von Swami Venkatesananda
2. WER IST EIN GURU
Wer die Theorie der Selbsterkenntnis vermittelt und uns in unserer
Praxis leitet, wird nicht Guru (spiritueller Lehrer), sondern ein ’Acharya’
(Meister), genannt. Vom Meister kann man Selbsterkenntnis lernen. Nicht
die Selbsterkenntnis aber, sondern ein peripheres Wissen ist es, das
sehr notwendig sein kann, weil wir sonst leicht in die Irre geführt
werden.
Genau wie die Beschreibung nicht Selbsterkenntnis ist, ist auch Technik
nicht Selbsterkenntnis und führt auch nicht zum Wissen um das Selbst;
aber sie ist notwendig. In der Yoga Vasishta gibt es eine fantastische
doppelt negative Aussage darüber. Vasishta sagt, dass ein Meister
einem nicht Atmajnana geben kann, aber man kann Atmajnana nicht ohne
Meister erreichen. Im Folgenden wird das einleuchtend. Der Acharya ist
der Mensch, von dem man ein Verständnis der Theorie, des peripheren
Wissens oder einer Beschreibung über Selbsterkenntnis, Selbstverwirklichung
oder Atmajnana erhalten kann. Er zeigt einem Praktiken und wenn man
ihm gegenüber aufgeschlossen ist, beseitigt er die Hindernisse,
die einem auf dem Weg begegnen können. Er kann nicht gerade als
ein Lehrer im modernen Sinne des Wortes bezeichnet werden. Hier bezieht
sich das Wort ’Lehrer’ auf eine Art Mensch, der distanziert
ist, der in die Klasse geht, ausspuckt, was er nicht verdauen konnte,
und dann wieder verschwindet. Ebendies sieht man heute in den Schulen
und Gymnasien. Im Gurukula System, wo die Studenten mit dem Meister
lebten, ist die Vermittlung von Theorie und Führung bei der Praxis
eng verknüpft. Es gab eine enge Beziehung zwischen dem Lehrer und
dem Lernenden. Das darf nicht verwechselt werden mit der modernen Definition
eines Lehrers in den Schulen und Gymnasien von heute, wo es nicht die
geringste psychologische Beziehung gibt.
Dieses Wort ’Acharya’ klingt für mich fast wie das
Wort ’Achara’. Acharya bedeutet Lehrer, Achara ist das Verhalten,
der Lebensstil. Ein Acharya ist also mit der Achara, dem externen Verhalten
des Schülers verbunden. Er legt zum Beispiel großen Wert
auf Pünktlichkeit, damit man Schlag neun zur Stelle ist. Er mag
auch Wert darauf legen, dass man nicht aus dem Fenster sieht, hierhin
oder dorthin sehen soll. Verhalten kann anerzogen werden, aber kein
Acharya kann die Aufmerksamkeit erzwingen, kein Acharya kann einem Verständnis
aufdrängen, also bedarf es einer engen persönlichen Beziehung.
Nur dann kann man lernen. Wenn man aufmerksam ist, vermittelt er eine
Information über Selbsterkenntnis, und leitet einen in der Praxis
an. Das ist die Aufgabe des Acharya. Also ist ein Acharya eher ein Lehrer
als irgendetwas anderes.
Außer dem Wort ’Student’ (engl. ’student’)
gibt es noch ein weiteres Wort ’Schüler’ (engl. ’pupil’,
was auch ’Pupille’ bedeutet). „Pupil“ ist also
nicht nur der Schüler, der vor dem Lehrer sitzt und versucht, etwas
von diesem zu lernen, sondern es meint auch die Pupille, die sich im
Auge öffnet und schließt. Wenn man ins Sonnenlicht geht,
schließen sich die Pupillen, und wenn man im Dunkeln ist, öffnen
sie sich. Dasselbe passiert auch in der Beziehung zwischen Lehrer und
Schülern. Ist der Lehrer brillant, verschließen sie sich,
sie halten nicht mehr Licht aus. Ist der Lehrer interessant, lustig,
dunkel oder dumm, öffnen sie sich weit – mit dem Ergebnis,
dass es viel leichter scheint, Unsinn zu lernen als etwas, das der Mühe
wert ist. Wenn jemand dasitzt und diskutiert, wie man eine Bank auf
hundert verschiedene Arten überfallen kann, dann ist das interessant
und überhaupt nicht langweilig. Der Schüler zeigt äußerstes
Interesse daran. Aber wenn jemand Upanishadische Weisheit diskutiert,
verschließen sich nicht nur die Schüler, sondern auch die
Augenlider schließen sich.
