Der Aufstieg des Geistes
von Swami Krishnananda
7 Menschliche
Individualität und ihre funktionellen Merkmale
Die psychologische
Struktur des Menschen ist für die instinktiven Triebe, Leidenschaften,
Liebeleien und dergleichen verantwortlich, die sich in seiner Persönlichkeit
zeigen. Hier sollte man sich jedoch vor Augen halten, daß das Denken
als Basis aller psychologischen Funktionen nicht vollkommen unabhängig
von den physischen Bedingungen des Körpers arbeitet, durch den sie
wirkt. Die physikalischen, chemischen und vitalen Prozesse, die die Existenz
und Funktion des körperlichen Organismus bestimmen, haben einen großen
Einfluß auf die Arbeitsweise des Geistes. Dies bedeutet, daß
die Studien der Biologie in erheblicher Beziehung zu jenen aus dem Feld
der Psychologie stehen. Lassen wir für den Augenblick die übertriebenen
Forderungen der Behaviouristen beiseite, die behaupten, daß psychologische
Funktionen lediglich Effekte des Stoffwechsels, der Gehirnzellen und des
Nervensystems seien - was einer rein materialistischen Annäherung
an die Dinge entspricht -, so können wir wohl mit einiger Sicherheit
sagen, daß körperliche Funktionen einen gewissen Einfluß
auf die Funktionen des menschlichen Geistes ausüben. Es ist allgemein
bekannt, daß ernsthafte körperliche Störungen die mentalen
Funktionen mitbestimmen können, ebenso wie auch Unmäßigkeiten
oder Störungen der mentalen Funktionen ihrerseits die körperliche
Verfassung beeinflussen. Biologie und Psychologie sind somit Schwesterwissenschaften,
wobei die eine in erheblichem Umfang zur jeweils anderen beiträgt.
Enthusiastische Eiferer der biologischen Grundsätze sind so weit gegangen,
daß sie dem Geist und dem Bewußtsein jegliche Ursprünglichkeit
abgesprochen und alle Wirklichkeit allein den Vitalprozessen zugeschrieben
haben, einem “Elan vital”. Dies scheint jedoch nur eine Ausschweifung des
menschlichen Übereifers zu sein, da ein Lebensprozeß, selbst
der “Elan vital”, weder Geist noch Bewußtsein als seine Effekte hervorbringen
kann, da nie zu beobachten ist, daß Bewußtsein der Effekt von
irgend etwas anderem ist. Um Bewußtsein als einen Effekt bezeichnen
zu können, muß seine Ursache bereits Bewußtsein enthalten,
was bedeutet, daß die Ursache selbst bereits potentielles Bewußtsein
sein muß. Folglich ist die Aussage, Bewußtsein wäre ein
Effekt, bedeutungslos. Nicht bewußte Ursachen können keine bewußten
Resultate hervorrufen, es sei denn, diese nicht bewußten Ursachen
sind selbst bereits verborgene Formen von Bewußtsein. Die Biologie
trägt zwar zu den höheren Studien des Lebens bei, ist aber kein
vollkommenes System, das allein die Wahrheit gepachtet hat.
Botanik oder
das Studium des pflanzlichen Lebens, Zoologie oder das Studium des tierischen
Lebens, Anatomie und Physiologie oder das Studium des menschlichen Organismus
sind die verschiedenen Aspekte der Wissenschaft namens Biologie. Die Instinkte
zur Selbsterhaltung und Fortpflanzung sind die stärksten Triebe, die
sich im Pflanzen-, Tier-, und Menschenreich manifestieren. Und es steckt
durchaus Wahrheit in der Aussage, daß das Leben in der anorganischen
Materie schläft, in den Pflanzen atmet, in den Tieren träumt
und im Menschen erwacht. Das Studium der Biologie kann die grundsätzlichen
Prinzipien der Psychologie unmöglich völlig ignorieren, da sich
der menschliche Organismus seit jeher als komplexe psycho-physische Substanz
verhält, in der zwischen den körperlichen Funktionen und den
Arbeitsverläufen der Geisteskräfte wechselseitige Aktionen und
Reaktionen stattfinden. Die Theorie der Behavioristen, daß psychische
Funktionen von physiologischen Reflexen und Aktivitäten hervorgerufen
werden, kann nicht akzeptiert werden, da es wohl sehr schwierig sein dürfte
zu folgern, daß Gedanken aus Materie entstehen können. Darüber
hinaus ist es ebenfalls nicht akzeptabel anzunehmen, daß Körper
und Geist zwei völlig voneinander getrennte Existenzbereiche sind,
zwischen denen keinerlei Austausch stattfindet. Extremer Dualismus ist
hier hoffnungslos zum Scheitern verurteilt. Ebenso unvernünftig ist
die Theorie des Parallelismus von Bewegung und Handlung durch Körper
und Geist, da sich Parallelen zumindest im Bereich der empirischen Erfahrung
aus der Geometrie niemals treffen und somit auch keine Vermittlung zwischen
Körper und Geist, zwischen den Gedanken und den physiologischen Funktionen
stattfinden würde. So ist es immer eine sehr schwierig zu beantwortende
Frage gewesen, in welcher Beziehung Körper und Geist zueinander stehen.
