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Studien über Vergleichbare PhilosophienWestliche Philosophen und ihre Interpretation vom Yoga Standpunkt aus
Alfred North WhiteheadAlfred North Whitehead nimmt einen Platz in der Geschichte westli-cher Philosophien ein, die ihn in seiner Bedeutung mit anderen großen Meistern, wie Plato, Kant und Hegel vergleichbar machen, die der Menschheit ein monumentales System der Gedanken gaben. Whitehead stellt sich das Universum, um es zu verstehen, wie einen Organismus, einen Prozess vor, was zur Folge hat, dass unsere Vorstellungen von den Dingen, den Einheiten und den Substanzen in Raum und Zeit völlig neu bedacht werden müssen. Normalerweise sind wir es gewohnt, dass sich die mate-riellen Körper an bestimmten Punkten zu einer bestimmten Zeit im Raum befinden, und dass kein anderer Körper diesen Platz zur selben Zeit inne-haben kann. Diese Idee, die Whitehead als ‚einfache Positionierung‘ be-zeichnet, und die fälschlicherweise die Dinge ohne jeden Bezug zu anderen Bereichen in Raum und Zeit zu erklären versucht, wird durch den allge-meinen Glauben eingeschränkt, dass eine Ursache für eine Wirkung ver-antwortlich ist, die ihr zeitlich vorausgeht. Whitehead kritisiert, dass der kausale Bezug zwischen zwei Dingen mit ihrer einfachen Positionierung nicht vereinbar ist, denn zwei voneinander getrennte Dinge können keine kausale Beziehung zueinander haben. Kausalität lässt im Allgemeinen dar-auf schließen, dass die Kenntnis von der Ursache ein Wissen aller Wirkun-gen in sich trägt. Dieses ist jedoch unmöglich, wenn man an dem Glauben fest hält, dass die Dinge und Ereignisse voneinander getrennt sind. Wenn eine einfache Positionierung eines Ereignisses eine Tatsache ist, dann wür-de uns selbst eine Schlussfolgerung keinen Aufschluss über die Folgeereig-nisse geben, denn die Schlussfolgerungen erfordern von dem Ereignis, von dem wir anderes folgern wollen, einen innewohnenden Bezug auf die zu folgernden Ereignisse; doch solch ein Bezug fehlt zwischen den Ereignis-sen, die voneinander verschieden sind. Wenn alle Ereignisse in Raum und Zeit völlig voneinander getrennt sind, ist auch die Erinnerung an eine Ver-gangenheit unmöglich. Unsere Erfahrungen lehren uns, den Glauben an die einfache Positionierung der Dinge und Ereignisse aufzugeben. Es gibt kei-ne getrennten Körper oder Ereignisse an verschiedenen Punkten in Raum und Zeit. Wenn nun die Ereignisse nicht voneinander getrennt werden kön-nen, wie können wir zwischen einer Ursache und ihrer Wirkung unter-scheiden, - zwischen den Ereignissen, von denen wir folgern? Die Antwort Whitehead’s lautet: Wenn man einen Prozess hinzufügt, der zwischen allen Dingen liegt, bei dem die Dinge zu einem Teil des Prozesses und zu einer Prozessfolge werden, die uns eine Vorstellung von einem Universum als Organismus bzw. eines System gibt, wobei jedes Einzelteil jedes andere Teil beeinflusst, und wo jedes Ereignis durch jedes andere durchdrungen wird. Im Universum ist es unmöglich, isolierte Objekte zu finden, die sta-tisch aus sich selbst heraus in Raum und Zeit existieren. Die Theorie des Organismus setzt eine Lösung für die Problematik der Beziehung zwischen Geist und Materie voraus. Wir möchten glauben, dass Geist und Materie zwei verschiedene Erfahrungen sind, die sich ir-gendwie gegenseitig beeinflussen. Doch wie kann eine gegenseitige Beein-flussung möglich sein, wo doch beide voneinander getrennt sind? Das Problem kann nur gelöst werden, wenn sich beide, Geist und Materie, über einen Beziehungsprozess gegenseitig beeinflussen. Die Natur fließt in den