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Die Macht der Gedanken

von Swami Sivananda

Kapitel 7 - Positive Methoden zur Gedankenkontrolle


Gedankenkontrolle durch Konzentration
Beruhige die aufsteigenden Gedanken. Beruhige die Emotionswellen. Konzentriere dich am Anfang auf eine bestimmte Form. Konzentriere dich auf eine Blume, auf Buddha, auf ein Bild, das du dir vorstellst, auf das strahlende Licht in deinem Herzen, auf das Bild eines Heiligen, oder auf dein Ishta Devata . Setze dich dreimal am Tag zur Übung nieder: um acht Uhr morgens, vier Uhr nachmittags und acht Uhr abends. Devotees  konzentrieren sich auf ihre Herzen, Raja Yogis auf ihren Trikuti , Vedanta-Schüler konzentrieren sich auf das Absolute. Man kann sich auch auf die Nasenspitze, den Nabel oder den Muladhara  konzentrieren. 

Wenn sich unnütze Gedanken im Geist bemerkbar machen, ignoriere sie. Sie werden vorübergehen. Wende keine Kraft auf, um sie zu vertreiben. Sie werden beharrlich ihr Ziel verfolgen und standhalten. Sie werden deinen Willen belasten. Sie werden sonst mit doppelter Energie zurückkehren. Doch ersetze sie durch göttliche Gedanken. Die unnützen Gedanken werden schrittweise ausgedünnt. Geh langsam und stetig mit der Konzentration voran.

Die Konzentration wird angewendet, um die Veränderungen durch den Geist zu unterbinden. Die Konzentration dient dazu, um den Geist für längere Zeit auf eine Form oder ein Objekt verharren zu lassen. Um den unruhigen Geist zu beruhigen und andere Objekte, die der Konzentration im Wege stehen, zu beseitigen, sollte man sich auf einen Punkt konzentrieren.

Konzentration ist das Gegenteil von einem Geist voller Wünsche und voller sinnlicher Gedanken, voller Aufregungen und Sorgen, voller Ratlosigkeit, Trägheit und der Flucht in Krankheiten. Es ist leicht, den Geist auf äußere Objekte zu lenken. Der Geist hat eine natürliche Neigung, sich nach außen zu wenden. Stelle ein Bild von Sri Krishna, Rama, Narayana, Devi  oder Jesus vor dir auf. Schau ohne zu zwinkern ständig auf das ausgewählte Bildnis. Betrachte den Kopf, dann den Körper und schließlich die Beine. Wiederhole dies immer und immer wieder. Wenn sich der Geist beruhigt hat, schau nur noch auf einen bestimmten Teil, dann schließe die Augen und visualisiere das Bild innerlich. Du solltest es selbst dann innerlich klar sehen können, wenn das Bild nicht vor dir steht. Man muss das Bild bei Bedarf innerlich aus dem Gedächtnisspeicher abrufen können. Halte diese Innenschau für einige Zeit aufrecht. Dieses ist Konzentration. Dieses sollte täglich praktiziert werden.

Wenn man seine Konzentrationsfähigkeit erhöhen möchte, müssen die weltlichen Wünsche und Aktivitäten eingeschränkt werden. Man beobachtet die Stille jeden Tag einige Stunden lang. Erst dann ist der Geist in der Lage, sich leicht und ohne Schwierigkeiten zu konzentrieren. Während der Konzentration existiert auf dem ruhigen See des Geistes nur ein Gedanke oder eine Gedankenwelle. Der Geist nimmt nur die Form eines einzigen Objektes an. Alle anderen Aktivitäten des Geistes sind ausgeschlossen.

