von Swami Venkatesananda
8. Karma Yoga
Swami Sivananda erschuf keine neue Philosophie, er überbrachte
bereits existierendes Wissen. Wo dieses Wissen durch Nicht-Verstehen
verzerrt worden war, flößte er seinen eigenen wunderbaren
Sinn des Verstehens ein. Wirkliches Verständnis ist nicht intellektuell.
Der Geist versteht nicht, sondern versucht zu greifen?und die so zarte
Wahrheit kann nicht ergriffen werden. Man kann nicht Luft greifen, aber
man kann sie einatmen. Ebenso muss Wahrheit eingeatmet werden, so wird
man durch die Wahrheit inspiriert. So wie die Atemluft notwendig ist
zum Leben, so selbstverständlich muss Wahrheit in deinem Leben
werden. Dann lebt man Wahrheit, man wird zur lebenden Wahrheit. Man
fließt mit der Wahrheit ohne jemals den Kontakt zu ihr zu verlieren.
Das Leben wird göttlich. (Darum nannte Swami Sivananda seine Mission
Divine Life ["göttliches Leben" - m.A.].)
Man kann die Wahrheit nicht fassen, aber das bedeutet nicht, dass man
sie aufgeben sollte. Manche versuchen die Wahrheit festzuhalten und
verfehlen sie gerade deswegen. Andere sagen: "Nein, Wahrheit kann
nicht erfasst werden", und geben sie auf. Sie haben nie angefangen.
Es gab einen wunderbaren Weisen, der betonte, dass Wahrheit, nur weil
sie nicht ergriffen werden kann, trotzdem nicht einfach aufgegeben,
ignoriert werden sollte. Es gibt eine andere Möglichkeit. Man fließt
mit ihr, ohne jemals den Kontakt zu verlieren, ohne sie zu ergreifen
und ohne von ihr fern zu bleiben. Das war Swami Sivanandas besondere
Methode.
Swami Sivananda hat in seinen eigenen Büchern die Essenz traditionellen
Lehrens gegeben und diesen Lehren dabei die geheime Botschaft mitgeteilt,
wie man mit der Wahrheit in Kontakt bleibt, wie man sie zu einem integralen
Teil seines Lebens macht. Er selbst verkörperte diese Lehre. Wahrheit
muss verkörpert werden, sie muss gelebt werden. Sowohl Theorie
als auch Praxis haben ihren Platz darin, aber Leben ist etwas anderes
als Theorie und Praxis. Die Wahrheit zu leben bedeutet, sie theoretisch
zu kennen und sie auf die eine oder andere Art zu praktizieren, aber
nichts von beidem repräsentiert die Wahrheit. Theorie ist Arbeit
des Hirns, intellektuelles Verständnis. Intellektuelles Verständnis
funktioniert auf der Basis von Einteilung, es vergleicht und stellt
gegenüber (intellegere= auseinander lesen, unterscheiden). Der
Intellekt sieht dies als Tisch und jenes als Platte, wobei sie in Wahrheit
beide Hölzer sind. Nur jemand, der nötigst Feuerholz braucht,
sieht all dies als eines. Für ihn wären nicht Tisch oder Platte
von Interesse, sondern nur Feuerholz. Der Intellekt versteht die Gesamtheit
nicht als Gesamtheit, sondern teilt sie in Kategorien ein.
Obgleich intellektuelles Verständnis notwendig sein mag, wird es
nicht zur lebenden Wahrheit. Ebenso ist Praxis grundlegend, doch selbst
das ist unvollständig. "Ich übe mich in dieser Disziplin“,
"Ich meditiere über Gott." In allem steckt die Einteilung
in Subjekt-Objekt, in Handelnder-Handlung?Karta und Karma, Karya und
Karana. Das Leben kennt keine solche Einteilung, und Bewusstsein kennt
keine solche Einteilung. Es gibt nicht einmal eine Einteilung in was
wir Leben und Tod nennen, weil das Leben weitergeht, wenn der Körper
stirbt, und das Bewusstsein schläft nicht ein, wenn ein Teil unseres
Geistes vielleicht einschläft. Darum hört Wahrheit nicht auf,
wahr zu sein.
Swamiji gab uns die Theorie, half uns mit der Praxis und deutete die
Wahrheit an. Die Wahrheit kann nur nonverbal angedeutet werden. Während
er in seinen Schriften Theorie vermittelte, belehrte er fast nie, aus
dem einfachen Grund, dass erst Hunger und eine Empfindung für Dringlichkeit
auf Seiten des Studenten oder Schülers herrschen müssen, bevor
die Nahrung verdaut werden konnte. Hier hat man sogar mit dem Essen
Probleme. Um 11 Uhr klingelt die Mittagsglocke. Man muss sitzen und
essen, obwohl man keinen Hunger hat. Das natürliche Resultat ist
ein verdorbener Magen! Die Nahrung, die gegessen wird, wird nicht zur
Lebenskraft. Regelmäßige Essenszeiten mögen in einer
Organisation nötig sein, auf dieselbe Weise, wie Unterrichtsstunden
nötig sein mögen. Doch Swamiji wartete, bis man nagenden spirituellen
Hunger bekam, dann brauchte er einen nur ansehen oder ein paar Worte
sagen. Das war seine Methode. Er mochte Unterricht und stellte sich
sogar diese Akademie vor, doch gleichzeitig unterstrich er die Notwendigkeit
spirituellen Hungers, der durch einen einfachen Funken gestillt werden
konnte. Das war seine Einstellung. Obgleich er nicht viele Vorträge
hielt, waren die wenigen Worte, die seine Studenten und Schüler
von ihm gehört haben mögen, unvergesslich. Meist war er die
lebende Wahrheit. Seine Handlungen sprachen viel lauter als ein lauter
Redner.
