09. Kapitel
इदं तु ते गुह्यतमं प्रवक्ष्याम्यनसूयवे |
09-01 sri-bhagavan uvaca idam tu te guhyatamam pravaksyamy anasuyave jnanam vijnana-sahitam yaj jnatva moksyase ’subhat
śrībhagavānuvāca
idaṃ tu te guhyatamaṃ
pravakṣyāmyanasūyave
jñānaṃ vijñānasahitaṃ
yajjñātvā mokṣyase ’śubhāt
09-01 Wort-für-Wort Übersetzung
śrī-bhagavān – der Erhabene
uvāca – sprach
idam – dieses
tu – aber
te – dir
guhyatamam – höchste Geheimnis (guhya)
pravakṣyāmi – werde ich darlegen
anasūyave – der du ohne Argwohn bist („der du nicht murrst“)
jñānam – Erkenntnis
vijñāna-sahitam – begleitet (sahita) von Wissen (vijñāna)
yat – diese
jñātvā – wenn du erfahren hast
mokṣyase – wirst du befreit werden
aśubhāt – vom Übel
09-01 Kommentar Sukadev
Diese Aussage Krishnas haben wir von ihm auch schon im 2. Vers des 7. Kapitels in ähnlicher Form gehört, wo er sagt:„Ich werde dir diese Erkenntnis vollständig erläutern, die gepaart ist mit direkter Verwirklichung, und nach deren Erkennen hier nichts mehr zu erkennen verbleibt.“
09-01 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 1. Vers: Yoga, die königliche Wissenschaft
09-02 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 2. Vers
राजविद्या राजगुह्यं पवित्रमिदमुत्तमम् |
प्रत्यक्षावगमं धर्म्यं सुसुखं कर्तुमव्ययम् || ९ २ ||
09-02 raja-vidya raja-guhyam pavitram idam uttamam pratyakshavagamam dharmyam su-sukham kartum avyayam
rājavidyā rājaguhyaṃ
pavitramidamuttamam
pratyakṣāvagamaṃ dharmyaṃ
susukhaṃ kartumavyayam
09-02 Wort-für-Wort Übersetzung
rāja-vidyā – die Königswissenschaft, „der König (rājan) unter den Wissenschaften (vidyā)“
rāja-guhyam – das Königsgeheimnis, „der König unter den Geheimnissen (guhya)“
pavitram – Läuterungsmittel
idam – dieses (Wissen ist)
uttamam – das beste („höchste“)
pratyakṣa-avagamam – durch direkte Wahrnehmung (pratyakṣa) erfahrbar (avagama)
dharmyam – mit der Ordnung, dem Recht (dharma) in Einklang
susukham – sehr leicht
kartum – auszuführen, d.h. in die Tat umzusetzen
avyayam – unvergänglich
09-02 Kommentar Sukadev
Krishna macht uns das Höchste schmackhaft als eine königliche Wissenschaft, eine großartige Wissenschaft. Es ist ein Geheimnis. Doch wie kann es ein Geheimnis sein? Die Bhagavad Gita ist in Indien die bekannteste Schrift. Das ist vergleichbar damit, heutzutage etwas ins Internet zu stellen, bei Google damit die 1. Platzierung zu erreichen und zu behaupten, das sei das höchste Geheimnis. Krishna möchte uns sagen, dass selbst wenn er uns dieses Geheimnis erklärt, wir es nicht so schnell verstehen werden.
09-02 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 2. Vers: Aus selbstloser Hilfe entsteht Verbindung
09-03 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 3. Vers
अश्रद्दधानाः पुरुषा धर्मस्यास्य परंतप |
अप्राप्य मां निवर्तन्ते मृत्युसंसारवर्त्मनि || ९ ३ ||
09-03 asraddadhanah purusha dharmasyasya parantapa aprapya mam nivartante mrityu-samsara-vartmani
aśraddadhānāḥ puruṣā
dharmasyāsya paraṃtapa
aprāpya māṃ nivartante
mṛtyusaṃsāravartmani
09-03 Wort-für-Wort Übersetzung
aśraddadhānāḥ – die nicht vertrauen
puruṣāḥ – Menschen
dharmasya – Gesetz
asya – diesem
paraṃtapa – oh Vernichter der Feinde (Arjuna)
aprāpya – ohne erreicht zu haben
mām – mich
nivartante – kehren zurück
mṛtyu-saṃsāra-vartmani – auf den Pfad (vartman) des Kreislaufs der Wiedergeburt (saṃsāra) und des Todes (mṛtyu)
09-03 Kommentar Sukadev
Krishna ermahnt uns immer wieder: Es gilt, das Höchste zu erstreben. Alles andere hält uns in der Vergänglichkeit, in der Trennung, im Leiden gefangen.