Gibt es eine enge persönliche Beziehung und schafft der Acharya
es, das Verhalten der Schüler zu lenken, dann wird es möglich,
dass man lernt. Eine enge persönliche Beziehung ist nur möglich,
wenn sich sowohl der Lehrer als auch der Lernende auf gleicher Wellenlänge
befinden – ansonsten schläft man ein. Physisches Verhalten
kann angepasst werden, aber der Lehrer hat keinen Zugang zu deinem Geist,
geschweige denn zu deinem Herzen. Auf eine merkwürdige Weise verstand
Swami Sivananda dies. Er verstand die Massenpsychologie, die Probleme
junger Suchender – Leute, die an Theater, Filme und ein spannendes,
schnelles Leben gewöhnt waren. Würden sie in eine Vedanta
Stunde gesetzt, würden sie aller Wahrscheinlichkeit nach einschlafen,
also erfand er interessante Vermittlungsmethoden. Ein Dialog der Upanishaden
wurde hier gespielt, und Leute, die sonst beim Studium der Upanishaden
einschlafen, richteten sich auf und schauten zu und hörten zu und
etwas drang zu ihnen durch. Dies war die wunderbare Methode Swami Sivanandas
– und später erfand er das Yogamuseum – audiovisuelle
Instruktion, an der man teilnimmt und versucht zu verstehen.
Aber immer noch sind wir auf der Stufe des Acharya und des Schülers.
Es gibt nur bloße Vermittlung von Information zwischen den beiden.
Es wird ’Information’ genannt, weil es eine Form in einem
entstehen lässt – Information. Nach und nach, Tropfen für
Tropfen, fallen diese Stücke und Teile in einen hinein und bilden
eine Form. Wenn man einigermaßen mit der Form zufrieden ist, ist
man verloren, weil man sich dann ein Bild mit dieser Information formt
und es als die Wahrheit behandelt, als Selbstverwirklichung. In dem
Studium der Isavasya Upanishade muss man an einem verwirrenden Mantra
vorbeigekommen sein: ”Wer der Unwissenheit ergeben ist, kommt
in die Hölle. Wer dem Wissen ergeben ist, kommt in eine größere
Hölle.” Wie geht denn das? Gibt man sich dem Bild hin, das
in einem bei der Vermittlung der Theorie geformt wurde, steckt man fest.
Hingebungsvoll und innbrünstig hat man es aufgebaut, und das Ganze
widersteht jeglicher Veränderung in diesem Bild, also ist man verloren.
Aber wenn dieses Bild einmal geformt ist, wenn man versteht, dass es
nur Information über Atmajnana ist - nicht Atmajnana selbst sondern
nur eine Beschreibung - dann ist es möglich, dass man inspiriert
wird, weiterzugehen. Dann ist die ’Jijnani’-stufe (Vorstufe
des Wissens) vorbei, und man krabbelt in die Jnanistufe hinein. Und
da erscheint jemand anderes, und das ist der Guru.
Wenn man das erste Kapitel der Bhagavad Gita sehr aufmerksam liest,
wird man erkennen, dass Arjuna denkt, er wäre der Guru. Frech und
arrogant belehrt er Krishna, was richtig und was falsch ist. Als er
entdeckt, dass Krishna es ablehnt, sein Schüler zu sein, bricht
er zusammen, und die ihm beim Zusammenbrechen zugeschriebenen Worte
sind sehr inspirierend:
Yacchreyah syannischitam bruhi tanme
Syshyas-te ’ham sadhi mam tvam prapannam (II. 7)
Arjuna sagte:
Zerstört ist meine Selbsttäuschung, denn ich habe mein Wissen
(Erinnerung) erlangt durch Deine Gnade, O Krishna. Ich verbleibe befreit
von Zweifeln. Ich werde handeln gemäß Deinen Worten.
Tvam prapannam—”Ich habe mich ergeben zu deinen Füßen,
denn ich weiß die Wahrheit nicht. Ich meinte, sie zu kennen, aber
betrachte ich, wie du unbeeindruckt von meinen Lehren bist, fühle
ich, dass ich vielleicht Unrecht habe. Also ergebe ich mich zu deinen
Füßen.” Sishyas-te—”Ich bin dein Schüler.”
