Mai 29 2013

07 Shatsampat – 6 Schritte zur Gelassenheit


Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag Shatsampat sind die 6 Schritte zur Gelassenheit, die 6 edlen Tugenden der Gleichmut. Sukadev spricht in diesem Podcast darüber, wie diese Schritte im Alltag umsetzbar sind. Die sechs Tugenden sind: (1) Sama, die Übung der geistigen Ruhe; (2) Dama, Sinnesbeherrschung; (3) Uparati, das Meiden von nichtbeherrschbaren Situationen; (4) Titiksha, etwas aushalten können; (5) Shraddha, Vertrauen und Glaube; (6) Samadhana, die tief verwurzelte Gelassenheit. Sukadev zeigt anhand von drei Beispielen, wie du diese 6 Schritte nutzen kannst: Schokoladenkuchen, Auseinandersetzung mit einem Kollegen, Streit mit dem Partner wegen des Raustragens des Mülls.

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Wenn im Yoga von Gelassenheit gesprochen wird, wird sich oft bezogen auf die Shatsampat, die 6 edlen Tugenden, die auch Sarmashatakham – die 6 Schritte zur Gelassenheit genannt werden. Man findet diese, falls Du historisch interessiert bist, in Werken des großen Yogameisters Shankaracharya um 800 nach Christus. Insbesondere in den Werken Vivekachamaduni und Atma Bodha. Diese 6 edlen Tugenden oder die 6 Schritte zur Gelassenheit sind 1. Sama – die Übung der geistigen Ruhe, 2. Dharma – Sinnesbeherrschung, 3. Uparati – aus dem Weggehen, meiden, 4. Titiksha – etwas aushalten können, 5. Shraddha – Vertrauen, 6. Samadhana – tiefer Geisteszustand der Gelassenheit.

 

Ich folge hier jetzt einer Interpretation des Meisters Sri Katikeyan. Es gibt auch hochtrabendere Interpretationen dieser 6 Schritte. Aber die Interpretation, der ich jetzt hier folge ist eine sehr praktische. Als erstes, Übung der geistigen Ruhe, Sama. Angenommen es kommt etwas, das dich aufregt, dann kannst du sagen, ich nehme das als Übung der geistigen Ruhe. Ich will es jetzt lernen, in dieser Situation gelassen zu bleiben. Falls Du merkst, es gelingt Dir nicht die innere geistige Ruhe zu behalten, dann ist es gut wenigstens Deine Sinne zu beherrschen. Also nicht laut rauszuschreien und auch nicht den anderen zu bekämpfen, oder sogar körperliche Gewalt zu üben. Ich glaube, dass dürfte recht klar sein. Ist nicht immer einfach, ruhig und gelassen zu bleiben, aber wenn Sama schon nicht geht, dann wenigstens Dharma. Wenn absehbar ist, dass Du deine Sinne nicht beherrschen kannst, dann kannst Du Uparati üben. Das heisst, du gehst der Situation aus dem Weg. Du meidest das, was dich aufregt, notfalls gehst Du einfach weg. Der vierte Schritt wäre Titiksha, etwas aushalten können. Zum einen heißt es, Du hälst es aus, dass Du eine gewisse Niederlage erlitten hast, dass die Übung der geistigen Ruhe nicht gelungen ist, Du musstest aus dem Weg gehen, weil Du wusstest, Du hättest es nicht geschafft. Titiksha kann auch heißen, Du hälst es aus, dass Du ein Gefühl von Frust hast, dass Du eine innere Aggressivität hast. Du lernst es mit diesen Gefühlen umzugehen. Im weiteren Sinne heißt natürlich auch Titiksha, dass Du es aushälst, wenn Dinge nicht so laufen, wie Du sie gerne hättest. 5. Schritt wäre Shrada. Du hast ein Vertrauen. Ein Vertrauen, dass es Dir langfristig gelingen wird, Deinen Geist zur Ruhe zu bringen, dass es Dir langfristig gelingen wird, Gelassenheit zu üben. Du hast ein Vertrauen, dass die Dinge, wie sie sich entwickeln, irgendwann gut werden, eigentlich jetzt schon gut sind. Du hast ein Vertrauen, dass, was auch immer kommt, für Dein spirituelles Voranschreiten und Deine Persönlichkeitsentwicklung gut ist. Du hast ein Vertrauen, dass die Menschen, mit denen Du zu tun hast, auch tief im inneren gut sind. Ich will das an 3 Beispielen zeigen.