Gedankenkontrolle durch eine positive Haltung
Versuche die Macht zu entwickeln, um dich durch eine bestimmte Geisteshaltung gegenüber schädliche oder unerwünschte Gedanken und Einflüsse zu verschließen. Wenn du derart verfährst, bist du gegenüber allen höheren Impulse der inneren Seele und gegenüber allen höheren Kräften und Einflüssen von außen aufgeschlossen. Mache dir selbst folgenden Vorschlag: „Ich verschließe mich nicht; ich verhalte mich allen Dingen positiv gegenüber, die unter mir sind, ich öffne mich und bin gegenüber allen höheren Einflüsse und Dingen, die über mir stehen, aufgeschlossen.“ Wenn man diese Geisteshaltung bewusst einnimmt, wird dies bald zu einer positiven Gewohnheit.

Alle niederen und unerwünschten Einflüsse der sichtbaren und unsichtbaren Seiten des Lebens werden ausgeschlossen, während alle höheren Einflüsse eingeladen werden, und sie werden dann, in Übereinstimmung mit dieser Einladung, eintreten.

Im Geist existieren Zweifel, aber auch die Wirklichkeit. Die Zweifel tauchen auf, gleichgültig, ob ein Gott dort ist oder nicht. Dieses ist als Samsaya-Bhavana  bekannt. Andere Zweifel tauchen auf, gleichgültig ob ich Brahman erkenne oder nicht. Dann erzählt mir eine andere Stimme: „Gott oder Brahman ist wirklich. Er ist eine konkrete Wirklichkeit, wie ein Apfel in der Hand. Er ist die Verkörperung des Wissens und Ananda (Prajnanaghana, Chidghana, Anandaghana ). Ich kann ihn verwirklichen.“

 Wir haben etwas klar verstanden, und dieses Verständnis ist gut begründet und tief verwurzelt. Einige Gedanken sind verschwommen und unklar. Andere Gedanken kommen und gehen. Einige Gedanken müssen gepflegt und begründet werden, bis sie klar und eindeutig werden. Die Klärung der Gedanken vertreibt Verwirrungen und Konfusionen im Geist. Wenn Zweifel aufkommen, „ob es einen Gott gibt oder nicht, oder ob wir in unserer Selbstverwirklichung erfolgreich sein werden oder nicht“, müssen diese durch gezielte Vorschläge und Überzeugungen mit, „es ist war; ich werde voran kommen; es gibt keinen Zweifel darüber“, beseitigen. „In meinem Wortschatz gibt es solche Wörter wie, ‚kann nicht‘, ‚unmöglich‘, ‚schwierig‘ usw. nicht. Nichts ist wirklich schwierig, wenn man sich wirklich darauf konzentriert. Feste Entschlossenheit macht uns in jeder Angelegenheit zuversichtlich und erfolgreich, und dies gilt insbesondere bei der Eroberung des Geistes.

Gedankenkontrolle durch Verweigerung der Zusammenarbeit
Wenn der Geist in üblen Gedanken umherwandert, verweigere ihm deine Zusammenarbeit. Auf diese Weise wird der Geist schrittweises kontrolliert werden können. Hier nun eine praktische Methode der mangelnden Zusammenarbeit mit dem Geist: Wenn er sagt: „Ich muss heute etwas Süßes essen“, dann sage ihm: „Ich will mit dir heute nicht zusammenarbeiten. Ich will nichts Süßes essen. Ich will nur Brot und Linsengemüse essen.“ Wenn der Geist sagt: „Ich muss ins Kino gehen“, dann sage ihm: „Ich will zum Satsanga  von Swami Hamsananda gehen und seinen Ausführungen über die Upanishaden lauschen.“ Wenn der Geist sagt: „Ich muss ein Seidenhemd anziehen“, dann sage ihm, „Ich will in Zukunft keine Seidenkleidung mehr tragen; ich werde nur noch Kleidung aus Baumwolle tragen.“  Dieses ist die Methode, wie man dem Geist die Zusammenarbeit verweigert. Mangelnde Zusammenarbeit bedeutet, dass man gegen den Strom der Sinne schwimmt. Der Geist wird ausgedünnt und schrittweise zu deinem Diener. Du wirst zum Meister über deinen Geist.