Geist, fließt dann wieder in veränderter Form heraus und schließlich in das jeweils wahrgenommene Objekt hinein. An dieser Stelle ist keiner von bei-den wirklicher als der Andere. Der Wahrnehmende und das wahrgenom-mene Gebilde bilden einen fortlaufenden Prozess. Die Subjekte und Objek-te sind nicht voneinander verschieden. Das wahrgenommene Universum bildet vom Standpunkt seiner betrachtenden Glieder eine Sicht von sich selbst, die durch die Aktivität des Ganzen verändert wird. Es existiert ein fortlaufender Prozess zwischen Geist und Materie. Auch die substanzielle Beziehung als solches, wie sie im Allgemei-nen verstanden wird, hat ihre großen Schwierigkeiten. Wir wissen nichts über die in einer Substanz innewohnenden Qualitäten; wir wissen nicht, ob sie verschieden oder identisch sind. Die allgemeine Sichtweise ist, dass Substanzen ereignislose Dinge sind, die Primärqualitäten besitzen, und de-nen die Sekundärqualitäten durch den wissenden Geist hinzugegeben wer-den. Dann verbleibt in der Natur nichts weiter als die Bewegung, die als Licht auf die Netzhaut auftrifft oder die als Klang das Trommelfell berührt. In der klassischen Physik heißt es, dass die Welt lediglich aus elektrischen Ladungen besteht, farblos ist, ohne Klang ist, ohne Schönheit oder Güte ist, wertlos ist und nichts von dem besitzt, was wir eine Welt nennen. Die Welt ist in unseren Köpfen. Was wirklich ist, ist die Elektrizität, die mathemati-schen Ereignispunkte, Symbole und Formeln. Und was ist mit der Ästhetik, der Ethik und den religiösen Werten? In der Wissenschaft ist nichts derglei-chen bekannt. Wir wissen auch, wie uns Locke’s Unterscheidung von den Primär- und Sekundärqualitäten zu den erstaunlichen Schlussfolgerungen bei Berkeley und Hume geführt haben. Whitehead weist darauf hin, dass die klassische Wissenschaft auf Grund der Vorstellung von einer einfachen Po-sitionierung der Dinge ein eintöniges Universum entdeckt hat. Sie stimmte dem Fehler der Abstraktion der Dinge und Ereignisse zu, ohne ihre Bezie-hungen zueinander und zu anderen mit ihren individuellen Qualitäten, die sie charakterisieren, zu berücksichtigen. Das Gegenmittel liegt in der Ak-zeptanz eines Universums organischer Beziehungen, in dem alle Tatsachen, Bedeutungen und Werte enthalten sind, ohne sich von Grund auf und in der Erfahrung zu widersprechen, und in dem alles räumlich Andere und vorü-bergehend Verschiedene in einem System gegenseitiger Beziehung von Dingen und Ereignissen überwunden wird. Raum, Zeit und Ereignisse sind organisch miteinander verbunden, und nichts kann jemals isoliert vonein-ander existieren. Whitehead hat von Hegel gelernt, dass alle Dinge und Ereignisse im Inneren miteinander verbunden sind, und dass sie ohne ihr ganzes Umfeld unvollkommen sind, was zu Fehleinschätzungen führt. Die Materie ist eine Gruppe von agitativen Kräften, die ihren Körper auf das ganze Universum ausdehnt und dessen Inhalt ausmacht. Die Konfiguration dieser Kräfte sind als Körper oder Ereignisse bekannt, und ihre Existenz und Natur bestimmt alles. Die Dinge sind grenzenlos, sie existieren wirklich überall, zu jeder Zeit und in jeder Form. Wir können kein Blatt vom Baum pflücken und wissen, was es für ihn bedeutet, oder ein menschliches Körperteil ab-schneiden und wissen, wie er als sein Organ funktioniert. Die Abtrennung von Ereignissen zu anderen Ereignissen, von Substanzen und ihren Eigen-schaften, von Ursachen und ihren Auswirkungen, von Geist und Körper, von Dingen und dem Rest des Universums ist ein Todesstoß für das richtige Wissen. Whitehead propagiert eine Philosophie, die auf