Nov 12 2017

Ayurvedischer Lebensstil im Alltag Teil 2: Die ayurvedische Morgenroutine – das Rundum-Sauber-Wohlfühlprogramm

Abgelegt 10:57 unter Ayurveda


Wie wir im letzten Blogartikel festgestellt haben, ist unsere Gesundheit kein Zufall oder eine Sache von Schicksal, sondern wir können ganz bewusst durch unsere täglichen Aktivitäten Einfluss darauf nehmen.

Dabei geht es nicht darum, sich auf dogmatische Richtlinien zu fixieren und sich womöglich noch selbst dafür zu verurteilen, wenn es mal nicht klappt. Viel mehr geht es um ein bewusstes Erleben und aktives Gestalten des Alltags, bei dem du dir der Wirkungen Deiner Handlungen auf deine Gesundheit gewahr bist.

Der Ayurveda empfiehlt ein Leben im Einklang mit den natürlichen Zyklen des eigenen Körpers und der Natur. Durch den regelmäßigen Tagesrhythmus kommen Körper und Geist in Harmonie, die Verdauung wird besser und wir kommen in unsere Kraft.

Ayurveda ordnet die Tageszeiten den Doshas auf folgende Weise zu:

  • 02 – 06 Uhr: Vata (Abfallstoffe ausscheiden, aufstehen)
  • 06 – 10 Uhr: Kapha (wir sind frisch, aber auch ein wenig schwer)
  • 10 – 14 Uhr: Pitta (Verdauungskraft (Agni) ist auf ihrem Höhepunkt, Nahrungsaufnahme)
  • 14 – 18 Uhr: Vata (körperliche und geistige Aktivität)
  • 18 – 22 Uhr: Kapha (wir werden träger, gehen zu Bett)
  • 22 – 02 Uhr: Pitta (Nahrung wird verdaut)

Für den Start in den Tag gibt es im Ayurveda eine ganz bestimmte Morgenroutine, die den Körper bei der Entgiftung unterstützt und uns strahlend frisch aussehen lässt. Durch das tägliche Ritual kommst du zudem besser mit Deinem Körper in Kontakt und kannst Veränderungen schneller wahrnehmen.

Hast du den Ablauf erst mal verinnerlicht, sind alle der folgenden Punkte gut in ca. 45 – 60 Minuten zu schaffen.

Stehe früh auf

Am frühen Morgen – vor sechs Uhr – ist das Vata Dosha aktiv. Vata bedeutet Bewegung und Aktivität und hilft uns beim Aufstehen. Sicher ist es dir schon öfter aufgefallen, dass es leichter ist, vor sechs Uhr aufzustehen, als um acht.

Die empfohlenen Aufsteh- und Schlafenszeiten für die drei Konstitutionstypen sind wie folgt:

  • Vata: 6 Uhr aufstehen, 22 Uhr Schlafen gehen
  • Pitta: 5.30 Uhr aufstehen, 22-23 Uhr Schlafen gehen
  • Kapha: 4.30 Uhr aufstehen, 23-00 Uhr Schlafen gehen

Wenn du Deinen Konstitutionstyp nicht kennst, kannst du hier einen Test machen:
https://www.yoga-vidya.de/ayurveda/ayurveda-test/

Nimm dir Zeit, dich langsam diesen Zeiten anzunähern und setzte dich nicht zu sehr unter Druck. Freue dich über kleine Fortschritte.

Sich mit dem Göttlichen verbinden

Bevor du den Tag beginnst, ist es gut, dir in der Ruhe des Morgens der göttlichen Gegenwart gewahr zu werden. Dazu kannst du z.B. ein Gebet sprechen, eine kleine Meditation machen oder ein Mantra wiederholen.

Eine weitere schöne Praxis ist es, dir bewusst zu machen, für was du heute besonders dankbar bist und was dein Tagesziel ist (die wichtigste Tätigkeit des Tages).