09-03 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 3. Vers: Grundlagen der Spiritualität
09-04 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 4. Vers
मया ततमिदं सर्वं जगदव्यक्तमूर्तिना |
मत्स्थानि सर्वभूतानि न चाहं तेष्ववस्थितः || ९ ४ ||
09-04 maya tatam idam sarvam jagad avyakta-murtina mat-sthani sarva-bhutani na caham tesv avasthitah
mayā tatamidaṃ sarvaṃ
jagadavyaktamūrtinā
matsthāni sarvabhūtāni
na cāhaṃ teṣvavasthitaḥ
09-04 Wort-für-Wort Übersetzung
mayā – von mir
tatam – ist erfüllt
idam – diese
sarvam – ganze
jagat – Welt
avyakta-mūrtinā – in („mit“) unmanifester (avyakta) Gestalt (mūrti)
mat-sthāni – befinden (stha) sich in mir (mat)
sarva-bhūtāni – alle (sarva) Wesen (bhūta)
na – nicht
ca – aber
aham – ich
teṣu – in ihnen
avasthitaḥ – befinde mich
09-04 Kommentar Sukadev
Krishna wiederholt das, was er im 12. Vers des siebten Kapitels gesagt hat. Er sagt: Gott erfüllt alles, aber Gott ist noch jenseits von allem. Wir sind in Gott, aber Gott ist nicht begrenzt auf die einzelne Seele. Wir können sagen und spüren: „Gott ist in mir“. Das heißt aber nicht, dass Gott nur in mir ist. Gott ist überall, ewig und deshalb nicht begrenzt auf die einzelnen Wesen.
09-04 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 4. Vers: Die Essenz in mir ist Gott
09-05 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 5. Vers
न च मत्स्थानि भूतानि पश्य मे योगमैश्वरम् |
भूतभृन्न च भूतस्थो ममात्मा भूतभावनः || ९ ५ ||
09-05 na ca mat-sthani bhutani pasya me yogam aishvaram bhuta-bhrn na ca bhuta-stho mamatma bhuta-bhavanah
na ca matsthāni bhūtāni
paśya me yogamaiśvaram
bhūtabhṛnna ca bhūtastho
mamātmā bhūtabhāvanaḥ
09-05 Wort-für-Wort Übersetzung
na – nicht
ca – auch
mat-sthāni – befinden (stha) sich in mir (mat)
bhūtāni – die Wesen
paśya – sieh
me – meine
yogam – Kunst (d.h. übernatürliches, göttliches Vermögen)
aiśvaram – mächtige, majestätische
bhūta-bhṛt – erhält (bhṛt) die Wesen (bhūta)
na – nicht
ca – aber
bhūta-sthaḥ – befindet (stha) sich in den Wesen (bhūta)
mama – mein
ātmā – Selbst
bhūta-bhāvanaḥ – es ist der Erschaffer (bhāvana) aller Wesen (bhūta)
09-05 Kommentar Sukadev
Swami Krishnananda hat ein Buch mit dem Titel: „Kingly Secret, Kingly Sience“ geschrieben. Soviel ich weiß, gibt es das Buch nur auf Englisch und ihr könnt es auf der Website der Life Divine Society finden. In diesem Buch kommentiert und interpretiert er auf über circa 200 Seitenallein das 9. Kapitel der Bhagavad Gita. Daran kann man erkennen, wie komplex dieses 9. Kapitel ist.