Obgleich sein ganzes Leben im wahrsten Sinne des Wortes das von Karma
Yoga war, waren seine eigentlichen Schriften über Karma Yoga dürftig.
Sein Leben war Karma Yoga. Karma Yoga in seinen wahrsten Sinne kann
nur von einem Weisen in Selbstaufgabe praktiziert werden. Genau definiert
ist Karma Yoga als selbstloses Dienen. Was ist selbstloses Dienen? Ist
es bloße Ablehnung einer Belohnung? Wenn ich also komme und jemandes
Sachen wasche und es ablehne, auch nur eine Banane zu nehmen, bedeutet
das Karma Yoga?
arurukshor-muner-yogam karma karanamuchyate (VI. 3)
"Für einen Weisen, der Yoga erlangen will, wird gesagt,
dass Handlung das Mittel ist", sagt Krishna in der Bhagavad Gita.
Wenn jemand sich müht, die Leiter des Yoga hinaufzuklettern, haben
all diese Dinge einen Wert. Wenn du jemandes Sachen wäschst, ohne
überhaupt an eine Belohnung zu denken, ist das sehr gut, aber es
macht nicht selbstloses Dienen aus. Man will nichts dafür haben,
aber alle Leute sollen sagen, was man für ein toller Karma Yogi
ist. Wenn man sagt: "Ich wasche die Sachen dieses Mannes, wenn
er nicht da ist, und verschwinde so, dass mich niemand sieht..."
Kann man diesen Satz beenden? "so dass niemand weiß, was
ich getan habe." Ist das selbstloses Dienen? Ist es für Neulinge
auf dem spirituellen Weg wie die meisten von uns überhaupt möglich
zu verstehen, was Selbstlosigkeit bedeutet? Was wir mit dem Praktizieren
von Karma Yoga versuchen zu erreichen, ist, Selbstsucht (die vom Standpunkt
unserer spirituellen Evolution und sozialen Wohlfahrt gesehen sehr wichtig
ist) zu minimieren. Aber es ist nicht Selbstlosigkeit. Was ist Selbstlosigkeit?
Ein ganz besonderer Samadhi wird in der Bhagavad Gita erwähnt.
brahma'rpanam brahma havir-brahmagnau brahmana hutam
brahmai'va tena gantavyam brahmakarmasamadhina (IV. 24)
"Demjenigen, der frei von Bindung ist, der befreit ist, dessen
Geist sich in Wissen begründet, der des Opfers wegen (Gottes wegen)
arbeitet, für den löst sich der ganze Vorgang auf." Brahma-karma-samadhi?"Dieser
Samadhi ist erreicht, wenn direkte Verwirklichung der simplen Wahrheit,
dass es nichts außer Brahman (das Absolute) gibt, eintrifft."
Punkt. Es heißt nicht einmal "Es gibt nichts außer
Brahman in der Welt", weil man dann schon eine Welt schafft. Der
Redner ist Brahman, die Rede ist Brahman, die Worte sind Brahman, das
Medium, durch das diese Worte (Klangvibrationen) übertragen werden,
ist Brahman, die Organe, die diese Vibrationen empfangen, sind Brahman,
die Person, die dies versteht, ist Brahman. Auf dieselbe Weise geschieht
alle Handlung in Brahman, ?es sind nicht einmal Handlungen, sondern
Brahman. Wo gibt es im Lichte dieser Wahrheit ein Ding, das sich Selbst
nennt? Wo gibt es ein Ding, das Handelnder, Motiv der Handlung, eine
Person, an die die Handlung gerichtet wird und Ziel der Handlung heißt?
Nichts davon existiert. Jemand, der vollständig in dieser Verwirklichung
begründet ist, ist ein Karma Yogi.
Der fundamentale Kern des Karma Yoga ist Selbstlosigkeit oder die Verwirklichung
dessen, dass es kein Selbst gibt?im Sinne des Ego-Selbst oder des Handelnden
oder des Nutznießers. Die Verwirklichung der Nichtexistenz des
Selbst koexistiert mit der Verwirklichung, dass 'Brahman allein existiert
und es keine Verschiedenheit gibt'. Beim Eintreffen der direkten Verwirklichung
dieser Wahrheit entsteht vollendete Selbstlosigkeit. Handlung, die aus
dieser Selbstlosigkeit fließt, ist Karma Yoga.
Was sind die Merkmale solcher Handlung? Vita-raga-bhaya-krodhah—wenn
jemand die Selbstverwirklichung realisiert hat, dann sind Raga (Anziehung),
Bhaya (Angst) und Krodah (Hass) vollständig abwesend. Es besteht
völliges Nicht-Verhaftetsein, vollständige Abwesenheit von
Angst und Hass. In der Bhagavad Gita ist dies die grundlegende Definition
eines Karmayogis. Wenn diese drei verloren gegangen sind, ist Handlung
nicht verloren gegangen, Leben hört nicht auf. Leben fließt
ohne Raga, Bhaya und Krodha weiter, weil es kein Selbst gibt, das sich
an etwas verhaftet, das etwas hasst oder vor etwas Angst hat.
