Jan 13 2018

Die geistige Symbolik der Asanas – Raja Yoga auf der Yogamatte – Teil 1

Abgelegt 14:39 unter Hatha Yoga


Namasté ihr Lieben und herzlich willkommen im neuen Jahr! Über Weihnachten gab es bei Yoga Vidya Bad Meinberg ein wunderschönes Asana Intensiv Seminar zu dem Thema “Hingabe an Gott”. Dabei war eine Yogastunde der geistigen Symbolik der Asanas gewidmet. Es ist sehr wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, warum wir auf die Yogamatte steigen …

Das Ziel aller 6 Yoga Wege …

Hatha Yoga – Asanas, Pranayama, Kriya, Mudra, Bandha, Ernährung, Entspannung.
Kundalini Yoga – Arbeit mit Chakren und Energiefluss in den Nadis, länger gehaltene Asanas, intensiveres Pranayama, mit Chakrakonzentration.
Raja Yoga – Arbeit mit dem Geist nach den Yoga Sutras von Patanjali, Erlangung der Herrschaft über den Geist
Karma Yoga – Yoga des Nicht-Handelns, selbstloser Dienst an der Schöpfung
Jnana Yoga – Yoga des Wissens, Vedanta Philosophie, Studium der Schriften wie der Bhagavad Gita und der Veden.
Bhakti Yoga – Yoga der Hingabe, Mantra Rezitation oder Chanting, Rituale

… ist es, uns dazu zu befähigen zu erkennen, wer wir sind. Das Erkennen unserer wahren Natur. Selbsterkenntnis.

Wenn wir mit dieser Einstellung auf unsere Yogamatte gehen, wird das unsere Praxis von Grund auf verändern. Es geht nicht darum ein Asana zu beherrschen oder Rückenschmerzen los zu werden (was natürlich ein toller Nebeneffekt sein kann …). Die Asanapraxis wird zu einem Übungsfeld. Einem Spielplatz auf dem Du Deinen Körper und Geist besser kennenlernen kannst.

Du lernst die aktuellen Fähigkeiten und Grenzen Deines Körpers kennen und kannst beobachten, wie Dein Geist darauf reagiert. Und während Du Körper und Geist beobachtest, wird Dir immer klarer, dass du keines dieser beiden Objekte bist, sondern das Subjekt, das beobachtet. Diese Erkenntnis bedeutet jedoch nicht, dass wir dann unseren Körper vernachlässigen. Ganz im Gegenteil!

Körper und Geist sind unsere Werkzeuge, um in dieser materiellen Welt zu sein und Erfahrungen zu machen. Daher ist es wichtig, beide gut zu pflegen, gesund und kräftig zu halten und gut mit ihrer Funktionsweise vertraut zu sein. Das erleichtert das Leben ungemein 😉

Die Asanas bringen nicht nur körperliche und energetische Wirkungen mit, sondern fordern auch unseren Geist heraus oder symbolisieren durch ihre Form oder ihren Namen bestimmte geistige Praktiken, die Du Dir während des Übens bewusst machen kannst, um Deiner Praxis noch mehr Tiefe zu verleihen.

Der Gruß Namasté

Das Zusammenführen der Hände vor dem Herzen steht für die Einheit in Allem. Dualität und Trennung wie rechts und links, ein- und ausatmen, Ebbe und Flut, Tag und Nacht, Sommer und Winter, hell und dunkel, Erfolg und Misserfolg usw. sind Illusion. In Wahrheit ist alles Eins und dieses Eine wohnt in unserem Herzen.

In der Dämmerung ist weder Tag noch Nacht. Die scheinbaren Gegensätze verschwimmen und sind in diesem magischen Augenblick untrennbar miteinander verbunden. Die Stille, die zwischen Ein- und Ausatmung entsteht, ist keinem der beiden Vorgänge zuzuordnen und verbindet sie zu einer Einheit. In jedem Menschen fließen Sonnen- und Mondenergie, jeder hat männliche und weibliche Aspekte und vereint alles in einem Wesen.

