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Die Verwirklichung des Absoluten
weiter zu Kapitel 2 Kapitel 1 EINFÜHRUNG GANZHEITLICHKEIT
UND BESTREBUNG Das Erreichen von VOLLKOMMENHEIT ist die BEWUSSTE VERGANZHEITLICHUNG des SEINS. Dies ist das zentrale Thema der UPANISHADEN. Die UPANISHADEN sind intuitive Offenbarungen, und Intuition ist eine ganzheitliche Erfahrung. Ihren Verlautbarungen mangelt es nicht darin, in sich selbst die absolute Bandbreite der verschiedenen Methoden zur Annäherung an die EINE WIRKLICHKEIT zu sein, denn GANZHEITLICHKEIT schließt nichts aus. Keine zwei Individuen denken das gleiche, denn das Denken, die objektive Bewegung der Spirituellen Kraft, unterscheidet sich in seiner Art und Bestimmung aufgrund verschiedener Druckpunkte in der Ganzheitlichen Existenz. Aber dennoch müssen alle Individuen trotz dieser, aufgrund ihrer unterschiedlichen Denkweise bestehenden Trennung, das Erreichen eines gemeinsamen Zieles, d.h. den Erwerb eines gemeinsamen Zweckes ansteuern, denn es gibt für alle nur EINE WAHRHEIT und alle Wege müssen sich in der EINEN VOLLKOMMENHEIT treffen. Vollkommenheit oder Wahrheit kann nicht geteilt sein, und es kann keine zwei Absolutheiten geben. Deshalb müssen die Methoden zur Annäherung an die Wirklichkeit alle fundamentalen Naturkräfte oder Qualitäten erben, welche zur eigenen Natur der Reinen EXISTENZ gehören. Es ist diese unleugbare Tatsache, die sich anschickt, die logische Übereinstimmung zu beweisen und die inmitten der Vielzahl der von den relativen Individuen angewendeten Methoden zur Erfahrung der Wahrheit, wie sie wirklich ist, existiert. Der
eine und wohl wichtigste Punkt, an den wir uns in all den Prozessen
zum Durchdenken der Natur der Existenz erinnern müssen ist der,
daß wir in ihr nicht, - aus Treue zur Vernunft - , solche relativen
Unterscheidungen wie 'subjektiv' und 'objektiv' machen, da diese Differenzen
natürlich auf rein eigenmächtigen Vorstellungen und Wahrnehmungen
beruhen. Wir trennen im reinen SEIN das Subjekt und Objekt nur aus dem
Zugeständnis zu einem Glauben in eine 'Innerlichkeit' und 'Äußerlichkeit',
die sich auf eine, jeder Verständlichkeit beraubten, unmittelbare
empirische Erfahrung stützt. Die objektive Welt und der subjektive
Körper befinden sich beide im Verhältnis zum erkennenden Wesen,
doch EXISTENZ ist eine unterschiedslose Erkenntnismasse, deren Tatsache
durch das Nichterklärbare einer objektiven Erfahrung, die frei
ist von unserem Beharren auf einer bewußten Wirklichkeit, die
beides, sowohl das Subjekt als auch das Objekt beinhaltet, bewiesen
wird. Die Wirklichkeit des Universums ist, sowohl in ihren objektiven
als auch subjektiven Aspekten, in sich EXISTENZ, die erst erkannt
werden kann, wenn sie zum Inhalt des Bewußtseins selbst wird.
Wenn dieser Inhalt nicht verschieden vom Bewußtsein ist, wird
er keine Beziehung zum Bewußtsein haben und somit auch nicht erkannt
werden. EXISTENZ muß dasselbe wie BEWUSSTSEIN sein, damit Existenz
überhaupt erkannt werden kann. Wird sie nicht erkannt, dann ist
sie auch nicht existent. Existenz ist wahrhaftig die EXISTENZdes BEWUSSTSEINS.
