Mrz 15 2016

Interview mit dem Yoga Philosophen Ram Vakkalanka

Abgelegt 08:11 unter Bad Meinberg,Hatha Yoga,yoga-blog-news


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Interview mit dem Yoga Philosophen Ram Vakkalanka

Ram, du bezeichnest dich als Yoga Philosoph. Das klingt einzigartig und faszinierend. Was ist dein Hintergrund und was genau machst du?

Ram: Viele Menschen denken, dass Yoga eine Form von körperlicher Betätigung ist. Es ist durchaus richtig, dass Yoga eine starke Tradition von körperlichen Übungen hat, darüber hinaus ist es jedoch eine Philosophie und eine Lebensweise. Yoga ist eine Zusammenstellung von Prinzipien und Praktiken, die von alten östlichen Weisen erfahren wurden, um uns zu helfen, uns zu unserem Besten zu entfalten. Diese Prinzipien und Praktiken beziehen sich auf alle Aspekte unseres Lebens. Wenn wir diese Prinzipien und Praktiken bei unserem Körper anwenden, dann ist das Resultat eine Asana (Körperstellung). Wenn wir diese Prinzipien und Praktiken bei unserem Atem anwenden, dann ist das Resultat Pranayama (Atemübungen). Bezogen auf den Geist ist es Meditation, bezogen auf die Sprache ist es Sanskrit, bezogen auf Musik ist es Nada Yoga und bezogen auf Nahrung ist es Ayurveda.

Die Prinzipien und Praktiken des Yoga sind allgemein übertragbar auf jeden und sind jenseits kultureller, sprachlicher und anderer Unterschiede. Ich reise um die Welt, um Menschen die tiefe, reichhaltige Philosophie hinter den Yogastellungen näher zu bringen. Ich teile mein Wissen in Yogastudios, an Universitäten, bei Yogafestivals und Retreats.

Und zu meinem Hintergrund: ich wurde in Indien geboren und bin in der vedischen Tradition aufgewachsen. Yoga war immer Teil meines Lebens und ich habe Yoga Philosophie, Sanskrit, Nada Yoga und Tantra seit meiner Kindheit studiert. Ich habe auch eine Berufsausbildung gemacht und bin Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Ich war im höheren Management bei Firmen in Indien, Singapur, Afrika und Nord Amerika tätig. An einem bestimmten Punkt in meinem Leben habe ich erkannt, dass es mein Dharma, meine Pflicht und Bestimmung ist, mein Wissen über Yoga Philosophie zu teilen. Ich habe die wirtschaftliche Welt deshalb verlassen. Jetzt reise ich um die Welt, um mein Wissen über Sanskrit, Yoga Philosophie und Tantra zu teilen und Menschen durch die heiligen Schwingungen in Form von Mantra, Nada Yoga und Meditation zu heilen.

Du bist in Indien aufgewachsen und teilst nun dein Wissen über Sanskrit und die alten Schriften mit Menschen im Westen. Wie relevant sind die alten Schriften für uns heute?

Ram: Die alten Schriften sind heute vielleicht sogar relevanter als je zuvor. Wenn wir darüber nachdenken, erkennen wir, dass sich die Zeiten geändert haben und die Technologie vorangeschritten ist, der Mensch hat sich allerdings grundlegend nicht verändert. Technologie und Innovation haben uns bei den Dingen, die wir immer schon gemacht haben, Komfort und Geschwindigkeit gebracht. Zum Beispiel ist der Mensch schon immer gereist. Was in alten Zeiten vielleicht Monate gedauert hat, braucht nun nur wenige Stunden, Dank der Technologie, aber das Reisen war schon immer Teil der menschlichen Natur.

Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass Komfort und Geschwindigkeit durchaus Kosten haben… nämlich Auswirkungen auf die Umwelt. Da wir uns seit alten Zeiten grundsätzlich nicht geändert haben, sind die Prinzipien der alten Schriften immer noch sehr relevant für uns. Und tatsächlich brauchen wir sie noch mehr, um den negativen Nebenwirkungen der modernen Lebensfaktoren, wie z.B. Stress, entgegenzuwirken. Die alten Schriften lehren uns, was der wirkliche Sinn des Lebens ist und wie wir in Harmonie mit der Natur leben können. Die Prinzipien, welche die alten Rishis, die alten Seher und Weisen, unterrichtet haben, werden immer relevant für alle Menschen sein, auch in der Zukunft.

Du bist ein anerkannter Kenner des Nada Yoga. Du spielst die Sitar, gibst Konzerte und setzt die Sitar in deinen geführten Meditationen ein. Viele Menschen fühlen sich durch die traditionelle indische Musik sehr berührt. Worin liegt die besondere Kraft der Ragas und des Nada Yoga?

Ram: Ragas (klassische indische Klangfolgen) sind wie Medizin, die musikalische Töne statt Chemikalien als heilende Wirkstoffe nutzt. Ein Raga hat besondere psychosomatische Einflüsse auf den Zuhörer. Ragas helfen uns, subtile, innere Schwingungen auszugleichen. Schwingung in Verbindung mit Intention führt zu innerer Heilung. Die Kraft der Ragas liegt darin, uns zu berühren, zu heilen und zu erheben. Ragas sind auch mit Tages und Jahreszeit verknüpft, darauf abgestimmt haben sie ihre stärkste Wirkung. Ragas wurden von den alten Rishis mit der Intention vermittelt, Menschen durch Musik zu heilen. Ragas zu spielen oder ihnen zuzuhören ist auch eine Art von Yoga, die Nada Yoga genannt wird. Nada Yoga ist eine wunderbare Kombination von der Kunst der Musik und der Wissenschaft der Energieheilung. Yoga lehrt uns, dass es mehr im Leben gibt als Geist, Körper und Sinne. Nada Yoga öffnet einen Blick und Zugang zu den höheren Ebenen unseres Bewusstseins.