die wissenschaftli-che Theorie der Beziehungen beruht. Das Ergebnis ist das neue Konzept über den Organismus. Whitehead’s Universum als Organismus wird durch die Gesetze der ‚inneren Beziehungen‘ gesteuert. Alle Dinge sind in jeder Beziehung alle anderen Dinge, und die eigenen Beziehungen sind nicht von den Dingen trennbar. Wenn wir uns mit Whitehead beschäftigen, müssen wir an dieser Stelle die Wörter ‚Ding‘, ‚Einheit‘ usw. aufgeben, denn er hat darauf hin-gewiesen, dass unsere ‚dinghaften‘ Gedanken mit unseren Vorstellungen der ‚einfachen Positionierung‘ verbunden sind, was er als den ‚Irrtum des falsch platzierten Konkretums‘ bezeichnet. Was wir als Ding ansehen, ist für ihn die Zusammensetzung von agitativen Kräften, eine aktive oder e-nergetische Gruppe, eine Konfiguration eines Prozesses oder einer Bewe-gung; und er nennt solch ein Prozessglied eine ‚aktuelle Gelegenheit‘. Wir werden jedoch aus Bequemlichkeit diesen Begriff auf die Dinge im Allge-meinen oder auf die Objekte unserer Erfahrungen anwenden. Manchmal bezeichnet Whitehead diese aktuellen Gelegenheiten als ‚Tropfen der Er-fahrung‘. Diese auf die Materie der Objekte allgemeiner Wahrnehmungen verliehenen Namen sollen ausdrücken, dass es sich nicht um isolierte Ein-heiten handelt, sondern um fortlaufende Ereignisse teleologischer Prozesse, wie sie mit allen Dingen im Universum geschehen. Nichts kann vom Pro-zess abstrahiert oder losgelöst von anderen Gliedern betrachtet werden. Je-de aktuelle Gelegenheit schließt alle anderen Situationen ein, und jede ein-zelne Situation zu kennen bedeutet, das ganze Universum zu kennen. Aktu-elle Gelegenheiten sind vorübergehende einzelne Prozessaspekte, Binde-glieder, die wir als Objekte bezeichnen. Ein Objekt ist nichts weiter als eine aktuelle Gelegenheit in einem fortlaufenden Prozess, wie wir ihn in seiner nach außen scheinenden Form erfahren. Ein Ereignis ist eine Folge von ak-tuellen Gelegenheiten, die sich in der Wahrnehmung für wenige Augenbli-cke wie in einem Molekül darstellen. Die Objekte sind komplexere Gebilde solcher Ereignisse. Die Form eines Objektes wird in seiner Ausdehnung in der Wahrnehmung erfahren. Jede aktuelle Gelegenheit ist abhängig von der Existenz anderer, und ist damit vom ganzen Universum abhängig. Alle aktuellen Gelegenheiten tragen allen anderen Rechnung, und nehmen einander - irgendwie noch subtiler als die Sinneswahrnehmungen - selbst wahr. Es existiert eine Art von durchdringendem Gefühl jeder aktuellen Gelegenheit in Bezug auf al-len im Universum existierenden Gelegenheiten. Whitehead benutzte das Wort ‚Gefühl‘ in anderer Form als wir es normalerweise gewohnt sind, und macht es zu einem mehr fundamentalen Begriff als in der Bewusstseins-ebene des normalen Lebens üblich. Diese Form des Gefühls ist eine natür-liche Sympathie, welche die aktuelle Gelegenheit für das Ganze empfindet. Sie ist die allgemeine Verbindung und Einheit des Universums, die sie in sich selbst durch die wirkliche Tatsache ihres Inhaltes offenbart. Dieses ru-dimentäre Gefühl oder diese Art von Erfahrung ist für Whitehead von einer unbewussten Ergriffenheit, von einer Beziehung zu anderen aktuellen Ge-legenheiten oder von einer Form des Zugriffs auf alle Aspekte des Univer-sums. Diese Ergriffenheit kann im Positiven eine Faszination sein oder im Negativen ein Zurückziehen der Aspekte bedeuten. Die aktuellen Gelegen-heiten beziehen sich auf diese Weise auf das körperliche und mentale Le-ben; beide sind kein Merkmal für eine bestimmte Ordnung des Seins. Der Prozess ist Gefühl und Wirklichkeit, und die körperliche Energie ist weiter