 

Erstes Beispiel. Schokoladenkuchen. Angenommen, Du hast Dir vorgenommen, du willst nicht so häufig Schokoladenkuchen essen. Vielleicht hast Du eine Gewohnheit entwickelt, immer wenn Du von der Arbeit nach Hause gehst, kommst Du an einer Konditorei vorbei und isst einen Schokoladenkuchen. Du merkst, das ist nicht gut für Deine Figur. Du weißt, zuviel Schokolade ist auch nicht gut für den Geist. Diese Zucker-Fett-Gemische sind nicht gut, weder für die Gesundheit noch für die Psyche. Vielleicht hast Du dir sogar vorgenommen, Du willst Veganer werden und in Schokoladenkuchen ist ja meistens Milch und manchmal sind auch Eier dabei. Was auch immer der Grund ist, Du magst Dir sagen, ich will keinen Schokoladenkuchen mehr essen. Angenommen Du würdest Sama üben und Du gehst am nächsten Tag von der Arbeit zurück, an Deinem Café vorbei und Du siehst den Schokoladenkuchen. Du merkst, ah da kommt der Wunsch danach und Du sagst, Du bringst Deinen Geist zur Ruhe – Du gehst vorbei. Angenommen Du beherrschst Sama – dann gehst Du vorbei und es macht Dir nichts weiter aus. Wahrscheinlicher ist, dass Du zwar an dem Schokoladenkuchen vorbei gehst, aber innerlich dann den Wunsch hast, den Schokoladenkuchen zu essen. Dann gilt Dharma – Sinnesbeherrschung. Auch wenn das Verlangen, der Wunsch danach stark wird, sogar sehr stark wird, Du gehst trotzdem nicht ins Café. Du beherrschst Deine Sinne. Und auch wenn Du an der nächsten Konditorei vorbei kommst, gehst Du trotzdem vorbei. Wenn Du weißt, Du wirst das vermutlich nicht schaffen oder wenn Du schon zweimal trotzdem ins Café gegangen bist, kannst Du Dir vornehmen – Uparati- aus dem Weg gehen. Du wählst beim nächsten Mal einen Weg der nicht an einem Schokoladenkuchen vorbei geht, nicht an einer Konditorei, einem Café. Uparati also heißt, du gehst geschickt mit dir um und Du gehst daran vorbei. Das nächste wäre Titiksha. Du hälst durchaus den gewissen Frust aus, den Du hast. Du wolltest einen Schokoladenkuchen, hast ihn nicht gegessen und irgendwie fühlst Du dich unbefriedigt. Titiksha heißt, du hälst das aus. Titiksha heißt auch, angenommen Du hast den Schokoladenkuchen gegessen, Du hälst dieses Gefühl der Niederlage aus und Du fängst trotzdem neu an. Du weißt, Rom ist nicht an einem Tag gebaut worden und steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn´s beim ersten Mal nicht klappt, dann machst Du´s beim zweiten Mal , wenn´s beim zweiten Mal nicht klappt, dann beim dritten Mal. Und wenn Du dir zuviel vorgenommen hast, dann nimm Dir vielleicht etwas weniger vor. Titiksha, Du hälst etwas aus und daraus kommt natürlich Vertrauen, irgendwann wird’s Dir schon gelingen. Vertrauen, dieser innere Frust wird schon von selbst verschwinden. Vertrauen, dass die Übung der Gelassenheit langfristig Erfolg haben wird. Wenn Du das lang genug übst, dann kommt schliesslich Samadhana – tiefer Zustand der Gelassenheit gegenüber Schokoladenkuchen. Wenn Du längere Zeit keinen Schokoladenkuchen gegessen hast, dann macht es Dir nichts mehr aus, ihn zu sehen. Du hast einen tiefen Geisteszustand der Gelassenheit entwickelt.