In der modernen
Medizin sind Biologie und Psychologie vereint, da das Verhalten von Körper
und Geist auf wissenschaftlicher Grundlage nicht getrennt werden kann.
Vielmehr ist festgestellt worden, daß beide wechselseitig aufeinander
einwirken, so daß man heutzutage bereits von sogenannten “psychosomatischen”
Zuständen hört. Der Körper-Geist-Komplex wird für gewöhnlich
als eine einzelne Erscheinung des menschlichen Lebens angesehen, deren
Aspekte in der Biologie und der Psychologie mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung
untersucht werden.
Vielleicht
finden wir die Lösung des Problems der Beziehung zwischen Geist und
Körper, wenn wir die Ursprünge des menschlichen Organismus genauer
untersuchen. Nachforschungen im Bereich der Astrophysik und der Biologie
haben offenbart, daß das menschliche Individuum sich aus etwas entwickelt
hat, was ursprünglich eine ungeteilte Substanz war, sei es ein “Atom”
oder eine “Zelle”. Auf der Ebene dieser ursprünglichen Substanz erscheint
es unmöglich, eine Grenze zwischen Materie und Bewußtsein, zwischen
Körper und Geist zu ziehen, da sich die Existenz hier als undifferenzierte
und subtile Mysterienmasse darstellt. Ist es nicht ein Wunder, daß
poetisches Genie, wissenschaftliches Denkvermögen und philosophische
Weisheit, die die gesamte Menschheit zutiefst bewegen, bereits latent in
einer mikroskopisch kleinen Form wie Sperma, Gen oder Chromosom verborgen
sein können? Wie ist die Gegenwart eines mächtigen und weitverzweigten
Mammutbaumes in einem seiner unbedeutend kleinen Samenkörner erklärbar?
Ist es möglich, daß die Ursprünge von Geist und Körper
in Struktur und Gestaltung übereinstimmen? Könnte es sein, daß
Körper und Geist nur zwei Seiten ein und derselben Medaille der einen
organischen Realität darstellen, analog zu den zwei Augen eines einzelnen,
durch sie hindurch blickenden Individuums? Es sieht so aus, als wäre
dies die einzige vernünftige Erklärung für diese uns mysteriöse
Beziehung zwischen Geist und Körper - eine Beziehung, die uns sogar
zögern lassen sollte, überhaupt das Wort “und” zwischen beiden
zu verwenden. Und genau diese Antwort erhalten wir auch; ganz gleich, ob
wir nun der wissenschaftlichen Theorie Gehör schenken wollen, die
besagt, daß aus dem kosmischen Nebel die Galaxien, Sonnensysteme,
Erde, Pflanzen, Tiere und Menschen hervorgegangen sind, oder ob wir auf
die Doktrin der Vedanta-Philosophie hören, die uns sagt, daß
aus der universellen Verbindung von Ishvara, Hiranyagarbha und Virat, in
der es keine Unterscheidung zwischen Materie und Bewußtsein, zwischen
Körper und Geist gibt, alle Erscheinungen bis hinunter zum Grashalm
und dem Sandkorn am Meeresufer manifestiert worden sind.
