Jan 13 2018

Mein Adventskalender bleibt. Ein Gleichnis.

Abgelegt 07:25 unter yoga-blog-news


Weihnachten ist vorbei. Mein Adventskalender bleibt. Ein Gleichnis.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich in der Zukunft gefangen war. Verhaftet in der Angst vor dem Bevorstehenden und gefesselt von der Freude auf das Kommende.

Zwischen meinem 40- bis 50- Stunden-Job und den Geschäftsreisen schleppte ich mich noch pflichtbewusst ins Fitnessstudio und zum Ehrenamt. Ich arbeitete ausschließlich auf das Wochenende hin, auf den nächsten Backpacker-Urlaub oder auf den Brückentag. Bammel vor Abgabefristen und künftigen Vorträgen bereiteten mir Monate vorher schlaflose Nächte. Jede Minute der Wochenenden waren bereits wochenlang vorher durchgetaktet bis hin zum obligatorischen Sonntagsabend-Tatort, der jede Woche das ´ich-will-kein-Montag-Gefühl´ neu anzündete.

Ich plante am Donnerstag schon den Mädels-Abend am Mittwoch, im April den August-Ausflug nach Amsterdam und 2012 das ganze Festival-Jahr 2015. Ich tagträumte, wohin die nächste Reise gehen könnte, und suchte gleich mal Flüge. Konstruierte Trainings- oder Abnehm-Challenges und überlegte, wann ich denn mal einen Marathon laufen könnte. Ich dachte, ich würde glücklicher sein, wenn ich dann wirklich eine Gehaltsstufe weiter oben stehen würde oder endlich die vorgenommenen 5 kg abgenommen hätte.

So wurden aus Vorfreuden unerfüllbare Erwartungen,
Tage zu Alltag,
Ziele zu einschränkenden Scheuklappen,
Motivation zu Verbissenheit,
Pläne zu festgefahrenen Spurrinnen,
und das Leben zu einer Selbstverständlichkeit.

Ich konnte die Dankbarkeit für all die täglichen, kleinen Wunder nicht mehr spüren. Konnte mich nicht mehr spüren. Mit alleinigem Fokus auf das ach so besondere Zukünftige grüßte täglich das Murmeltier und das Hamsterrad drehte sich unerbittlich. Ich plante die Zukunft und träumte von kommenden Ereignissen… aber lebte nicht mehr.

Vorfreude – Ein Balanceakt zwischen Zukunft und dem JETZT.

Klar, es ist wichtig groß zu denken, sich immer wieder Luftschlösser vorzustellen. Denn alles, was du dir vorstellen kannst, kannst du auch wirklich erreichen. Allerdings sollten wir nicht zu viel Energie in der Zukunft verpuffen lassen, denn dann verpassen wir das Leben – das JETZT.

Und genau an dieser Stelle kommt Yoga ins Spiel. Denn Yoga lehrt uns den Moment bewusst wahrzunehmen im Hier und Jetzt. Frieden zu finden in unserem Inneren, Frieden zu schließen mit der Vergangenheit und vor allem friedvoll auf die Zukunft zu vertrauen. Es zeigt uns, wie wir gegangene Wege hinter uns lassen, Anhaftungen los lassen, Liebe und das Leben geschehen zu lassen. Durch Achtsamkeit, Asanas, Meditation und Mantras lernen wir, diesen einmaligen Moment, diesen nie wiederkehrenden Augenblick, diesen wertvollen Atemzug auszukosten. Und einfach da zu sein. Yoga lehrt uns die Neugier auf die Zukunft – ohne Angst und ohne Fokussierung. Mit Yoga können wir uns dem Fluss des Lebens hingeben.

Weihnachten ist vorbei. Mein Adventskalender bleibt.
Ein Gleichnis.

Eine Ode auf die 8samkeit im JETZT.

Jeden Morgen hüpfe ich freudig aus dem Bett. Mit Leichtigkeit und Tatendrang.
Jeden Morgen hüpfe ich freudig aus dem Bett – um das Türchen dieses Tages zu öffnen.
Wie ein Kind, was sich auf seinen Adventskalender freut.
Jeden Morgen hüpfe ich freudig aus dem Bett – Gebannt und freudig – zuversichtlich und neugierig, was der Tag wohl so bereithalten könnte.

Und wenn es draußen manchmal noch so kalt und dunkel ist, starte ich den Tag beschwingt.
In der Gewissheit über die vielen Lichter, die überall zu finden sind.
Im Bewusstsein der Zeit, die mir durch die Finger rinnt.
Im Vertrauen auf den Zauber, den diese Zeit mit sich bringt.
Beharrlich durch diese Wärme, die in meiner Seele singt.

Dabei erwarte ich nichts Großes. Ich erfreue mich an Kleinigkeiten. Wie ein klitzekleines Stückchen süße Köstlichkeit.