Gesicht, Mund und Augen mit kaltem Wasser waschen

Wasche jedes Auge drei mal mit kaltem Wasser und öffne die Augen dabei, damit nicht nur die Lider, sondern auch die Augäpfel Wasser abbekommen. Das senkt Pitta in den Augen und macht sie widerstandsfähig.

Reinigung der Zunge

Schabe die Zunge mit einem großen Löffel oder einem Zungenschaber ab. Ein dicker Belag auf der Zunge und Mundgeruch deuten darauf hin, dass du entweder zu spät gegessen hast, oder das Essen nicht gut verdaut wurde. In diesem Fall kannst du auf das Frühstück verzichten und so Deinem Körper noch mehr Zeit zur Verarbeitung des Abendessens geben.

Ölziehen

Spüle Deinen Mund mit Öl aus, um fettlösliche Stoffe aus dem Mundraum zu entfernen. Dazu eignet sich Kokosöl sehr gut. du kannst je nach Geschmack auch Oliven- oder Sesamöl nehmen. Wer unter blutendem Zahnfleisch oder Zahnfleischentzündungen leidet, kann ein spezielles ayurvedisches Mundöl wie Arimedadi verwenden.

Lasse das Öl einige Minuten im Mund und bewege es in jede Ritze. Danach kannst du es in den Mülleimer spucken.

Zähne putzen

Am besten mit einer ayurvedischen Kräuterzahnpasta ohne Fluorid.

Reinigung der Nase (Nasya)

Zunächst reinigst du deine Nase mit warmen Salzwasser. Dazu kannst du ein Nasenkännchen zur Hilfe nehmen. Diese Technik wird Jala Neti genannt.

Danach gibst du etwas Öl in die Nase und ziehst es solange hoch, bis es in den Hals läuft. Dann kannst du es – mit allem, was noch so mit gekommen ist – hochziehen und ausspucken.

Warmes Wasser trinken

Trinke zwei Gläser warmes Wasser. Das hilft dem Körper, die Verdauungsorgane zu reinigen. Wenn dir zwei Gläser zu viel sind, beginne mit einem und steigere dich dann.

Darmentleerung

Spätestens jetzt sollte es soweit sein, dass du den Drang verspürst zur Toilette zu gehen und den Darm zu entleeren. Wenn es dir schwerfällt, kannst du dir einen Hocker oder einen Yoga-Klotz unter die Füße legen, wenn du auf der Toilette sitzt. Dies bringt dich in eine stuhlgang-freundlichere Körperhaltung.

Sollte es gar nicht gehen, kannst du vor dem Schlafen gehen ½ – 1 TL Triphala mit warmen Wasser einnehmen.

Ölmassage

Um den Körper und alle Gewebe gesund, kräftig und geschmeidig zu erhalten, ist die tägliche Selbstmassage mit warmen Öl unerlässlich. Die Ölmassage senkt Vata und hält jung.

Die Öle nähren alle Gewebe des Körpers und bringen die Doshas in Gleichgewicht. Die Zuwendung, die du dir und Deinem Körper schenkst, wird dir mit der Zeit ein ganz neues Lebensgefühl vermitteln.

Für die tägliche Anwendung empfiehlt es sich, ayurvedische Massageöle zu verwenden. Diese sind mehrfach mit Kräutern gekocht und dadurch so fein, dass sie tief in die Gewebe eindringen können und dabei keine Kanäle verstopfen.

Welches Öl für wen?

Es gibt sehr viele Massageöle, die alle eine bestimmte Wirkung haben. Verschiedenste Leiden können mit ayurvedischen Ölen erfolgreich behandelt werden. Es ist also von Vorteil, dich ausführlich zu informieren oder beraten zu lassen, bevor du dir ein Ayurveda-Öl kaufst.