Wenn diese höchste Einheit gesehen wird, wie kann da Illusion oder
Trauer entstehen? Wenn eins allein nur existiert, dann entsteht die
Möglichkeit eines „ich“, das sich an einem „du“
verhaftet, nicht. Bevor ich eine Anziehung dir gegenüber erfahren
kann, bevor die Möglichkeit der Verhaftung meinerseits an dich
entsteht, muss es eine Abgrenzung geben. Wenn es keine Abgrenzung gibt,
was macht es dann für einen Sinn, verhaftet zu sein? Ich kann nicht
wissen, dass diese Abgrenzung aufgehört hat, weil das „ich“
nur solange existiert, wie die Abgrenzung besteht. Das „ich“,
das Ego, das Selbst, kann wohl wissen, dass es Verhaftung gibt, dass
ich an dir verhaftet bin. So lange, wie diese Verhaftung die Oberhand
hat, gibt es keine Selbstlosigkeit und kein Karmayoga. Aber bitte versucht,
all dies zu untersuchen und zu verstehen und die Wahrheit zu finden.
Man mag weniger egoistisch werden. Diese Bemühung wird auch Karmayoga
genannt. Swami Sivananda hat oft hervorgehoben, dass, während die
bloße Perfektion Yoga ist, doch auch die Anstrengung und Mühe
in Richtung dieser Perfektion in die breitere Definition von Yoga mit
eingeschlossen werden können.
Arurukshor-muner-yogam karma karanamuchyate
„Für jemanden, der sich müht, das Ziel zu erreichen,
ist Handlung das Mittel, sagt man.“
Yogarudhasya tasyai’va samah karanamuchyate (VI.3)
„Wenn jemand diesen Zustand des Yoga erreicht hat, besteht völlige
innere Ruhe.“ Also können diese beiden unter die breite Definition
von Yoga fallen.
Wenn Selbstverwirklichung besteht (und damit die direkte Erkenntnis,
dass das Ego-Selbst nicht-existent ist), besteht auch spontane Selbstlosigkeit
und spontanes Karmayoga. Dies sah man bei Swami Sivananda. Er war vollständig
unverhaftet, obwohl es, wenn man mit ihm zusammen war, so aussah, als
hätte er einen höchst lieb gewonnen. Es gab sogar Situationen,
wo er es sogar so aussehen ließ, als ob ihm XYZ besonders lieb
wäre. Es gab hier einen Swami, der eigentlich nicht Swami Sivanandas
Schüler war, dennoch war er mehr als ein Schüler von ihm.
Er war von einem tollwütigen Hund gebissen worden, und Swami Sivananda
tat alles Notwendige für seine Genesung. Er schickte ihn in ein
Krankenhaus, damit er behandelt wurde. Als am nächsten Morgen ein
Telegramm kam mit der Nachricht, dass er auf dem Weg der Besserung war,
gab es niemanden, der glücklicher war als Swami Sivananda selbst.
Als etwas später am gleichen Tag noch ein Telegramm kam mit der
Nachricht vom seinem Tod, war Swami Sivananda fast sichtbar schockiert.
Als am nächsten Morgen der Leichnam hergebracht wurde, sah er ihn
nicht einmal an. Die darauf folgende Nacht betete er für seine
Seele, und danach war alles ganz vergessen. Weder erwähnte er den
Namen dieses Mannes noch sprach er davon, was er getan hatte.
Nicht-Verhaftung bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Wenn man mit
Swamiji zusammen war, dachte er an nichts anderes. Es war, als wäre
man sein ganzes Leben. Wenn man wegging, konnte man für immer gehen,
das war kein Problem! Was ist das für eine Wesensart? Es ist höchste,
intensive Liebe ohne Verhaftung. Es ist intensives Handeln, intensives
Dienen ohne Verhaftung. Da wir dies aber versuchen, mit dem Verstand
zu erfassen, will der Verstand es leider in eine kleine, hübsche
Form pressen—was bedeutet, es von anderen Dingen zu isolieren,
um es dann mit den anderen Dingen zu vergleichen. Wenn der Geist das
versucht zu fassen, verwandelt er es in eine Definition: „Dies
ist Liebe“, „Dies ist Verhaftung“, „Dies ist
Nicht-Verhaftung.“ Man kann diese feinen Qualitäten nicht
definieren. Wenn man mit einem Menschen wie Swami Sivananda zusammen
lebt, sieht man dies, doch leider springt selbst dann der Verstand wie
ein Affe herum und versucht, die Bedeutung der Handlungen dieser Weisen
zu erfassen. Er lebte nicht sein Leben, um von uns verstanden zu werden,
er hat kein Beispiel gesetzt, damit wir seine Botschaft in seinem Leben
lesen können. Er lebte, weil … er lebte. Was hätte er
anderes tun sollen?