Dasjenige Organ, das erkennt und welches das zugrundeliegende Bewußtsein
abändert, geht aus der Existenz hervor. Doch da Bewußtsein
unteilbar ist, wird eine solche Unterscheidung innerhalb der Existenz
anhand des Untrennbaren in dem Nichtunterscheidbaren, die weder ein
innen noch ein außen hat, zu einem natürlichen Erkennungsmerkmal
verengt. Nichts, was mit etwas in Beziehung steht, ist wirklich. Beziehung
bedeutet immer gegenseitige Abhängigkeit und nicht ‘Selbständige
Existenz’. EXISTENZ ist immer absolut, - ohne jede Ausnahme. Die gewöhnliche
Wahrnehmung ist jedoch kein geeignetes Kriterium für den Nachweis
der WAHRHEIT. Die Sonne hört nicht auf 'zu sein', selbst wenn allen
Menschen und Tieren die Augen zum Sehen fehlten; noch wird sie deshalb
zum ewigen Wesen, weil wir sie wahrnehmen können. Eine unbewußte
Unruhe, die von jeder individualistischen Persönlichkeit in ihrem
eigenen Befinden empfunden wird, wie auch die Unmöglichkeit, ewig
in diesem abgesonderten Bewußtsein zu verweilen, deutet auf das
Wesen des HÖCHSTEN ZUSTANDES der ABSOLUTEN VOLLKOMMENHEIT hin.
Wünsche, die im allgemeinen Sprachgebrauch als Kräfte verstanden
werden, die das Individuum in Richtung der verhältnismäßigen
Existenz hinziehen, sind ein klarer Beweis für die Unfähigkeit
des individuellen Wesens, sich mit seiner Endlichkeit zufrieden zu geben;
- gekoppelt mit der Forderung nach weiteren Erfahrungen im weiten Feld
des Bewußtseins. Das Verweilen in einem relativen Zustand des
Bewußtseins verschafft keine Befriedigung, unabhängig davon,
wie weit das Stadium seiner Ausdehnung auch sein mag im Vergleich mit
den niederen Ebenen des Bewußtseins. In jedem Individuum ist ein
innewohnendes Verlangen, andere Bewußtseinszustände zu erfahren
und andere Spielarten von Objekten in diesem Universum zu besitzen.
Dieses Verlangen findet erst Ruhe, wenn unendliche Bewußtseinszustände
erfahren und unendliche Objekte besessen werden, was jedoch keine Vielfältigkeit
in der Unendlichkeit bedeutet, denn das UNENDLICHE ist UNGETEILTE EXISTENZ.
Selbst die Herrschaft über das gesamte Universum kann keine dauerhafte
Befriedigung verschaffen, solange sie nicht dem UNENDLICHEN entspricht.
Die Herrschaft über Himmel und Erde ist nur eine relative Existenz,
wenn auch von einer hohen Ebene der Verdienste aus, aber die Zufriedenheit
erreicht dort, - selbst für die absolute Individualität -,
noch nicht ihren Höhepunkt. Vollkommene Zufriedenheit ist in keinem
dualen Lebenszustand zu finden, - und sei es auchabsolute Dualität
-, sondern einzig in der UNENDLICHEN ERFAHRUNG und dem UNENDLICHEN SEIN. DIE METHODE DER BEWUSSTEN AUSDEHNUNG Das UNENDLICHE SEIN wird nicht durch bloße metaphysische Spekulation erfahren, vielmehr findet ES seine Bedeutung in der unmittelbaren, nicht-relativen Erfahrung. Eine ganzheitliche Erfahrung benötigt ein sich ganzheitlich darauf zuzubewegen, - eine Umwandlung der vollständigen Persönlichkeit. Das ist der Grund, warum der Intellekt, der ein Teil des vollständigen Menschen ist, die WIRKLICHKEIT, welche das GANZE