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Studien über Vergleichbare Philosophien

von Swami Krishnananda

Westliche Philosophen und ihre Interpretation vom Yoga Standpunkt aus

 

 

 

 

Die Bedeutung der Studien des westlichen Gedankengutes

 Die Unzulänglichkeit der Philosophien westlicher Denker im Ver-gleich zur Vedanta bedeutet jedoch nicht, dass in ihnen nichts Gutes enthal-ten wäre. Kant, Hegel und Whitehead sind wohl die größten Denker, die die Welt hervorgebracht hat, und ihr monumentaler Beitrag zum Wissen ist wirklich wundervoll. Sie präsentieren unterschiedliche Facetten der Weis-heit und den Part, den sie spielen, in dem sie den menschlichen Geist in seinem Bemühen die Wahrheit zu erfahren ernüchtern, ist nicht nur bedeu-tend, sondern vom Standpunkt eines klar und logisch denkenden Studenten unentbehrlich. Diese Denker hatten eine wundervolle Rolle und eine inspi-rierende Wirkung auf das menschliche Verstehen bis hin zu seinen Grenzen und der Verwirklichung aller Möglichkeiten bei der Suche nach der Wirk-lichkeit. Sie haben uns gesagt, wo wir als körperliche Individuen stehen und welche Schlussfolgerungen wir letztendlich daraus ziehen können.

 Kant’s Forschungen können als Grundlage für die moderne kritische Philosophie und die Wende im westlichen Verhalten bzgl. der Wahrheit an-gesehen werden. Kant hat darauf hingewiesen, dass wir nicht übertrieben stolz auf unser Wissen zu sein brauchen, und dass es ernsthafte Fehler beim Umgang und seiner Herkunft gibt. Er hat gezeigt, dass wir die Wirklichkeit nicht mit unseren Augen sehen können, denn die Sinne sind in die Raum-zeit-Bedingungen involviert. Es gibt keine sinnliche Wirklichkeit, so wie die Dinge der Welt von uns gesehen werden. Dies ist unmöglich, denn un-sere körperliche Struktur ist in die Raumzeit eingebunden, was zur Folge hat, dass die Bewegungen aller in ihr befindlichen Existenzen auf diese Raumzeit beschränkt sind. Wir können auch nicht in der Dimension ‚Wirk-lichkeit‘ denken, denn der Geist arbeitet unter den Bedingungen der Kate-gorien von Menge, Qualität, Beziehung und Modalität, die wiederum viele Kontrollinstanzen haben, die den Geist daran hindern, über deren Grenzen hinauszuwachsen. In dem Augenblick, wo der Geist zu denken anfängt, fühlt er sich aus allen Richtungen durch diese Kategorien behindert, und wird durch sein Urteil über diese Kategorien weiterhin eingeschränkt. Wie der Frosch im Märchen bewegt sich der Geist im Netzwerk der Kategorien und glaubt, dass die Wirklichkeit durch ihre Struktur begrenzt sei. Die Ma-thematik und die Physik können uns nicht die Wahrheit geben, weil sie auf der Grundlage einer Hypothese von Raum, Zeit und den Gedankenkatego-rien arbeiten. Die Schlussfolgerung dieser Wissenschaft mag so weit richtig sein wie es die Welt dieser strukturellen Begrenzungen betrifft, und wir können so weit ihren Regeln mit den Gesetzen unseres Lebensumfeldes folgen, denn wir werden so lange keinen Fehler ausmachen, wie wir uns auf Raum, Zeit und den Kategorien beschränken, die uns nicht erlauben zu erfahren, was sich außerhalb davon befindet. Kant hält uns von jeder In-nenschau der Wirklichkeit mit Hilfe unseres Verstandes ab, denn der Ver-stand, so sagt er, ist wiederum durch die Kategorien beschränkt und kann uns darum nur einen falschen Eindruck vermitteln. Aus diesem Grund exi-stiert keine Metaphysik im Sinne eines richtigen Wissens von ihr, denn wir sind immer innerhalb der phänomenalen Welt und unser Wissen ist auch in ihr involviert. Die Mathematik, die Physik und die Metaphysik sind alle gut als die Gesetze der Phänomene, doch wenig hilfreich bzgl. unseres Wissens über die Wirklichkeit.