Unter den
Fachgebieten, die sich ebenfalls mit den biologischen Funktionen befassen,
kann auch die “Chemie” der Elemente und lebenden Körper, bekannt als
anorganische und organische Chemie, aufgelistet werden. Die Erkenntnisse
dieses Bereichs finden ihre praktische Anwendung in der Verabreichung künstlich
hergestellter Medikamente, deren chemische Wirkungen von den Menschen teilweise
sehr hoch geschätzt werden, da sie zur Erleichterung ihrer Leiden
beitragen können. Und wieder einmal wird uns hier das Mysterium der
wechselseitigen Beziehungen offenbart, die zwischen den chemischen, biologischen
und psychologischen Funktionen herrschen. Eine Aufspaltung dieser Wissenschaften
in unabhängige Fächer ohne Beziehung zueinander wäre demnach
nicht richtig. “Chemie” ist das Studium der Merkmale molekularer Substanzen,
die die Grundbausteine aller Materie in Form von Erde, Wasser, Feuer und
Luft ausmachen, wobei es ganz gleich ist, ob man sie in der äußeren
Welt oder in den individuellen Körpern in verschiedenen Strukturierungen
und Kombinationen studiert. Darüber hinaus ist Chemie auch die Wissenschaft
der wechselseitigen Reaktionen, die von den Substanzen immer dann erzeugt
werden, wenn man sie in einer bestimmten Proportion miteinander verbindet.
Während wir weiter und tiefer in diese Materie vordringen, stellen
wir fest, daß ein jedes Studienfach mit den anderen in Verbindung
steht, wobei alle vom einen oder anderen Standpunkt aus betrachtet unentbehrlich
sind.
Will man die
Beziehung zwischen der psychologischen Entwicklung des menschlichen Individuums
und seinen biologischen Merkmalen untersuchen, ist es unentbehrlich, jene
wichtigen Prozesse zu berücksichtigen, die das Individuum in seiner
evolutionären Entwicklung durchläuft, da diese grundsätzlich
als vom menschlichen Individuum untrennbar betrachtet werden können.
Man könnte sagen, daß das biologische Leben bereits in den Samenzellen
beginnt, die vom Körper eines Individuums produziert werden, so daß
die früheste Stufe des biologischen Lebens, soweit es das menschliche
Wesen betrifft, eine Art “urrudimentäres Bewußtsein” darstellt,
kaum unterscheidbar von unbelebter Existenz, dem die Vorahnung auf eine
kommende Zeit des Lebens und Bewegens in einer organischen Welt bereits
innewohnt. In diesem Zustand ist das Bewußtsein so tief im materiellen
Gewand verborgen, daß es uns praktisch unmöglich ist, hier auch
nur vage Umrisse seiner bloßen Existenz erkennen zu können.
Vielleicht können wir dieses Stadium mit einem “Schlafzustand” vergleichen,
aus dem das Bewußtsein allmählich erwacht. So wie der gewaltige
Mammutbaum bereits latent in seinen winzigen Samen enthalten ist, liegt
auch die gesamte Komplexität der menschlichen Existenz bereits potentiell
im Samen seiner zukünftigen Entwicklung.
Ein weiterer
Anstieg auf die nächste Stufe der Lebensleiter ist von der instinktiven
Fähigkeit charakterisiert, auf äußere Reize mit dem Ziel
der Selbsterhaltung zu reagieren, wie man dies gewöhnlich im Pflanzenleben
oder in den niederen Arten körperlichen Lebens wie Insekten oder Würmern
beobachten kann, deren Leben nur mit Schwierigkeiten als ein bewußtes
Leben im eigentlichen Sinne des Wortes bezeichnet werden kann. Ein weiterer
Druck auf den Lebenswillen manifestiert sich schließlich als eine
absichtliche Tendenz zur Selbsterhaltung, die man wohl als die gröbste
Form der persönlichen Selbstsucht bezeichnen kann und deren einzige
Absicht es ist, die eigene körperliche Individualität selbst
auf Kosten anderer Individuen zu erhalten, auch wenn dies aus Gründen
der eigenen Existenzsicherung den Tod von anderen Individuen bedeuten sollte.
Urrudimentäre Formen dieser Tendenz können bereits im Pflanzenreich
sowie bei wild lebenden Tieren beobachtet werden.
Der Lebenstrieb
ist ohne den Drang zur Fortpflanzung, der Hand in Hand mit dem Wunsch nach
Erhaltung der eigenen Individualität einher geht, unvollständig.
So könnte man das gewaltige Drama des empirischen Lebens auf allen
Stufen seiner Manifestation im Reich der Phänomene in der ungestümen
Aktivität der Zwillingskräfte “Selbsterhaltung” und “Fortpflanzung”
zusammenfassen. Diese beiden Kräfte drängen sich ähnlich
der rechten und der linken Hand einer einzelnen Person zur Erfüllung
des großen Zieles der Vermehrung gleichzeitig nach vorne. Im Menschen,
der Krönung der aus der Evolution hervorgegangenen Spezies, offenbaren
sich nun “Selbstbewußtsein”, “Intellekt” und “Verstand”.