ist, nicht erreicht. Das gesamte Bewußtsein muß auf das zu erreichende Ideal konzentriert werden. Bis zum Erreichen des Zieles ist es unbedingt erforderlich, die sich zerstreuenden Strahlen des persönlichen Bewußtseins in ihre ursprüngliche relative Quelle, in die Wurzel der individuellen Persönlichkeit, - in das geläuterte Ego - , zurückzuziehen. Dem geläuterten Ichbewußtsein, solchermaßen von den abweichenden Anziehungen der Sinneswahrnehmung befreit, ist es gestattet, sich selbst vollständig dem Höheren Zweck der bewußten Ausdehnung in die feineren und weiteren Zustände des Bewußtseins hinzugeben. Jeder höhere Zustand ist ausgedehnter, feiner und umfassender als die niederen Zustände, und die Kraft der VERGANZHEITLICHUNG (Integration) nimmt im Verlauf der fortschreitenden Zustände zu. Kräfte, die in einem bestimmten Zustand des Bewußtseins nicht kontrolliert werden können, fallen leicht unter die Herrschaft eines nächst höheren Zustandes, und die Fähigkeit des Individuums, einen bestimmten Zweck zu erfüllen, nimmt in ausgedehnteren Zuständen weiter zu. Demzufolge sollte die angeborene und letztendliche NATUR des BEWUSSTSEINS notwendigerweise allumfassend, äußerst ausgedehnt und deshalb unendlich sein. Das BEWUSSTSEIN und die KRAFT dieses Höhepunktes im SEIN ist unbegrenzt, da es nichts Zweites mehr zu dieser wesenhaften Bedingung der EXISTENZ gibt. Die bewußte Verankerung des Selbst in dieser homogenen Essenz wird durch ein Opfer der individuellen Getrenntheit zugunsten der FÜLLE des UNENDLICHEN erreicht. Die UPANISHADEN sind das Vermächtnis derjenigen, die das endliche Bewußtsein einer erbärmlichen Individualität transzendiert und das HÖCHSTE in der GANZHEIT der ERFAHRUNG angerufen haben. Die Begrenztheit des mannigfaltigen Lebens wird durch die Tatsache betont, daß das Individuum, welches ein solches Leben lebt, dazu gezwungen wird, sich Dinge und Zustände zu wünschen, die anders sind als seine eigenen. Objektive Existenz als solche ist eine Grenzziehung in der Einheit der beständigen Natur der Existenz, und die Darstellung der Unwahrheit aller Relativität im unterschiedslosen SEIN kann schließlich keinen Sieg erringen. Selbst gegen das oberflächliche Bewußtsein stemmt sich aus den innersten Tiefen eines jeden Wesens ein Drang, mit dem ALL EINS zu werden, wobei es unwesentlich ist, ob dies als Vollkommenheit oder anders empfunden wird. Die UPANISHADEN sind die reifen Früchte solch herrlicher Blumen, wie sie im Licht der Weisheitssonne aufgeblüht sind. Sie führen uns zum GANZEN, von dem sie lediglich dessen psychologische Teile sind. Die UPANISHADEN sind durch und durch spirituell, und sie vertreten deshalb die höchst umfassende Lehre des YOGA als VERWIRKLICHUNG der WAHRHEIT. Ihre Lehren sind nicht das Ergebnis eines intellektuellen Wunders oder irgendeiner Absonderlichkeit, sondern die Wirkung eines angestrengten und unwiderstehlichen Druckes und entsprechen somit dem praktischen Bedürfnis, aus dem Teufelskreis der Anhaftung an die individuelle Existenz emporzusteigen. Die Aufgabe der