Du bist unter anderem auch Meditationsleiter und gibst weltweit Workshops. Welche Meditationstechniken unterrichtest du hauptsächlich?

Ram: Ich lehre viele Meditationstechniken unterschiedlicher Traditionen. Hauptsächlich unterrichte ich Chakra-, Nada-, Vedanta– und Mantra-Meditationen.

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Kannst du eine kurze Meditationsübung anleiten, die wir auch alleine zu Hause praktizieren können?

Ram: Sitze aufrecht in einer bequemen Haltung. Du kannst auch auf einem Stuhl sitzen, wenn du magst. Atme tief ein, fülle deine Lungen mit pranischer Energie des Universums. Halte den Atem für ein paar Sekunden und atme dann vollständig aus. Gehe durch den Körper, vom Scheitel des Kopfes bis zu den Zehenspitzen, nimm angespannte Teile wahr und entspanne diese.

Führe deine Aufmerksamkeit behutsam zum unteren Ende deiner Wirbelsäule. Visualisiere eine rote Lotusblüte mit vier Blütenblättern am unteren Ende der Wirbelsäule. Chante dreimal ‚Lam‘, entweder laut oder im Geiste. Erlaube dir, dich geerdet und verbunden zu fühlen, mit deinem Leben, deinem Sein, während du so lange wie du magst über das Wurzelchakra meditierst.

Dann bringe deine Aufmerksamkeit etwas höher zum Genitalbereich. Visualisiere eine orange Lotusblüte mit sechs Blütenblättern. Chante dreimal ‚Vam‘, entweder laut oder im Geiste. Halte deinen Fokus so lange du magst auf das Sakralchakra gerichtet und erlaube dir, ein Gefühl des sexuellen und emotionalen Wohlbefindens zu erfahren.

Wann immer du bereit bist, bringe deine Aufmerksamkeit zum Solar Plexus. Visualisiere eine gelbe Lotusblüte mit zehn Blütenblättern. Chante dreimal ‚Ram‘, entweder laut oder im Geiste. Bleibe bei dem Chakra so lange du magst und erlaube dir, ein Gefühl der persönlichen Kraft zu erfahren, das aus diesem Chakra entspringt.

Nimm dir Zeit. Bringe dann die Aufmerksamkeit zur Herzregion. Visualisiere eine grüne Lotusblüte mit zwölf Blütenblättern. Chante dreimal ‚Yam‘. Bleibe so lange du magst bei dem Chakra und verbinde dich mit deinem Herzen, dem Urquell der Liebe und des Mitgefühls.

Wann immer du bereit bist, bringe deine Aufmerksamkeit behutsam zur Kehlgegend. Visualisiere hier eine blaue Lotusblüte mit sechzehn Blütenblättern. Chante dreimal ‚Ham‘. Halte deinen Fokus einige Momente im Kehlchakra und erfahre, wie deine kreativen Energien erwachen, bereit sich auszudrücken.

Nimm dir Zeit. Bringe dann deine Aufmerksamkeit behutsam etwas über den Punkt zwischen deinen Augenbrauen. Visualisiere eine indigoblaue Lotusblüte mit zwei Blütenblättern. Chante dreimal ‚OM‘. Verweile einige Momente im Chakra und verbinde dich mit deiner Intuition und deinem höheren Intellekt.

Wann immer du bereit bist, bringe deine Aufmerksamkeit etwas über den Scheitel deines Kopfes. Visualisiere dort eine weiße Lotusblüte mit unzähligen Blütenblättern. Chante dreimal ‚OM‘. Bleibe für einige Momente mit dem Chakra verbunden und erfahre, wie deine Energien aufsteigen. Fühle, wie großartig du bist. Spüre ein Gefühl der Ausdehnung und der Grenzenlosigkeit.

Lass dir Zeit. Verbinde dich wieder mit deinem Körper und deiner Atmung. Bewege langsam deine Zehen und Finger. Wann immer du bereit bist, öffne langsam deine Augen und chante dreimal ‚OM‘, laut oder im Geiste.

Diese kurze Meditation hilft dir, deine Chakras zu harmonisieren, im Hier und Jetzt zu sein und hohe Energielevel durch den Tag hindurch zu halten. Du kannst dabei auch mein Album ‚Inner Harmony‘ im Hintergrund spielen, wenn du magst.

Herzlichen Dank, lieber Ram.

Das Gespräch führte und übersetzte Kaivalya Meike Schönknecht

Ram Vakkalanka ist Sanskrit Experte, begnadeter Kirtansänger und erfahrener Meditationsleiter. Er spielt seit seiner Kindheit die Sitar und verfügt über ein tiefes Wissen über vedische Wissenschaften, Yoga Philosophie und Nada Yoga, der Yoga des heilenden Klanges. Ram Vakkalanka gibt weltweit Vorträge und Konzerte. Er hat mehrere CDs und Publikationen veröffentlicht. aksharayoga.com

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Kaivalya Meike Schönknecht ist ausgebildete Sivananda Vedanta Yogalehrerin, Entspannungs- und Atemkursleiterin.
Sie hat viele Jahre in England gelebt, wo sie nach ihrem geisteswissenschaftlichen Studium in der Verlagsbranche tätig war. 2013 ist sie zu Yoga Vidya nach Bad Meinberg gekommen, um sich intensiver dem Yoga zu widmen. Kaivalya arbeitet im Yoga Vidya Verlag und unterrichtet mit viel Freude und Klarheit.

 

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