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von Sukadev Bretz
Der Holzfäller
Ein Holzfäller war älter geworden, und war es müde
zu arbeiten. Da er keine Kinder und auch keine Frau hatte, und es
keine Al-terssicherung gab, er aber selbst langsam zu schwach wurde,
um weiter diesem harten Beruf nachzugehen, erinnerte er sich an seinen
Guru. Dieser hatte nämlich übernatürlichen Kräfte,
und kommandierte über Dschinnis, dienstbare Geister.
Er ging zu seinem Guru und sagte: „Bitte, Guru, ich kann meinen
Lebensunterhalt nicht mehr verdienen, und brauche einen deiner dienstbaren
Geister. Bitte, bitte, gib mir einen.“
Dieser antwortete ihm: „Das ist nicht so ganz ungefährlich.
Ich gebe sie nicht so gerne, denn wenn du nicht richtig mit ihm um-gehst,
dann bekommst du Probleme.“
„Aber, Meister, ich habe sowieso schon Probleme, viel größer
können sie gar nicht werden. Ich werde Hungers sterben, wenn
du mir nicht hilfst.“
„Nun gut“, antwortete dieser. „Ich gebe dir einen
meiner Geister. Du musst ihn aber ständig beschäftigt halten,
sonst frisst er dich auf.“
„Kein Problem“, antwortete der Holzfäller. „Ich
habe mehr als genug zu tun.“
Er kam zu Hause an, und fand dort schon den Dschinni, der auf ihn
wartete. Er sagte: „Meister, gib mir etwas zu tun!“
„Siehst du die Bäume in diesem Waldstück hier?“,
fragte der Holzfäller. „Schlag jeden zweiten Baum davon
ab!“
Der Dschinni zog los, und hatte nach zwei Stunden die Arbeit erledigt.
„Meister, gib mir etwas zu tun!“, forderte er.
„Entrinde die Bäume, schneide die Äste ab, mach’
sie dann klein und bündele sie schön auf.“ sagte der
Holzfäller.
Eine Stunde später war der Dschinni auch damit fertig, und for-derte
wieder vom Holzfäller: „Meister, gib’ mir was zu
tun, sonst fress’ ich Dich auf!“
„Dann geh’ jetzt ins Dorf und verkauf’ das Ganze!“
So ging das eine Weile weiter. Der Dschinni erledigte auch die schwierigsten
und langwierigsten Aufgaben in kürzester Zeit. Schließlich
ließ sich der Holzfäller noch eine Hütte und ein Haus
bauen und neue Bäume pflanzen.
Doch nachdem er drei Tage und drei Nächte nur beschäftigt
ge-wesen war, sich auszudenken, was er dem Dschinni als nächstes
zu tun geben könnte, und der Dschinni immer wieder drohte, ihn
zu fressen, rannte er schließlich zu seinem Lehrer und sagte:
„Oh, Guru, du hast Recht gehabt. Ich kann unmöglich meinen
Dschinni ständig beschäftigt halten. Du musst mir helfen.“
“Ich will Dir einen Ausweg zeigen“, antwortete der Meister.
„Bitte deinen Dschinni, den höchsten Baum zu fällen,
die Zweige abzu-schlagen und als Pfahl neben dein Haus in den Boden
zu setzen. Und dann sag ihm; er soll hochsteigen, und wenn er oben
ange-kommen ist, dann soll er wieder runter steigen. Wenn er unten
ist, dann soll er wieder hochklettern und wenn er oben ist, dann soll
er wieder runter klettern. Und das soll er so lange machen, bis du
ihm etwas anderes zu tun gibst.“
Und so lebte unser Holzfäller glücklich und zufrieden bis
an das Ende seiner Tage. Und wenn er nicht gestorben ist, dann rennt
der Dschinni noch heute hoch und runter.
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