SEHER bestand darin, diese Störung im Leben zu beheben, welche, - und das verwirklichten sie, - im Bewußtsein der Getrenntheit des Wesens und dem (daraus resultierenden) Wunsch, etwas zu erwerben und zu werden, was jemand 'nicht ist', angesiedelt ist. Die Heilung liegt (allein) im Erwerb und im Werden von allem, wenn dies auch nur ungenügend durch die Worte 'UNSTERBLICHKEIT', 'UNENDLICHKEIT' usw. ausgedrückt wird. Das zentrale Problem eines jeden einzelnen von uns besteht in der Überwindung der Krankheit des individuellen Lebens und im Erwerb des Zustandes der VOLLKOMMENHEIT, des FRIEDENS und der WONNE. Die UPANISHADEN verdeutlichen den "ZWECK" und die "MITTEL" und, - da jene Weisen das GANZHEITLICHE WISSEN der WIRKLICHKEIT hatten -, betonten sie im Rahmen der Methoden zur Annäherung an das Ziel die Wertigkeit des IDEALES, vorausgesetzt, daß es ganzheitlich ist. Die Praxis eines solch idealen 'SADHANAS ' (spirituelle Praxis) zur Befreiung aus der Knechtschaft des relativen Lebens führt zur leuchtenden Region der ungetrübten Glückseligkeit. Die Unterschiede zwischen den Vorstellungen bezüglich der Wirksamkeit der verschiedenen Methoden zur Umwandlung der Persönlichkeit in das HÖHERE BEWUSSTSEIN entsprechen den verschiedenen Temperamenten und Erfahrungsebenen derjenigen, die sich mit der Aufgabe, die GÖTTLICHE EXISTENZ zu verwirklichen, befassen. Jedes Ego unterscheidet sich im Bewußtsein und in seinen Erfahrungen vom anderen. Sie alle benötigen höhere Erfahrungsberührungen, die im Grad und in der Verhältnismäßigkeit zur Feinheit der Bedingung ihres gegenwärtigen Bewußtseinszustandes voneinander abweichen. Obwohl es die, in den Erklärungen der UPANISHADEN vorliegende, grundlegende Ansicht ein vollkommener intuitiver ABSOLUTISMUS ist, die von der höchsten Klasse der Wahrheitssucher aufgegriffen wird, können wir behaupten, daß man nicht fehl damit geht, in ihnen (auch) die tiefsten Verlautbarungen zu finden, die alle Aspekte der psychischen Konstitution des menschlichen Wesens im allgemeinen berühren. Das Licht und die Wärme der Sonne sind für kein existierendes Wesen im Universum ohne jeden Nutzen, - was auch immer der Weg und der Grad sein mag, in dem es von der Gegenwart der Sonne profitiert -, so daß die Erklärungen der UPANISHADEN zur ganzheitlichen WAHRHEIT in keinerlei Hinsicht nutzlos für den Menschen und dessen Methoden zur Annäherung an die WIRKLICHKEIT sind; denn: "GANZHEITLICHES" beinhaltet alle "ASPEKTE". Das
GANZHEITLICHE des SEINS kann selbst in diesem bestehenden Leben erreicht
werden. Es ist nicht notwendig, deshalb noch einige Runden im Rad von
Geburt und Tod zu absolvieren, vorausgesetzt, die VERVOLLKOMMNUNG hat
sich durch beständige MEDITATION auf die WIRKLICHKEIT und
die Verneinung des abgeschiedenen Bewußtseins noch vor dem Ablegen
der gegenwärtigen physischen Körperhülle ereignet. Die
Schnelligkeit des Prozesses zum Erreichen (des Zieles) hängt von
der Intensität der Kraft in der MEDITATION ab, und dies
sowohl in ihren verneinenden als auch den sich behauptenden Aspekten.