Ich genieße dieses ungeheure Kribbeln der Ungewissheit. Bin gespannt, was mich erwartet, mit was mich das nächste Türchen beglückt. Jeder Tag ist eine Überraschung. Aber ich vertraue.

Denn ich weiß tief in meinem Herzen, dass jedes Türchen mit Liebe und Bedacht bestückt wurde.

Manchmal erschließt sich mir vielleicht der Sinn des Inhaltes nicht sofort.
Manchmal kann ich nichts mit der Überraschung hinter der Tür anfangen.
Oder ich bin noch nicht bereit für dieses Geschenk.

Denn dann und wann ist es trotz bester Absicht des Schenkenden gerade nicht das Richtige für mich… dann darf ich es wieder loslassen, freigeben, hinter mir lassen. Wie Schrottwichteln nach Weihnachten.

Allerhand werde ich vielleicht geschmacklos, ungesund oder abstoßend finden. Daran kann ich wachsen. Indem ich nachdenke, was mir dieses Geschenk zeigen kann. Was mir der Schenkende vermitteln möchte. Denn ich weiß ohne diese Erfahrung bleibt die nächste Tür verschlossen.

Manches werde ich sehr lieb gewinnen.
Mich damit schmücken. Mein Umfeld bereichern.
Ich freue mich, dass jemand besonders an mich dachte.

Einiges wird dann in den nächsten Jahren in meinen Regalen verstauben, vielleicht sogar in Vergessenheit geraten.

Wenn es dann an der Zeit ist, werde ich es wieder entstauben. Möglicherweise kann ich es wieder neu für mich entdecken. Die Liebe noch einmal entfachen, mich auf Altes zurück besinnen. Oder aber es ist an der Zeit es loszulassen, es frei zu geben. Dann mache ich einen Flohmarkt im Mauerpark.

Einzelnes werde ich mir sofort einverleiben. Zuweilen werde ich dann nicht wissen, wann genug für mich ist. Dann muss ich scheinbar erst am eigenen Leibe SPÜREN, was gut für mich ist.
Es wird nicht gut verträglich sein, mir schwer im Magen liegen.
Es wird seine Zeit benötigen, bis ich es verdaut habe.
Aber auch das gehört zum Leben. Eigene (!) Fehler. Und daraus lernen.
Lernen, welche Genüsse uns gut tun und in welchem Maß.

Jeden Tag bin ich wieder neugierig, was das nächste Türchen für mich bereithält.
Immer das große Ziel vor Augen. Jeden Tag schon ein kleines Stückchen vom Fest der Liebe.
Ein Vorgeschmack aufs Paradies.

Stück für Stück im Augenblick

Und:

Je mehr Türchen ich öffne,
umso bewusster koste ich ich die Vorfreude aus.
Geduldig. Diesen einzigartigen Moment verehrend. Das Ziel trotzdem immer präsent.
Umso deutlicher ich auch die kleinen Köstlichkeiten zu beWUNDERn lerne.
Wertschätzend. Die Liebe zum Detail preisend. Selbstverständlichkeiten boykottierend.
Umso aufrichtiger ich ein richtiges Maß an Leckereien für mich erfahre.
Umso eindeutiger ich die gute Absicht hinter wirklich jeder(!) Überraschung wahrnehme.

Desto klarer werde ich das Gesamtbild erahnen. Stück für Stück.
Zusammengesetzt, wie ein Puzzle. Wie ein wunderschönes Mosaik. Einzeln wirken die Teile wie Bruchstücke, ergeben einzeln keinen Sinn. Aber ich trete einen Schritt zurück: und erkenne. Akzeptiere jedes Einzelteil. Jenseits von gut und schlecht. Ohne Urteil.
Weil alles dazugehört, mich hier her gebracht hat und mich weiter zum Licht führt…

Wie startest du in den Tag?

Mit welcher Assoziation startest du in den Tag? Was haben die ersten Türchen des Jahres 2018 für dich bereitgehalten? Schreibe mir gern in die Kommentare.

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Stefanie praktiziert seit 11 Jahren Hatha Yoga. Bis jetzt suchte sie allerdings die Antworten auf ihre innersten Fragen und Sehnsüchte zwischen Karriereleiter, Großstadt-Dschungel und Reisefieber. Erst im Sommer 2017 entdeckte sie die Vorahnung ihres persönlichen Glücksrezeptes auf ihrer Matte – in ihrem Herzen. Diese neuentfachte Inspiration und Hingabe für das Leben sowie ihre neue Reise – zu sich selbst – teilt sie mit uns in ihren Texten.

» Hier findest du weitere Artikel von Stefanie im Yoga Vidya Blog

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Ein Kommentar

Ein Yoga Blog Kommentar to “Mein Adventskalender bleibt. Ein Gleichnis.”

  1. Amrtaam 13. Januar 2018 um 14:50 1

    OM

    Toller Text!
    Nur der link von Stefanie führt zu Texten von Gauri. Auch schön, aber wohl so nicht gedacht :o)

    OM SHANTI

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