Ist es möglich, ein solches Leben zu beobachten, ohne seinen Verstand
einzuschalten? Wenn der Verstand es wahrhaftig beobachtete, könnte
es ihn nur verwirren - wenn es zum Beispiel einen Augenblick so aussah
als hätte er seinen Swamiji furchtbar gern, und im nächsten,
als ob es nicht so wäre. Man meint, dass er seine Gefühle
vielleicht nur vorgab - doch nein, er konnte sich nicht verstellen.
Das ‚ich’ versteht nicht. Dann entsteht irgendetwas in einem,
das erkennt, dass dies Liebe ist, eine Liebe, die völlig frei von
Verhaftung ist. Jene Liebe ist da wegen vollständiger Selbstlosigkeit
- und die Selbstlosigkeit ist da aufgrund direkter Verwirklichung von
Brahman oder der unendlichen Einheit.
ABWESENHEIT VON VERHAFTUNG, ANGST UND HASS
Karma Yoga heißt nicht, einfach etwas zu tun, ohne eine Belohnung
dafür zu erwarten. Eine Sache ist es zu erwarten, eine ganz andre
jedoch, ohne Erwartung zu erhalten. Swami Sivananda gab anderen von
sich selbst, seinen Diensten und seinem Wissen, ohne etwas als Gegenleistung
dafür zu erwarten. Doch er gab einem auch die Möglichkeit,
seine Dankbarkeit, seine Anerkennung, seine Hingabe zu zeigen. Er wollte
sie nicht, und er wäre auch in keiner Weise enttäuscht gewesen,
wenn man davonginge, aber er war nicht egoistisch genug, es abzulehnen.
Wer um eine Belohnung bittet, ist das Ego, und was ein Angebot ausschlägt,
ist auch das Ego. Er hat mir einmal, kurz gesagt, erzählt, „Frage
nicht nach etwas, weise nichts ab.“ Eine Belohnung nicht zu erwarten
ist nicht genau dasselbe wie eine Belohnung abzuweisen, aber das ist
nicht das einzige, was Karma Yoga ausmacht. Karma Yoga ist selbstloses
Dienen.
Um ein Karma Yogi zu sein, muss man das Ego aufgeben. So wie Dunkelheit
nicht sichtbar ist, ist auch das Selbst nicht sichtbar. Es ist wie ein
Schatten - es ist und es ist nicht - doch seine Auswirkungen und seine
Handlungen sind sichtbar. Eine Auswirkung ist Raga (Mögen), was
mentale oder psychologische Verfärbung ist. Es ist nicht bloß
das Wünschen oder die Verhaftung, sondern die mentale Verfärbung,
die solch eine Verhaftung herbeiführen. Für gewöhnlich
ist es ein Gefühl, dass dieses Objekt oder diese Person eine Quelle
der Freude, Sicherheit und des Glücks ist. Wenn diese Einstellung
die Oberhand gewinnt, eilt der Verstand zu diesem Objekt oder der Person.
Swami Sivananda war völlig frei davon, sogar so frei, dass er fähig
war, es in seinen Schülern wahrzunehmen. Ich werde ein Beispiel
geben. Anfangs gab es hier keine Druckerpresse, und Swami Sivananda
hatte darum einigen Verlegern das Recht erteilt, seine Bücher herauszugeben.
Als wir eine Druckerpresse anschafften, mit der wir sie drucken und
herausgeben konnten, wurden einige dieser Lizenzen zurückgezogen.
Ein Fall wurde diskutiert, und ein älterer Schüler schlug
vor, „Wäre es nicht besser, das Buch beim Herausgeber zu
lassen, Swamiji? Er hat hart gearbeitet und natürlich auch Geld
damit verdient, aber er hat ja auch eine Menge mit dem Drucken, Herausgeben
und Vertrieb zu tun gehabt.“ Swamiji war ein paar Minuten still,
dann plötzlich wendete er sich ihm zu: „Wann immer du in
diese Stadt gehst, wohnst du bei ihm, nicht wahr? Der Verstand ist voreingenommen.“
Es ist nicht so, dass er auf der Seite des Herausgebers war, aber weil
der Verstand verfärbt war, erschien das das richtige zu sein. Das
zu sehen, verlangt großes Verständnis.
Der ganze Verstand ist verfärbt, vorurteilsvoll. Womit wird man
also diese Vorurteile sehen? Nur ein Mensch mit unheimlichem Verständnis
kann das wirklich. Man kann gesagt bekommen, dass die eigenen Handlungen,
Gedanken, Worte und Taten voll von Vorurteilen sind, doch man ist wahrscheinlich
nicht fähig, diese Tatsache selbst zu sehen, weil der ganze Verstand
verfärbt ist. Wir wissen nicht, ob die Verhaftung entstand und
die Vergnügen dadurch kamen, oder ob das Vergnügen zuerst
da war und die Verhaftung später kam, doch das Bestehen dieser
Verfärbung—der Zuneigung, der Verhaftung—kennzeichnet
das Spiel des Selbst. Solange das besteht, gibt es kein Karma Yoga.
Eine andere Auswirkung ist Bhaya. Bhaya ist psychologische Angst. Es
ist nicht die Angst, die man erfährt, wenn man auf der Strasse
steht und mit einem Lastkraftwagen zusammenprallt. Das ist etwas anderes.
