welches sich von Diesem zu Jenem erhoben hat und so freien Zugang in beide Regionen hat. Er steht an der Schwelle der Unsterblichkeit; und indem er sich bückt, zieht er die sich bemühenden Individuen mit einer Hand nach oben, und mit der anderen Hand erhebt er sie in das Reich unvergänglicher Seligkeit und unendlicher Wahrheit.“ (Swami Sivananda)

Sinngemäß übersetzt, bedeutet Guru „der, der Licht in die Dunkelheit bringt“. Damit ist der persönliche, spirituelle Lehrer gemeint, der uns auf unserem Weg begleitet. Dies ist klassischerweise ein selbstverwirklichter Meister, wie z.B. Swami Sivananda, der uns mit seinem Bewusstseinszustand daran erinnern soll, dass Selbstverwirklichung möglich ist.

Natürlich können wir auch unsere Intuition und Herzensweisheit, sowie das Leben selbst mit allen Erfahrungen, die es für uns bereit hält, als Guru ansehen. Zu Guru Purnima, wollen wir uns allerdings mit dem Guru als spirituellen Lehrer etwas näher beschäftigen.

Als der Schüler noch bei seinem Meister lebte…

Yoga ist eine Einweihungstradition, in der es traditionellerweise eine Lehrer-Schüler (Guru-Shishya) Beziehung gibt. In der Frühzeit des Yoga wurden die Lehren mündlich überliefert. Der Meister suchte sich seinen Schüler sehr gut aus und es war normal, dass der Schüler über viele Jahre hinweg bei seinem Guru lebte.

Heutzutage sieht es anders aus. Es gibt nur noch wenige Traditionen, in denen Wissen geheim gehalten wird. Man braucht keine besonderen Qualifikationen, um eine Yogalehrer Ausbildung zu absolvieren. Auch sind spirituelle Ambitionen nicht notwendig, um regelmäßig Asanas zu praktizieren.

Der Ursprung des Yoga ist allerdings in einem spirituellen Konzept zu finden, bei dem es um Transformation und Selbsterfahrung geht. Anna Trökes beschreibt dies wunderbar in ihrem Buch „Die sieben Schätze des Yoga“. Hier ein Auszug:

In kaum einem Buch, Artikel oder Kurs wird jedoch darauf hingewiesen, dass Yoga eigentlich ein Übungsweg ist, bei dem es darum geht, sich selbst zu erfahren und das eigene Wesen zu entwickeln und zu entfalten…. Einen tieferen Sinn und eine innere Ausrichtung bekommen all die vielen Yogaübungen aber erst dadurch, dass sie in Verbindung zu der Philosophie gesetzt werden, aus deren Erkenntnissen heraus sie einst entwickelt wurde. Und um die Philosophie nicht nur zu vermitteln, sondern vor allem auch durch das eigene Beispiel erfahrbar werden zu lassen, sind Yogalehrer und -meister vonnöten. (Anna Trökes)

Die Angst vor Abhängigkeit

Während es in Indien völlig normal ist, einen Guru zu haben, wird dieses Konzept bei uns im Westen oft kritisch gesehen. Viele Menschen haben Angst von einem Guru abhängig und ausgenutzt zu werden.

→ In Anbetracht der Tatsache, dass es durchaus Fake-Gurus gibt, macht es Sinn unseren gesunden Menschenverstand zu benutzen und den spirituellen Lehrer unserer Wahl hinsichtlich seiner Ethik und Moral in seinen Handlungen zu überprüfen.

Während meiner Zeit in Indien ist mir außerdem bewusst geworden, wie viel Einfluss unsere Sozialisation darauf hat, inwieweit wir offen für ein Guru-Schüler Konzept sind. Obwohl ich mich schon einige Jahre auf dem Yogaweg befand, wurde mir vor Ort bewusst, dass das spirituelle Verständnis, in dem ich sozialisiert wurde, nicht beinhaltete, dass jeder von uns die potentielle Möglichkeit besitzt, Selbstverwirklichung zu erreichen. Auch leben wir nicht in einer Kultur, in der es allseits bekannt und akzeptiert ist, dass immer wieder selbstverwirklichte Meister inkarnieren, die uns auf unserem Weg begleiten und uns zu unseren wahren Natur führen. Die Rituale und der Umgang mit einem Guru, der Gehorsam und die Disziplin, die damit einhergehen, ist für viele Menschen im Westen oft befremdlich und ein Grund zur Beunruhigung.

Hingabe als wesentlicher Bestandteil des Yogaweges

Eure Hingabe dient nur einem: euer innerliches Wachstum zu beschleunigen, euch zum Frieden des Gemüts und der Glückseligkeit zu verhelfen und die Umwandlung eures kleinen ‚Selbst‘ in das große Selbst zu bewirken. (Amma)

Wenn wir uns auf dem spirituellen Weg befinden und ernsthaft wachsen wollen, hält dies nicht nur Glückseligkeit, sondern einige Hindernisse für uns bereit. Wir sind immer wieder aufgefordert uns in unserer Ganzheit anzunehmen und Ja zu uns und unseren Lebensumständen zu sagen.

Um uns weiterzuentwickeln, benötigen wir Hingabe

Wenn wir uns hingeben, kommen wir in eine Akzeptanz, aus der eine tiefe Transformation entstehen kann. Wenn wir einem Meister begegnen, ob in physischer oder feinstofflicher Form, bei dem wir uns ohne Zweifel friedvoll fühlen, dann können wir dies als kosmische Gnade anerkennen. Denn es ist nicht selbstverständlich einen Guru zu finden, der mit unserer eigenen Seele in Resonanz geht, bei dem wir wachsen und Zuflucht nehmen können.