Ein Enthypnotisieren des Bewußtseins von dessen (Wahn der) Verkörperung
und individualistischem Dasein ist der wahre Zweck aller Methoden der
spirituellen MEDITATION. Die Lehren der UPANISHADEN sind in der Sprache des SELBST, nicht in der des Intellektes, zum Ausdruck gekommen, und daher dringen sie nicht so leicht in die Tiefe der Seele, wenn diese nicht eine verlangende und brennende Sehnsucht nach der absoluten ERFAHRUNG besitzt. Aufgrund ihrer Abweichung von der WAHRHEIT und dem Umherwandern zwischen den Schatten ist es für die Seele schwer, die STIMME der STILLE zu vernehmen. Die UPANISHADEN betonen, daß selbst der höchste Gewinn in der relativen Welt, vom letzten gültigen Standpunkt aus gesehen, lediglich unter den fließenden Schatten angesiedelt ist. Die schmackhaften Neigungen, welche sich selbst im Prozeß des Erblühens der Individualität in das UNENDLICHE hinein offenbaren, versuchen die Gegenwart der WAHRHEIT im innersten Kern unseres Wesens zu verschleiern. Solcherlei physische Schichten, wie glänzend sie auch sein mögen, sind trotz allem Schichten des Nichtseins, und sollten nicht für das WIRKLICHE gehalten werden. Selbst die feinste Schicht ist nichts als ein Schleier über der WAHRHEIT, ein 'Goldenes Gefäß', das die Essenz verbirgt und das transzendiert werden muß, bevor der wahre Kern des SEINS erreicht wird. Die WONNE des ungefesselten SEIN' übersteigt alle Zustände der relativen Freude, wie ausgefallen diese Freude auch sein mag. Die WONNE des unbegrenzten BEWUSSTSEINS ist der absolute Höhepunkt der EXISTENZ und alles andere muß als unwahr verworfen werden. Der Zustand ISHVARAS ist kein ewiger, da er in Beziehung zum Universum steht, das vergänglich ist. ISHVARA taucht in BRAHMAN ein, wenn das Bewußtsein vom Universum transzendiert wird. Die
WONNE des SELBST ist die WONNE des SEIN'. Es ist die WONNE des ABSOLUTHEITS-BEWUSSTSEIN'.
Das Wesen des BEWUSSTSEINS ist das Wesen EWIGER WONNE. Es liegt nicht
im ERWERB (von etwas), sondern in der VERWIRKLICHUNG und in der ERFAHRUNG; nicht in der Erfindung, sondern
in der Entdeckung. Die Intensität des Bewußtseins
nimmt zu, je mehr sich die objektive Existenz dem Subjekt nähert;
sie wird um so vollständiger, je intimer das Verhältnis zwischen
Subjekt und Objekt wird, und sie ist dann vollendet und zur ABSOLUTHEIT
ausgedehnt, wenn Subjekt und Objekt identisch sind. Dieses REINE BEWUSSTSEIN
ist dasselbe wie die REINE WONNE, die Quelle der KRAFT und der Gipfel
der FREIHEIT. Es ist die Höchste STILLE der leuchtenden FÜLLE
des WIRKLICHEN, wo das Individuum im Ozean des SEIN' ertrinkt. DIE WAHRHEIT UND IHRE SUCHE Die UPANISHADEN erklären nicht, daß die WAHRHEIT ein Zustand
der dynamischen Veränderung und Handlung ist, was ja alles auf
Begrenzung und Unvollständigkeit hinweist, sondern daß ES
eine immerwährende RUHE, unbegrenzte FREUDE und beständige
ZUFRIEDENHEIT ist. Wandel bedeutet 'anders zu werden', Veränderung,
Bewegung, Handlung und eine Anstrengung, die unternommen wird, um ein
unerreichtes Ziel zu erreichen, was wiederum charakteristisch ist für
ein unbefriedigtes und unvollkommenes Wesen. Dies kann nicht die Natur
der WAHRHEIT sein, da WAHRHEIT immerwährend ist und keine Notwendigkeit
zur eigenen Veränderung in sich trägt. Wandel
ist die Eigenschaft der Unwahrheit, und die UPANISHADEN behaupten,
daß die WIRKLICHKEIT Selbstzufrieden, Selbstsein, Nichtdual,
Ruhend und höchst Vollkommen ist. Der Hinweis auf die INNERLICHKEIT
und die in sich ausdehnende UNBEGRENZTHEIT des BEWUSSTSEINS ist der
immer wiederkehrende Refrain im Lied der UPANISHADEN, die in