Ein Mensch, der sich selbst kontrolliert, wird friedvoll, auch wenn er sich zwischen den Objekten bewegt, wobei er seine Sinne unter Kontrolle hat und frei von Zuneigungen und Abneigungen ist. Der Geist und die Sinne werden von Natur aus von den Strömungen der Zu- und Abneigung regiert. Darum mögen der Geist und die Sinne bestimmte Objekt oder lehnen sie ab. Doch der disziplinierte Mensch kann sich, wenn er das Selbst gemeistert hat und den Frieden der Ewigkeit erreicht hat, mit seinem Geist und seinen Sinnen zwischen den Sinnesobjekten bewegen, ohne von ihnen beeindruckt zu sein.

 Das disziplinierte Selbst hat einen sehr starken Willen. Darum gehorchen die Sinne und Geist diesem Willen. Das disziplinierte Selbst nimmt nur solche Objekte an, die für ihn zur Erhaltung des Körpers - ohne jede Liebe und ohne jeden Hass - notwendig sind. Er nimmt niemals solche Objekte an, die durch die Sastras  verboten sind.

Die Kunst, die Gedanken auszudünnen
Auf den Gummiplantagen schneiden die Pflanzer, um die dichte Bepflanzung auszudünnen, kleinere Bäume ab. Auf diese Weise können sie mehr Gummilösung von den großen Bäumen ernten. Um den Nektar der Unsterblichkeit zu trinken, müssen die Gedanken genauso ausgedünnt werden, indem ein übler Gedanke nach dem anderen zerstört wird. Genauso wie man nur die guten Früchte im Korb zurück lässt und die schlechten aussortiert, bewahre die guten Gedanken im Geist und weise die üblen Gedanken zurück. Genauso wie ein Krieger die Köpfe seiner Gegner einen nach dem anderen abschlägt, wenn sie aus der Festung kommen, genauso vernichte schrittweise einen Gedanken nach dem anderen, wenn sie an die Oberfläche kommen.

Wenn der Schwanz einer Eidechse vom Körper abgetrennt wurde, bewegt sich das abgetrennte Schwanzende noch immer für eine gewisse Zeit, da sich in ihm noch immer ein wenig Leben befindet. Nach ein oder zwei Minuten hört diese Bewegung auf. Genauso verhält es sich mit den abgewiesenen üblen Gedanken, die sich manchmal genauso wie das abgeschnittene Schwanzende für bestimmte Zeit noch als lebendig erweisen. Doch sie sind machtlos. Sie können keinen ernsthaften Schaden mehr verursachen. Sie haben keine Lebendigkeit mehr in sich.

Genauso wie ein ertrinkender Mensch nach jedem Strohhalm greift, um sich zu retten, so versuchen auch diese leblosen Gedanken ihr Bestes, um ihre ursprüngliche Macht zurückzugewinnen. Wenn man sich regelmäßig täglich in Konzentration und Meditation übt, verschwinden sie von allein, wie bei einer Öllampe das Feuer erlischt, wenn das Öl ausgeht.

Leidenschaft, Egoismus, Eifersucht, Stolz und Hass sind sehr tief verwurzelte Eigenschaften. Wenn man die Zweige eines Baumes abschneidet, wachsen diese nach einiger Zeit wieder nach. Genauso offenbaren sich die unterdrückten und ausgedünnten Gedanken nach einiger Zeit wieder. Sie sollten durch energisches Bemühen samt Wurzel, d.h. durch Vichara , Meditation usw., entfernt werden.

Gedankenkontrolle durch die napoleonische Methode
 Wenn du über ein Thema nachdenkst, erlaube keinem anderen Gedanken aufzukommen. Wenn du über Rosen nachdenkst, denke nur an die verschiedenen Rosenarten. Lass keine anderen Gedanken zu. Wenn du über die Dankbarkeit nachdenkst, dann denke nur über die Dankbarkeit nach. Denke dabei nicht an Vergebung oder Toleranz. Wenn du dich mit der Gita  beschäftigst, denke nicht über Tee oder einen sportlichen Wettkampf nach. Befasse dich ausschließlich nur mit einem Thema.