Der Mensch
ist jedoch ebenfalls noch ein Tier, wenn auch ein soziales, und kann nicht
als frei von den Trieben der niederen biologischen Stadien bezeichnet werden,
durch die er auf seinem Weg zur menschlichen Ebene aufgestiegen ist. Genau
genommen sollte die menschliche Natur im Unterschied zu jener des Tieres
in ihrer reinen und einfachen Form über solche Eigenschaften und Vorzüge
verfügen, daß sie andere Individuen als ebenbürtig zu sich
selbst anerkennt, und zwar sowohl in deren Schwächen als auch in deren
Stärken, gegenwärtigen Bedürfnissen und künftigen Bestrebungen
- ein Charakterzug, den man als wahrhaft menschlich bezeichnen kann. Der
Mensch dieser Welt repräsentiert diese Form von unverfälschter
“Humanität”, wie man es von seinem hochgelobten Rang als “Homo Sapiens”
eigentlich erwarten würde, jedoch nicht. Die menschliche Natur, wie
sie sich im persönlichen Leben und in den öffentlichen Aktivitäten
offenbart, ist mit den Kennzeichen der niederen Stufen vermischt. Eine
genaue Analyse der biologischen und psychologischen Struktur des menschlichen
Individuums würde zeigen, daß es schlafen kann wie das Vieh,
selbstsüchtig sein kann wie ein Raubtier, sich mit dämonischem
Genuß seinen Leidenschaften hingeben kann und sein Ego auf solch
untolerierbare Weise durchsetzen kann, wie es nur vorstellbar ist. Darüber
hinaus gibt es im Menschen auch noch jene gefährliche Fähigkeit
namens Intellekt, die als zweischneidiges Schwert fungieren kann. Es ist
dieses seltsame Merkmal des menschlichen Geistes, das dafür zuständig
ist, daß der Mensch seine niederen Leidenschaften, Triebe und Instinkte
rational begründet und damit rechtfertigt. Als Beispiel: “Werde ich
wütend, so geschieht dies für einen guten Zweck. Zeige ich übermäßige
Liebe oder Anhänglichkeit zu einer anderen Person, dann ist dies eine
platonische Liebe, die sich in göttlicher Absicht manifestiert. Verübe
ich einen Racheakt, so geschieht dies im Interesse von Recht und Gerechtigkeit
oder aber für den sozialen Frieden und das Allgemeinwohl. Greife ich
jemanden an, so übe ich damit Selbstverteidigung”, was offensichtlich
ein Rechtfertigungsgrund dafür ist. Alles Fehlerhafte, Häßliche
und Mangelhafte wird von außerhalb stehenden Faktoren verursacht,
jenseits der eigenen Kontrolle, während man sich angeblich selbst
aufrichtig darum bemüht, vernünftig, gerecht, hilfsbereit, harmonisch
und gut zu sein. Abgesehen von diesen offenkundigen Formen der Selbstrechtfertigung,
die die eigenen Instinkte durch vernünftig klingende Begründungen
plausibilisieren sollen, verfügt der Mensch auch noch über einige
andere allgemeine “Abwehrmechanismen”, die für die Erhaltung und den
Fortbestand des psycho-physischen Organismus eingesetzt werden.
Das menschliche
Selbstbewußtsein ist das Prinzip des Ego und der Individualität.
Nachforschungen aus der Psychologie haben ergeben, daß das Selbstbewußtsein
der Lebewesen unterhalb der menschlichen Stufe weit weniger Intensität
aufweist, als dies im Menschen der Fall ist. Dies erklärt die Unfähigkeit
der subhumanen Arten, logische Prozesse und Schlußfolgerungen zur
Bewältigung der täglichen Aufgaben einzusetzen oder sich in mathematischer
und logischer Form an Vergangenes zu erinnern oder die Zukunft vorwegzunehmen,
wie dies für den Menschen charakteristisch ist. Dieses eigentümliche
Geschenk, das den Menschen über die subhumanen Arten erhebt, stellt
jedoch zur gleichen Zeit auch ein ernsthaftes Problem dafür dar, ein
harmonisches Leben mit anderen Menschen führen zu können, da
das Selbstbewußtsein oft mit einer autokratischen Form von Egoismus
vermischt, der sich weigert, den Mitmenschen die ihnen gebührende
Achtung zu zollen, und der sich daran erfreut, seine eigene Überlegenheit
zu behaupten. Metaphysiker erklären, daß der Egoismus das unglückliche
Produkt einer wechselseitigen Überlagerung von “Bewußtsein”
und dem “Prinzip der Individualität” darstellt, das einerseits das
Banner der unbestreitbaren Überlegenheit des Bewußtseins hißt
und andererseits die Flagge der sich abtrennenden Tendenz zur Individualität.
