Dez 06 2017

Ein Mantra ist das, was den Geist befreit

Abgelegt 15:29 unter Gemeinschaft,yoga-blog-news


Ein Erfahrungsbericht von Katyayani

Oft werde ich gefragt, wie ich denn zum Mantra- und Kirtan-Singen gekommen bin, was es für mich bedeutet und dass es zu beobachten ist, wie sich meine Stimme und meine Person selbst verändert haben.

Feuer und Hingabe entfacht

Es macht mich unglaublich froh, dass ich mit meiner Stimme Menschen berühren und ihnen das Mantra- und Kirtan-Singen (spiritueller Wechselgesang) näherbringen kann. Ein Mantra kann ein Feuer entzünden, Hingabe erwecken, verbinden. Die Freude am Mantra-Singen habe ich bei Yoga Vidya entdeckt. Das Feuer und die Hingabe dafür haben sich bei einem Osterseminar mit Sundaram entfacht. Die intensive Wirkung des Mantra-Singens hat mich erkennen lassen, wie befreiend und glücksbringend es ist, mein Herz zu öffnen und im Leben wirklich anwesend zu sein.

So habe ich mich entschlossen, hier tiefer zu gehen und mich sozusagen in die Lehre von Sundaram begeben, dem von Herzen mein großer Dank gilt. Stark inspiriert habe ich mir ein eigenes Harmonium gekauft und begonnen, regelmäßig zu üben. Ich habe einfach Mantras und Kirtans, die ich bei Yoga Vidya und Sundaram kennengelernt habe, am Harmonium ausprobiert und gesungen, gesungen, gesungen. Manchmal ist das wie eine Meditation. Mein Geist entspannt sich durch das Singen und die Klänge. Freude und Klarheit kommen an die Oberfläche. Wenn ich dann ganz auf den Klang konzentriert bin, gehe ich regelrecht darin auf.

„Üben hilft!“

Ich habe aber auch schnell gemerkt, dass ich konkrete Übung brauche. Heute weiß ich, dass das Eingehen in den Klang oder in das Mantra dann geschieht, wenn ich körperlich entspanne, den Atem gezielt und entspannt nutze, sodass die Stimme ohne Anstrengung fließen kann. So kann ich mich selbst, meine Gefühle, meine Stimmung ganz natürlich über die Stimme ausdrücken. Das ist heilsam für mich.

Bei Sundaram habe ich viel Stimmtraining, Rhythmusschulung und auch Harmonium-Unterricht erfahren. Das ist die technische Übung und diese ist nicht zu unterschätzen. Das ist genauso wie im Hatha-Yoga (Yoga der Körperübungen). Erst wenn ich durch regelmäßige und längere Übung in die Lage komme, die Asana (Körperübung) in der für mich richtigen und gesunden Ausführung einzunehmen und dabei den Atem gezielt mitnehme, kann ich in der Asana entspannen, bis hin zu einem meditativen Zustand, und die tieferen Wirkungen erfahren. Wer schon Seminare bei Sundaram besucht hat, weiß, dass scheinbar reine Technikübungen bei ihm zum kurzweiligen Erleben mit garantiertem Spaß- und Wohlfühlfaktor werden.

Sundaram betont, es gehe nicht darum, wie die Stimme sich anhört oder wie du glaubst, wie sie sich anhören sollte, sondern darum, wie sie sich anfühlt. Stimme und Stimmung gehören eng zusammen. So wie verschiedene Instrumente einer Band aufeinander eingestimmt werden, damit ein harmonischer Klang entsteht, stimmen wir uns auf uns selbst ein, indem wir in uns hineinfühlen, zum Beispiel durch das bewusste Spüren der eigenen Stimme. Wenn ich in mich hineinfühle, wird meine Stimme das, was da ist, wiedergeben, wenn ich sie nicht verstelle, wenn ich sie eingestimmt lasse. Umgedreht kann ich so auch meine Stimme bewusst nutzen um mich in eine bestimmte Stimmung zu bringen.

Mantra-Meditation im Mittwoch-Abend-Satsang – fast schon ein Ritual in Bad Meinberg

Seit vielen Jahren besuche ich Seminare und die Jahresgruppe von Sundaram und lerne hier immer wieder Neues dazu. Inzwischen unterrichte ich Mantra-Yogastunden und die Mantra-Yogalehrer/in-Ausbildung bei Yoga Vidya zusammen mit Sundaram und lerne weiter. Hier habe ich auch besonders die gemeinsame Mantra-Rezitation schätzen gelernt. Nach einem längeren gemeinsamen Rezitieren eines Mantras falle ich ganz leicht in die Meditation, mal für eine kurze, mal für längere Zeit. Ich bin dann nichts mehr – außer einfach da.

Das hat mich bewogen, am Mittwoch-Abend-Satsang bei Yoga Vidya Bad Meinberg, eine Form der kombinierten Mantra-Meditation bei Yoga Vidya zu gestalten, bei der gemeinsam längere Zeit das Mantra Om Namo Bhagavate Vasudevaya laut gechantet wird, um danach ganz in die Stille hinein zu tauchen. Auch wenn das geistige Wiederholen des Mantras auf längere Sicht wirkungsvoller ist, kann das laute Chanten zunächst viel mehr helfen, unsere Gedanken auf den Klang der eigenen Stimme zu konzentrieren. Gleichzeitig kann man den Klang der Menge im Raum wahrnehmen. Dies kann zu einem Gefühl der Verbundenheit und des Einsseins führen, besonders wenn man sich dabei noch auf den Herzraum (Anahata Chakra) konzentriert. Das Mantra Om Namo Bhagavate Vasu- devaya hilft dabei, denn es bedeutet so viel wie „Verneigung dem, der das Licht in allen Geschöpfen ist.“ Vasudeva ist ein Name für Krishna, dessen Aspekt unter anderem dafür steht, dass wir nicht getrennt, sondern ein Teil des ganzen Universums sind, mit allem verbunden sind.

