Das ist der Geburtstag von Krishna, der als achte Inkarnation Gottes gilt. Er fällt auf den 8. Tag nach Vollmond des Monats Bhadrapada (August/September) und ist eines der bedeutendsten hinduistischen Feste. Krishna wurde um Mitternacht geboren. Bei diesem Anlass fastet man 24 Stunden und bricht das Fasten um Mitternacht.
Die Tempel werden geschmückt, es werden Kirtans (Mantras, Namen Gottes) gesungen, Glocken geläutet, das Muschelhorn wird geblasen und Sanskrithymnen zu Ehren Krishnas werden rezitiert. In Mathura, dem Geburtsort Krishnas, werden besondere spirituelle Zusammenkünfte organisiert, zu denen Pilger aus ganz Indien kommen.
Krishna erschien im Jahr Visvavasu, vor 5172 Jahren (von 1945 an gerechnet), also 3227 v.Chr., an einem Mittwoch, dem 8. Tag der abnehmenden Mondphase des Monats Sravana, der gemäß dem Barhaspatyamana (von Brihaspati = Jupiter und „ma“ = „messen“; Kalender, der sich am Lauf des Jupiter orientiert) identisch ist mit dem Monat Bhadrapada, als der Mond in das Haus von Vrishabha in der Konstellation des Sterns Rohini eintrat.
Studiere die Bhagavatam (ind. hl. Schrift über Krishna) und die Pancharatras, die den Upanishaden (ind. Schriften, Schlussteil der Veden) gleich sind. Dort erfährst du alles über den Ruhm Krishnas, seine Lilas (göttlichen Spiele) und seine übermenschlichen Taten. Krishna, der achte Avatar Vishnus (avatar = göttliche Inkarnation), wurde zum Liebling vieler Inder und vieler Menschen auf der ganzen Welt. Er hatte drei Ziele: die Dämonen zu zerstören; die führende Rolle in dem großen Krieg auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra zu übernehmen – wo er seine wundervolle Lehrbotschaft der Bhagavad Gita vermittelte – und die Entwicklung von Bhakti (Gottesverehrung, -liebe, -hingabe) in ganz Indien zu fördern.
Es gibt keine wahre Lehre außer der Hingabe an Krishna. Wer Radha (eine der Gopis = Kuhhirtinnen, Milchmädchen und Geliebte Krishnas) und Krishna liebt, ist wahrhaft reich. Es gibt kein anderes Leid außer mangelnder Hingabe an Krishna. Wer Krishna liebt, ist am weitesten fortgeschritten. Es gibt keinen anderen Weg als die Gemeinschaft der Anhänger Krishnas. Sein Name, seine Tugenden und seine Lilas (göttlicher Zeitvertreib) sind das Wichtigste, woran man denken sollte. Über die Lotusfüße von Radha und Krishna sollte man hauptsächlich meditieren.
Krishna ist ein Meer der Wonne. Seine zu Herzen gehenden wunderbaren Spiele sind die Wellen. Die honiggleiche Musik seiner Flöte zieht seine Verehrer aus allen drei Ebenen an. Seine unvergleichliche und unübertroffene Schönheit versetzt alle lebenden und nichtbelebten Wesen in Erstaunen. Er ziert Seine Freunde mit Seiner unvergleichlichen Liebe.
Seine Handflächen tragen die Symbole des Lotus und des Diskus, die rechte Fußsohle eine Schwertlilie, einen Lotus, einen Donnerkeil, einen Morgenstern, ein Gerstenkorn und die Swastika (Hakenkreuz; Sonnenrad; Symbol für Glück). Seine linke Fußsohle trägt einen Regenbogen, ein Dreieck, einen Wasserkrug, eine Mondsichel, den Himmel, einen Fisch und den Fußabdruck einer Kuh. Seine Gestalt ist verdichtetes, allumfassendes Bewusstsein und Wonne. Sein Körper durchdringt das gesamte Weltall.
Hingabe ist die einzige Möglichkeit, zu Krishna, zu Gott, zu kommen. Bhakti erweckt die Liebe zu Gott. Wenn sich die Liebe auf Krishna richtet, wird der Mensch frei von den Fesseln dieser Welt.
Obwohl Krishna in einem menschlichen Körper erschien, hatte er in Wirklichkeit einen göttlichen Körper, der sich nicht aus den fünf Elementen zusammensetzte. Er wurde nicht im herkömmlichen Sinn geboren. Er starb nicht. Er erschien und verschwand wieder kraft seiner Yoga Maya (der Yoga-Kraft der Täuschung), wie Er in der Gita erklärt. Dieses Geheimnis können nur Seine Verehrer, Yogis und Weise erfassen.