Napoleon kontrollierte seine Gedanken auf folgende Weise: „Wenn ich an vergnügliche Dinge denke, verschließe ich den Geist vor den mehr unangenehmen Dingen und öffne ihn für die angenehmeren Seiten des Lebens. Wenn ich schlafen möchte, verschließe ich den Geist völlig.“

Halte die Wiederholung übler Gedanken auf
Angenommen üble Gedanken verweilen zwölf Stunden lang in deinem Geist und kehren alle drei Tage wieder zurück. Wenn du die Verweildauer auf zehn Stunden reduzieren und die Wiederkehr durch die tägliche Konzentrations- und Meditationspraxis auf einmal pro Woche beschränken kannst, hast du einen entscheidenden Fortschritt erzielt. Wenn du mit der Praxis fortfährst, wird sich die Verweildauer und die Wiederkehr übler Gedanken weiter reduzieren. Vielleicht verschwinden sie vollkommen. Vergleiche deinen gegenwärtigen Zustand des Geistes mit jenem von vor einem Jahr oder mit dem Zustand im Jahr davor. Dann erkennst du deinen Fortschritt.

Zu Anfang macht man nur kleine Fortschritte. Es wird schwierig, den eigenen Fortschritt wirklich zu messen.
Mach den falschen Gedanken keine Zugeständnisse
Zuerst steigt ein falscher Gedanke auf. Dann unterhältst du eine intensive Vorstellung. Daraufhin freust du dich, auf diesen falschen Gedanken zu bauen. Du erlaubst ihm, sich in deinem Geist aufzuhalten, und wenn man ihm nicht standhält, nimmt er schrittweise einen gewichtigen Platz in deinem Geist ein. Jetzt wird es schwierig, ihn wieder zu vertreiben. Ein Sprichwort lautet: „Wenn man jemandem einen kleinen Finger reicht, nimmt er gleich die ganze Hand.“ Dieses trifft auch auf falsche Gedanken zu.

Zwicke den schlechten Gedanken in ihre Knospe
Genauso wie du deine Tür verschließt, wenn ein Hund versucht hereinzukommen, genauso verschließe deinen Geist vor dem Eintritt aller üblen Gedanken, sodass sie nicht in der Lage sind, Eindrücke zu hinterlassen, dann wirst du bald Weisheit, ewigen unendlichen Frieden und Glückseligkeit erreichen.

Lösche Lust, Gier und Egoismus aus. Unterhalte nur reine heilige Gedanken. Dieses ist ein schwieriges Unterfangen. Doch man muss diesen Weg gehen. Nach einiger Zeit wird sich der Erfolg einstellen. Die Zerstörung eines schlechten Gedankens wird dir Kraft geben, andere Gedanken zu vernichten, und wird deine seelische Kraft oder Willenskraft entwickeln. Verzweifle nicht bei Misserfolgen. Es gibt keinen Gewinn ohne Schmerz. In dir wird sich die spirituelle Kraft schrittweise offenbaren. Du kannst dies fühlen.

Die spirituelle Praxis zum Auslöschen übler Gedanken
Dein Geist wird manchmal schaudern, wenn sich üble Gedanken einstellen. Dieses ist ein Zeichen für den spirituellen Fortschritt. Du wächst spirituell. Wenn du dich an deine üblen Taten in der Vergangenheit erinnerst, empfindest du Qualen. Dieses ist auch ein Zeichen von spiritueller Aufruhr. Du wirst dieselben Handlung nicht mehr wiederholen. Dein Geist würde erzittern. Dein Körper wird zittern, wenn falsche Gedanken bzgl. übler Handlungen dich zwingen sollten, die alten Gewohnheit wieder aufzunehmen. Fahre mit aller Ernsthaftigkeit fort zu meditieren. Alle Erinnerungen an üble Handlungen, alle üblen Gedanken, alle üblen Gewissensbisse des Teufels verschwinden von selbst. Du wirst dich in vollkommener Reinheit und in vollkommenem Frieden wieder finden.

