Mai 15 2016

Frohe Pfingsten

Abgelegt 06:15 unter Events,Sukadev


Heute feiern wir Pfingsten. Pfingsten ist ein christlicher Feiertag jüdischen Ursprungs, der auch für Nichtchristen eine wichtige Bedeutung hat. Der Ursprung des Pfingstfestes ist der jüdische Feiertag Schawuot. Schawuot feiert die Offenbarung der Tora, also der Heiligen Schrift der Juden, welche die Grundlage des Alten Testamentes der Christen ist. Shawuot ist auch in Israel ein Erntedankfest – in Israel beginnt die Ernte früher als in Mitteleuropa.

Auch als Nichtjude kann man Shawuot feiern: Du kannst dir bewusst machen, dass es so etwas wie göttliche Inspiration gibt. Dass die Heiligen Schriften der verschiedenen Religionen nicht einfach nur menschgemacht sind, sondern dass darin göttliche Offenbarung steckt. Das gilt für die Veden und die Bhagavad Gita, den Pali Kanon der Buddhisten, für die Torah, für die Bibel, den Koran und viele weitere Schriften. Wenn wir in den Heiligen Schriften lesen, können wir dies mit Demut tun. Nicht umsonst sagt Patanjali, dass das Studium der Schriften (Swadhyaya in einer der vielen Bedeutungen) zur Verbindung mit Gott führt.

Im Christentum feiert Pfingsten die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu, auf die Apostel. In der Bibel steht: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich kam aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Wind, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt“ (Apostelgeschichte, Kapitel 2, Verse 1 bis 4).

Erfahrene Yoga Übende bzw. belesene Yoga Interessenten fühlen sich da gleich erinnert an das, was über Kundalini Yoga-Erweckungserfahrungen geschrieben wird. Ich möchte hier nicht zu viel über die christliche Bedeutung von Pfingsten sprechen – das können christliche Schriftgelehrte, Pfarrer und Priester sicherlich ausführlicher als ich.

Mir kommt es hier darauf an, dass das Pfingsterlebnis der Jünger Jesu nicht nur den Aposteln vorbehalten war. Vielmehr kann jeder Aspirant tiefe spirituelle Erfahrungen machen. Und jede spirituelle Erfahrung ist ein Zusammenspiel aus zwei Faktoren, nämlich eigene Anstrengung und göttliche Gnade:

  • Eigene Anstrengung: Die Jünger haben Jesus jahrelang gedient. Sie sind seinen Instruktionen gefolgt, haben seine Lehren in die Praxis umgesetzt, trotz ihrer menschlichen Schwächen. Obwohl sie dem hohen Anspruch oftmals nicht gerecht geworden sind („Seid vollkommen wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“), haben sie sich weiter bemüht. Daher der Tipp: Sei regelmäßig in deinen spirituellen Praktiken. Lass dich durch Fehlschläge nicht entmutigen. Und es macht nichts, wenn du dir deiner menschlichen Schwächen immer mehr bewusst wirst – und vielleicht denkst, dass du selbst nicht ausreichend gut als Aspirant bist. Demut ist im Gegenteil ein gutes Zeichen.
  • Göttliche Gnade: Das Pfingsterlebnis, die Erfüllung durch den Heiligen Geist, kam für die Jünger Jesu dann doch recht überraschend – eine Gnade aus heiterem Himmel. Öffne dich daher ganz für die Gnade Gottes. Sie wird dich führen – und dir die Erfahrungen schenken, die du brauchst.

Interessant ist, welche Wirkung das Pfingsterlebnis auf die Jünger hatte:

  • Die Jünger Jesu wurden plötzlich mutig. Sie verloren Ängste und Schüchternheit. Sie gingen auf die Menschen zu. Sie waren bereit, ihr Leben für ihren Glauben zu opfern. Sie konnten Krankheiten heilen, in verschiedenen Sprachen sprechen. Du kannst dir also bewusst sein: Auch wenn du viele Schwächen haben magst – Tiefe spirituelle Erfahrung kann dir helfen, darüber hinauszuwachsen.
  • Die Jünger Jesu hatten aber auch weiterhin mit menschlichen Schwächen zu tun. Die Apostelgeschichte geht ganz offen damit um. Die Jünger hatten Meinungsunterschiede, es gab sogar Streitigkeiten. Spirituelle Erfahrung, Herabkunft des Heiligen Geistes, heißt also nicht, dass alle menschlichen Schwächen auf einen Streich verschwinden. In den meisten Fällen müssen wir kontinuierlich an uns arbeiten.