Was können wir dann am Ende wissen? Kant’s Antwort lautet: Das Phänomen. Wir haben keine Ahnung von der Wirklichkeit, weil wir kein Gefühl dafür haben, was sich außerhalb des Phänomens befindet. Wir be-finden uns innerhalb des Phänomens, und es ist vergebliche Liebesmühe, dass wir mit unserer intellektuellen Ausstattung auch nur Funken davon erfassen. Kant’s Größe wird sichtbar, wenn er meint, dass wir die Wirklich-keit kennen würden, wenn wir, wie er es nennt, mit einer ‚intellektuellen Intuition‘ ausgestattet wären, was ein Wissen unabhängig von den Katego-rien, wie Raum, Zeit und Gedanken darstellt, doch hat er nicht das Gefühl, dass irgendein Mensch innerhalb des Phänomens jemals auf solch eine Ga-be hoffen könnte.

Diese scharfsinnige Analyse Kant’s ist die Voraussetzung, um der Selbstzufriedenheit zu begegnen, die die menschliche Macht überschätzt und den Menschen in einer Welt von Eitelkeit und Unwissenheit leben lässt. Kant’s großes Werk ‚Kritik der reinen Vernunft‘ ist ein Meisterstück des scharfen Denkens, der logischen Ableitungen und ehrlichen Ziele in der menschlichen Welt, und es bildet für alle diejenigen ein notwendiges Trai-ningsfeld, die an feinsinniges Denken und verständliches Argumentieren interessiert sind. Kant negiert nicht die Existenz Gottes, auch wenn er daran fest hält, dass wir Ihn nicht durch unsere Sinne, unseren Geist und unseren Verstand erfahren können, denn er postuliert die Existenz Gottes auf die Ebene des moralischen Dranges nach einer Vervollkommnung, die von in-nen herkommt. Die Bestätigung Gottes, der Freiheit und der Unsterblich-keit ist erst ein nachfolgender Gedanke auf einer anderen Ebene. Seine Studien über die Natur der menschlichen Pflichten in der Gesellschaft und die Entwicklung seiner Gedanken über die Ästhetik sind wichtig genug, die Aufmerksamkeit jedes ernsthaften Studenten der Philosophie zu fesseln.

Ein anderer außergewöhnlicher Denker ist Hegel. Sein Spektrum der Vision ist übernormal, seine Leidenschaft für Vollkommenheit ist atembe-raubend und die Tiefe seiner Gedanken ist für die Seele erleuchtend. Der Spirit, mit dem er uns zu Anfang den dialektischen Prozess des Verstandes näher bringt, trägt uns über das Irdische hinaus. Als aufrichtiger Philosoph der großen Innensicht versucht Hegel, das Universum innerhalb einer ein-zigen Falte der Vollkommenheit als ein Ganzes zu bringen, das keine Ein-mischung von außen duldet. Das Absolute hat kein Äußeres, denn alles be-findet sich innerhalb von ihm. Jede Kategorie im Universum hat ein Ge-genstück, jede These hat als Gegengewicht eine Antithese, denn alle Dinge in ihm sind Teile, die sich selbst im Ganzen zu finden suchen. Die These und die Antithese werden zu einer Synthese vermischt, die eine höhere E-bene der Wirklichkeit darstellt, wobei die niederen Gegensätze überwunden und transzendiert werden. Das Absolute ist implizit in jeder Entwicklungs-stufe als sein lebendiges Wesen und sein Lebenssinn enthalten, dies gilt selbst für die unterste Stufe. Es ist in der These, Antithese und der Synthese gleichermaßen allgegenwärtig, obwohl es sich zu einem größeren Maße erst in der Synthese offenbart. Diese Synthese hat wiederum eine Antithese vor sich, denn es hat nur wenig Offenbartes von dem Absoluten, und es bildet die These angesichts dieser zweiten Antithese. Es existiert wieder eine zweite Synthese, in der sich niedere Gegensätze auflösen und in einer höheren Ebene der Wirklichkeit offenbart werden. Aber auch diese zweite Synthese hat eine Antithese, und seine Gegensätze müssen in einer noch höheren Synthese aufgelöst werden. Dieser Prozess wird von Hegel als der dialektische Prozess der Vernunft bezeichnet, und er setzt sich bis hinauf zur höchsten Synthese aller Dinge fort, bis das Absolute als der absolute Gedanke erreicht wurde.