Allgemein kann man sagen, dass für die drei Konstitutionstypen Öle mit den folgenden Eigenschaften passend sind:

Vata: wärmend, nährend
Pitta: kühlend, beruhigend, nährend
Kapha: wärmend, leicht, anregend

Eine sachkundige Beratung und sehr gute Öle bekommst du z.B. beim Veda Vid Institut in Bad Meinberg.

Räucherstäbchen schnuppern

Da durch die Ölmassage Kapha Dosha zu nimmt, sollte danach etwas Rauch eingeatmet werden, um Vata wieder leicht anzuregen. Dazu eignen sich natürliche Räucherstäbchen, die ohne Chemie hergestellt sind.

Baden oder Duschen

Nachdem das Öl ca. 15 Minuten auf dem Körper war, ist es Zeit, es wieder abzuwaschen. Das Öl nährt nicht nur den Körper, sondern zieht auch Giftstoffe heraus. Deswegen sollte das Öl wieder abgewaschen werden.

Für die Massage reicht es, wenn du so viel Öl nimmst, dass es nach den 15 Minuten fast vollständig vom Körper aufgenommen wurde. Dann lässt sich das restliche Öl leicht mit warmen Wasser abspülen, so dass du keine oder nur sehr wenig Seife brauchst.

Danach bist du frisch und fit für den Tag. Und wie dieser nach ayurvedischer Tagesroutine weiter geht, erfährst du im nächsten Artikel.

Wenn du dich noch mehr mit Ayurveda beschäftigen und tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du hier viele Ayurveda-Seminare und Ausbildungen.

Om Shanti!

Ein Artikel von Gauri Reich 


Artikelserie Ayurvedischer Lebensstil im Alltag

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Gauri Reich ist Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher und Diplom Betriebswirtin. Gauri praktiziert Yoga seit 2011.

Nach ihrer Yogalehrer Ausbildung lebte sie fast 2 Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Ihr Yogaunterricht basiert auf dem Yoga nach Swami Sivananda, der mal durch fließende Elemente aus dem Vinyasa, mal durch exakte Ausrichtungsprinzipien aus dem Iyengar Yoga und mal durch ganz viel Bhakti und Mantras ergänzt wird.

» Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

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Quellen:

  • Das neue Ayruveda Praxis Handbuch, Hans Heinrich Rhyner
  • Selbstheilung mit Ayurveda, Vasant Lad
  • Darm mit Charme, Giulia Enders
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2 Kommentare

2 Yoga Blog Kommentare to “Ayurvedischer Lebensstil im Alltag Teil 2: Die ayurvedische Morgenroutine – das Rundum-Sauber-Wohlfühlprogramm”

  1. sangeetaam 14. November 2017 um 15:52 1

    Hallo,
    ich habe eine Frage.
    Beim Ayuveda soll man den gekochten Morgenbrei nicht mit rohem Obst vermischen.
    Wann esse ich dann am bsten als Vatatyp das rohe Obst für meine Vitaminzufuhr?
    Dankbar für Antwort
    Sangeeta

  2. Gauri Daniela Reicham 16. November 2017 um 15:12 2

    Hallo liebe Sangeeta,
    es gibt mehrere Möglichkeiten:
    a) Du kochst Dein Obst mit dem Brei einfach mit. Es gehen zwar einige Vitamine verloren. Die Verbleibenden können jedoch besser aufgenommen werden.
    b) Das Obst zwischen 10 und 14 Uhr essen, aber dabei darauf achten, es nicht mit anderen Lebensmitteln zu vermischen.
    c) Obst auf 40 Grad erwärmen (so bleiben alle Vitamine erhalten) und mit vatareduzierenden Gewürzen garnieren. (Ingwer, Nelke, Kardamon, Zimt, Pfeffer…)
    d) Vor dem Obstverzehr eine Messerspitze Trikatu mit Wasser einnehmen oder ein Stück frischen Ingwer kauen, um die VErdauung anzuregen.
    Viele liebe Grüße
    Deine Gauri

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