dieser Hinsicht äußerst mystisch sind, solange der Mystizismus
keine irrationalen Gedanken oder sonstigen Verrücktheiten des Geistes
in sich trägt. Der transzendentale Mystizismus der UPANISHADEN ist nicht die Wirkung eines emotionalen Ausbruches, sondern eine stille
Transzendenz des Intellektes und der Vernunft anhand einer verinnerlichten
Entwicklung in das GANZHEITLICHE BEWUSSTSEIN hinein. Die WAHRHEIT, durch die, "wenn einmal erkannt, alles erkannt wird", ist in den UPANISHADEN das Subjekt der Untersuchung und das Objekt der Suche. Die SEHER tauchten in die wahren Tiefen der EXISTENZ ein und kosteten die Natur des UNBEGRENZTEN LEBENS. Sie traten in die WURZEL des Universums ein und das innere Wesen der Zweige konnte durch die Erforschung der innewohnenden Kräfte der GROSSEN LEBENSWURZEL leicht verwirklicht werden. Wenn die Wurzel bewässert wird, erhalten die Zweige ganz von selbst Wasser; wenn das Gold erkannt ist, sind alle (daraus resultierenden) Verzierungen ebenfalls erkannt; wenn die WAHRHEIT verwirklicht ist, ist alles verwirklicht; denn: dieWAHRHEIT ist EINS. Welche Philosophiesysteme auch immer aus den UPANISHADEN erwachsen sein mögen, die offenkundige WAHRHEIT besteht unausgesprochen darin, daß sie alle eine Theorie vorlegen, welche die WIRKLICHKEIT als unteilbar, ohne Objekt und transzendent betrachtet. Sie behaupten, daß der ‘Glaube in eine Verschiedenheit’ aus der Unwissenheit des Bewußtseins herrührt, und daß die WAHRHEIT vom Innersten her eine ungebundene EINHEIT ist. Sie führen uns weg vom falschen Glauben in die objektive Wirklichkeit des Universums, hin zu einer inneren Erforschung des wahren SELBST, das als die feinste ESSENZ unseres Wesens existiert. Und was mit Nachdruck betont wird, ist ihr unermüdliches Beharren auf dem Erreichen der SELBSTVOLLKOMMENHEIT. Einzig ihrer unsterblichen Ehre wegen, ergreifen sie die EWIGE TATSACHE, daß die Erkenntnis des SELBST das Höchste Ziel des Lebens und dessen einzige Bedeutung und Zweck ist, ja, daß die Wesen nur für diesen großen ERWERB des LICHTES, der FREIHEIT und der UNSTERBLICHKEIT existieren! Gesegnet sind diejenigen, die ihr Leben wahrlich sinnvoll gelebt haben, indem sie diese Höhe der unsterblichen Freude in diesem Leben erreichen; diejenigen jedoch sind die großen Verlierer, die ihr Leben vertan haben, indem sie es versäumen, die WAHRHEIT hier (und jetzt) zu verwirklichen (VIDE KENA UPANISHAD II,5.). Die UPANISHADEN bestätigen in mehrfacher Weise, daß im
Festhalten an der phänomenalen Unterscheidung im Sinne einer beständigen
Wirklichkeit keinerlei Bedeutung liegt, und daß die WAHRHEIT einzig
UNENDLICHKEIT ist. Der gewöhnliche Impuls, das eigene Selbst zum
Ausdruck zu bringen, zu entfalten und zu verwirklichen, ist in allen
Wesen in unterschiedlichen Stärkegraden gegenwärtig. Der gesamte
Prozeß der bewußten Ausübung zur VERWIRKLICHUNG der
WAHRHEIT beruht in der Offenbarung dieses tiefsten Impulses im Menschen
und einem Miteinander, um sich selbst in das UNENDLICHE auszudehnen.
Als Hintergrund jeglicher Art von Ringen im Leben existiert dieser Drang
mit dem Ziel, sich im unveränderlichen BEWUSSTSEIN niederzulassen.
Selbst dann, wenn jemand blind in seinen Anhaftungen an das persönliche
Leben nach äußerem Gewinn strebt, wird derjenige tatsächlich,
- wenn auch unbewußt und fehlerhaft -, durch diesen Drang, sich
selbst zur VOLLKOMMENHEIT hin auszudehnen, vorwärtsbewegt. ABSTUFUNGEN
INNERHALB DER EMPIRISCHEN WIRKLICHKEIT
Die Stufen der
WIRKLICHKEIT sind lediglich Stufen innerhalb der Wahrnehmung der WIRKLICHKEIT.