Psychologische Angst ist völlig irrationale Angst, die sich nur
auf dem Bild des Selbst und dem Spiel des Selbst begründet. Man
will, dass etwas geschieht und hat Angst, es mag nicht geschehen; man
will, dass etwas nicht geschieht und hat Angst, dass es doch geschehen
wird. Man hat Angst davor, seinen Ruf zu verlieren und dass das Vergnügen
enden mag. Man hat Angst vor hohem Alter und Tod. Wenn wir aber nicht
alle jung sterben, ist das Alter unumgänglich. Selbst wenn man
kein hohes Alter erreicht, kann man dem Tod nicht entkommen. Es macht
keinen Sinn, vor dem Tod Angst zu haben, trotzdem existiert diese irrationale
Angst in unseren Herzen. Warum ist das so? Das ist eine andere Handlung
des Selbst. Wenn man dies aber beobachten kann und es zu seiner Quelle
zurückverfolgen kann, dann ist das Ego-Selbst entlarvt.
Swamiji war gänzlich frei von psychologischer Angst. Möglicherweise
habt ihr schon mal heilige Männer (meist wandernde Asketen) gesehen,
die scheinbar furchtlos gehandelt haben. Swami Sivananda befand sich
aber in einer seltsamen Situation. Er war Vorsitzender einer weltweiten
Organisation und wurde von Millionen für einen Jagat Guru, eine
Gottinkarnation, gehalten. Ruhm ist eines der gefährlichsten Hindernisse
für den nicht Erwachten, denn er wird vom Ego-Selbst gesucht, und
er fördert das Ego-Selbst. Wenn also das Ego-Selbst noch da ist,
gesund und munter, dann ist Ruhm eine Katastrophe. Er bindet und macht
Angst. Man wird alles tun und lassen, um ihn zu schützen, aus Angst
vor der öffentlichen Meinung.
Swami Sivananda war gänzlich frei davon. Er tat nicht, was nicht
richtig war, aber nicht aus Furcht vor der öffentlichen Meinung
sondern weil es nicht richtig war. Wenn es nicht richtig war, konnte
nichts in der Welt ihn dazu überreden, es zu tun. Was richtig war,
tat er, und während er es tat, schenkte er dem überhaupt keine
Beachtung, was die Leute sagten. Einmal sagte jemand: „Ich habe
Angst, mich vor all diesen Leuten zu offenbaren.“ Er sagte: „Wenn
Du vor etwas Angst hast, dann tu es sofort und werde die Angst somit
los.“ Er war kein nackter Swami, er war immer dezent und geschmackvoll
gekleidet, doch im Frühsommer oder Frühling saß er oft
am Gangesufer, nur mit einem Langoti bekleidet, und ölte sich.
Er hatte nichts dagegen - man konnte hinsehen, man konnte lachen, man
konnte tun, was man wollte, das war die eigene Sache, nicht seine. Er
glaubte auch an alle möglichen natürlichen Arten der Gesunderhaltung.
Wenn die Sonne aufgestiegen war, setzte er seine Zähne und Zahnfleisch
der Sonne aus und streckte seine Zunge mit dem völligen Selbstbewusstsein
und ohne die geringste Unsicherheit heraus. Jeder von uns könnte
das machen, weil wir unbedeutend sind. Aber denkt daran, das war Swami
Sivananda—wenn er nieste, wusste das die ganze Stadt. Er machte
alles, was er für richtig hielt, ohne sich um Kritik zu kümmern.
Bevor der Ashram errichtet wurde, war er bereits ziemlich berühmt
geworden. In jenen Tagen hatte man von einem Swami seiner Statur (und
einem Advaita Vedantin), der Kirtan sang und tanzte, noch nicht gehört.
Ich glaube, die Leute haben sich über ihn lustig gemacht und dachten,
er wäre eine Art Künstler, weil sie der anderen Schule angehörten.
Sie gingen davon aus, dass ein heiliger Mann ganz ernst sein sollte
und immerzu an Brahman denken sollte.
Aber ist es nötig, die Welt abzulehnen, um Brahman zu finden?
Diese Philosophie sagte Swami Sivananda nicht zu. Viel später traf
ich mal einen jener alten, höheren Swamis, einen sehr großen
Mann. Er sagte, "Weißt Du, als Swamiji in jenen Tagen in
der Öffentlichkeit gesungen und getanzt hat, haben einige von uns
ihn sogar kritisiert. Aber jetzt erkennen wir, dass er Recht hatte und
wir nicht."
Nichts hat ihn wirklich abgelenkt von dem, was er tun wollte und was
in der Situation richtig war. Er hatte überhaupt keine Angst vor
Ansteckung. Ärzte wuschen sich ja sogar die Hände, wenn sie
nur jemandes Wange berührt hatten, doch er hatte gar keine Angst
vor so etwas. Ein Mann hatte den heftigsten Typ Pocken - er starb daran.
Swamiji besuchte ihn, und hat danach nicht gebadet oder seine Kleidung
gewechselt. Er hat sogar Leute besucht, die sehr schlimm an Cholera
und Typhus erkrankt waren. Er konnte mit ihnen umgehen ohne jegliche
Angst. Ich habe ihn auch niemals über diese Dinge philosophieren
hören. Man konnte sehen, was er tat, und manchmal war es so dramatisch,
so gewaltig, dass man es nicht ertragen konnte zu fragen, warum er es
tat.
