Häufige Fehlhaltungen
Fehlhaltungen führen zu vorzeitigem, einseitigem Verschleiß.
1. Skoliose (S. 15)
seitliche Verkrümmung der WS
Konvex = es geht raus
Konkav = hohle Seite, nach innen
Paravertebralmuskulatur = Muskelstränge die zwischen den Quer- und Dornfortsätzen verspannt sind.
Wenn die Facettengelenke der Wirbelkörper einseitig mehr Druckbelastung haben (auf der konkaven Seite stärker gestaucht) ist der Verschleiß einseitig erhöht, was dazu führt, dass es zu einer Verschleißarthritis kommt (Abnutzung des Gelenkes mit ev. anschließender Versteifung)
Deshalb ist es wichtig rechtzeitig Fehlhaltungen zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen.
Funktionelle Skoliose
S. kommt durch eine asymmetrische Muskelentwicklung. Wenn jemand überwiegend mit der rechten Seite arbeitet, Rechtshänder ist und körperlich überwiegend die rechte Seite beansprucht, einseitiges Tragen von Gewichten. Diese Seitendifferenz ist relativ einfach zu beheben durch entsprechende Übungen.
Spastische Skoliose
S. tritt plötzlich durch ein Trauma, Bandscheibenverletzung auf. BS Vorfall, z.B. unten links würde sich die linke Seite etwas mehr verkrampfen als Schutz, was die WS dann auch schief macht. Hört nach Ursachenbeseitigung, Entspannung der Muskulatur, wieder auf. Trifft man an bei Menschen die einen BS Vorfall haben, Muskelhartspann ausgeprägt auf einer Seite, die Muskulatur spannt sich reflexartig an.
Echte Skoliose
eine der häufigsten Ursachen ist die idiopathische, man weiß nicht wo es herkommt. Es kann sein, dass es durch Lähmungserscheinungen während des Heranwachsens aufgetreten ist. Durch Infektionskrankheit, z. B. Polio, bestimmte Muskeln gelähmt waren und sich das Muskelkorsett asymmetrisch entwickelt, dadurch die WS sich auch asymmetrisch entwickelt und dadurch eine Krümmung annimmt. Beim Heranwachsenden richtet sich dann das ganze Muskel- Knochengerüst auf diese Fehlhaltung ausrichtet. Das ist schwerer zu korrigieren. Es gibt auch die Möglichkeit der Halbwirbelbildung - der Wirbelkörper entwickelt sich asymmetrisch - der WK ist auf der einen Seite etwas flacher und nicht ganz gerade sind. Eine Wirbeldeformation führt dann auch zu einer Krümmung der WS. Generell liegt der echten Skoliose immer eine Entwicklung der Paravertebral (bed. neben der WS) Muskulatur. Das ist die M. die die Haltung am meisten beeinflusst. Wird als autochthone Rückenmuskulatur (erector spinae, m. Longissimus = lange Züge, ziehen über mehrere Wirbel) bezeichnet - Muskelzüge die zwischen den Quer- und Quer- und Dornfortsätzen ziehen und dafür sorgen, dass die WS in der Haltung bleibt, in der sie ist.