nichts als das, was wir als aktuelle Gelegenheit für den unsichtbaren Pro-zesses in uns selbst fühlen, - und dieses ist das Universum. Jede aktuelle Gelegenheit repräsentiert und fühlt eine Situation des ganzen Prozesses, und seine Existenz ist ein Beitrag für den Rest der aktuellen Gelegenheiten; sie werden durch das ganze Universum durch die Integration der Charakte-re hervorgebracht, die Whitehead als die Prozesse der Vereinigung bezeich-net. Eine aktuelle Gelegenheit wird, präzise ausgedrückt, als ‚ergreifende Gelegenheit‘ bezeichnet, denn sie wäre ohne die Ergriffenheit nicht exis-tenzfähig. Whitehead spricht von einer eintretenden Evolution der aktuellen Ge-legenheiten von möglichen Formen der Erfahrungen, die als ewige Objekte bekannt sind. Die ewigen Objekte treten in die Formation der aktuellen Ge-legenheit ein. Diese ewigen Objekte sind keine konkreten Existenzen, son-dern abstrakte Möglichkeiten der Evolution der aktuellen Gelegenheiten. Das Universum unserer Erfahrungen ist das Ergebnis aus dem Eintreten einer der unendlichen Arten der ewigen Objekte, die in diesem bestimmten Bereich der vorübergehenden Ereignisse noch nicht aktualisiert wurden. Die besondere Art der Auswahl der ewigen Objekte für den Eintritt ist de-nen ähnlich, bei denen bestimmte aktuelle Gelegenheiten zur Geburt von anderen aktuellen Gelegenheit auf verschiedenen Wegen der Beziehung beitragen, die als die ‚wesentlichen‘ aktuellen Gelegenheiten für andere bezeichnet werden. Die aktuellen Gelegenheiten bestimmen durch ihr phy-sikalisches Ergreifen anderer aktueller Gelegenheiten und durch ‚begriffli-ches‘ Ergreifen der ewigen Objekte selbst das Geschehen. Die ewigen Ob-jekte unterscheiden sich darum nicht von den aktuellen Gelegenheiten, ob-wohl sie von unterschiedlicher Natur sind, auch wenn sie nicht im Rahmen des universalen Prozesses aktualisiert wurden, und auch wenn sie alles durch ihr negatives Ergreifen beeinflussen. Die Gesetze der Natur sind die relativ stabilen Ausdrucksformen oder Verhaltensweisen in Bezug auf die aktuellen Gelegenheiten, die zu gegebener Zeit in Erscheinung treten. Da das Universum die Zeit einschließt, müssen sich seine Gesetze zu ihren veränderten Beziehungen mit den verbundenen Teilen ändern. Gott, so sagt Whitehead, ist letztendlich für die Auswahl der beson-deren Arten der ewigen Objekte verantwortlich, die die aktuellen Gelegen-heiten ergreifen und dem Universum in dem jeweiligen Augenblick ein be-sonderes Aussehen im Gegensatz zu allen anderen Möglichkeiten verlei-hen. Gott ist das Prinzip der Begrenzungen, denn ER begrenzt die aktuellen Gelegenheiten auf einige wenige der unendlich vielen Möglichkeiten bzw. der Muster des Prozesses. Gott durchdringt den Prozess des Universums, denn was den Prozess bestimmt, kann nicht involviert sein. Es wäre nicht zu verstehen, warum Gott den aktuellen Gelegenheiten eine besondere Be-schränkung auferlegt und dieses Universum mehr als irgendjemand anders aktualisiert haben sollte. Whitehead sagt, dass es einen ständigen Einfluss auf die aktuellen Gelegenheiten gibt, was von ihm als das ‚subjektive Ziel‘ der aktuellen Gelegenheiten bezeichnet wird, was sie zu dem macht, was sie sind. Whitehead drückt sich nicht klar darüber aus, was dieses ‚subjek-tive Ziel‘ ist, obgleich sie ein Ausdruck des Impulses ist, um in der Evolu-tion voranzuschreiten. Die Vedanta würde dieses subjektive Ziel als das Streben des Universums nach der Verwirklichung im Absoluten betrachten, das in den aktuellen Gelegenheiten und den ewigen Objekten allgegenwär-tig ist. Vielleicht würde Whitehead bzgl. Gott