Während Du Asanas übst, kannst Du Dich daran erinnern, dass es niemals um Extreme geht, sondern immer um die Mitte: Zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen fordern und leicht nehmen – einatmen und ausatmen, Festigkeit und Weichheit.

Tadasana

Tadasana heißt übersetzt „Bergstellung“. Für was steht der Berg? Der Berg hat ein stabiles Fundament, über das er fest in und mit der Erde verankert ist. Gleichzeitig ragt er weit nach oben in den Himmel. Dazwischen bietet er Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Er strahlt eine unglaubliche Erhabenheit aus und steht für Ruhe, Stille, Stabilität und Kraft.

Um einen Berg herum gibt es oft Unwetter, starke Stürme und Gewitter. Er ist extremen Unterschieden ausgesetzt. Während es an seinem Fuß sehr warm sein kann, liegt oben Schnee. Von einer Minute auf die andere kann sich das Wetter ändern – aber der Berg bleibt von all dem unberührt…

Wenn Du diese Stellung einnimmst, bevor du mit dem Sonnengebet beginnst, kannst du dir einen Moment Zeit nehmen, um dieses Bild vom Berg in dir aufzurufen. Über die Füße bist du mit der Erde verbunden, findest hier Stabilität und Kraft. Dein Körper spannt sich auf als lebendiges Wesen zwischen Erde und Himmel.

Alles steckt in Dir. Du bist die Verbindung zwischen Maya (das manifeste Universum, der Illusion) und Brahman (das alles umfassende Bewusstsein), zwischen Shiva und Shakti. Du vereinst alle Gegensätze in Dir. Und egal was um Dich herum passiert, welche Stürme des Lebens auch toben mögen, – Du bleibst davon unberührt, wie der Berg. Der Sturm geht vorüber und schon bald wird die Sonne wieder scheinen.

Virabhatrasana 2 – Held oder friedvoller Krieger

In Virabhatrasana 2 öffnest Du Hüfte und Brustkorb und findest Dein Gleichgewicht zwischen Kraft im vorderen gebeugten Oberschenkel und der Gewichtsverlagerung nach hinten auf das gestreckte Bein. Der Blick ist hoffnungsvoll mit offenem Herzen nach vorn gerichtet. Der friedvolle Krieger braucht Kraft, Körperbeherrschung und Offenheit.

Mit wem kämpft der Krieger? Für oder gegen was kämpft er? Kämpft er überhaupt? Ich sage: NEIN! Der friedvolle Krieger steht für Frieden im Inneren. Und Frieden ist ein natürlicher Zustand, der nicht durch Kampf oder irgendeine andere Handlung hergestellt werden kann. Frieden ist die Abwesenheit von Handlung.

Es braucht den Mut und die Stärke eines Helden oder eines Kriegers, um sich allen Gedanken, Emotionen und eingeschliffenen Mustern, die in unserem Inneren toben, zu stellen. Sie in der Stille offen anzuschauen und da sein zu lassen, ohne gegen sie zu kämpfen.

Es ist so leicht sich abzulenken, auszuweichen oder Gefühle zu unterdrücken. Sie still zu erleben, ohne sie aus zu agieren, ist heldenhaft. Nur so können sie sich im Licht Deines Bewusstseins und Liebe auflösen.

Im nächsten Teil diese Blogs werden wir die Asanas der Yoga Vidya Grundreihe unter den geistigen Aspekten betrachten.Das oben genannte Seminar wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Mehr Infos dazu findest Du hier.

Bis dahin alles Liebe!

Om Shanti

— 

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

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Quellen:

  • Als Vishnu eine Lotosblüte gebar, Alanna Kaivalya, Arjuna van der Kooij
  • Licht auf Yoga, B.K.S. Iyengar
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Ein Kommentar

Ein Yoga Blog Kommentar to “Die geistige Symbolik der Asanas – Raja Yoga auf der Yogamatte – Teil 1”

  1. Jackieam 17. Januar 2018 um 21:56 1

    Ein sehr inspirierender Artikel liebe Gauri, Danke Dir!

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