Was ist die Philosophie dahinter? Die Philosophie wurde von den Schülern
erfunden. Er war daran nicht interessiert. Ich betone das so wegen eines
Gefühls tief innen in meinem Herzen, dass man, wenn man versucht
ist zu philosophieren, entweder Angst hat in einer ganz feinen Form
oder den Wunsch nach Respekt und Bewunderung. All das ist das Spiel
des Ego-Selbst. Wenn es natürliches Verhalten ist, philosophiert
man nicht. Im Falle eines selbstlosen Mannes ist diese Angst natürlicherweise
abwesend. Er tut nicht so, als wäre sie abwesend, noch tut er sich
hervor damit, dass sie abwesend ist. Das ist wieder das Ego, das ist
nicht Selbstlosigkeit.
Auf dieselbe Weise hatte er keine Angst, seinen Ruf zu verlieren. Ich
habe niemals einen Mann seiner Statur die Dinge tun sehen, die er tat.
Er versah Menschen mit Nahrung, Kleidung, Unterkunft und kümmerte
sich um die, die ihn kritisierten. Wenn man ein Sadhak (spirituell Suchender)
mit einigen spirituellen Bestrebungen war, der es wert war, erhalten
und gefördert zu werden, oder wenn man Talente und Fertigkeiten
hatte, die der Öffentlichkeit irgendwie zunutze kommen konnten,
erlaubte er einem zu bleiben, selbst wenn man ihn direkt oder hinter
seinem Rücken kritisierte. Und komischerweise konnte er einen sogar
verherrlichen, wissend, dass man ihn kritisierte. Und wieder ziehe ich
all diese Schlussfolgerungen. Er hat darüber nie geredet.
Er hat sich nie um die öffentliche Meinung gekümmert. Die
öffentliche Meinung kümmert sich um sich selbst. Eine sehr
interessante Geschichte habe ich von einem sehr hohen Swami, Swami Paramananda,
gehört. Es scheint, dass jemand während einer Kumbha Mela
in Haridwar in den 1930iger Jahren ein Gerücht verbreitet hat,
dass Swami Sivananda heiraten wollte. Die Neuigkeit kam mit einem von
Swamiji's eigenen Schülern, der rasend war, in den Ashram. Als
er sie Swamiji überbrachte, sagte Swamiji: "Gut, errichtet
einen Podest für ihn! Lasst ihn all dies vom Podest aus sagen.
Die Leute, die das hören, werden hierher kommen, um die Heirat
zu sehen, oder um herauszufinden, ob es richtig oder falsch ist, und
ich werde ihnen 'Zwanzig Instruktionen' geben und sie die Namen Gottes
singen lassen." Er war total und vollständig ohne Angst.
Es gibt noch einen Fall. Eine junge Frau kam hierher. Sie wollte ihren
Namen nicht sagen und auch nicht, wo sie her kam. Sie sagte nur "Ich
bin nicht verheiratet, und ich bin schwanger. Ich bin nach Rishikesh
gekommen, um Selbstmord zu begehen, aber ich habe die Kraft nicht."
Swami Sivananda hat ihr nicht eine Frage gestellt, und es gab nicht
eine einzige Frage zur öffentlichen Meinung. Er besorgte sofort
zwei oder drei Saris (indischer Umhang), weil sie nur mit dem einen
Sari kam, den sie anhatte. Jemand machte ein Zimmer für sie frei.
Um alles wurde sich gekümmert innerhalb einer halben Stunde. Sie
lebte hier ein paar Monate, dann schickte Swamiji sie in eine andere
Stadt, um ihr Kind zu bekommen.
Einer seiner eigenen Schüler kümmerte sich dabei um sie.
Als das Kind geboren war, schrieb er einem Ehepaar, die ein Kind adoptieren
wollten. Diese Frau kam mit dem Kind, gab es dem Ehepaar, und alle gingen
auseinander.
Wenn es das Richtige war, handelte Swami Sivananda furchtlos. Aber man
muss sich ins Gedächtnis rufen, dass es sehr verschieden wäre
mit einer arroganten Einstellung. Es war nicht aufgrund von Arroganz
oder, weil er sich nicht darum kümmerte, was die Leute dachten,
sondern „Dies ist richtig, es muss vollständig angstfrei
getan werden.“
Die spirituelle Qualität von Furchtlosigkeit oder Abhayam ist sehr
verschieden von Arroganz, Hochmut oder Aufsässigkeit, die rajasig sind und vollständig unspirituell. Abhyam entsteht aus einem Verständnis
der grundlegenden Einheit der Existenz, d.h. „Ich habe keine Angst
vor dir, nicht weil ich weiß, dass ich dir überlegen oder
stärker als du bin, sondern weil ich weiß, dass wir eins
sind.“ Nur wenn der Yogi diese Einheit verstanden hat, dass es
Furchtlosigkeit gibt, die weder Aufsässigkeit noch Arroganz ist,
sondern eine natürliche Folge dieses Verständnisses. Das sahen
wir in Swamiji. Er war natürlich und echt demütig und immer
eifrig, zuvorkommend zu sein. Darum entstand keine Aufsässigkeit.