09-05 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 5. Vers: Jeder ist eine Manifestation Gottes
09-06 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 6. Vers
यथाकाशस्थितो नित्यं वायुः सर्वत्रगो महान् |
तथा सर्वाणि भूतानि मत्स्थानीत्युपधारय || ९ ६ ||
09-06 yathakasa-sthito nityam vayuh sarvatra-go mahan tatha sarvani bhutani mat-sthanity upadharaya
yathākāśasthito nityaṃ
vāyuḥ sarvatrago mahān
tathā sarvāṇi bhūtāni
matsthānītyupadhāraya
09-06 Wort-für-Wort Übersetzung
yathā – wie
ākāśa-sthitaḥ – der sich im Raum (ākāśa) befindet
nityam – stets
vāyuḥ – Wind
sarvatra-gaḥ – überallhin (sarvatra) weht („geht“)
mahān – der mächtige
tathā – so
sarvāṇi – alle
bhūtāni – Wesen
mat-sthāni – befinden (stha) sich in mir (mat)
iti – in dieser Weise
upadhāraya – verstehe (es)
09-06 Kommentar Sukadev
Betrachten wir als Beispiel mal die Wellen im Wasser. Wir sehen wie die Wellen sich bewegen. Was ist nun der Unterschied zwischen Welle und Meer? Die Welle existiert nicht ohne das Meer. Sie ist einfach nur die Form des Meeres. Jetzt kann man fragen: „Ist die Welle im Meer oder ist das Meer in der Welle?“ Die Antwort lautet: Beides und weder noch.
09-06 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 6. Vers: Alles bewegt sich, trotzdem ruht alles in Gott
09-07 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 7. Vers
सर्वभूतानि कौन्तेय प्रकृतिं यान्ति मामिकाम् |
कल्पक्षये पुनस्तानि कल्पादौ विसृजाम्यहम् || ९ ७ ||
09-07 sarva-bhutani kaunteya prakritim yanti mamikam kalpa-ksaye punas tani kalpadau visrjamy aham
sarvabhūtāni kaunteya
prakṛtiṃ yānti māmikām
kalpakṣaye punastāni
kalpādau visṛjāmyaham
09-07 Wort-für-Wort Übersetzung
sarva-bhūtāni – alle Wesen
kaunteya – oh Sohn Kuntīs (Arjuna)
prakṛtim – Natur
yānti – gehen ein
māmikām – (in) meine
kalpa-kṣaye – am Ende (kṣaya) eines Tages Brahmās (kalpa)
punaḥ – erneut
tāni – sie
kalpa-ādau – am Anfang (ādi) eines Tages Brahmās (kalpa)
visṛjāmi – erschaffe
aham – ich
09-07 Kommentar Sukadev
Kalpa bedeutet übersetzt “Zeitalter”. Krishna beschreibt hier auf der relativen Ebene, dass es mal ein Universum gibt und mal kein Universum gibt. Die westlichen Physiker streiten sich immer weiter über die Fragen: „Wie ist die Welt entstanden? Wird sie ewig bestehen oder geht sie irgendwann unter?“ Die Inder hingegen haben schon immer ein zyklisches Denken gehabt: Sie gingen davon aus, dass esalle möglichen Kalpas gibt. Zwei Kalpas dauern einen Tag und eine Nacht Brahmas, nämlich 8.640.000.000 Jahre, und solange soll ein Schöpfungszyklus dauern. Dies deckt sich nicht ganz mit der westlichen Astronomie, nach der das Universum so um die 15 bis 30 Milliarden Jahre alt sein soll (Stand der Wissenschaft im Jahr 2005). Interessant daran ist aber, dass es schon ungefähr die gleiche Größenrichtung hat. Am Ende hört es mit einem Kalpa auf – es hört aber nicht wirklichalles auf- sondern es fängt wieder von Neuem an, denn es ist erst ein Tag und eine Nacht Brahmas. Und ein Brahma hat insgesamt 365 Tage für ein Jahr und wird 100 Jahre alt. Das ist der große Schöpfungszyklus, der nach dieser Chronologie 311.040.000.000.000 Jahre dauert. Und danach, wenn der zu Ende ist, ist das Leben eines Brahmas zu Ende und es beginnt ein neues. Das ist die relative Ebene.