Hegel zeigt hier auf, wie alles im Universum unvollkommen und un-zulänglich ist, und doch ist es eine Ebene der Wirklichkeit. Alles muss ein-geschlossen und nichts ausgelassen werden, denn alle Dinge sind Ebenen des Absoluten auf den verschiedenen Entwicklungsstufen im Prozess der Selbstverwirklichung durch die Erfahrung. Dies ist eine unsterbliche Aner-kennung des Genies Hegel, denn, wenn man dies sorgfältig nachvollzieht, kann dieser Vorschlag zu einer Praxis universaler Liebe führen und aufop-ferungsvoll den Weg zu ewigem Frieden zwischen den Nationen bereiten. Sein tiefes Verstehen wurde jedoch von der Menschheit nicht ernst ge-nommen, und heutzutage wird er in vielen Universitäten nicht einmal rich-tig studiert.

Der dialektische Prozess deutet auf das Prinzip internationaler Be-ziehungen hin. Jede Stufe und Ebene ist mit jeder anderen Ebene in so weit verbunden, dass alles zu allem anderen im Universum in Beziehung steht, sei es implizit in den niederen Kategorien oder explizit bei den höheren Ebenen. Das Absolute ist in all seinen niederen Ebenen enthalten, und es ist vollkommen explizit in sich Selbst als die absolute Wirklichkeit. Wir haben bereits bei einigen Details den Inhalt dieser internationalen Beziehungen aufgezeigt. Die Doktrin von Hegel sind ein Meisterstück als Beitrag für den menschlichen Geist zur weltlichen Solidarität. Die Doktrin neigen dazu, den Zusammenhang der Schöpfung aufzuzeigen und die Animositäten, den Hass und die Kriege zwischen den Menschen abzuschaffen. Doch auch hier wurden Hegel’s Ausführungen von allen Mensch missachtet, und er blieb für die Menschen immer nur ein Mittel zur Machtergreifung und Wertstei-gerung.

Das Absolute von Hegel ist der große Höhepunkt aller Prozesse im Universum, - seien es physikalische, psychologische oder spirituelle Pro-zesse. Der dialektische Prozess ist nicht nur auf den Geist oder das Denk-organ beschränkt, obwohl er seine Vollkommenheit im absoluten Gedanken erreicht. Hegel ist zu vorsichtig, um nicht zu erkennen, dass die Wirklich-keit nicht bloß mit einem Gedanken endet. Der Gedanke, der die höchste Synthese aller niederen Gegensätze darstellt, ist auch eine These in Bezie-hung zur Natur oder dem Universum der Tatsachen. Die Natur in seiner niedrigsten Form der Gegenwart beinhaltet das astronomische Universum, die Sterne und das Planetensystem, - die weiterführende Ebene, in der wir leben. Die Welt der Physik und Chemie ist subtiler und sollte als näher zur Wirklichkeit als die astronomische Welt betrachtet werden. Doch das Leben offenbart sich nicht hier, sondern es beginnt mit seiner ersten Offenbarung in der biologischen Welt. Während die Gesetze der Mathematik auf die Welt der Astronomie und Physik angewendet werden können, kann das Ge-setz internationaler Sympathie, des Zusammenhaltes und der gegenseitigen Einheit im Bereich der Chemie regieren. Doch auf der Ebene des biologi-schen Lebens kommt mehr zur Offenbarung, d.h. die Eingangsstufe zur Of-fenbarung des Verstandes, der auf dieser Ebene als das Leben bezeichnet wird. Die höhere Stufe ist die des Geistes und hier befinden wir uns selbst im Bereich der Psychologie. Hegel führt uns nun von der Natur zum Spirit.