Eine der grundlegenden Qualitäten und Tugenden in einem Karma Yogi
ist, dass er immer bereit ist, sich anzupassen, sich einzustellen und
zuvorkommend zu sein. Wenn man nicht fähig dazu ist, kann man kein
Karma Yoga praktizieren, nicht der Menschheit dienen, nicht Gott dienen.
Passe dich an, stelle dich ein und sei zuvorkommend’ ist kein
Evangelium der Schwäche, des Beugens, weil man nicht aufstehen
kann, sondern ein Zeichen der Weisheit. Diese Furchtlosigkeit ist also
sehr verschieden von der Furchtlosigkeit, die jeder sich vorstellen
kann. Ein furchtloser Mensch (unserer Meinung nach) ist ein aufsässiger
Mensch, der der öffentlichen Meinung trotzen kann, jedoch war Swamijis
Furchtlosigkeit aus einem spontanen Verständnis zu wissen, was
richtig ist, geboren. Wenn er darum etwas tat, tat er es nicht aus Aufsässigkeit
der öffentlichen Meinung gegenüber, sondern der öffentlichen
Meinung gegenüber furchtlos.
Er fand weder Argumente für seine Überzeugung noch antwortete
er auf Herausforderungen noch versuchte er, seine Gegner zu überzeugen.
Wenn man einer seiner Schüler war und meinte, dass man wusste,
wie eine Sache richtig gemacht werden sollte, und er nicht, sagte er
manchmal: „Gut, mache es auf deine Art“. Und später
mochte man dann herausfinden, dass man Unrecht hatte und er recht! War
es ein Fremder, der versuchte, mit ihm zu diskutieren, ging er überhaupt
nicht auf eine Diskussion ein. Er hörte sich alles an, was die
andere Person zu sagen hatte, gründlich und geduldig—um ihm
dann eine Tasse Tee, etwas Obst und ein paar Bücher anzubieten.
Was war aber mit der Diskussion geschehen? Er fuhr einfach fort mit
dem, was er für gut erachtete, und zwar mit einer Furchtlosigkeit,
die sich auf das Verständnis der Einheit begründete. Vielleicht
meinte er, dass wir eines Tages auch verstehen würden, weil wir
eins sind.
Krodha oder Wut wird sogar in der Bhagavad Gita als Synonym für
Hass oder Abneigung gebraucht. Wir assoziieren Hass mit einer Art von
aggressivem Verhalten, doch aggressives Verhalten ist nur ein Aspekt
von Hass. Die grundlegende Ursache von Hass ist Verurteilung. Man beurteilt
die andere Person als falsch, niederträchtig, albern, dumm oder
unverbesserlich, und dann hasst man. Man fängt an, Schönfärberei
zu betreiben, indem man sagt: „Ich hasse ihn nicht, ich hasse
sein Verhalten“, als wäre man fähig, solch ein feines
Urteilsvermögen zu haben. Ist das Urteilsvermögen denn so
fein, dass man die Sünde vom Sünder isolieren kann und diese
abstrakte Eigenschaft von Sünde hassen kann, ohne den Sünder
zu hassen? Wenn es für jemanden möglich sein sollte, ist das
sehr gut, doch in der Praxis wird man finden, dass es sehr schwierig
ist. Swamiji sagte: „Sünde ist ein Fehler, den ein spiritueller
Neuling auf dem Pfad der Evolution begeht.“ Wenn diese Ansicht
angenommen wird, gibt es keine Verurteilung mehr. Wenn beispielsweise
ein Kind etwas Dummes tut, richtet man es nicht hin, sondern ermahnt
es, wenn nötig, sehr liebevoll. Warum ist es dann so, dass man
sich so sehr aufregt und streng anfängt zu urteilen, sobald es
um eine andere Person geht, sie sogar verdammt und dann hasst?
Hass wird auch mit Angst assoziiert. Man hasst immer die Person, vor
der man Angst hat, und man fürchtet denjenigen, den man hasst.
Wenn also Angst abwesend ist, gibt es nicht mehr viel Platz für
Hass, und wenn das Urteil abwesend ist, gibt es überhaupt keinen
Platz für Hass. Noch einmal sehen wir darin die Wiedererkennung
der Einheit. Dies war der grundlegende Faktor in Swamijis Leben und
im Karma Yoga. Karma Yoga ist unmöglich ohne die direkte Realisation
von Einheit. Selbstloses Dienen ist solange unmöglich wie das Selbst
diese Streiche spielt und Verhaftung, Angst und Hass aufwirft. Solange
diese drei Eigenschaften in uns sind, ist Selbstlosigkeit unmöglich.
Man kann sich um diese Selbstlosigkeit bemühen, doch es wird keine
Verwirklichung davon geben, weil es in dem Moment nicht wirklich ist.
Zu dieser Zeit ist das Ego-Selbst wirklich! Wie wird also Selbstlosigkeit
wirklich? Nur wenn erkannt wird, dass dieses Selbst unwirklich ist,
entsteht Selbstlosigkeit ohne jegliche Schwierigkeit.
Es ist von Psychologen gesagt worden, dass wir mit diesen drei Eigenschaften
geboren werden: Raga, Bhaya und Krodha - Liebe, Angst und Hass - was
nur bedeutet, dass alle lebenden Wesen mit der Vorstellung eines Selbst
diese drei Eigenschaften in sich haben; oder, dass diese drei Qualitäten
zusammen das Ego-Selbst ausmachen. Wenn also diese drei weggenommen
werden, ist das Selbst abwesend; oder wenn das Selbst weggenommen wird,
sind diese drei abwesend. Das eine geht Hand in Hand mit dem anderen.