Seine bezaubernde Gestalt mit der Flöte in der Hand wird in unzähligen indischen Haushalten verehrt. Dieser Form sind zahllose Anhänger aus ganzem Herzen in Hingabe und höchster Liebe zugetan - nicht nur in Indien, sondern auch in der westlichen Welt. Millionen spiritueller Sucher verehren Ihn und wiederholen Sein Mantra Om Namo Bhagavate Vasudevaya.
Krishna war sehr klug, mitfühlend und tatkräftig in einem. In den Schriften findet man keine Lebensgeschichte, die erfüllter, intensiver, großartiger und erhebender wäre als die Krishnas.
Krishna spielte verschiedene Rollen, während er in dieser Welt weilte. Er war der Wagenlenker Arjunas (Held der Bhagavad Gita, Freund und Schüler Krishnas). Er war ein ausgezeichneter Staatsmann und ein Meister der Musik; er unterrichtete sogar Narada (einer der sieben großen Seher, Herr der himmlischen Musikanten, Erfinder der Vina) in der Kunst, die Vina (ind. Saiteninstrument) zu spielen. Die Klänge Seiner Flöte bezauberten die Herzen der Gopis (Hirtenmädchen) und aller anderen Menschen. Er war Kuhhirte in Brindavan (Ort in Nordindien) und Gokul. Schon als Kind zeigte er übernatürliche Kräfte und tötete viele Dämonen. Er offenbarte seiner Pflegemutter Yashoda seine kosmische Gestalt. Er führte die Rasa Lila auf (Tanz mit den Gopis), deren Geheimnis und tiefere Bedeutung nur Verehrer wie Narada, Gauranga (anderer Name für Caitanya, bengalischer Heiliger, um 1500 n.Chr.), Radha und die Gopis verstehen können. Er lehrte Arjuna und Uddhava (Freund und Ratgeber von Krishna) die höchste Wahrheit des Yoga, des Bhakti und des Vedanta. Er beherrschte jede der 64 schönen Künste. So gilt er als echte Manifestation Gottes.
Inkarnationen Gottes erscheinen aus besonderem Anlass und unter besonderen Umständen, insbesondere, um die rechtmäßige Ordnung und Frieden wiederherzustellen, wenn diese gestört sind, wenn Verwirrung und Unordnung aufgrund von Unredlichkeit herrschen und die geordnete Entwicklung der Menschheit unmöglich machen, wenn das Gleichgewicht in der Gesellschaft durch selbstsüchtige, rücksichtslose und grausame Menschen bedroht ist, wenn Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit vorherrschen und die Grundlagen des sozialen Zusammenlebens untergraben werden.
Eine Inkarnation Gottes ist der Herabstieg Gottes zum Zweck des Aufstiegs der Menschheit. Ein Strahl des Kosmischen Wesens in seinem latent vorhandenen manifesten Zustand steigt auf die Erde herab und erhält mit seiner mächtigen Kraft die Harmonie des Universums. Das Werk und die Lehren einer solchen göttlichen Inkarnation haben einen segensreichen Einfluss auf die Menschen und helfen ihnen bei ihrer Entfaltung zum Göttlichen und zur Selbstverwirklichung.
Die Inkarnation offenbart die göttliche Natur des Menschen und lässt ihn sich über das beschränkte rein materialistisch ausgerichtete Leben voller Leidenschaft und Egoismus erheben.
Die größten Manifestationen Gottes sind die eigentlichen Vollinkarnationen. Rishis (Seher), Munis (Gelehrte), Propheten, Gottessöhne und Boten Gottes sind niedrigere Manifestationen des Göttlichen.
Die Inkarnationen erscheinen gewöhnlich mit ihrer eigenen Gruppe oder Gesellschaft. Rama kam zusammen mit seinen Brüdern Lakshmana, Bharata und Shatrughna, Krishna mit Balarama (älterer Bruder Krishnas), Devas (Engelswesen) und Rishis (Seher). Sanaka (einer der vier Söhne Brahmas, des Schöpfers) erschien mit Sanandana, Sanatkumara und Sanatsujata (alles Söhne Brahmas). Einige wie Shankara (einer der größten Heiligen und Philosophen Indiens, um 788-820 n.Chr.) und Ramanuja (Philosoph und Heiliger Südindiens, um 1055-1137 n.Chr.) kamen als Lehrer und spirituelle Führer. Andere wie Chaitanya (großer bengalischer Heiliger, um 1500 n.Chr., gilt bei Verehrern als Inkarnation Krishnas) haben die Bestimmung, den Menschen Hingabe einzuflössen und ihren Geist auf Gott zu richten. Die echten Vollinkarnationen wie Krishna erscheinen nur, wenn weitreichendes Unheil die Welt bedroht.
