In grauer Vorzeit gab es in Indien Kannibalenstämme. Sie richteten verheerenden Schaden an und bedrohten unschuldige Menschen. Holika, auch Putana genannt, war eine dieser Kanibalinnen. Sie hatte besonders große Freude daran, kleine Kinder zu verschlingen. Krishna tötete sie und rettete so die Kinder. Am Holi-Fest wird noch heute ein Bildnis oder eine Figur von Holika im Feuer verbrannt. In Südindien wird eine Tonfigur von Cupido, dem Liebesgott, verbrannt. Das ist der Ursprung des großen Festes Holi.
Das Fest beginnt etwa zehn Tage vor dem Vollmond des Monats Phalgun (Februar/März) und endet am Vollmondtag. Gewöhnlich werden aber nur die letzten drei bis vier Tage gefeiert. Es ist ein Frühlingsfest. Die Bäume tragen lieblich duftende Blüten. Sie verkünden die Herrlichkeit und immerwährende Schönheit Gottes, erfüllen uns mit Hoffnung, Freude und neuem Leben. Sie regen uns dazu an, den Schöpfer zu erkennen, der in all diesen Formen verborgen ist.
In Südindien ist Holi auch unter dem Namen Kamadahana bekannt, der Tag, an dem Kama oder Cupido, der Liebesgott, von Shiva verbrannt wurde.
Eine andere Legende erzählt von einer Dämonin namens Holika,der die Enkelin einer alten Frau geopfert werden sollte. Ein Sadhu (Weiser, Heiliger) sagte der alten Frau, Holika könne durch Beschimpfungen und Schimpfworte besiegt werden. Die alte Frau rief eine große Kinderschar zusammen, die Holika beschimpfte und beleidigte. Die Dämonin fiel tot um. Über ihren Überresten entzündeten die Kinder ein Freudenfeuer.
Eng mit dieser Legende verbunden ist Prahlada (mytholog. Gestalt; Sohn des Dämonenkönigs Hiranyakashipu), seine Verehrung von Narayana (Gott als Urwesen, von dem die Schöpfung ausgeht) und wie er dem Tod durch die Hände Holikas entkam. Um seinen hingebungsvollen Geist zu brechen und seine Gesinnung weltlicher zu machen, bestrafte Prahladas Vater Hiranyakashipu (ein Dämonenkönig) ihn auf verschiedenste Weise. Alle seine Versuche misslangen. Schließlich beauftrage er seine Schwester Holika, die die Gabe hatte, dem Feuer zu widerstehen, Prahlada auf den Schoß zu nehmen und mit ihm in die lodernden Flammen zu steigen. Holika führte den Auftrag aus. Sie verschwand und Prahlada blieb lachend zurück. Das Feuer konnte ihm nichts anhaben, da er unter dem Schutz Gottes stand.
Diese Geschichte wird jedes Jahr an Holi aufgeführt. Sie soll die Menschen daran erinnern, dass diejenigen, die Gott lieben, gerettet werden und dass von denjenigen, die die Anhänger Gottes misshandeln, nur noch Asche übrig bleibt. Nachdem Holika verbrannt war, beschimpften die Menschen sie und sangen Loblieder auf Gott und seinen treuen Anhänger Prahlada. Daher sprechen die Menschen bis heute Schimpfworte, vergessen aber leider die Loblieder auf Gott und seine Anhänger.
In Nordindien spielt man an Holi fröhlich mit gefärbtem Wasser. Familienangehörige und Freunde bespritzen sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser oder malen Gesicht und Körper bunt an. Nachts werden riesige Holzhäufen angezündet. Überall sind die Rufe „Holi-ho! Holi-ho!“ zu hören. Die Menschen stehen auf den Straßen und bespritzen jeden Passanten mit farbigem Wasser, auch wenn es eine angesehene Persönlichkeit oder ein Beamter ist. An diesem Tag gibt es keine Einschränkungen. Holi ist in Indien wie der 1. April für die Europäer. Es gibt besondere Holi-Lieder.
Während der Festtage werden die Häuser geputzt. Aller Unrat um das Haus herum wird eingesammelt und verbrannt. Auf diese Weise werden Krankheitserreger vernichtet und die hygienischen Bedingungen in den Dörfern bessern sich. Die Jungen tanzen durch die Straßen und spielen den Passanten Streiche. Am Ende des Festes wird ein Freudenfeuer entzündet. Ausgelassene Streiche des jungen Krishna werden um das Feuer herum gespielt und aufgeführt.
Am letzten Tag von Holi nimmt man ein kleines Feuer von diesem Freudenfeuer mit nach Hause. Damit sollen die Häuser rein und frei von Krankheit und Leiden gehalten werden.