Über das Rezitieren und Singen eröffnen sich Räume in mir und zeigen alles Mögliche und Unmögliche: weite Sehnsüchte, überholte festgefahrene Muster, fälschliche Ansichten, überwunden geglaubte Ängste, unerwartete Fähigkeiten, Weitsicht, Einsicht. Das Mantra nimmt mich an die Hand und führt mich zu mir selbst.

Geborgen wie ein Fluss im Flussbett

Das Mantra und Kirtan-Singen zusammen mit anderen, hat mein Herz geöffnet. Es hat mich verletzlich gemacht, mir die Fähigkeit gebracht, reine Liebe zu empfangen. Es hat mir Mut gemacht, meine Stimme und meine Stimmung willkommen zu heißen. Ich fühle mich zugleich sicher und geborgen wie ein Fluss in seinem Flussbett und wandelbar wie das Wasser – mal träge, trüb, mal sprudelnd, überschäumend, mal gleichmütig fließend. Und ich glaube fest daran, dass der Fluss den Ozean erreichen wird. Das Gleichnis vom Fluss, Flussbett und Ozean wird oft von Sundaram benutzt. Das Mantra ist ein Werkzeug für meine persönliche Entwicklung, die Entfaltung meiner Person. Person wird abgeleitet von per-sonare (lat.) für „durchtönen“ (nämlich die Stimme durch die Maske). Durch den Ton (Klang) gelange ich durch meine Maske zu meinem wahren Selbst.

Bhakti Yoga durchdringt Raja Yoga

Mantra- und Kirtan-Singen wird dem Bhakti-Yoga (Yoga der Hingabe) zugeordnet. Bei mir wirkt es zudem nahtlos durchdringend zum Raja-Yoga (Yoga der Geisteskontrolle) hin. Ich lerne meinen Geist und mein Gemüt kennen und „zu stimmen“. Ich konzentriere mich auf das Göttliche in all seinen Namen in mir und um mich herum. All das betrachte ich als ein großes Geschenk, das ich gerne teilen möchte.

Sundaram hat mal gesagt, dass er glaubt, dass sein Mantra und Kirtan-Singen viele Menschen nicht deshalb so berührt, weil er ein besonders toll ausgebildeter oder fähiger Sänger ist, sondern weil er beim Singen nichts zurückhält. Nichts Zurückhalten bedeutet, alles geben, alles hingeben. Mit Hingabe etwas tun, entwickelt Fähigkeiten. Die Fähigkeiten wiederum ins Tun eingebracht, verstärken die Hingabe und die Freude. So behaupte ich auch seit längerem, dass Sundaram nicht nur ein großer Mantra-Yogalehrer ist, sondern ein mindestens genauso großer Raja-Yogalehrer. Ich soll in mich hineinfühlen, meine Stimme (Stimmung) fühlen. Das ist Svadhyaya  – Selbstbeobachtung. Ich soll regelmäßig üben, auch wenn es schwer fällt. Das ist Tapas – Askese im Sinne von Praxis, bewusstem Handeln. Ich soll mich ganz hineingeben, nichts zurückhalten. Das ist Hingabe – Ishvara Pranidhana. Svadhyaya (Selbststudium), Tapas (Askese) und Ishvara Pranidhana (Hingabe an Gott) sind die drei Kriya (Reinigunsgsübungen) – Yogatechniken im Raja Yoga nach Patanjali. Das ist natürlich jetzt auch ein wenig Wortspielerei.

Aber die Erfahrung, dass Mantra Yoga mich mir selbst näher, meinen Geist zur Ruhe und mein Herz zur Öffnung und zur Verbundenheit mit allem bringt, mache ich wieder und wieder.

Katyayani ist eine sehr erfahrene Yogalehrerin und Yoga-Vidya-Acharya. Mit viel Fachkompetenz, Einfühlungsvermögen und einer besonderen Stimme und Ausdrucksweise führt sie dich durch deine Yogapraxis. Bekannt ist sie auch durch die Herzberührenden Satsangs, Meditationen und Mantra-Yogastunden.

 

 

Mantra Singen – ein Weg zum Herzen, Bad Meinberg, 02. – 04.03.18
Beim Singen kommt die universelle Sprache unseres Herzens zum Ausdruck. Lass dich vom Klang und der Musik verzaubern und erlebe selbst die Harmonie und erhebende Kraft der Mantras. Diese Kraft gibt uns immer wieder Raum zur Erneuerung und Öffnung. Das Seminar bietet Raum für Herzöffnung und Tanz, Stille und Meditation und schafft Verbindung zum Göttlichen. Ab 147 € pro Person für 2 Übernachtungen

Mantra Yogalehrer/in Ausbildung Intensivwoche mit Sundaram, Bad Meinberg, 01. – 08.04.18
Lerne systematisch Yogastunden mit Mantra-Begleitung zu geben. Themen: Wie kannst du Mantras in den Yogaunterricht einbauen, Themenyogastunden mit Mantras konzipieren, Mantras gezielt auswählen und einsetzen, je nach Zielsetzung. Mantras zur Harmonisierung, Mantras für bestimmte Eigenschaften und vieles mehr. Ab 538 € pro Person für 7 Übernachtungen

Katyayani – Om Namo Bhagavate Vasudevaya

Sundaram – Mahamantra „Hare Krishna“

Zu den Konzerten, Seminaren und Kursen mit Sundaram:

Please follow and like us:

Keine Kommentare

Trackback URI | Yoga Blog Kommentare als RSS

Einen Yoga Blog Kommentar schreiben