Man kann auch sehen, dass (angenommen, dass diese Qualitäten bei
der Geburt jedes Wesens mitgeboren werden) sie dicker und dicker werden
mit den Jahren, weil das Selbst die ganze Zeit gebildet wird. Diese
drei Qualitäten gewinnen auch mehr Kraft und Schwung, so dass ein
Kind also weniger ängstlich als ein Erwachsener ist. Und das Kind
hat spontane Verhaftung und spontane Wut, nicht lang anhaltende wie
im Falle der Erwachsenen. Auch im Falle Swamijis könnte man sagen,
dass es, wenn er überhaupt wütend wurde, sehr, sehr flüchtig
und momentan war. Er war nie nachtragend.
Das war charakteristisch für ihn. Es gibt Swamis, die die ganze
Zeit lächeln mögen, aber sie sind nachtragend und zerstören
einen. Swami Sivananda war anders. Er wurde sehr selten wütend,
doch selbst wenn mal Wut da war, ging sie in einer Minute vorüber,
und danach war man sein bester Freund. Man konnte auch sehen, dass er
nicht gezwungen war, wütend zu werden, er wurde nicht wütend,
obgleich er es nicht wollte, aber es war, als hätte er den Schalter
in der Hand. Ich glaube, dass ich das in meinem ganzen Leben hier mit
ihm, etwa siebzehn Jahre lang, nur zweimal gesehen habe. Und ich würde
es nicht noch mal sehen wollen. Es war heftig. Nachdem er diese Wut
etwa eine oder zwei Minuten gezeigt hatte, lächelte er, und alles
war vergessen. Die Situation erforderte es, so schaltete er es vorsätzlich
an, und als der Moment der Notwendigkeit vorüber war, schaltete
er es wieder ab. Es war wundervoll anzusehen. Noch einmal also, es war
keine Wut, so wie ihr und ich sie kennen, sondern situationsbedingte
Ethik. Darum war er grundlegend frei von diesen drei Qualitäten.
Selbst ein Weiser hat das, was man Lesa-avidya, eine ganz schwache Avidya,
nennt. Das aufgezeigte Beispiel ist der petromax Umhang. Wenn man ein
Stück Baumwolltuch anzündet dann behält das verbrannte
Baumwolltuch andeutungsweise die Form des Baumwolltuchs. Das Baumwolltuch
ist verbrannt, dann bleibt noch die Form des Baumwolltuches da. Es gibt
zwar keine Fäden mehr, aber die Asche bleibt in der Form des alten
Tuchs. Aber in dem Moment, wo man das Tuch (die Asche) berührt,
zerfällt es. Der Weise ist auch so. Er mag auch so aussehen als
hätte er diese Eigenschaften—Raga, Bhaya und Krodha—doch
das ist nur scheinbar. Seine Persönlichkeit ist im Feuer des Wissens
verbrannt worden. Vorläufig, da er diesen Körper trägt
und in der physischen Welt zu funktionieren scheint, entsteht die Erscheinung
einer Persönlichkeit und darum auch die Erscheinung dieser drei
Qualitäten.
|
|

Inhaltsverzeichnis des Buches "Sivananda Yoga"
- Theorie und Praxis
- Wer ist ein Guru
- Kommunikation
- Das Säen des Samens
- Selbstreinigung
- Sich auf den Lehrer einstimmen
- Hingabe
- Karma Yoga
- Sei ein Instrument
- Bhakti Yoga
- Swami Sivananda Yoga
- Integraler Yoga
- Erinnerung an Gott
- Der Weg des Ego
- Selbstlosigkeit
- Entdeckung des Egos
- Der Yoga der Synthese
- Liebe, die Gott ist
- Glossar

Hier kostenlosen
Yoga Gesamtkatalog
anfordern





Broschüre und kostenlose Übungspläne anfordern
|
|
- Yoga Übungen lernst du am besten bei einem Yogalehrer
- Yoga Einführungs-Seminare gibt es in den Yoga Vidya Seminarhäusern als Wochenend- und Wochenkurse. Diese werden auch von Krankenkassen bezuschusst
- Bei Yoga Vidya findest du jährlich fast 3000 Seminare zu Yoga, Meditation und Ayurveda, darunter auch das umfangreichste Yogalehrer Weiterbildungs-Angebot
- In den Yogalehrer Ausbildungen beim Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen in 50 verschiedenen Städten lernst Du Yoga, Meditation, Yoga Philosophie, spirituelles Leben und auch, wie Du sie anleiten kannst
- In den Yoga Vidya Zentren gibt es regelmäßige Einführungskurse
- Im Yogalehrer-Verzeichnis findest Du eine/n qualifizierte/n Yogalehrer/in in Deiner Nähe
- Im Yoga-Shop findest Du DVDs, Bücher, Yoga-Matten, Kissen, CDs und vieles mehr für deine Yoga-Praxis
Auf unseren Internet-Seiten findest du viele weitere Informationen:
Yoga Vidya findest du auch in vielen sozialen Netzwerken
|