2. Hyper = zu viel, übermäßig
Hypo = zu wenig, unterentwickelt
Lordose = physiologische Ventralwölbung
Kyphose = Dorsalwölbung
Hyperlordose = Hohlkreuz, WS wird nach vorne gezogen, Rückenm. zu schwach
führt zu vorzeitigem Verschleiß der BS in LWS, begünstigt BS Vorwölbungen, BS Vorfälle, führt zu Rückenschmerzen
3. Beckenschiefstand
feststellbar ob die Beckenkammhöhe auf beiden Seiten gleich hoch ist - mit einem Band das um die rechte und linke Seite des oberen Beckenkamms legt (nackter OK) und in den Spiegel schauen. Wenn eine Seite höher steht - Beckenschiefstand
Ursache des Beckenschiefstandes kann sein, dass ein Bein länger ist - Beinlängendifferenz. Kann durch Unfälle im Wachstumsalter entstehen. Es gibt auch scheinbare Beinlängendifferenzen = wenn das Fußgewölbe auf einer Seite mehr eingesunken ist, die Haltung des Fußgelenkes kann differieren (ein Knöchel ist weiter nach innen gesunken), Knie betroffen durch Unfall, Verletzung (kann ev. nicht mehr ganz gestreckt werden), Hüftgelenke sind asymmetrisch in der Pfanne (z.B. Kind wird bei Geburt mit Ruck aus dem Geburtskanal gezogen, alles noch sehr weich)
Wenn das Becken schief ist und die WS gerade, stehe ich schief. Der Körper korrigiert sich automatisch, die Horizontallinie der Augen bleibt, der Kopf wird immer wieder nachjustiert. Die WS gleicht diese Fehlhaltung aus in Form von Skoliose. Die Ursache hier wäre der Beckenschiefstand.
Einlagen zum Ausgleich der Beinlängendifferenz, darauf hin arbeiten , dass das Becken wieder in eine gerade Position kommt. Die Muskeln stabilisieren Becken und WS in Zusammenarbeit mit Bändern. Wenn nach einem Unfall ein Muskel stillgelegt wird, dauert es Wochen um den Muskel aufzubauen. Der Muskel kann in seiner Kraft oder Länge verändert werden, innerhalb von Wochen. Bei Bändern dauert es Monate, bei Knochen, Jahre.
Wenn eine Deformation im Knochenbereich aufgetreten ist, ist auch das ein Prozess, der über einen längeren Zeitraum entstanden ist und nicht unumkehrbar ist. Wenn es an der Haltung liegt, kann der Knochen durch Haltungskorrektur in eine natürliche physiologische Haltung zurückgebracht werden. Wenn z.B. das Hüftgelenk schief ist, ist eine ganz andere Druckbelastung auf die Gelenkflächen. Dadurch entsteht Arthrose oder Arthritis. Bei Beckenschiefstand ist zwangsläufig auch immer eine Asymetrie im Illiosacralgelenke gegeben. (Verbindungsstellen zw. dem Kreuzbein - Os Sacrum und dem Darmbein - Os Illio) = Pferdeschwanz - Endstück des Rückenmarks, welches im Bereich des 3./4. LW endet und geht dann über in diesen Pferdeschwanz, der sich dann über das Becken verteilt. Ist das Becken schief ist automatisch auch das Illiosacralgelenk schief.
Wie kann ich feststellen ob eine Hypo- oder Hyperlordose oder Hypo- oder Hyperkyphose vorliegt?
Am unbekleideten Oberkörper abtasten.
Die Haltung selbst auch im Spiegel betrachten. In jede Richtung extrem gehen und dann die normale Haltung betrachten. Besser ist es aber durch andere Person.
Skoliose ist feststellbar indem man sich mit unbekleidetem Oberkörper auf einem Stuhl setzt und nach vorne neigt. Die 2. Person kann die WS abtasten oder feststellen ob in dieser Haltung der eine Brustkorb oder das Schulterblatt auf einer Seite höher steht. Ist das der Fall, liegt eine Skoliose vor. Die Dornfortsätze müssen deutlich sichtbar sein, ev. auch mit einem Stift den Verlauf markieren.