 Der absolute Gedanke als These und die Natur als Antithese werden im absoluten Spirit in die letztendliche Synthese gebracht. Der Spirit offen-bart sich im Subjekt, dem Objekt und den absoluten Ebenen. Der subjektive Spirit ist das Feld der mentalen Prozesse der Psychologie. Hegel gibt eine erleuchtende Ausführung über die Struktur und die Wirkungsweise des menschlichen Geistes, und er gibt einen Einblick über die schrittweise Öff-nung des Geistes beim Entwicklungsprozess auf dem Wege zu einer höhe-ren Ebene der Wirklichkeit. Er führt weiterhin aus, welche Bedeutung in jedem einzelnen Gedanken und in jeder Situation des Gefühlslebens liegt. Das Studium des menschlichen Geistes ist solange nicht vollkommen, wie die Gegensätze zwischen den Gedanken und dem praktischen Leben in der Welt nicht erkannt werden. Mit dieser Sichtweise beschreibt Hegel die Na-tur des objektiven Spirits, der sich selbst als das Prinzip der Ethik, des ge-sellschaftlichen Vertrages, der Politik, der Regierung und der Gesetze of-fenbart. Alle diese Prinzipien werden letztendlich durch das Gesetz des Ab-soluten geregelt, dessen Allgegenwart in jeder Lebensstufe im Lichte der höchsten Vollkommenheit einer allumfassenden inneren Beziehung der Struktur des Universums erkannt werden müssen. Menschliche Führung, politische Gesetzgebung und die Kunst des Regierens müssen inhaltlich mit der Wahrheit übereinstimmen, dass das Absolute alles und alles im Univer-sum ein Teil seiner Enthüllung ist. Wenn diese grundlegende Lehre Hegel’s im Leben der Nationen umgesetzt würde, könnte die Welt vielleicht ihren Traum verwirklichen, d.h. einen Himmel auf Erden ohne Zwietracht und ohne die unendlichen Streitigkeiten.

Der subjektive und objektive Spirit werden im absoluten Spirit aus-gesöhnt und transzendiert. Hegels Darstellungen deuten hier auf ein tieferes Geheimnis hin, nämlich, dass unser psychologisches und gesellschaftliches Leben, Aspekte einer höheren Wirklichkeit sind und in Verbindung mit ei-ner universalen Wahrheit, - die sie auf unsichtbare Weise als isolierte Teile und mit einer Übertragung individueller Werte umfasst, - richtig interpre-tiert oder verstanden werden müssen. Das Absolute verwirklicht sich selbst als der absolute Spirit und kann teilweise in der Kunst, der Religion und in philosophischer Kontemplation sichtbar werden. Obwohl Hegel nicht mit spiritueller Yogameditation oder der Vedanta vertraut ist und auch nicht ihre Verwicklungen verstanden hat, berühren seine Gedanken beinahe die-sen Punkt der erhebenden logischen Gedanken. Die Schönheit ist das visua-lisierte Absolute in einer partiellen Offenbarung durch die Sinne; und die Kunst liegt in der Weise des Sehens dieser Vollkommenheit durch die Sin-ne. Die Religion macht das Absolute als etwas anderes sichtbar, als einen Gott, der verehrt wird. Doch in der Philosophie, der höchsten Meditation des menschlichen Geistes, wird das Absolute in der Wahrheit verwirklicht, so wie es ist, und es wird die Notwendigkeit der Wahrnehmung der Schön-heit durch die Sinne und der religiösen Praxis als Dienst an einen äußeren Gott nicht mehr gefühlt, denn das Absolute ist eine allumfassende Erfah-rung.

Hegel’s Informationen über die Religion Indiens ist verworren und fehlerhaft, und seine Definition über die letzte Ebene des Spirits in seiner Philosophie bedarf der Korrektur. Und doch war er ein großer Denker, und er machte gewagte Anmerkungen, die als Korrektur seines eigenen Systems gewertet werden können.

Die Philosophie Whitehead’s kombiniert die Aspekte der Metaphysik von Hegel mit den Entdeckungen der Wissenschaft über die ‚Theorie der Wirklichkeit‘. Er ist der schwierigste aller westlichen Philosophen, sei es im Ausdruck oder in den Gedanken, denn seine Argumente sind neu. Wie Hegel spricht er von einem gegenseitigen Durchdringen der Dinge, und lehrt die Relativität des Universums als ein Ganzes, wobei sich die Mächte gegenseitig beeinflussen. Für Whitehead gibt es keine lokalisierten Körper oder Objekte, die voneinander getrennt sind. Jedes Objekt der Welt ist eine Anordnung von Mächten, ein Wirbel von Energien, ein Punkt konzentrier-ter Bewegungen, die in andere Energiezentren münden, um eine ‚eintreten-de Evolution‘ ihrer selbst zu verursachen, die sich immer wieder erneuert. Seine Kritik an die ‚einfache Position‘ führt uns zu dem weiteren Umfeld des Universums und macht uns zu Bürgern der Schöpfung des Ganzen. Die Barrieren der Persönlichkeit, der Gesellschaft und der Nationalität gehen quer durch alle Ozeane, - dies ist das wirkliche Leben. Wir erben die Werte des Kosmos als ‚aktuelle Gelegenheiten‘, die Beziehungen der entferntes-ten Regionen der Existenz in sich tragen. An dieser Stelle kann Whitehead Hegel die Hand reichen, und er errichtet auf Erden ein Königreich von uni-versaler Fülle und Wohlstand. Zwischen den Dingen befindet sich nicht nur luftleerer Raum, sondern ein lebender Prozess, wie überall. Wir können die gegensätzlichen Dinge berühren, ohne uns von der Stelle zu bewegen, denn wir sind bereits da, - so wie das Wasser überall im Ozean vorhanden ist. Whitehead’s Konzept von der Ursache, sein Verständnis von den Schluss-folgerungen und seine neue Auslegung der Beziehungen zwischen Geist und Materie sind ein Meilenstein in der Geschichte der Philosophie. Seine kritische Einschätzung der Sichten der modernen Wissenschaft zeichnen ihn nicht nur als einen großen Wissenschaftler, sondern auch als einen gro-ßen Philosophen aus. Wir beziehen uns auf unsere Einschätzung über seine Analyse von vorher.