und dem Universum dieselbe Meinung vertreten, dass sie allgegenwärtig sind und sich gegenseitig beein-flussen, obwohl Gott über dem Universum als Prinzip seiner Begrenzung steht. Gott ist das universale Ziel der Aktivitäten der aktuellen Gelegenhei-ten, in dem sie ihre größte Möglichkeit sehen. Alle Werte des Lebens sind in Gott sichtbar, der das ewige Ideal ist und die Aktualität der vergängli-chen Bereiche bestimmt. Gott erschafft nicht das Universum, jedoch er-möglicht ER es durch den eingeschränkten Prozess, und doch ist ER nicht für das Übel der Lebensbeziehungen verantwortlich. Das Übel ist das Er-gebnis der kurzsichtigen und egoistischen Aktivitäten, die auf Grund der Verrenkungen der universalen Ziele ausgelöst wurden. Doch Whitehead hat seinen Gott nicht als das Absolute angesehen. Gott ist für ihn „kein vergänglicher Zufall“. Wenn Gott einer der Zufälle ist, so kann er nicht die Ursache der Zufälle sein, die das vergängliche Uni-versum hervorbringt. Gott muss einer mehr zufrieden stellenderen Form zugeordnet werden, damit ER das Universum bestimmen kann. Wenn Whi-tehead unter dem zufälligen Gott ein kosmisches Prinzip versteht, das dem Ishvara der Vedanta ähnelt, der in dem Sinne zufällig ist, dass ER als Gott in Beziehung zu dem besonderen Universum steht, dann hat dieser Gott die Voraussetzung zur Wirklichkeit erfüllt, die jenseits des Zufalls und der Re-lativität steht. Whitehead’s Gott wird in Bezug auf den Entwicklungspro-zess zu einer Konsequenz bzw. zu einer Folge, und kann solange nicht ge-rettet werden bis er zu einer Offenbarung des Absoluten wird, der jenseits der Schöpfung ist. Diese Krone aller Philosophien scheint in Whitehead’s System zu fehlen, obwohl man annehmen muss, dass er keine Chance hat-te, diese Betrachtung einzubeziehen. Die Kritik an der allgemeinen Sichtweise, wie sie von Whitehead vo-rangetrieben wurde, dass die Ursache von einer Auswirkung getrennt ist, stimmt mit der Vedanta überein. Die Auswirkung kann von ihrer Ursache nicht getrennt sein, denn es kann nicht unabhängig sein, was nicht bereits in der Ursache enthalten ist. Die Auswirkung wäre nicht mit der Ursache identisch, wenn wir das Konzept der Auswirkung von der Ursache trennen müssten, und außerdem könnten wir dann die Ursache selbst abschaffen. Doch Whitehead’s Prozess löst das Problem der Ursache nicht vollständig, obwohl es die klassische Theorie von der Produktion bestimmter statischer Einheiten aus anderen statischen Einheiten übersteigt. Wir können keinen Prozess ohne kurzzeitige vergängliche Beziehung betrachten; und wenn Raum und Zeit nicht absolut sind, kann auch der Prozess nicht Wirklichkeit sein. Der Prozess ist die Natur des Universums, wie er in den aktuellen Ge-legenheiten gesehen wird, wobei die Gelegenheiten fälschlicherweise vom Rest des Universums abstrahiert werden. Doch ohne diese Abstraktion kann es weder eine Betrachtung noch eine Wahrnehmung des Prozesses in Objektform geben. Und wenn die Abstraktion oder die Isolation der aktuel-len Gelegenheiten von den anderen Aspekten des Universums falsch ist, dann wird die Erfahrung des Universums als ein Prozess auch falsch; - in dem Fall bedeutet die Identifikation des Prozesses mit der Wirklichkeit eine Verfälschung der Wirklichkeit. Was wir erfahren, ist immer ein Prozess, und die Erfahrung öffnet sich uns immer in Form einer Abstraktion vom Ganzen. Auf diese Weise erweist sich der Prozess als relative Erscheinung der Wirklichkeit, was zutreffender ist. Die Vedanta identifiziert diese Wirk-lichkeit mit dem unsterblichen Bewusstsein, das in allen Prozessen gegen-wärtig