09-07 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 7. Vers: Nehme dich nicht so wichtig und erhebe dich
09-08 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 8. Vers
प्रकृतिं स्वामवष्टभ्य विसृजामि पुनः पुनः |
भूतग्राममिमं कृत्स्नमवशं प्रकृतेर्वशात् || ९ ८ ||
09-08 prakritim svam avastabhya visrijami punah punah bhuta-gramam imam krtsnam avasam prakriter vasat
prakṛtiṃ svāmavaṣṭabhya
visṛjāmi punaḥ punaḥ
bhūtagrāmamimaṃ kṛtsnam
avaśaṃ prakṛtervaśāt
09-08 Wort-für-Wort Übersetzung
prakṛtim – Natur
svām – (meine) eigene
avaṣṭabhya – während ich beherrsche („stütze, einschließe“)
visṛjāmi – erschaffe ich
punaḥ punaḥ – immer wieder
bhūta-grāmam – Vielzahl (grāma) der Wesen (bhūta)
imam – diese
kṛtsnam – gesamte
avaśam – unwillkürlich
prakṛteḥ – der Natur (der jeweiligen Wesen)
vaśāt – gemäß
09-08 Kommentar Sukadev
Zu Beginn eines neuen Kalpas kommen die verschiedenen Wesen, sie lösen sich scheinbar von Gott und kehren nachher wieder zurück, obgleich sie immer in Gott bleiben.
09-08 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 8. Vers: Gott, die Ursache allen Lebens
09-09 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 9. Vers
न च मां तानि कर्माणि निबध्नन्ति धनंजय |
उदासीनवदासीनमसक्तं तेषु कर्मसु || ९ ९ ||
09-09 na ca mam tani karmani nibadhnanti dhananjaya udasina-vad asinam asaktam tesu karmasu
na ca māṃ tāni karmāṇi
nibadhnanti dhanaṃjaya
udāsīnavadāsīnam
asaktaṃ teṣu karmasu
09-09 Wort-für-Wort Übersetzung
na – nicht
ca – aber
mām – mich
tāni – diese
karmāṇi – Handlungen
nibadhnanti – binden
dhanaṃjaya – oh Dhanaṃjaya „Schatzgewinner“ (Arjuna)
udāsīnavat – wie unbeteiligt
āsīnam – sitzend, verweilend
asaktam – nicht verhaftet
teṣu – an diese
karmasu – Handlungen
09-09 Kommentar Sukadev
Hier kommt Krishna wieder auf Vibhuti Yoga, den Yoga der göttlichen Herrlichkeiten, zu sprechen. Nicht umsonst hat das 9. Kapitel die Überschrift “Der Yoga der königlichen Wissenschaft” und – vor allem – “des königlichen Geheimnisses”. Krishna redet häufig in Paradoxien. Er sagt, dass Gott die Welt hinaus schickt und sie wieder zurück bringt. Aber wer ist dann Gott? Und wer kann Gott sein vor der Schöpfung? Wenn Gott eine Person ist, dann kann sie es nicht vor der Schöpfung sein. Und woher kommt diese Person? Und wenn Gott nicht die eine Person ist, sondern wenn Gott einfach nur ein abstraktes Prinzip ist, woher bringt das abstrakte Prinzip irgendwas zustande? Krishna erklärt diese Zusammenhänge hier nicht vollständig, zumindest nicht für mein Verständnis der Logik. Aber er versucht es auch nicht wirklich, es genau verständlich zu machen. Er versucht eher mittels Paradoxien die höhere Wahrheit zu verkünden, indem er sagt: Zum einen bringt Gott die Welt hervor und zieht sie wieder zurück. Zum anderen ist Gott daran nicht gebunden – er ist unbeteiligt. D. h. auf einer anderen Ebene bleibt Gott dieses Sat-Chid-Ananda, wie es in der Vedanta heißt; Brahman – reines absolutes Sein-Wissen-Glückseligkeit und nichts passiert. Dann spricht er wieder von dem persönlichen Aspekt: Etwas entsteht und vergeht wieder.