Whitehead führt uns mit seiner Theorie von den ‚aktuellen Gelegen-heiten‘ oder den ‚Tropfen der Erfahrung‘ jenseits unserer Erlebniswelt hin zu den Grenzen des weiten Universums. Wir wachsen durch ihn über unse-re Erfahrungen hinaus und kommen zu anderen Lebensformen in anderen Teilen des Werdungsprozesses. Sein Konzept über die ‚ewigen Objekte‘, - eine putzige Phrase, die von ihm erfunden wurde, - ist eine Erinnerung an die Ideen von Plato und klingt wie die Doktrin der Vedanta über die subti-len Körper (Linga-sarira), die die sichtbaren Körper informieren. Seine präzisen Ausdrücke wie ‚Relevanz‘ und ‚geistiges Erfassen (Begreifen)‘ lassen auf eine tiefe philosophische Innensicht schließen. Whitehead weist, ohne es öffentlich kundzutun, auf die Existenz des Absoluten durch seine Sichtweise hin, nämlich, dass Materie und Leben grundsätzlich eins sind, und dass das Leben die Erfahrung ist.

Während Kant, Hegel und Whitehead als die am weitesten entwickel-ten Denker betrachtet werden mögen, so können die Anderen nicht als un-bedeutend abgetan werden. Schopenhauer beispielsweise betrachtete die Schattenseite des Lebens, wohingegen die aristokratische Philosophie He-gels dies als gegenstandslos ignorierte. Das Leid und die Sorge hat nir-gendwo anders solch einen machtvollen Ausdruck und solches Flehen ge-funden wie bei Schopenhauer. Während sich Hegel’s System mit dem rich-tigen Umgang im Leben befasste, so wurde die Stimme Schopenhauer’s von den ärmeren Leuten eifrig aufgenommen. Wenn Hegel der Vertreter einer umfassenden Vollkommenheit ist, dann ist Schopenhauer der Advo-kat des umfassenden Leidens und des Schmerzes. Schopenhauer berührte die lebenswichtige Seite im menschlichen Leben und wurde als Philosoph des Kummers berühmt. Sein monumentales Werk ‚Die Welt als Wille und Vorstellung‘ ist nicht weniger ansprechend wie einerseits die Kritik von Kant oder andererseits die Logik von Hegel. Sie präsentieren verschiedene Aspekte der Wahrheit, die geduldiges Zuhören erfordern. Die Vergänglich-keit des Lebens, das universale Leiden und die Notwendigkeit, sich davon zu befreien, sind bedeutende Lehren großer Denker und spiritueller Mysti-ker im Osten und Westen.