In der WIRKLICHKEIT kann es keine Abstufungen oder Ebenen geben, da
sie ungeteilt und nicht objektiv ist. Fortschritt, Rückfall, Stufen
und Veränderungen aller Art sind nicht Teile des ABSOLUTEN, sondern
Formen der verschiedenartigen Phasen des objektivierenden BEWUSSTSEINS,
das mit den Mitteln oder Instrumenten der wechselseitigen Erkenntnis
im Universum verbunden ist. Diese Stufen oder Schritte des relativen BEWUSSTSEINS werden jedoch in ihren jeweiligen Bereichen als
wahr erfahren und müssen von all jenen durchschritten werden, die
eine Individualität besitzen, durch die sie vom REINEN SEIN getrennt
sind. Diese objektiven Stufen oder Stadien sind so wirklich wie die
Subjekte, die diese Stufen in den Kloaken der Erscheinungswelt erfahren. Die
Fähigkeit zu einer solchen Ausdehnung unterscheidet sich, gemäß
dem Umfang der sich in ihnen offenbarenden WIRKLICHKEIT, stufenweise
in den verschiedenen Wesen. Gemäß den Abstufungen der Intelligenz,
die ihre Natur erleuchtet, sind die Wesen jeweils auf einer höheren
oder niedrigeren Stufe. Die Wesen im Universum unterscheiden sich durch
die Art ihrer Denkweise, welche durch die Intensität der in ihnen
gegenwärtigen WAHRHEIT kontrolliert wird. Die Natur scheint eine
in vielfacher Hinsicht verdrehte und unterschiedlich abgestufte Offenbarung
des GEISTES zu sein. Die Individuen, in sich selbst abgetrennt und begrenzt
durch Raum und Zeit, unterhalten mannigfache Beziehungen untereinander,
je nach dem Verhältnis zur Tiefe des durch sie verwirklichten BEWUSSTSEINS.
Je tiefer das verwirklichte BEWUSSTSEIN in einem Individuum, desto näher
ist es der EWIGKEIT. Der Drang hin zum Individuum und die Verwurzelung
des Ego-Sinnes ist die trennende Kraft. Je größer die Kraft
ist, mit der dieser Trennungshang zum Versiegen gebracht oder zur UNENDLICHKEIT
erweitert wird, desto umfassender und tiefer ist das LICHT und die FREUDE,
die verwirklicht und erfahren wird. Hieraus wird ersichtlich, daß,
- mit Ausnahme jener großen feurigen Methode zum Erwerb der UNMITTELBAREN
SELBST-ERFAHRUNG Die
Methode der REINEN ERKENNTNIS (VIDE P. 115.) - der
Prozeß der SELBST-VERWIRKLICHUNG ein fortschreitender sein muß,
und daß niemand in einen höheren Bewußtseinszustand
hineinfliegen kann, ohne vorher die Bedingungen der niederen, geringeren
und gröberen Stadien zu erfüllen. Zunächst muß
den Erfordernissen der begrenzten Abschnitte der Offenbarung entsprochen
werden, bevor man das HÖCHSTE METAPHYSISCHE SEIN erreichen kann.
Eine gestrenge Unterscheidungsfähigkeit mag den Ausblick auf einen
fortschreitenden Prozeß innerhalb der WIRKLICHKEIT zurückweisen,
und dennoch findet in allen relativen Bedingungen ein Prozeß statt,
der solange gültig ist, solange die Dualität auf sich beharrt.