Wenn du mit der Meditation beginnst, werden, so bald du dich zur Meditation hinsetzt, alle möglichen üblen Gedanken aufsteigen. Warum geschieht dieses während der Meditation, wenn man beabsichtigt, sich mit reinen Gedanken zu beschäftigen?

Auf Grund dieser Situation verlassen viele Schüler die Meditationspraxis. Wenn man einen Esel antreiben will, versucht er sich heftigst dagegen zu wehren. Genauso verhalten sich die alten üblen Gedanken, indem sie versuchen Rache zu nehmen, und sich mit doppelter Kraft genau dann erheben, wenn man versucht, gute und göttliche Gedanken zu kultivieren. Dein Gegner widersetzt sich, wenn du versuchst, ihn aus seinem angestammten Haus zu vertreiben.

Es gibt ein Gesetz des Widerstandes in der Natur. Die alten üblen Gedanken machen ihren Besitz geltend und sagen: „Oh Mann, sei nicht so grausam. Du hast uns seit Urzeiten Unterschlupf in deiner mentalen Denkfabrik gewährt. Wir haben alle Rechte, um hier zu bleiben. Wir haben dir bei allen üblen Handlungen bis zum heutigen Tage geholfen. Warum willst du uns jetzt vertreiben? Wir werden unseren angestammten Platz nicht räumen.“ –

Sei nicht entmutigt. Fahre mit deiner regelmäßigen Meditationspraxis fort. Diese üblen Gedanken werden ausgedünnt. Möglicherweise sterben sie von allein. Das Positive siegt immer über das Negative. Dieses ist das Naturgesetz. Negative üble Gedanken können positiven guten Gedanken nicht standhalten. Mut überwindet Furcht. Geduld überwindet Angst und Reizbarkeit. Liebe überwindet Hass. Reinheit überwindet Lust.

Dein Unwohlsein beim Aufkommen übler Gedanken während der Meditation ist ein Zeichen für dein spirituelles Wachstum. In der Vergangenheit hast du allen möglichen üblen Gedanken eine Heimstatt gewährt. Du hast sie willkommen geheißen und genährt. Sei in deiner spirituellen Praxis beharrlich. Sei hartnäckig und eifrig. Du wirst Fortschritte machen. Selbst ein eher dumpfer Schüler wird in sich eine wundervolle Wandlung verspüren, wenn er mit Japa und Meditation 2 bis 3 Jahre lang übt. Nun kann er die Praxis nicht aufgeben. Selbst wenn er mit der Meditation einen Tag aussetzt, dann stellt er fest, dass ihm an diesem Tag etwas fehlt. Er fühlt sich unwohl.

Die besten Gegner übler Gedanken
Wenn der Geist leer ist, versuchen sich üble Gedanken einzuschleichen. Üble Gedanken sind der Anfang vom Ende. Allein durch einen lustvollen Blick hast du dich in deinem Herzen bereits zu einem Ehebruch entschlossen. Mentale Handlungen sind die wirklichen Handlungen. Vergiss das niemals! Gott urteilt einen Menschen in seinen Absichten; weltliche Menschen beurteilen einen Menschen durch seine tatsächlichen Handlungen. Man muss sich die Absichten eines Menschen anschauen. Dann begeht man keine Fehler.

Beschäftige deinen Geist permanent. Dann kommen keine üblen Gedanken auf. Ein träger Geist ist des Teufels Werkstatt. Beobachte den Geist zu jeder Zeit. Beschäftige dich immer mit irgendetwas – Stickereien, Reinigung von Töpfen, Saubermachen, Wasserholen, Lesen, Meditieren, Perlen aufziehen, Singen göttlicher Lieder, Beten, Dienen älterer Menschen oder Kranke pflegen. Vermeide das Schwatzen oder das Klatschen über andere. Erfülle den Geist mit erhabenen Gedanken, wie in der Gita, den Upanishaden, der Yoga-Vasishtha , usw.