Nietzsches Streben nach der Macht ist kein Größenwahn, sondern ein Licht, das auf einen Aspekt menschlichen Lebens geworfen wird. Es ist nicht notwendig, dass jeder ein Philosoph sein muss, sondern es ist not-wendig, dass jedes Ereignis eine Erklärung in einer zufrieden stellenden Philosophie finden sollte. Das Verlangen nach Nahrung, Sex und Macht drückt einen Urinstinkt aus. Die Philosophie muss nicht nur seine wahre Position einschätzen, sondern muss einen Zusammenhang zum Ziel des Lebens herstellen. Das Ego des Menschen sucht nach Macht und versucht andere zu beherrschen. Dieses ist eine Ebene in der Entwicklung unserer Individualität. Unser Wert liegt darin, ihren richtigen Zusammenhang zu entdecken und in ein integraleres Verständnis zu wandeln. Der Pragmatis-mus von James ist wiederum voller Tatsachen vom empirischen Leben, und es ist eine Wissenschaft der Psychologie. Das Leben in der Welt erfordert ein Erkennen seiner Werte und möchte sie nicht immer transzendiert sehen. Wir müssen sie Schritt für Schritt benennen. James weist auf den prakti-schen Sinn des menschlichen Geistes hin und würde keinerlei Verletzungen seiner Prinzipien tolerieren. Jeder Prophet muss sich seiner Zeitepoche beugen, und zu viele Worte würden diesen Zeiten nicht gerecht werden. Wir müssen jeden Lehrer mit seiner Umgebung, seiner Zeitepoche und sei-nen Lebensumständen in Verbindung bringen, und dann können wir ihn leidenschaftslos studieren. Ihn seines Umfeldes zu berauben und aus heuti-ger Sicht zu beurteilen, wäre nicht gerechtfertigt, und hieße die Wahrheit in diesem Punkt zu verunstalten. James kam als Gegner von Übertreibungen und von Feierabendphilosophen, die das empirische Leben nicht in Be-tracht zogen. Er betonte den Nutzen der Werte und ermutigte den prakti-schen Unternehmungsgeist als Gegensatz zur Theorie, die wenig hilfreich im Leben ist.

Bergson ist ebenso wie Schopenhauer und James nicht nur ein Meis-ter des Ausdrucks und der literarischen Kunst, sondern ein fähiger Denker seiner Zeit. Seine Theorie über die biologische Evolution erklärt die Fakto-ren der Größen im lebenden Organismus und dokumentiert, dass alles Le-ben sich in solch einer Evolution befindet. Es ist schwierig, die innere Seite dieser Wahrheit des Universums, - eine Tatsache, die uns ständig in unse-rem Leben vorantreibt, - im kleinen Rahmen darzustellen. Seine große Hin-terlassenschaft für die Welt der Gedanken ist sein machtvoller Einsatz für die Intuition und gegen die Möglichkeit, die Wirklichkeit mit dem Intellekt zu erfassen. Die Fehler der rationalen Prozesse und die allumfassende In-tuition finden neben Bergson keinen größeren Befürworter im Westen. Während sich die Philosophen über Jahrhunderte hinweg bei der Erkennt-nis der Wahrheit auf die Macht des Verstandes verlassen hatten, so drehte Bergson den Spieß um und brachte mit der Intuition, als dem einzigen Weg zur Erkenntnis der Wahrheit, eine andere Komponente ins Spiel. Der Pro-zess des Verstehens versucht getrennte Gedankenelemente und die Wirk-lichkeit wieder zu verbinden, während die Intuition die Wirklichkeit als ein Ganzes annimmt. Er fühlt, dass selbst der Instinkt der Wahrheit näher ist als der Intellekt, denn der Instinkt ist frei von Eitelkeiten und Künstlichkeiten. Bergson würde vielleicht sagen, dass ein erleuchteter Instinkt zur Intuition wird. Während der Intellekt aus der Wirklichkeit heraus argumentiert, fühlt der Instinkt die Wirklichkeit, wenn auch unvollkommen. Obwohl die Fak-ten der Intuition von Bergson nicht angemessen definiert oder verstanden wurden, so machte er doch einen Schritt in die richtige Richtung, was ein Beweis für die monumentale Phase im westlichen Gedankengut war.