ist und sie doch transzendiert. Es gibt den Prozess der aktuellen Ge-legenheiten auf Grund einer Wirklichkeit, die sich nicht mit dem Prozess fortbewegt. Whitehead stuft seinen Prozess zu einem Phänomen herab, um sein Konzept der Wirklichkeit neu aufzubauen. Der Prozess mag für uns Sterbliche wirklich sein, doch er ist in sich nicht wirklich. Wenn die Materie und das Leben, wie Whitehead behauptet, grund-sätzlich eins sind, dann ist das Universum mit Gefühlen und Erfahrungen belebt. Dann muss die Vorstellung über eine untätige Materie aufgegeben und das Universum mit einem grenzenlosen Leben ausgestattet werden, was mit seiner Wirklichkeit vergleichbar ist. Dieses Leben kann kein Besitz sein, denn wir haben gesehen, dass ein Prozess, um in Erscheinung zu tre-ten, weiterer Unterstützung bedarf. Das Leben kann nicht nur eine lebendi-ge Kraft sein, denn das Letztere ist ein Prozess der organischen Existenz. Es kann kein Verstand sein, denn dann wäre es ein Gedankenprozess. Wir sind gezwungen, zu einem universalen Sein zurückzukehren, dem ein Geist zu Grunde liegt, dessen Wesen das Bewusstsein ist. Materie, Leben und Geist sind die verschiedenen Ausdrucksebenen des Absoluten in Raum und Zeit. Sie müssen in ihrem wesentlichen Sein begriffen werden, wo sie über ihre vielfältigen Strukturen hinausgehen und sich selbst in der Wahrheit erkennen. Das Absolute ist das Sein und das Wissen. Die physische Welt ist der Körper des Virat, wie er durch die ver-gänglichen Subjekte des Augenblicks wahrgenommen wird. Die Wissen-schaft kann sich nicht selbst mit der inneren Schönheit der Ästhetik, den ethischen und religiösen Werten befassen, denn sie ist mit der Beobachtung durch die Sinne und nicht mit den Bedingungen, die alle Beobachtungen betreffen, beschäftigt. Die Letzteren werden zu den Subjekten für das Stu-dium der Philosophie. Die Werte sind keine Dinge; und die Dinge sind die Hüllen, die ein lebendes Prinzip bedecken; und es sind die Dinge, die die Aufmerksamkeit der Wissenschaft anziehen. Die Werte sind die Auswir-kungen, die das Bewusstsein in uns produziert, wenn es Objekte in Augen-schein nimmt. Das Universum hat aus sich heraus keine Zuneigung zu den Werten, denn es arbeitet mechanisch, wenn es als Sinnesobjekt betrachtet wird. Dieses geschieht, weil bei der Sinneserfahrung das Objekt durch das Bewusstsein abstrahiert wird. Die Materie scheint nur aus elektrischer E-nergie zu bestehen und einen Knick im Kontinuum von Raum und Zeit zu bilden, weil der Wissenschaftler bei seiner Beobachtung seine eigene Exis-tenz und seine Konstitution außer Acht lässt. Die Wissenschaft studiert Abstraktionen und kein Ganzes. Darum ist es kein Wunder, dass sie einen Körper an Stelle einer lebendigen Schönheit entdeckt. Ein Stück Mineral oder das Bein eines Frosches zu untersuchen bedeutet nicht, dass man am Wunder des Lebens teilhat. Die Bedeutung der Existenz ist in uns selbst geöffnet und nicht in dem, was wir sehen. Gott schaut aus winzigen Menschlein heraus, und der Staub eines zerbrechlichen Körpers beherbergt ei-nen Spirit, der das ganze Universum umfasst. Das Ewige in uns weigert sich in unseren Aktivitäten unterdrückt zu werden und fordert eine sorgfäl-tige Aufmerksamkeit, durch die wir die Stimme des höchsten Himmels vernehmen können. Das Klappern der Sinne wird durch die göttliche Musik beruhigt. Die Wissenschaft muss zur Philosophie zurückkehren, um leben-dig zu werden, und die Philosophie muss hineinschauen, um ihre Seele zu finden. Das unbewusste Zugreifen von Whitehead ist das wirkliche Vorfüh-len, mit dem das bewusste Leben seinen