09-10 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 10. Vers
मयाध्यक्षेण प्रकृतिः सूयते सचराचरम् |
हेतुनानेन कौन्तेय जगद्विपरिवर्तते || ९ १० ||
09-10 mayadhyaksena prakritih suyate sa-caracaram hetunanena kaunteya jagad viparivartate
mayādhyakṣeṇa prakṛtiḥ
sūyate sacarācaram
hetunānena kaunteya
jagadviparivartate
09-10 Wort-für-Wort Übersetzung
mayā – mit mir
adhyakṣeṇa – als Aufseher
prakṛtiḥ – die Natur
sūyate – gebiert
sa-cara-acaram – das, was Bewegtes (cara) und Unbewegtes (acara) umfasst
hetunā – Grund
anena – aus diesem
kaunteya – oh Sohn Kuntīs (Arjuna)
jagat – die Welt
viparivartate – dreht sich
09-11 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 11. Vers
अवजानन्ति मां मूढा मानुषीं तनुमाश्रितम् |
परं भावमजानन्तो मम भूतमहेश्वरम् || ९ ११ ||
09-11 avajananti mam mudha manusim tanum asritam param bhavam ajananto mama bhuta-maheshvaram
avajānanti māṃ mūḍhā
mānuṣīṃ tanumāśritam
paraṃ bhāvamajānanto
mama bhūtamaheśvaram
09-11 Wort-für-Wort Übersetzung
avajānanti – missachten
mām – mich
mūḍhāḥ – die Törichten, Verblendeten
mānuṣīm – menschliche
tanum – Gestalt
āśritam – (wenn) ich angenommen habe
param – höheres
bhāvam – Wesen
ajānantaḥ – nicht erkennend
mama – mein
bhūta-mahā-īśvaram – als großen Herrn (maheśvara) der Wesen (bhūta)
09-11 Kommentar Sukadev
Krishna spricht über die verschiedenen Aspekte Gottes.
Der Aspekt der schöpft, erhellt und auflöst. Der Aspekt, der transzendent ist und stets unberührt bleibt.
09-10 und 09-11 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 10. und 11. Vers: Gott in menschlicher Natur gehüllt
09-12 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 12. Vers
मोघाशा मोघकर्माणो मोघज्ञाना विचेतसः |
राक्षसीमासुरीं चैव प्रकृतिं मोहिनीं श्रिताः || ९ १२ ||
09-12 moghasa mogha-karmano mogha-jnana vicetasah rakshasim asurim caiva prakritim mohinim sritah
moghāśā moghakarmāṇo
moghajñānā vicetasaḥ
rākṣasīmāsurīṃ caiva
prakṛtiṃ mohinīṃ śritāḥ
09-12 Wort-für-Wort Übersetzung
mogha-āśāḥ – ihre Hoffnungen (āśā) sind vergeblich (mogha)
mogha-karmāṇaḥ – ihre Handlungen (karman) sind vergeblich
mogha-jñānāḥ – ihr Wissen (jñāna) ist vergeblich
vicetasaḥ – (sie sind) ohne Verstand (cetas)
rākṣasīm – von Rākṣasas (nächtlichen Unholden)
āsurīm – von Asuras (Dämonen)
ca eva – und
prakṛtim – Natur
mohinīm – der trügerischen
śritāḥ – sie sind verfallen
09-12 Kommentar Sukadev
Wenn wir Gott nicht erkennen in einer seiner Gestalten, sagt Krishna, sind letztlichalleHoffnungen vergebens.
09-13 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 13. Vers
महात्मानस्तु मां पार्थ दैवीं प्रकृतिमाश्रिताः |
भजन्त्यनन्यमनसो ज्ञात्वा भूतादिमव्ययम् || ९ १३ ||
09-13 mahatmanas tu mam partha daivim prakritim asritah bhajanty ananya-manaso jnatva bhutadim avyayam
mahātmānastu māṃ pārtha
daivīṃ prakṛtimāśritāḥ
bhajantyananyamanaso
jñātvā bhūtādimavyayam
09-13 Wort-für-Wort Übersetzung
mahā-ātmānaḥ – die großen (mahā) Seelen (ātman)
tu – jedoch
mām – mich
pārtha – oh Sohn Pṛthās (Arjuna)
daivīm – zur göttlichen
prakṛtim – Natur
āśritāḥ – die Zuflucht genommen haben
bhajanti – verehren
ananya-manasaḥ – mit einem Geist (manas), der auf nichts anderes (ananya) gerichtet ist
jñātvā – da sie (mich) erkannt haben
bhūta-ādim – als den Ursprung (ādi „Anfang“) der Wesen (bhūta)
avyayam – unvergänglichen
09-13 Kommentar Sukadev
Jeder Mensch hat an der göttlichen Natur teil. Manchen Menschen ist es mehr bewusst, anderen Menschen ist es weniger bewusst. Sie verehren Gott und erkennen ihn als den unvergänglichen Ursprung der Wesen.