Yacchreyah syannischitam bruhi tanme—”Sage mir, was mich
zu Sreyas führen möge.” Dieses Wort ’Sreyas’
ist äußerst schwierig zu übersetzen. Es wurde angenommen,
dass es ’dein ultimatives Wohl oder spirituelles Wohl, Erleuchtung,
Befreiung’ bedeute. Und da sagt Arjuna: ”Ich bin dein Schüler.”
Krishna ist immer noch nicht der Guru. Erst im elften Kapitel wird Arjuna
plötzlich klar: ”Oh! Du bist der Herr des ganzen Universums.”
Was wird aus dem Zustand des Schülers, wenn er den Guru—nicht
den Acharya, gefunden hat? Das ist gegen das Ende der Bahagavad Gita
wunderschön beschrieben:
Nashto mohah smritir-labdha tvatprasadan maya ’chyuta
Sthito’smi gatasandehah karishye vachanam tava. (XVIII. 73)
Alle diese sind lebenswichtig. Nashto mohah—”meine Verwirrung,
meine Täuschung ist fort.” Zu Anfang war eine Verwirrung,
aber diese ist vollständig verschwunden. Geschieht das, ist man
ein erleuchteter Schüler, man hat den Guru gefunden. Smrtir-labdha—es
ist nicht das bloße Erlangen oder Wiedererlangen der Erinnerung,
sondern… Normalerweise erinnert man sich daran, was andere einem
getan haben, und man erinnert sich daran, was bis jetzt geschehen ist,
aber man erinnert sich nicht an sich. Man kennt sich nicht, aber man
kennt alle anderen; man weiß nicht, wer man ist, aber man weiß
alles über die Welt! Sogar wenn man versucht, ein vergangenes Erlebnis
wieder ins Gedächtnis zu rufen, erinnert man sich bloß daran,
was andere gemacht haben, was andere gesagt haben. Das Selbst wird vollständig
übersehen im Wissen und im Gedächtnis. Also bedeutet smrtir-labdha:
”Jetzt erinnere ich mich, wer ich bin.” Tvatprasadanmaya’chyuta—”Durch
deine Gnade”, nicht durch deine Lehre! Der Acharya ist verschwunden.
Der Acharya hat nur eine innere Struktur aufgebaut, und der Schüler
hat diese Struktur erkannt. Die Struktur hat falsche Vorstellungen und
irreführende Ideen, die vorher in Erwägung gezogen worden
waren zerschlagen und das Klima für Erleuchtung geschaffen.
Nur die Gnade des Gurus führt diese Erleuchtung herbei. Keine Anhäufung
von Theorie und keine Anhäufung von Wissen kann jemals Erleuchtung
herbeiführen. Wenn die Wäsche schmutzig ist, tut man sie in
einen Eimer mit Wasser und einer Menge Seife. Ist die Wäsche sauber
geworden? Das wünscht man sich. Nimmt man die Wäsche heraus,
ist sie voll mit Seife. Das ist nicht sauber—das Sauberwerden
passiert hinterher. Um den Müll mit Namen weltliches Wissen loszuwerden,
mag man einen spirituellen Lehrer brauchen, der einem Wissen über
das Selbst vermittelt, aber um Selbsterkenntnis zu erreichen, reicht
nichts davon. Allein die Gnade des Gurus, die ohne das Einmischen des
Geistes direkt ins Herz fließt, kann Selbsterkenntnis, Atmajnana,
herbeiführen. Gatasandehah—”Es besteht kein Zweifel",
Geist und Herz sind von Zweifel frei, und darum wird alles, was getan
werden muss, ohne Zögern getan. Das nennt man ’spontanes
Handeln’. Im Falle Arjunas ist das wahrscheinlich durch den Schreck
über die Vision dieser kosmischen Form herbeigeführt worden,
denn es erscheint eine ähnliche Äußerung sogar am Anfang
des elften Kapitels:
yat tvayo’ktam vachas tena moho’yam vigato mama (XI. 1)
Arjuna sagte:
Durch dieses Wort (diese Erklärung) des höchsten Geheimnisses
das Selbst betreffend, das Du gesprochen hast, um meines Segens willen,
ist meine Täuschung verschwunden.
Wer ist ein Guru?
gukaraschandhakarascha rukarastannirodhakah
andhakaravinasitvad-gurur-ityabhidhiyate
”Das Licht, das die Dunkelheit der Unkenntnis beseitigt, ist
der Guru.” Der, in dessen Gegenwart man dies erreicht, ist der
Guru; oder das ist der Guru. Der Moment, wo man plötzlich erkennt
und die innere Struktur der Theorie (die durch die Lehre des Acharya
dorthin getan wurde) zu wachsen beginnt und verwirklicht wird—dort
ist der Guru.