Die tägliche Gedankendisziplin
Der Geist ist ein missratener Kobold. Er ist wie ein tanzender Affe. Er muss täglich diszipliniert werden. Nur dann wird er allmählich unter Kontrolle gebracht. Nur durch das praktische Training deines Geistes, kannst du schlechte Gedanken und Handlungen daran hindern wiederzukehren. Nur durch ein praktisches Training des Geistes, kannst du gute Gedanken und Handlungen ermutigen aufzusteigen und erhalten zu bleiben.

Hier gibt es eine wundervolle tägliche Übung zur mentalen Entspannung. Sie wird viel Inspiration und Kraft in dich einströmen lassen. Schließe die Augen. Denke an alles, was schön ist. Dieses wird den Geist auf eine wundervolle Weise entspannen lassen. Denke an die mächtigen Himalajas, an den Heiligen Ganges, die erstaunliche Landschaft in Kaschmir, den Taj Mahal , das Viktoria Denkmal in Kalkutta, an einen lieblichen Sonnenuntergang, die riesige Ausdehnung des Ozeans oder den unendlichen blauen Himmel. Stelle dir vor, dass die ganze Welt und dein Körper wie Strohhalme in diesem weiten Ozean des Spirits dahinfließen. Fühle die Berührung mit dem Absoluten Sein. Fühle wie das Leben der ganzen Welt durch dich pulsiert, schwingt und pocht. Fühle wie der Herr Hiranyagarbha, der Ozean des Lebens, dich sanft an seinem weiten Busen wiegt. Dann öffne die Augen. Du wirst außerordentlichen mentalen Frieden, Vitalität und Kraft spüren. Praktiziere dies und fühle es.

Die Gedanken und die Schlangenanalogie
Genauso wie eine Frucht aus der Saat geboren wird, so werden Taten aus Gedanken geboren. Gute Gedanken erzeugen gute Handlungen. Üble Gedanken erzeugen üble Handlungen. Nimm gute Gedanken auf. Wehre üble Gedanken ab. Wenn du gute Gedanken durch Satsanga, durch das Studium religiöser Schriften, Gebete usw. kultivierst, sterben die üblen Gedanken von allein ab.

Genauso wie man einen Stein aus dem Schuh entfernt, so muss du in der Lage sein, quälende Gedanken sofort loszuwerden. Nur dann hat man in der Gedankenkontrolle genügend Kraft erreicht. Nur dann hat man einen wirklichen Fortschritt auf dem spirituellen Pfad erreicht.

Wenn man einer Schlange auf den Kopf schlägt und dabei ihren Kopf zerquetscht, bleibt sie für einige Zeit bewegungslos liegen. Du glaubst sie sei tot. Zu aller Überraschung hebt sie plötzlich den Kopf und schlängelt davon. Das Gleiche geschieht mit den einmal durch deinen Willen vernichteten und ausgeschalteten Gedanken, die sich wieder erheben. Sie müssen völlig, ihre Auferstehung eingeschlossen, ausgelöscht werden.

Die Eroberung der Welt durch die Eroberung der Gedanken
Kontrolliere die Gedanken oder die Sankalpas . Vermeide die Vorstellungen oder das Tagträumen. Der Geist wird damit zerstört. Das Auslöschen der Sankalpas allein ist Moksha oder Verwirklichung. Wenn es keine Vorstellungen mehr gibt, ist der Geist automatisch ruhig. Deine Erfahrungen machst du auf Grund deiner Illusionen über die Welt. Wenn diese Vorstellungen total gestoppt werden, verschwinden auch die Illusionen.