09-13 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 13. Vers: Sehe nur Gott, setze es um
09-14 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 14. Vers
सततं कीर्तयन्तो मां यतन्तश्च दृढव्रताः |
नमस्यन्तश्च मां भक्त्या नित्ययुक्ता उपासते || ९ १४ ||
09-14 satatam kirtayanto mam yatantas ca drdha-vratah namasyantas ca mam bhaktya nitya-yukta upasate
satataṃ kīrtayanto māṃ
yatantaśca dṛḍhavratāḥ
namasyantaśca māṃ bhaktyā
nityayuktā upāsate
09-14 Wort-für-Wort Übersetzung
satatam – allezeit
kīrtayantaḥ – indem sie lobpreisen
mām – mich
yatantaḥ – streben
ca – und
dṛḍha-vratāḥ – sind sie fest (dṛḍha) in ihren Gelübden (vrata)
namasyantaḥ – indem sie (mir) huldigen
ca – und
mām – mich
bhaktyā – mit Hingabe
nitya-yuktāḥ – stets (nitya) verbunden (yukta)
upāsate – verehren sie
09-14 Kommentar Sukadev
In diesem Kapitel spricht Krishna öfters darüber, dass man fest in seinen Gelübden sein soll, beständig in seinen Vorsätzen und sich an seine Versprechen halten soll. Das, was man verspricht, sollte man auch einhalten. Auch, das, was man sich vornimmt, sollte man tun.
09-14 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 14. Vers: Strebe und halte deine Vorsätze ein
09-15 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 15. Vers
ज्ञानयज्ञेन चाप्यन्ये यजन्तो मामुपासते |
एकत्वेन पृथक्त्वेन बहुधा विश्वतोमुखम् || ९ १५ ||
09-15 jnana-yajnena capy anye yajanto mam upasate ekatvena prithaktvena bahudha vishvato-mukham
jñānayajñena cāpyanye
yajanto māmupāsate
ekatvena pṛthaktvena
bahudhā viśvatomukham
09-15 Wort-für-Wort Übersetzung
jñāna-yajñena – mit einem Erkenntnisopfer
ca – und
api – auch
anye – andere
yajantaḥ – indem sie opfern
mām – mich
upāsate – verehren
ekatvena – als das Eine
pṛthaktvena – (und) als das Vielfältige („Verschiedene“)
bahudhā – in vielerlei Formen
viśvataḥ-mukham – dessen Gesicht (mukha) überall hin (viśvataḥ) gewandt ist
09-15 Kommentar Sukadev
Im vorigen Vers hat Krishna uns gelehrt, wie wir mittels Bhakti Yoga Praktiken zu Gott kommen können. In diesem Vers lehrt er uns wie wir mit Jnana Yoga Techniken zu Gott kommen können: Anstatt Gott als Person zu verehren, können wir Gott verehren als das Eine, das Andere und das Vielfältige. Das Eine ist das Unendliche. Gott ist aber auch das Andere, das manifeste Universum. Und das Vielfältige, d.h., er ist in jedem einzelnen Geschöpf.