  Bergson’s Analyse über die Moral und die Religion ist von großem Wert. Er sieht die Religion als eine defensive Reaktion der Natur auf die Selbstsucht des Intellekts. Die Religion ist der ‚Gegenspieler‘ für den E-goismus und die Zaghaftigkeit des Intellekts. Die Furcht vor dem Tod, die in unseren Gefühlen eine große Rolle spielt, wird durch die Religion elimi-niert, die an der Unsterblichkeit und ein Leben nach dem Tode fest hält. Wenn sich der Intellekt machtlos und niedergeschlagen fühlt, richtet die Religion ihn wieder mit der Idee eines allmächtigen Gottes auf. Der In-stinkt zur Selbsterhaltung wird aktiviert, und wird durch den Glauben an die Existenz und das Werk Gottes kanalisiert, wodurch das Leben in seinem selbstsüchtigen Charakter wieder hergestellt wird. Die höhere Religion ist die Einstellung der Heiligen, die sich mit der Wirklichkeit identifizieren. Der Heilige liebt die ganze Menschheit, wobei diese Liebe in die Liebe der Wirklichkeit eingeschlossen ist. Die Moral hat zwei Richtungen; nach in-nen und nach außen. Während die Moral der Menschen im Allgemeinen ein Ergebnis gesellschaftlicher Beschränkungen und verschiedener Zwänge von außen ist, so ist die Moral der Heiligen durch das Bewusstsein der Wirklichkeit nach innen gerichtet. Der Letztere ist ein unmittelbarer Aus-druck der Übereinstimmung gegenüber den wesentlichen Gegebenheiten des Lebens.

Eine verkürzte Wiedergabe von Gedanken bedeutet zwangsläufig, dass man den Wert des Originals schmälert. Die Bedeutung der Arbeit über Raum, Zeit und Gott, bei der Alexander seine Argumente zum Ausdruck bringt, kann in einem Review nicht wiedergegeben werden. Obgleich sehr viel in ihm steckt, dass nicht auf einen religiösen Geist hinweist, so gibt es daneben wiederum viel, was nur einem Meister des Denkens entspringen kann. Der wissenschaftliche Wert seiner Studien über die Raumzeit ist großartig. Wenn Bergson als der Philosoph der Biologie gelten mag, so sind Whitehead und Alexander die Philosophen der Physik. Der Wert von Ale-xander’s Ausführungen wird nicht auf Grund der Fehler in seinem System aus Sicht der Religion und Spiritualität geschmälert. Alexander malt genau-so wie Schopenhauer und James, Bergson und Whitehead ein Bild der Wirklichkeit, das nicht grundsätzlich falsch ist, auch wenn es nicht voll-ständig ist. Seine Sichtweisen sind sehr suggestiv.

Green ist ein Pionier in der Entwicklung des Gedankengutes der He-gelianisten in Richtung auf die Vollkommenheit. Seine Zerlegung des Wis-sensprozesses bereitet den Weg zur Vervollkommnung des Systems von Bradley. Die Studien über die Beziehungen des Endlichen und des Unend-lichen, die von Caird und Bosanquet in anspruchsvoller Weise ausgearbei-tet wurden, sind reich an Tiefe und Weitblick. Während Green offensicht-lich ein religiöser Mensch ist, der die Dinge philosophisch hinterfragt, so sind Bradley’s Thesen metaphysisch scharfsinnig. Bradley kommt der Ve-danta am Nächsten, und dem westlichen Idealismus wird mit ihm am bes-ten Ausdruck verliehen. Ein Student der Vedanta in seiner höheren Form wird durch seine Studien über diesen westlichen Philosophen gesegnet, der ihn mit einer Feinheit von Begründungen ausstattet, eine bestechenden Lo-gik in der Argumentation gibt und die eigene Methode stärkt, was für jeden Sucher der Wahrheit unentbehrlich ist.

Obwohl die westlichen Philosophen der Vedanta keine Weisheiten hinzufügen können, so festigen sie die Vedanta jedoch mit einer machtvol-len Waffe gegen die Attacken schlecht informierter Quellen. Die Logik des Westens kann ein guter Begleiter für das Wissen im Osten sein. Wir sollten nicht zu sehr daran fest halten, was unseres ist und verachten, was uns fremd ist. Das Wissen gehört keiner bestimmten Gemeinschaft und darf keine nationalen Schranken haben. Erfolgreich ist, was ehrenwert ist, wo auch immer es herkommt. Indien hat durch den Kontakt zur westlichen Kultur viel in der Kunst der politischen Administration und in der Entwick-lung der Gesellschaft gewonnen, im Gegenzug erhält der Westen wiederum wunderschöne Schätze aus der Vergangenheit der indischen Kultur. Der Osten und der Westen suchen einen gemeinsamen Sinn, und es ist nicht richtig, dass die Beiden sich niemals treffen werden. Das Gefühl für spiri-tuelle Werte muss sich in der ganzen Menschheit erheben.

 

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Englische Original-Ausgabe: "Studies in Comparative Philosophies"

Erste deutsche Ausgabe: 2001
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