Wenn man durch Indien fährt, wird man Dutzende Gurus treffen, die
sagen: ”Ich bin dein Guru”. Swami Sivananda hat das in keinem
einzigen Moment gesagt. Manchmal sagte er: ”Du bist mein Schüler”
oder ”Er ist mein Schüler”; und einige der älteren
Schüler hier haben wohl wenigstens einen Brief, in dem Swami Sivananda
schrieb: ”Ich nehme Dich als meinen geliebten Schüler auf,
ich werde Dir dienen und Dich führen.” Aber mit allem Respekt
und aller Achtung vor Swami Sivananda darf ich euch mitteilen, dass
es mehr eine Ermutigung an den Schüler war als eine Tatsache. Wenn
Swami Sivananda sagte: ”Ich nehme Dich als meinen geliebten Schüler
auf”, dann meintet ihr, einen Anspruch auf Swami Sivananda zu
haben, ihr konntet ungezwungener an ihn schreiben. Genau das hat er
gewollt. Der nächste Satz lautet. ”Ich werde Dir dienen.”
Ihr habt wohl noch niemals von einem Guru gehört, der seinem Schüler
dient, der Schüler soll doch dem Guru dienen! Durch diese Formel
hat er also das Guru-Geschäft widerrufen. Er hat sich nie als Guru
gesehen. Das ist unsere Sache, nicht seine.
Der Guru ist die Erfahrung des Schülers. Und Der Guru braucht nicht
zu wissen, wann man diese Erfahrung gemacht hat. Man mag sagen: ”Du
bist mein Guru”. Aber es ist nicht Sache des Guru zu sagen: ”Ich
bin dein Guru.” Man kann zum Guru gehen und sagen: ”Ich
bin dein Schüler”. Wenn man darauf vorbereitet ist, genau
das zu tun, was er sagt, und nicht bevor diese Stufe erreicht ist, kann
man kühn sagen: ”Ich bin dein Schüler, du bist mein
Guru.”
Davor gibt es keinen Guru. Es ist sehr wichtig sich daran zu erinnern,
ansonsten kann man in ein Durcheinander geraten. Eines Tages geht man
zu jemandem, und wenn der einem hilft und sagt: ”Oh, ich sehe
ein wunderbares Licht um dein Gesicht, Du wirst in drei Monaten Erleuchtung
erfahren”, dann sagt man: ”Ah, Du bist mein Guru!”
Wenn er einen bittet, ihm eine Tasse Milch aus der Küche zu holen,
sagt man: ”Ach, was für ein Guru bist Du denn? Du bist nicht
mehr mein Guru—das ist vorbei.” Das ist eine Karikatur der
Wahrheit.
Swami Sivananda bestand darauf (wie auch das Yoga Vasishta- eine indische
Schrift), dass man ohne die Hilfe eines Guru keine Erleuchtung erreichen
kann. Zu Swamis, die Gurus werden wollten, sagte er: ”Seid vorsichtig,
werdet keine Gurus.” Man sollte kein Guru werden, aber man muss
einen Guru haben. Man braucht einen Guru, aber niemand ist dazu bereit,
ein Guru zu sein! Seht ihr die Verwicklung? Was soll man tun? Hier war
Swamiji sehr deutlich: ”Sei ein Schüler! Von Kopf bis Fuß
ein Schüler! Dann wirst du deinen Guru finden.”
Zu Anfang des Jahres 1947 saß Swamiji einmal in seinem Büro.
Ein junger Mann aus Südafrika, der etwa zwei bis drei Monate bei
uns gewesen war, sollte an diesem Tage abreisen. Er kam herein, warf
sich vor Swami Sivananda nieder und begann zu weinen. Swami Sivananda
sah ihn mit größter Liebe und Zuneigung an. Er sagte, ”Swamiji,
ich muss heute fahren, und wo in Afrika finde ich einen Guru wie dich?”
Da veränderte sich plötzlich Swamijis Ausdruck, und mit einem
sehr schönen, bedeutsamen und schelmischen Lächeln sagte er:
”Was, gibt es keinen Guru in Afrika?“ Da war des Mannes
Trauer verflogen, seine Tränen waren getrocknet. Er sah den Meister
lachen. Dann richtete Swamiji seinen Blick auf den jungen Mann und sagte,
„Ohji, es ist sehr einfach, einen Guru zu finden, es ist schwer,
einen Schüler zu finden!” Wenn du ein Schüler bist,
findest du ganz von selbst einen Guru.