eigenen Weg in der Evolution hin zur Gottheit ertastet. Die verschiedenen Stufen, in denen sich das Bewusst-sein selbst offenbart, sind die Formen der gegenseitigen Reaktion des phä-nomenalen Subjekts und Objekts. Das Bewusstsein versteckt sich selbst in der Materie, atmet in Pflanzen, träumt in Tieren und erwacht im Menschen, obwohl es selbst im Menschen nicht vollkommen selbstbewusst wird. Die-ser Prozess der schrittweisen Offenbarung gilt nur für individuelle Existen-zen. Im kosmischen Sein ist alles ein unmittelbares Leuchten aller Lebens-stufen. Die individuellen Erfahrungen machen es jedoch unabdingbar er-forderlich, sich zum kosmischen Schema, der Stufenleiter schrittweiser Er-hebungen des Bewusstseins in verschiedenen Ordnungen des Seins, auszu-dehnen und zum kosmischen Körper Gottes zu werden. Doch dieses sind Erklärungen über das Leben und Begründungen für die Erfahrungen, wie sie uns selbst auferlegt wurden. Die Wirklichkeit kennt keine Abstufungen; diese Stufen existieren nur in unseren Wahrnehmungen. Das unbewusste Zugreifen ist der bewusste Weg, auf dem die schlafenden Individualitäten durch die aktuellen Gelegenheiten das Absolute erreichen. Das Bewusst-sein könnte sich nicht aus dem Unbewusstsein erheben, wenn es nicht be-reits in dem Letzteren vorhanden wäre, obwohl es verschleiert ist. Das Zu-greifen kann unbewusst geschehen, wenn es durch die reine Macht der Notwendigkeit gegenseitiger Abhängigkeiten von den Aspekten der Exis-tenzen hervortritt, doch wenn sie in Bezug zu ihrer Stellung zum Univer-sum lebendig werden, sind die Aspekte nicht wesentlich. Für Whitehead und für die Vedanta ist Gott nicht der Vater des Übels in der Schöpfung. Für Whitehead ist die Sache klar, weil Gott nicht der Schöpfer, sondern das Prinzip der Begrenzungen ist, wobei Gott für die notwendigen Bedingungen der Offenbarung des Universums sorgt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dort, wie Whitehead annimmt, irgend eine Ur-substanz unabhängig von Gott existiert, oder dass Gott eine fähige Ursache ist, die sich von einer materiellen Ursache unterscheidet. Gott ist die fähige, instrumentelle, materielle, formale und letztendliche Ursache – alles in Ei-nem. Doch Gott erscheint ebenso als Bewusstsein und wie auch als Schöp-fungsstoff, wenn ER in einer empirischen Abstraktion erblickt wird. Die Vedanta sieht die Natur des gegenwärtigen Universums als etwas an, das durch die Natur der latenten Potenziale der unbefreiten Individuen be-stimmt wird, die in einem unbewussten Zustand am Ende des vorhergehen-den Schöpfungszustandes liegen. Das Universum ist für die Individuen nichts weiter als ein Feld der Erfahrungen, das es beinhaltet. Ohne die Po-tenziale dieser Inhalte ist das Universum nichts. Das Gute und das Böse des Lebens sind beides Ausdrücke dieser Potenziale, die in den Erfahrungen aktualisiert werden. Darum hat Gott weder Gutes noch Böses zu tun. ER ist weder über unsere Sünden bekümmert noch über unsere Tugenden erfreut. ER erzeugt weder Handlungen noch bringt ER die Früchte unserer Hand-lungen hervor. Doch scheint ER alles dieses zu tun, wenn wir als endliche Wesen versuchen, Seine Wege zu verstehen. Whitehead fand keinen Grund für bestimmte Begrenzungen, die Gott in das universale Schema hineinge-bracht hätte. Die Vedanta sagt, dass die Form dieser Begrenzungen von den Neigungen der latenten Prinzipien abhängt, die im Muster des Universums offenbart werden sollen. Gott ist das Licht, dessen bloße Gegenwart die Potenziale zur Aktivität und Selbstevolution erweckt. |
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