An Krishna Janmashtami schmücken die Frauen in Südindien die Häuser kunstvoll, um Gott gebührend zu empfangen. Sie bereiten Süßigkeiten zu und bringen sie Krishna dar, ebenso wie Butter, Krishnas Lieblingsspeise. Der Weg vom Eingang zum Meditationsraum des Hauses wird mit Hilfe von mit Wasser verrührtem Mehl mit Fußabdrücken eines Kindes markiert. So entsteht das Gefühl, als hätte Krishna selbst mit seinen eigenen Füßen Abdrücke hinterlassen. Es ist ein großer Freudentag. Überall wird gesungen, gebetet und die Bhagavatam (Werk über das Leben Krishnas) rezitiert.
Im Sivananda Ashram in Rishikesh wird Krishnas Geburtstag mit intensiven spirituellen Aktivitäten gefeiert:
1. Schon acht Tage vorher wird das Mantra Om Namo Bhagavate Vasudevaya ununterbrochen rezitiert.
2. Wer kann, rezitiert während dieser Zeit die Bhagavatam. Die anderen hören dabei zu.
3. Am Geburtstag selbst wird gefastet und man verbringt den ganzen Tag in heiliger Gemeinschaft.
4. Man begrüßt sich mit dem heiligen Mantra Om Namo Bhagavate Vasudevaya.
5. Ein große Feuerzeremonie (havan) wird durchgeführt.
6. Von morgens 4.00 Uhr bis abends wird ununterbrochen Satsang gehalten (satsang = Zusammensein mit Wahrheit; gemeinsame Meditation, Mantrasingen, Vorträge in spiritueller Gemeinschaft). Yogis, Sannyasins (die der Welt ensagt haben) und Gelehrte sprechen über das ruhmreiche Leben und die Lehren Krishnas.
7. Nach Sonnenuntergang versammeln sich die Menschen im kunstvoll geschmückten Tempel und singen den Namen und Ruhm Gottes.
8. Viele Hymnen und Teile der Bhagavatam, besonders die Gopika Gita, werden rezitiert.
9. Gegen Mitternacht findet eine große Verehrungszeremonie zu Ehren Krishnas statt. Symbolisch wird die Statue Krishnas mit Milch übergossen, während sein Name 108 mal wiederholt wird.
10. Dieses Ritual endet mit dem Darbringen von Blumen, dem Schwenken von Licht (Arati)
und der Rezitation des Teils der Bhagavatam, der von der Geburt Krishnas handelt. Das fällt dann genau auf Mitternacht, die Geburtsstunde Krishnas, wo die Murti (Statue; Bildnis) Krishnas in einer prächtig geschmückten Wiege geschaukelt wird. Anschließend erhalten alle Prasad (Opfergabe) und ziehen sich zurück, durchdrungen von der Gnade und dem Segen Krishnas.
Wenn du während dieser Zeit nicht die gesamte Srimad Bhagavatam lesen kannst, solltest du wenigstens die folgenden vier bedeutendsten Verse des Buches rezitieren. Die beiden nachstehenden einleitenden Verse bilden den Prolog und der letzte Vers den Epilog:
„Erfahre von Mir das geheimste Wissen, verbunden mit der grundlegenden Erkenntnis und den entsprechenden Bestandteilen.”
„Mögest du durch Meine Gnade Wissen über Mich erlangen und über Meine Formen, Eigenschaften und Qualitäten.”
1. „Vor der Schöpfung existierte Ich allein. Da war nichts, weder Sein noch Nicht-Sein. Ich bin das, was nach der Auflösung bleibt.”
2. „Verstehe, dass all das Maya, Illusion, ist, was keinen Zweck hat, was nicht im Selbst gefunden werden kann und das unwirklich ist wie Licht und Schatten.“
3. „So wie die Grundelemente miteinander verschmolzen und gleichzeitig doch voneinander
getrennt sind, so durchdringe Ich das ganze Universum und bin doch davon getrennt.“
4. „Der Aspirant sollte mittels Befragung (Bejahung und Verneinung) das erkennen, was für
immer und überall existiert.“
„Erfahre diese Wahrheit im höchsten überbewussten Zustand, so dass du fortan nicht durch die illusorischen Objekte abgelenkt wirst.”
Es gibt noch einen anderen wunderbaren Vers in der Bhagavatam, den du täglich rezitieren kannst: „Vor Urzeiten tötete Krishna, geboren von Devaki, aufgewachsen im Haus Yashodas, die schreckliche Putana (Dämonin) in ihrer trügerischen Gestalt, hob den Berg Govardhana an , überwand Kamsa (dämonischer König, der Krishna töten wollte) und die Söhne der Kurus (Vorfahren der Kauravas, der Gegner der Pandavas in der Bhagavad Gita) Familie und beschützte die Söhne Kuntis (= die Pandavas, die „Guten“ im Kampf der Bhagavad Gita). Dies enthält die Essenz der Bhagavat Purana, die all die ergreifenden Geschichten über die Taten Krishnas enthält.“
Möge der Segen von Krishna und Radha mit euch allen sein!