Man kann sagen, es gibt zwei Arten von spirituellen Erfahrungen, die „kleinen“ und die „großen“ – und natürlich jede Menge Zwischen-Stadien:

  • Um die kleinen spirituellen Erfahrungen kannst du dich immer wieder bemühen. Du kannst z.B. jetzt kurz aus dem Fenster schauen, den Himmel anschauen. Vielleicht hörst du auch Vögel singen. Vielleicht siehst du ein paar Wolken vorbeiziehen. Lass das ganz auf dich wirken – spüre Liebe und Verbundenheit – spüre das Göttliche im Hier und Jetzt. Wenn du mit einem Menschen zusammen bist, spüre ihr/sein Herz mit deinem Herzen – du wirst Liebe spüren; eine andere göttliche Offenbarung. Wenn du etwas hast, das du liebst – sei dankbar, und lass deine Freude darüber eine göttliche Offenbarung für dich und andere werden. Schwierige Situationen nimm als Herausforderung und als Chance, um zu wachsen. Auch für die kleinen spirituellen Erfahrungen gilt: Du kannst sie nicht erzwingen, aber du kannst sie erbitten
  • Die größeren spirituellen Erfahrungen sind ganz sicher Erlebnisse der Gnade. Sie transformieren und bewirken oft sehr tiefe Veränderungen. Dennoch sollte man sich nicht auf sie verlassen – viele kleinere spirituelle Erlebnisse hinterlassen stärkere transformatorische Wirkung als eine größere – und vor allem sind sie leichter in den Alltag zu integrieren.

Vielleicht hast du weitere Gedanken zum Pfingstfest? Lass dich inspirieren!

Frohe Pfingsten!

 

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3 Kommentare

3 Yoga Blog Kommentare to “Frohe Pfingsten”

  1. Laraam 13. Juni 2011 um 08:11 1

    Danke!:)))
    liebe Grüsse aus Bosnien
    Hari Om Tat Sat
    Lara

  2. Andiam 14. Juni 2011 um 09:03 2

    Beruhigend schön, mein Dank dafür. Eines der Dinge, an denen ich sehr arbeite jeden Tag ist die Geduld. Als Kind sah ich den Bolzenschuß beim Bullen u. a. mein Vater nahm mich immer mit um mich „hart“ zu machen fürs Leben. Neulich ist mir eine „schnelle“ Lösung erschienen, wie alles abgeschafft werden könnte: keine Menschen auf dieser Erde sollen geschlagen werden, die es nicht wollen, die Kühe sollen gefragt werden, ob Sie uns ihre Milch gerne geben und die Hühner uns ihre wertvollen Eier schenken. Nun, es ginge, aber dazu wäre nötig, daß viele uneingeschränkt in ihr göttliches sich vertrauen… und einige andere die Technik und das Geistliche zur Verfügung stellen. Jetzt kommt mir jede Minute der Zeit in der es noch nicht passiert ist ewig lang vor, weil sie ja immer noch leiden, ich sehe die Augen der Kälber und Mütter in meinen, ich spüre es in jeder Sekunde, und es ginge doch zu ändern…
    zum Glück bin ich Asokananda und seinen Freunden begegnet und allen anderen… from my heart ever deepest respect and love to the stars of Asoka
    Andi

  3. Satsangam 19. Mai 2013 um 08:41 3

    Hallo
    Ich kann dich gut verstehen und auch das du den Schmerz der Tiere in dir spürst,
    ja mir geht es genauso..
    und doch beginnt der Friede der Welt immer zuerst in uns.
    Gesegnete Pfingsten

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