In Indien spricht man davon, dass man alle Anliegen jeglicher Art seinem Guru zu Füßen legen kann. Natürlich neigen wir erst einmal dazu unsere Unannehmlichkeiten und Altlasten bei unserem Guru abzuladen. Jedoch bedeutet Hingabe in diesem Kontext auch unseren schönen Ereignisse dem Guru „zu Füßen zu legen“. Dies soll uns dabei helfen uns von unseren Konzepten zu lösen und zu erkennen, dass hinter all unseren Handlungen etwas größeres steht.

Ein Guru in diesem Sinne führt nicht in die Abhängigkeit und er besitzt den Schüler nicht, sondern er löst unsere Begrenzungen auf und weist uns den Weg zu unserem wahren Selbst. Wer diesen Weg gehen möchte, muss es wirklich wollen. Denn er erfordert Mut, Geduld, Vertrauen und die Bereitschaft sich wirklich hinzugeben.

Kirtan Mela – die perfekte Gelegenheit, um Hingabe zu entwickeln.

Kirtan ist das gefühlvolle Singen von Gottes Namen. Dieses Singen hat eine heilende Wirkung sowohl auf den physischen als auch auf die feinstofflichen Körper. Es ist eine ausgezeichnete Methode, um die Nerven zu beruhigen und den Emotionen eine positive Richtung zu geben. (Swami Sivananda)

Anlässlich der Guru Purnima Feierlichkeiten wird es in Bad Meinberg ein ganz besonderes Event geben. Du bist herzlich dazu eingeladen, in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli 2017 (von ca. 22:15 – 4:30h) gemeinsam mit anderen Yogis Kirtan und Mantras zu singen. Vorher gibt es bis ca. 22.00h Satsang.

>>> Hier erfährst du mehr zum Guru Purnima-Tag in Bad Meinberg

In diesem Sinne wünsche ich happy Guru Purnima: OM SRI GURUBHYO NAMAH!

Niedballa-Maria-MaMaria Ma lebt seit vielen Jahren im engen Kontakt mit der indischen Kultur und praktiziert jeden Tag mit viel Freude Yoga. Im Jahr 2013 hat sie ganzherzig (www.ganzherzig.de) gegründet, einen ganzheitlichen Yoga-Blog für Menschen, die Yoga lieben und leben & ihren Alltag mit Spirit und Leichtigkeit versüßen wollen. Website: www.ganzherzig.de

 

 

7 Kommentare

7 Yoga Blog Kommentare to “Wie wir durch Hingabe an einen Guru wachsen können”

  1. Dieter Jahnkeam 19. Juli 2016 um 11:50 1

    In der spirituellen Meister – Schüler Beziehung ( upanishad ), zu einem Erwachten ( buddha ), werden meine Unzulänglichkeiten reflektiert, sâdhanâ angeleitet und der Weg geoffenbart.

  2. Maybelam 31. Juli 2016 um 13:47 2

    Om Maria Ma,
    was bedeutet für dich Wachstum?
    Liebe Grüße
    Mabel

  3. Maria Maam 1. August 2016 um 09:20 3

    Om Maybel,

    danke für deinen Kommentar. Wachstum in diesem Kontext bedeutet für mich immer wieder meine Konzepte über mich und die Welt loszulassen und in eine höhere Führung zu vertrauen.
    Es bedeutet auch zu akzeptieren, dass Selbsterfahrung immer mit Veränderungsprozessen und Auflösungen verbunden ist. Dies ist nicht immer angenehm, aber wenn wir uns dem hingeben, können wir wachsen und unseren inneren Raum erweitern.

    Was bedeutet für dich Wachstum?

    Liebste Grüße & Om Shanti
    Maria

  4. Maybelam 1. August 2016 um 17:18 4

    Om Maria,
    Wachstum bedeutet für mich u.a. Streckung, größer werden, Gegenteil von Schrumpfung.
    Je mehr ich mich meinem Leiden hingebe, umso mehr lasse ich los, werde freier und leichter.
    Herzliche Grüße
    Maybel

  5. Maria Maam 4. August 2016 um 13:43 5

    Om Maybel,

    das hast du schön gesagt! Passen dazu begegnete mir dieses Zitat von Swami Sivananda:
    „Leid resultiert aus mangelnder Hingabe.“ 😉

    Alles Liebe & Om Shanti
    Maria

  6. […] Mehr über Guru Purnima könnt ihr in einem wunderschönen Blogbeitrag von Maria Ma nachlesen. […]

  7. Paulam 8. Juli 2017 um 13:49 7

    In der Zeit Kaljuyga ist es sehr schwer einen Meister (Guru) zu finden, der selbst Eins mit den makenlosen Herrn ist. Viele Guru schaffen es nicht bis zur Vollkommenheit; mitinkarnierte Eigenschaften aus unzähligen Leben lassen nicht locker. Resultierend sieht man heute unterschiedliche Charaktere die Aspiranten den Weg zeigen -mit beschränkten Zusang.

    Gott hat sich in der Form des Klanges und Bustaben als Sri Guru Granth Sahib ji inkarniert – steht auch in Bawikh Purana drin, dass Gott als Shabad Guru erscheinen wird.

    Das Konzept ist einfach: Vertiefe dich in Gottes Namen und lass dich von ser inneren Stimme Seele (nicht Geist) leiten. Wenn sich das Inner nach Gott sehnt l, wird man von Guru ji – Der auch in uns ist – geleitet. Wir müssen den Guru nur in uns durch die Vertiefung in Namen Gottes den Guru erwecken. Versucht es mal. 😁

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