Wie auch immer, alles geschieht demjenigen zum Besten, dessen Herz sich
jenem Handeln zuneigt, das mit dem unsterblichen GESETZ des UNENDLICHEN
LEBENS übereinstimmt. Keine Erkrankung, weder eine physische noch
eine geistige, kann ihn jemals angreifen. DER WEG ZUM GESEGNETSEIN Dieser
wichtige Faktor wird durch den modernen Menschen, wie gelehrt und gut
erzogen er auch sein mag, gerne vergessen. Er hat es abgelehnt, sich
dem Wirken der SPIRITUELLEN NATUR frei zu übergeben und hat statt
dessen sein Bestes versucht, sich selbst in den Zustand einer individuellen
Existenz zu zentrieren. Die Leiden der modernen Welt mögen dieser
verkrampfenden Neigung entsprechen, die stets versucht, den Weg zur
Erweiterung des SPIRITUELLEN BEWUSSTSEINS im menschlichen Wesen zu blockieren.
Als Beispiele mögen stellvertretend für jene Kräfte die
halb ausgegorene Naturwissenschaft und Psychologie erwähnt werden,
die den glücklichen Prozeß der WAHRHEITSVERWIRKLICHUNG hemmen.
Die, durch falsche Erziehungsmethoden, sozialen und politischen Hader,
individuelle Boshaftigkeiten und durch die Degeneration der Welt verursachten
Krankheiten, sind alle durch die eine schreckliche Tatsache bewirkt,
nämlich, daß sich die Menschheit gegen das GESETZ der SPIRITUELLEN
WIRKLICHKEIT gewendet hat. Solange diese selbstzerstörerische Neigung
im menschlichen Geist nicht beherrscht und den Menschen nicht der richtige
Weg des Fortschrittes gezeigt wird, muß die unglückliche
Welt zufrieden sein mit ihrem Schicksal. Das Heilmittel liegt allein
in unserem aufrichtigen Bestreben, Zuflucht zur DIREKTEN METHODE einer
solchen VERWIRKLICHUNG, und zwar hier und jetzt, zu nehmen. Die Menschheit
muß stufenweise spirituell werden. Jene, die denken, daß
sie aufgrund ihres Handelns im Sinne von SELBST-VERWIRKLICHUNG der Welt
ein Unrecht antun, müssen natürlicherweise wie jemand erscheinen,
der noch nicht über das Stadium der Leichtgläubigkeit der
Kindheit hinaus gewachsen ist. Denn sie haben offensichtlich vergessen,
daß das SELBST, was nichts anderes als das ABSOLUTE ist, das gesamte
Universum beinhaltet und noch weit übersteigt. ES ist die Stütze
von allem und nicht der Verlierer von irgend etwas. Die Wohlfahrt der
Gemeinschaft beruht letztlich in ihrer SPIRITUALITÄT. Gesellschaft
ist eine Ansammlung von Körpern, die durch das unbewußte
spirituelle Band, das zwischen den Wesen gleichen Geschlechtes oder
der Art besteht, bewirkt wird. Die sozialen Fesseln sind zwischen denjenigen,
die ähnlich denken und dasselbe Verhalten pflegen, stärker.
Das stärkste Band ist jedoch dasjenige, das all jene miteinander
verbindet, die sich auf der gleichen Ebene der Bewußtseinstiefe
befinden. All dies deutet spiegelbildlich auf die innewohnende Natur
der UNTEILBARKEIT der EXISTENZ hin, die EINS ist. Die menschlichen Wesen
müssen diesem SPIRITUELLEN GESETZ gemäß erkennen und
handeln. Dieses GESETZ anzuerkennen sollte nicht nur dem Zweck akademischer
Untersuchungen dienen, sondern muß ganz allgemein die Grundlage
des täglichen Lebens eines jeden einzelnen sein. EINHEIT in der
Welt benötigt ein das Herz verbindendes Gefühl der EINHEIT
zwischen den Bewohnern dieser Welt. Dies ist das Gebot der Stunde! Dies
ist die Aufgabe der politischen und religiösen Führer! Das
ist es, was den Weg zum GESEGNETSEIN des gesamten Universums pflastern
wird.
Die UPANISHADEN sind unsere Leuchttürme in diesem Höchsten Versuch. Laßt
sie uns verstehen und ihnen mit Aufrichtigkeit, Glaube, Ruhe, Sicherheit
und Beständigkeit folgt
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