Der Sieg über die Gedanken ist ein Sieg über alle Begrenzungen, Schwächen, die Unwissenheit und den Tod. Der innere Kampf mit dem Geist ist schrecklicher als der Krieg mit Maschinengewehren. Die Eroberung der Gedanken ist schwieriger als die Eroberung der Welt durch die Armeen. Erobere deine Gedanken und du wirst die Welt erobern.

Bilde einen göttlichen Kanal für die Gedankenkräfte
Die Gedanken fließen mit Leichtigkeit zu den äußeren Objekten hin. Der Geist kann sehr leicht über weltliche Objekte nachdenken. Sie sind seine Svabhava . Die mentalen Kräfte können leicht zu den alten Gräben und Straßen der mondänen Gedanken hinfließen. Es fällt ihnen jedoch schwer an Gott zu denken. Dieses ist für einen weltlichen Geist, der in Vyavahara  verstrickt ist, eine schwierige Aufgaben.

Die Schwierigkeit, den Geist von weltlichen Gedanken und äußeren Objekten zu entwöhnen und ihn auf Gott zu richten, ist dasselbe, als wolle man den Ganges veranlassen, von der Mündung zur Quelle zurückzufließen. Es ist so, als wolle man gegen den Strom schwimmen. Doch, wenn du dich von Wiedergeburt und Tod befreien möchtest, musst du gegen deinen eigenen Willen, unter großen Anstrengungen und durch Tyaga  lernen, zu Gott zu fließen. Wenn du dem weltlichen Elend und Kummer entfliehen möchtest, gibt es keinen anderen Ausweg.

Die Rolle der Wachsamkeit bei der Gedankenkontrolle
Es ist anfangs schwer, den Geist auf einen Gedanken zu fixieren. Verringere die Zahl der Gedanken. Versuche über ein Thema nachzudenken.
Wenn du über eine Rose nachdenkst, kannst du an alles, was sich mit der Rose verbindet, nachdenken. Du kannst über die verschiedenen Sorten, die an verschiedenen Orten dieser Welt wachsen, nachdenken. Du kannst über die verschiedensten Präparate nachdenken, die aus der Rose gewonnen werden. Du kannst selbst Gedanken zulassen, die andere Blumen betreffen; doch denke dabei nicht über Früchte und Gemüse nach.

Kontrolliere die ziellos umherwandernden Gedanken des Geistes. Wenn du über eine Rose nachdenkst, lass den Geist nicht umherschweifen. Schrittweise kannst du den Geist auf nur einen Gedanken richten. Du musst deinen Geist täglich disziplinieren. Zur Gedankenkontrolle ist eine ständige Wachsamkeit erforderlich.

Beobachte und spiritualisiere deine Gedanken
Beobachte die Gedanken. Kontrolliere die Gedanken. Sei ein Zeuge deiner Gedanken. Erhebe dich über die Gedanken und verharre im reinen Bewusstsein, wo es keine Gedanken gibt. Die feinen Eindrücke, Neigungen, Wünsche und Leidenschaften schlummern in den Tiefen des Unterbewusstseins und haben einen außerordentlichen Einfluss auf dein bewusstes Leben. Sie sollten bereinigt und verfeinert werden. Man sollte ihnen eine spirituelle Wendung geben. Höre darauf, beharre auf das, sprich über das, denke an das und meditiere über das, was viel versprechend ist. Verstehe und erlerne das, was viel versprechend ist.

Furcht, strikte Abneigung, verdeckter Hass, Vorurteile, Intoleranz, Zorn und Lust stören die Handlungen des Unterbewusstseins. Kultiviere Tugenden. Reinige und stärke das Unterbewusstsein. Um die Wahrheit zu reflektieren und zu meditieren, muss der Geist von seiner Versklavung und Verdunkelung durch die Wünsche, die Gier usw. befreit und zu seiner Reinheit zurück geführt werden. Die niederen Impulse gehören zum Körper und zur mentalen Ebene.

Wenn der Geist nicht arbeitet, weil er von Vasanas  besessen ist, erhebt sich der Zustand des Verderbens im Geist.

 

 

 

Swami Sivananda

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