Heutzutage nehmen viele das Holi-Fest als Vorwand und Anlaß für allerlei negative Gewohnheiten. Manche trinken Alkohol, zum Beispiel Grog, und fallen bewusstlos um. Durch die Trinkerei wird ihre Sprache obszön. Sie verlieren den Respekt vor ihren Eltern und Vorgesetzten. Sie verschwenden ihr Geld mit Trinken und Würfelspiel. Solche Auswüchse sollten ganz ausgerottet werden.
Feierlichkeiten wie Holi haben ihren eigenen spirituellen Wert. Wenn man sie im richtigen Sinn feiert, bieten sie nicht nur ausgelassene Unterhaltung sondern schaffen auch Glauben an Gott. Sie führen den Menschen weg von den sinnlichen Vergnügen und bringen ihn schrittweise auf den spirituellen Weg und in die göttliche Gemeinschaft. Die Menschen verrichten Havan (Feuerzeremonie) und bieten das frisch geerntete Korn den Göttern an, bevor sie es selbst verwenden.
Bei solchen Anlässen sollte die Gottesverehrung mehr im Vordergrund stehen, das spirituelle Miteinander und Kirtansingen, statt nur gefärbtes Wasser zu verspritzen und Feuer anzuzünden. Sie sollten als heilig betrachtet werden und mit Gebeten, dem Besuch heiliger Stätten, Baden in heiligem Wasser, Satsang (spirituelles Zusammensein) mit hochentwickelten Seelen, Wohltätigkeit gegenüber Armen usw. begangen werden. Nur auf diese Weise wird Holi richtig gefeiert. An diesen fröhlichen Anlässen werden die freude- und lichtvollen Zeiten und Seiten Gottes gefeiert.
Alle großen hinduistischen Feste enthalten religiöse und soziale Elemente sowie solche verbesserter Hygiene und Gesundheit. Holi bildet da keine Ausnahme. Jede Jahreszeit hat ihr eigenes typisches Fest. Holi ist das große Frühlingsfest in Indien. Da Indien ein Land mit viel Landwirtschaft ist, gibt es zwei große Erntefeste. Wenn die Scheunen gut gefüllt sind, genießen die Bauern die Früchte ihrer harten Arbeit. Auf der ganzen Welt ist die Erntezeit eine Zeit entsprechender Feste.
Nach harter Arbeit braucht der Mensch Entspannung und Abwechslung. Er muß aufgeheitert werden, wenn er von Arbeit und Sorgen niedergedrückt ist. Feste wie Holi versorgen ihn mit der Nahrung und Arznei zur Wiederherstellung seiner guten Laune und Ausgeglichenheit.
Das religiöse Element des Holi-Festes besteht in der Verehrung Krishnas. Mancherorts wird es auch Dol Yatra genannt. Dol bedeutet „Schaukel“. Ein Bild Krishnas, wie er als Baby in einer kleinen Wiege liegt, wird mit Blumen geschmückt und mit buntem Puder bemalt. Es soll an die fröhlichen Späße des kleinen Krishna mit den lustigen Milchmädchen (Gopis) von Brindavan (Ort in Nordindien, an dem Krishna aufwuchs) erinnern. Religiöse Menschen singen den Namen Krishnas und Holi-Lieder, die Geschichten von Krishna und den Gopis zum Inhalt haben.
Der soziale Aspekt von Holi ist die Vereinigung oder „Umarmung” von groß und klein, reich
und arm und zwischen Ebenbürtigen. Das Fest lehrt uns: „Lasst die Toten die Toten begraben”. Vergiss die Sorgen des vergangenen Jahres und beginne das neue Jahr mit Liebe, Mitgefühl, Zusammenarbeit und Gleichheit mit allen. Versuche auch, den Einklang und die Einheit mit dem Selbst zu finden.
Holi bedeutet auch „Opfer“. Verbrenne alle Unreinheiten des Geistes wie Egoismus, Eitelkeit, Gier usw. durch das Feuer der Hingabe und Erkenntnis. Entzünde kosmische Liebe, Barmherzigkeit, Großzügigkeit, Selbstlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Reinheit durch das Feuer der Yoga-Praxis. Das ist der wahre Geist von Holi. Steh auf aus dem Sumpf der Stumpfsinnigkeit und Sinnlosigkeit und tauche tief ein in den Ozean der Göttlichkeit.
Holi fordert dich auf, die Flamme der Göttlichen Liebe in deinem Herzen zu bewahren. Innere spirituelle Erleuchtung ist wahres Holi. Nach der Bhagavad Gita ist die Frühlingszeit die Offenbarung, die Manifestation Gottes. Dort heißt es, Holi sei das Herz Gottes.