Schüler (engl. „disciple“) bedeutet Disziplin (engl.
„disciplin“). Was bedeutet das Wort ’Disziplin’?
Nicht militärischen Drill, sondern Studium. Der Acharya hat die
Informationen gegeben, die etwas in einem geformt hat, und nun möchte
man dies studieren. Der Acharya sagte, dass in einem selbst Freude ist,
und dass es nicht Vergnügungssache ist—aber das ist nicht
die Erfahrung, die man gemacht hat. Man ist es gewohnt, über die
Sinne Vergnügen zu erfahren. Einem hat die Sache gefallen und wenn
die Objekte des Vergnügens nicht mehr da sind geht es einem schlecht.
Was macht man also? Man untersucht die innere Struktur, untersucht die
Tätigkeit des Geistes, das Erheben des Selbst, das Ego. Aber es
wird nicht klar, weil man voll ist von Unreinheiten, Schmutz und Dreck.
Darum entsteht aus dem Studium des eigenen Selbst eine außergewöhnliche
Disziplin. Es ist keine Disziplin, die einem von anderen auferlegt worden
ist, es ist keine Disziplin, die zielorientiert ist, sondern es ist
eine von intensiver Suche getragene Disziplin. Wenn sich diese Disziplin
im Herzen offenbart, wird man ganz natürlich seinen Guru finden.
Man steht vor jemandem und … das ist alles. Ihr braucht kein Wort
zu wechseln.
Einige von uns kamen 1944 hierher und fanden Swamiji und ein paar andere.
Er strahlte Seligkeit aus, Frieden und Freude. Wir sahen uns um und
sahen, dass all die Dinge, die man als grundlegend für Frieden,
Freude und Wohlstand und den ganzen Rest erachtet, fehlten. Es gab überhaupt
nichts. Eine Tasse Tee am Morgen war beinahe eine himmlische Manna,
eine Götterspeise. Wie konnten Leute, die unter solchen Bedingungen
lebten, lächeln, Freude ausstrahlen! Das hat man sich gefragt,
und irgendwas hat geklingelt. Es brauchte kein einziges Wort gewechselt
zu werden. Man sah ihm in die Augen und hat verstanden, dass er die
Wahrheit gefunden hatte und man selbst nicht. Das war genug, einen demütig
zu machen und vor seinen Füßen zusammenzubrechen.
Wahrheit wird nicht durch Worte vermittelt sondern immer nonverbal.
Ich kann dir erzählen, dass ich wütend auf dich bin, aber
du kennst die Wahrheit, weil du nonverbal nicht gefühlt hast, dass
ich wütend auf dich bin. Es gibt Gelegenheiten (die du, bin ich
mir sicher, wahrnimmst), wo jemand lächelt, und du spürst
Wut. Nonverbale Kommunikation allein ist Wahrheit, und Wahrheit kann
nur nonverbal vermittelt werden. Informationen können weitergegeben
werden, das ist Sache des Acharya. Nonverbale Vermittlung von Wahrheit
ist die Aufgabe des Lehrers. Ich weiß nicht, ob der Lehrer weiß,
dass sein Schüler erleuchtet oder erweckt worden ist. Swami Sivananda
hat das nie diskutiert.
Auf spiritueller Ebene war es das Schönste zu beobachten, wie er
alle und alles als seinen Guru betrachtete. (Das ist sehr schwer zu
erklären und wohl noch schwerer zu verstehen.) Das heißt,
wenn diese Disziplin vollständig wird, dann entsteht das vollständige
Bewusstsein eines allgegenwärtigen Guru. Ob eine Person nun gelbe,
rote oder grüne Kleidung trug, für Swami Sivananda war sie
immer ein Swami. Jeder war Swami, jeder war Bhagavan, jeder war Devi.
Das ist wohl der Zustand, den man erlebt, wenn vollständige Disziplin
herrscht. Dann wird das gesamte Universum zu einem Guru.
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Inhaltsverzeichnis des Buches "Sivananda Yoga"
- Theorie und Praxis
- Wer ist ein Guru
- Kommunikation
- Das Säen des Samens
- Selbstreinigung
- Sich auf den Lehrer einstimmen
- Hingabe
- Karma Yoga
- Sei ein Instrument
- Bhakti Yoga
- Swami Sivananda Yoga
- Integraler Yoga
- Erinnerung an Gott
- Der Weg des Ego
- Selbstlosigkeit
- Entdeckung des Egos
- Der Yoga der Synthese
- Liebe, die Gott ist
- Glossar

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