Vor der Behandlung der Skoliose immer die Ursache finden! Liegt ein Beckenschiefstand der S. zugrunde muss er zuerst behandelt werden. Welche Gelenke im Bein/Fuß sind nicht symmetrisch entwickelt. Standhaltungen mit denen die Beinhaltung optimiert wird. Ev. Asymmetrie der Fußgewölbe, Knöchelhaltungen, Knie oder Hüftgelenke. Standhaltungen mit dem Schwerpunkt einer Beachtung einer vollkommen korrekt ausgerichteten Gelenksstellung auf beiden Seiten. Dinge vermeiden, die zu einer einseitigen Entwicklung der Beinmuskulatur führen. Jeder hat ein starkes Bein ein bevorzugtes Standbein. Wenn man läuft oder springt hat man meist das gleiche Bein von dem aus man abspringt. Auch darauf achten, wenn man lange steht, neigt man dazu das Gewicht auf eine Seite zu verlagern. Ist das immer die gleiche Seite, kann sich daraus schon eine Muskeldifferenz ergeben. Auch mal die Seite wechseln und auf das ungewohnte Bein stellen oder in Balance auf beide Beine mit der Konzentration auf die Fußsohlen. Standhaltungen schaffen eine gute symmetrische Grundlage im Beckenbereich, dass die WS sich gerade aufrichten und entwickeln kann.
Um die paravertebrale M. wieder auszurichten sind vor allem Streckungen auszuführen. Eine angenehme Form ist das Aushängen. z.B. über den Tisch aushängen oder Überkopftrainer oder Stange mit Schuhen mit Haken, über den Pezziball. Schafft Weite und empfiehlt sich vor den Asanas oder der Rishikesh Reihe machen. Auch vor Pranayama oder Meditation zu empfehlen. Kann auch bei Schmerzpatienten sehr angenehm sein. Ist ein passives Dehnen der Muskeln und Bänder. Danach geeignetes Übungsprogramm ausführen um die Fehlhaltung zu korrigieren.
Bei Skoliose auch den Rücken in Bauchlage bei diagonaler Grundhaltung betrachten. Die Haltung, bei der die Skoliose ausgeglichen wird, sollte länger gehalten werden. Jedoch immer beide Seiten üben.
Bei der Streckübung beobachten was mit der WS passiert!
Kopfstand ist bei Skoliose nicht sinnvoll, da durch den Kopfstand keine Streckung möglich ist, da es an der entsprechenden Muskulatur fehlt und dann wird die WS eher gestaucht und es kommt zu einer Verstärkung der Fehlhaltung. Ebenso ist Vorsicht beim Schulterstand geboten. Als Alternative Stehende Vorwärtsbeuge.
Beim Drehsitz darauf achten, dass die WS vom Becken her vollkommen gerade aufgerichtet ist. Falls eine Asymmetrie da ist kann die Fehlhaltung auch verstärkt werden. Alternative Drehsitz aus dem Fersensitz oder mit angewinkeltem Bein (bei geradem Rücken) ohne es über zu stellen.
Rückbeugen nicht zu lange halten! Lieber mehrmals als einmal lange halten, z.B. Kobra im Atemrhythmus.
Immer auf symmetrisches Üben achten! Asana 10 Atemzüge halten.
Atemhinweise! Auch beim Aushängen.
Es gibt auch Skoliosen wo die Wirbel verdreht sind, feststellbar durch Tastbefund oder dass der OK sehr deutlich asymmetrisch ist, z.B. eine Schulter weiter vorne oder oben ist. Da muss sehr gezielt gearbeitet werden. Passive Streckung und zwischen den Asanas in die Streckung gehen lassen ist das Wichtigste. Streckung so machen, dass sie in die Symmetrie führt und nicht die Asymmetrie noch verstärkt wird. In Bauch-, in Rückenlage, Katze. Wenn gerade die Übung notwendig ist, die Schmerzen verursacht, sollte darauf hingewiesen werden, dass man auch mal in den Schmerz hineinarbeitet. Voraussetzung: keine akuten, entzündlichen Prozesse oder BS Probleme.
Bei Auflösung von Fehlhaltungen auch immer die geistig-emotionale Ebene beachten. Es können auch emotionale Blockaden gelöst werden, Erinnerungen hoch kommen, frühkindliche Erfahrungen, Erfahrungen aus früheren Existenzen.