 

 

Zweites Beispiel: Auseinandersetzung mit einem Kollegen. Angenommen, Du hast eine Auseinandersetzung mit einem Kollegen. Es geht um etwas, wo du angeblich etwas gemacht hast, und Du bist der Meinung, er hat es gemacht und es hätte nicht geschehen sollen. Ihr streitet euch. Sama hieße Übung der geistigen Ruhe. Du bleibst dabei gelassen. Du merkst, ein Kollege ist aufgeregt, Du merkst dein Kollege hat sich geärgert, Du merkst, Dein Kollege ist ärgerlich über Dich. Du bewahrst aber innerliche Ruhe, du nimmst das als Gelegenheit zur inneren Ruhe. Du freust Dich darüber, dass Du eine Gelegenheit hast, innere Ruhe zu entwickeln. Falls Du merkst, mit der inneren Ruhe ist es nicht so weit her, dann kannst Du Dharma üben, Sinnesbeherrschung. Wenigstens schreist Du nicht, wenigstens wirst Du nicht körperlich gewalttätig werden. Du versuchst, in gemessenen Worten zu sprechen oder so wie es angemessen ist. Uparati, wenn Du merkst, Du verlierst gleich die Fassung ganz und Du würdest Sachen sagen, die du nachher bereust. Du könntest so das Verhältnis zu deinem Kollegen dauerhaft stören. Dann findest Du eine Ausrede der Auseinandersetzung mit dem Kollegen aus dem Weg zu gehen. Du kannst sagen, entschuldigen Sie, ich muss jetzt etwas anderes machen, ich muss jetzt wo anders hingehen, oder ich muss mal aufs Klo oder was auch immer. Also Uparati, aus dem Weg gehen. Gerade dann, wenn Du dich kennst, erkenne, ja, jetzt gilt es vielleicht aus dem Weg zu gehen. Titiksha, du hälst etwas aus. Du hälst es aus, weil danach eine innere Unruhe ist, du hälst es aus, das Gefühl der Niederlage, dass Du nicht so gelassen sein konntest, Du hälst es aus, dass Du vielleicht doch nicht so gesprochen hast, wie du gerne sprechen wolltest. Und Shrada – du hast Vertrauen, mittel- und langfristig wird es Dir gelingen, den Geist zur Ruhe zu bringen. Du hast Vertrauen, auch wenn Du jetzt unruhig bist, dass du wieder zur Ruhe kommen wirst. Du hast auch Vertrauen, dass nichts schlimmes passiert ist, auch wenn Du jetzt mal ungeschickt gehandelt hast und Du hast Vertrauen, alle Menschen meinen es letztlich irgendwie gut, auch wenn es oft nicht gut rüberkommt, das Vertrauen die Situationen sind so, dass Du daran wachsen kannst. Konsequenz von all dem kann sein Samadhana. Ein tiefer Geisteszustand der Gelassenheit. Wenn Du das schrittweise übst, wirst Du lernen im Umgang mit Kollegen gelassen zu sein und es macht Dir nichts mehr aus. Gerade wenn Du einen Kollegen hast, mit dem Du oft streitest, gerade wenn Du einen Kollegen hast, der dich nervt. Gerade dann ist das eine gute Übung und du kannst es erreichen, in diesen Umständen gelassen zu sein. Und jede Situation und jeder Mensch mit dem du gelassen umgehen kannst ist eine Weiterentwicklung auf dem Weg zur Gelassenheit.

 

 