09-15 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 15. Vers: Gebe Yoga im Alltag weiter
09-16 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 16. Vers
अहं क्रतुरहं यज्ञः स्वधाहमहमौषधम् |
मन्त्रोऽहमहमेवाज्यमहमग्निरहं हुतम् || ९ १६ ||
09-16 aham kratur aham yajnah svadhaham aham ausadham mantro ’ham aham evajyam aham agnir aham hutam
ahaṃ kraturahaṃ yajñaḥ
svadhāhamahamauṣadham
mantro ’hamahamevājyam
ahamagnirahaṃ hutam
09-16 Wort-für-Wort Übersetzung
aham – ich (bin)
kratuḥ – das (vedische) Opfer (gemäß der als Śruti „das Gehörte“ bezeichneten Texte)
aham – ich (bin)
yajñaḥ – das Opfer (gemäß der als Smṛti „das Erinnerte“ bezeichneten Texte)
svadhā – die Opferspeise für die Manen
aham – ich (bin)
aham – ich (bin)
auṣadham – das Heilkraut
mantraḥ – der Opferspruch
aham – ich (bin)
aham – ich (bin)
eva – wahrlich
ājyam – das Butterschmalz (Ghee)
aham – ich (bin)
agniḥ – das Feuer
aham – ich (bin)
hutam – die Opfergabe
09-16 Kommentar Sukadev
Krishna zählt alleDinge auf, die in einer Yajna als Opfer dargebracht werden können. Wenn es eine komplexere Homa ist, dann gibt es verschiedenste Dinge, die geopfert werden, wie z.B. Kratu (das Opfer an sich), die Speise für die Manen (womit die Ahnen gemeint sind), Heilkräuter und Pflanzen, das Mantra, das gesungen wird, das Ghee (gereinigte Butter). Gott selbst istalle diese Opfer. Ein solches Ritual ist eine Bhakti Yoga Technik, die Gott gewidmet wird als Opfer, und gleichzeitig ist Gott in jedem Bestandteil des Rituals.
09-17 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 17. Vers
पिताहमस्य जगतो माता धाता पितामहः |
वेद्यं पवित्रमोंकार ऋक्साम यजुरेव च || ९ १७ ||
09-17 pitaham asya jagato mata dhata pitamahah vedyam pavitram omkara rk sama yajur eva ca
pitāhamasya jagato
mātā dhātā pitāmahaḥ
vedyaṃ pavitramoṃkāra
ṛksāma yajureva ca
09-17 Wort-für-Wort Übersetzung
pitā – der Vater
aham – ich (bin)
asya – dieser
jagataḥ – Welt
mātā – die Mutter
dhātā – der Erhalter, Schöpfer
pitāmahaḥ – der Großvater
vedyam – das (eine Ding), das erkannt werden muss
pavitram – das Läuterungsmittel
oṃkāra – die Silbe „om“
ṛk – der Ṛgveda
sāma – der Sāmaveda
yajuḥ – der Yajurveda
eva – gewiss
ca – und
09-17 Kommentar Sukadev
In all diesen Attributen können wir Gott erkennen. Wir können Gott als Vater ansehen. Wir können Gott als Mutter ansehen. Wir können Gott als das kosmische Gesetz ansehen. Wir können ihn als Verwalter der Früchte der Handlungen betrachten. Viele Menschen haben heutzutage einen persönlichen Bezug zu Gott. Gott als kosmisches Gesetzt, Gott als Licht oder Gott als kosmische Energie. Er wird oft auch als Großvater, der eigentliche Vater angesehen.
09-17 Kommentar 2 von Sukadev
Bhagavad Gita, 9. Kapitel, 17. Vers: Gott wirkt hinter jedem einzelnen
09-18 Devanagari Bhagavad Gita 9. Kapitel 18. Vers
गतिर्भर्ता प्रभुः साक्षी निवासः शरणं सुहृत् |
प्रभवः प्रलयः स्थानं निधानं बीजमव्ययम् || ९ १८ ||
09-18 gatir bharta prabhuh saksi nivasah saranam suhrt prabhavah pralayah sthanam nidhanam bijam avyayam
gatirbhartā prabhuḥ sākṣī
nivāsaḥ śaraṇaṃ suhṛt
prabhavaḥ pralayaḥ sthānaṃ
nidhānaṃ bījamavyayam
09-18 Wort-für-Wort Übersetzung
gatiḥ – (ich bin) das Ziel; der Weg
bhartā – der Erhalter
prabhuḥ – der Herr
sākṣī – der Zeuge
nivāsaḥ – die Wohnstatt
śaraṇam – die Zuflucht
suhṛt – der Freund
prabhavaḥ – der Ursprung
pralayaḥ – die Auflösung
sthānam – die Grundlage; das Bestehen
nidhānam – die Schatzkammer
bījam – Same
avyayam – der unvergängliche