Der Höhepunkt des Samstag Abend:
Bharatanatyam:
Die klassische Tanztradition des Bharata Natyam wird vor allem in den
südöstlichen, tamil- und telugusprachigen Regionen Indiens
gepflegt. Bharata Natyam - der Begriff ist erst am Anfang des 20. Jahrhunderts
entstanden - bezeichnet verschiedene Stilrichtungen wie etwa den Solotanz
Sadir Natya, den Gruppentanz Kuruvanji oder die Tanztheater Bhagavatamela
und Kuchipudi. Der Bharata Natyam zeigt dermaßen hohe Übereinstimmungen
sowohl mit alten tanztheoretischen Texten als auch mit den Tanzposen
historischer Tempelskulpturen (z.B. im Nataraja-Tempel des südindischen
Chidambaram aus dem 12. Jh.), daß man von einer der ältesten
Tanztraditionen Indiens sprechen kann. In Anlehnung an die alten Textvorlagen
hat der Bharata Natyam eine große Zahl von Körperhaltungen
und -bewegungen (karana), Schrittfolgen (cari) sowie Hand- und Fingergesten
(hasta) klassifiziert. Hinzu kommt eine ausgeprägte Mimik. Kopf,
Nacken und Schultern bilden eine Einheit und werden mitunter zusammen
seitwärts bewegt. Charakteristisch sind lineare Bewegungen und
auch, daß Arme und Beine imaginäre Dreiecke nachbilden,
etwa wenn die Beine seitlich angezogen sind oder die Hände auf
den Hüften liegen. Je nach Schultradition kommen im Bharata Natyam
bis zu 120 präzise festgelegte Bewegungssequenzen vor, die einzeln
mit Lautsilben, den Sollukattus, benannt sind. Die Tänzerinnen
tragen oft einen reich verzierten Seidensari, der sich vorne bei Spreizbewegungen
fächerartig öffnet, und eine passende Brokatbluse. Geschmückt
sind die Akteure mit silbernen Halsketten, Hüftgürteln und
Armringen sowie Fußglöckchen. Handflächen und Fußsohlen
können mit roter Farbe in geometrischen Verzierungen und mit glückverheißenden
Symbolen bemalt sein. |