3. Beispiel. Streit mit Deinem Partner. Z. B. Über, was soll ich am besten für ein Beispiel nehmen, z. B. Streit über Abfall wegräumen. Nehmen wir an, du hast mit deinem Partner ausgemacht, dass er den Abfall täglich runter bringt und Du stellst fest, er hat ihn nicht runter gebracht. Der erste Schritt wäre, Sama, Übung der geistigen Ruhe. Du nimmst es als eine Übung der geistigen Ruhe, dass Dein Partner das eben nicht macht. Du versuchst gleichmütig zu sein, ihn freundlich daran zu erinnern. Ihn vielleicht mit Humor daran zu erinnern. Wenn Du merkst, so ganz gleichmütig kannst du nicht sein, dann versuchst Du wenigstens Sinnesbeherrschung zu üben. Also nicht furchtbar zu schimpfen, nicht Türen zu schlagen, nicht mit Gläsern und mit Tellern zu werfen. Du versuchst, Deine Sinne zu beherrschen. In der Partnerschaft musst Du dich vielleicht nicht ganz so beherrschen, da ist ein Ausdruck von Ärger durchaus möglich und auch in der Partnerschaft ist mehr Emotionalität oft auch gut, aber zumindest bewirfst Du niemanden. Oder Du boxst und schlägst erst recht nicht. Ich glaube das letzte sollte selbstverständlich sein. Wenn Du merkst, dich nervt das jetzt zu sehr, und der Beginn der Auseinandersetzung ist schon zu schwierig, oder Dein Partner sieht es nicht ein, dann sagst Du nur ein paar Worte und findest dann einen guten Grund, ihm vorübergehend aus dem Weg zu gehen. Meistens reicht es ja aus, jemanden zu erinnern, im Normalfall wird er das schon machen. Er wird sich vielleicht dagegen wehren und wird Begründungen finden, aber wenn man etwas freundlich gesagt hat, oder auch nicht freundlich, muss man die Sache nicht immer ausdiskutieren. Manchmal hilft es, aus dem Weg zu gehen. Manchmal, nicht immer. Manchmal muss man auch ausdiskutieren. 4. Schritt etwas aushalten können. Das heißt auch aushalten zu können, dass Dein Partner nicht so ist, wie Du ihn gerne hättest, aushalten können, dass auch du selbst nicht immer so bist, nicht so reagierst, wie Du es gerne hättest, aushalten können, dass immer wieder neue Herausforderungen kommen. Shrada – ein Vertrauen. Ein Vertrauen dass Du langfristig geistige Ruhe erreichen kannst. Ein Vertrauen, dass Dein Partner, auch wenn er sich nicht so verhält, wie du es gerne hättest, doch dich liebt und dass ihr zusammengehört. Ein Vertrauen dass letzlich die Dinge so geschehen, wie sie geschehen sollen. Schließlich Samadhana, tiefer Geisteszustand der Gelassenheit. Du lernst Deinen Partner so zu nehmen wie er ist, Du erinnerst ihn vielleicht ab und zu mal an etwas oder tust auch manchmal so, als ob du ärgerlich bist, aber tief im Inneren erheitert dich das, Du hast einen heiteren Gemütszustand der Gelassenheit gegenüber der Nachlässigkeit oder Vergesslichkeit Deines Partners, was den Müll betrifft. Und jedes Mal, wenn es Dir gelingt, gegenüber etwas in den Zustand von Samadhana zu kommen, hast du insgesamt die allgemeine Samadhana in Dir entwickelt. So ist jede Übung gut, und jede Übung hilft, stärker in die Gelassenheit zu kommen.

 

 

Das Konzept des Shatsampat entstammt von Shankaracharya, wie ich vorher gesagt hatte. Und er nennt Shatsampat als Teil des Sadhana Shatushtaya, der vier Eigenschaften eines Aspiranten. Shankara ist ja ein Vedantalehrer. Es geht darum, die höchste Erkenntnis zu bekommen. Ich werde darüber später sprechen. Es geht darum, die Einheit mit dem Unendlichen zu erfahren, deine wahre Natur zur erkennen. Um diese zu erkennen, gilt es Klarheit des Geistes zu haben. Um Klarheit des Geistes zu haben, gilt es die sechs Tugenden des Gleichmuts zu üben. So ist Shatsampat als Ganzes eine der vier Eigenschaften des Aspiranten. Die drei weiteren sind Viveka – die Unterscheidung, sind Vairagya – das Loslassen, die Verhaftungslosigkeit, das Nichtanhaften und Mumukshutva, der intensive Wunsch zur Befreiung. Was das alles ist, darüber spreche ich beim nächsten Mal.

 

 

 

 

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2 Kommentare

2 Yoga Blog Kommentare to “07 Shatsampat – 6 Schritte zur Gelassenheit”

  1. Dieter Jahnkeam 29. Mai 2013 um 16:16 1

    Ein Schritt zur Gelassenheit: Aufhören im Außen etwas bewirken zu wollen.

  2. Devakiam 30. Mai 2013 um 11:11 2

    Vielen Dank, lieber Sukadev und Shri Khartikeyan,
    es ist immer wieder eine Bereicherung, das zu hören, und hier jetzt mit vielen neuen Aspekten zur Gelassenheit, die so nützlich sind für den Alltag – ach, wie wunderbar sind doch
    die Yogalehren 🙂 <3 ! – Es ist richtig, sie immer wieder zu feiern, und wenn wir sie zelebrieren, entfalten sie sich schließlich vor uns in ihrem ganzen Reichtum …

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