Vasanta Navaratri (vasanta = Frühling; navaratri = Zeitraum von neun Nächten) ist ein Frühlingsfest zur Verehrung der göttlichen Mutter (Devi). Die dem Fest zugrundeliegende Geschichte steht in der Devi Bhagavata (Schrift über Devi, den weiblichen Aspekt Gottes):
Es war einmal ein König namens Dhruvasindu, der während einer Jagd von einem Löwen getötet wurde. Nach seinem Tod wurden Vorbereitungen für die Krönung des Prinzen Sudarsana zum König getroffen. Aber sowohl König Yudhajit von Ujjain, der Vater der Königin Lilavati,1 als auch König Virasena von Kalinga, der Vater der Königin Manorama, wollten den Thron des Kosala-Reichs für ihren jeweiligen Enkel sichern. Es kam zu einem Kampf zwischen den beiden. Virasena fiel in der Schlacht. Manorama floh mit dem Prinzen Sudarsana und einem Eunuchen in die Wälder. In der Einsiedelei des Sehers und Weisen Bharadwaja fanden sie Zuflucht.
Der Sieger, König Yudhajit, ließ seinen Enkel Satrujit in Ayodhya, der Hauptstadt von Kosala, zum König krönen. Anschließend machte er sich auf die Suche nach Manorama und ihrem Sohn. Als er zu dem Weisen Bharadwaja kam, sagte dieser, er würde niemals jemanden im Stich lassen, der bei ihm Schutz gesucht habe. Yudhajit wurde wütend. Er wollte den Rishi angreifen, aber sein Minister überzeugte ihn, dass der Weise recht habe. So kehrte Yudhajit in seine Hauptstadt zurück.
Das Glück war dem Prinzen Sudarsana hold. Eines Tages kam der Sohn eines Einsiedlers vorbei und rief den Eunuchen mit seinem Sanskritnamen Kliba. Der Prinz verstand die erste Silbe Kli und begann, das als KIim auszusprechen. KIim ist aber zufälligerweise ein kraftvolles und heiliges Mantra, das Bija (Samen)-Mantra der Göttlichen Mutter. Indem er diese Silbe immer wieder wiederholte, erlangte der Prinz Frieden im Geist und die Gnade der Göttlichen Mutter. Devi, die Göttin, erschien ihm, segnete ihn und schenkte ihm göttliche Waffen und einen unerschöpflichen Köcher voller Pfeile.
Eines Tages kamen Abgesandte des Königs von Benares (Stadt in Nordindien) bei dem Weisen Bhardwaja vorbei. Als sie den erlauchten Prinzen Sudarsana sahen, berichteten sie der Tochter des Königs von Benares, Prinzessin Sashikala, von ihm.
Die Feier, bei der die Prinzessin ihren Ehegatten auswählen sollte, wurde anberaumt. Sashikala erwählte sofort Sudarsana und sie heirateten. König Yudhajit, der ebenfalls an den Festlichkeiten teilgenommen hatte, begann, gegen den König von Benares zu kämpfen. Die Göttliche Mutter unterstützte Sudarsana und seinen Schwiegervater im Kampf. Yudhajit verspottete die Göttin, woraufhin sie ihn und seine Armee sofort zu Asche verbrannte.
Sudarsana, seine Frau und sein Schwiegervater verehrten und priesen die Göttin. Darüber freute sie sich sehr und beauftragte sie, diese Verehrung jedes Jahr im Frühling, zu Vasanta Navaratri, mit einer Feuerzeremonie (havan) und anderen Festlichkeiten fortzusetzen und ihrer zu gedenken und verschwand.
Prinz Sudarsana und Sashikala kehrten zum Ashram (Einsiedelei; Ort, wo Yoga gelebt und gelehrt wird) des Rishis Bharadwaja zurück. Dieser segnete sie und krönte Sudarsana zum König von Kosala. Sudarsana, Sashikala und der König von Benares erfüllten den Wunsch der Göttlichen Mutter und verehrten sie von nun an jeweils zu Vasanta Navaratri auf wundervolle Art und Weise.
Sudarsanas Nachkommen, insbesondere Rama und Lakshmana, führten die Tradition der Verehrung der Göttlichen Mutter an Vasanta Navaratri fort. Die Göttin half ihnen dafür bei der Errettung Sitas (= Gemahlin von Rama, die von einem Dämonen nach Sri Lanka entführt worden war).
Die Verehrung der göttlichen Mutter an Vasanta Navaratri mit der Bitte um materielles und spirituelles Wohlergehen ist auch heute noch wichtig für gläubige Hindus, die damit die edle Tradition von Sudarsana und Rama weiterführen. Ohne den Segen der Göttlichen Mutter kann man nichts erreichen. Singe deshalb Loblieder auf sie und wiederhole Devi-Mantras und ihren Namen. Verehre sie. Bete zu ihr und empfange ihre ewige Gnade und ihren Segen. Möge sie dich mit allem göttlichen Reichtum segnen!