Der Organismus
leidet unter Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Erschöpfung und Schlafbedürfnis.
Diese Begleiterscheinungen der organischen Individualität sind in
allen lebenden Wesen bis hinauf zur menschlichen Ebene sichtbar, so daß
der Mensch hinsichtlich dieser Merkmale des Organismus auf einer Stufe
mit den niederen Arten steht. Der Grund für diese instinktiven Reaktionen
des Körper-Geist-Komplexes ist offenbar eine Art von verborgenem oder
offensichtlichem Selbstbewußtsein, durch das sich das Individuum
von den kosmischen Kräften der Natur abtrennt. Aus dieser Analyse
der Ursache aller natürlichen Leiden des Individuums läßt
sich leicht schlußfolgern, daß Leiden und Schmerz, die man
aufgrund der Abhängigkeit von äußeren Faktoren empfindet,
mit zunehmender Intensität des Selbstbewußtseins anwachsen und
mit abnehmender Intensität des Selbstbewußtseins an Heftigkeit
verlieren. Die psycho-physische Natur des Menschen als Individuum oder
abgesonderte Einheit würde sogar eine in ausreichender Weise erklären,
was unter der “Ursünde” zu verstehen ist, die den engelsgleichen Adam
aus dem Garten Eden ins Exil verbannte. Dies ist die Geschichte vom “verlorenen
Paradies”, jenem schicksalhaften Epos über den “Ursturz”, der durch
die Auflehnung der Seele gegen das Absolute verursacht wurde.
Die Gier nach
Ruhm, Macht und Autorität ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen
Ego, ja ganz allgemein ein Bestandteil der menschlichen Natur. Der Drang
des Ego, in allen nur möglichen Aspekten über anderen stehen
zu wollen, ist ein subtiler Trick, der von einem verzerrten Bewußtsein
angewendet wird, das in den Medien Raum, Zeit und Objektivität auf
seiner universellen Subjektivität und Herrschaft beharrt. Demzufolge
könnte man das Ego mit all seiner Gier nach Ruhm, Macht und Autorität
durchaus als eine Krankheit des Bewußtseins bezeichnen, das im Delirium
einer Illusion darum kämpft, ein lebenswertes Ziel anzustreben, obwohl
es im Zuge derartiger Begierden in Wirklichkeit lediglich kopfüber
in einen Abgrund aus Bindung und Leid stürzt. Hinzu gesellt sich noch
das Phänomen des Todes, der das Individuum wie ein Schatten verfolgt.
Befreiung von diesem unglückseligen Endergebnis aller menschlichen
Bemühungen kann es nicht eher geben, als die Individualität an
sich von dem zugrunde liegenden Irrtum befreit ist, nämlich der falschen
Vorstellung, daß es überhaupt so etwas wie die eigene Trennung
vom Absoluten gibt. Der Tod ist untrennbar mit der Wiedergeburt verbunden,
und eine natürliche Begleiterscheinung unserer Verwicklung in den
Komplex von Raum, Zeit und Objektivität. Es ist die Furcht vor dem
Tod, die einen dazu zwingt, sich gegen äußere Übergriffe,
gegen innere Disharmonie und gegen eine unbekannte Zukunft zu schützen
- Situationen, die auf jedes Individuum im Verlauf der Evolutionsgeschichte
zukommen.
Selbstbewußtsein
endet im Evolutionsprozeß nicht als letztendliche Errungenschaft
in sich selbst, sondern schafft Schwierigkeiten unvorhergesehener Art.
Die Behauptung der eigenen Individualität vollzieht sich parallel
zu der Wahrnehmung von anderen Personen und Dingen im Sinne von Objekten,
die sich außerhalb der eigenen Person befinden. Und dieses Phänomen
ist vermutlich am aller schwersten zu verstehen, da die Wahrnehmung eines
Objekts durch das Subjekt nicht nur ein bloßes Wahrnehmen von etwas
ist, das sich außerhalb des Subjekts befindet, sondern zur gleichen
Zeit auch eine “Beurteilung” beinhaltet, die das Subjekt über das
Objekt fällt. Dieses Urteil ist zwar subjektiv, da es von der Konstitution
des Subjekts gemäß seiner eigenen Struktur, seinen Zielen und
Plänen gefällt wird, erhebt dabei aber den Anspruch darauf, grundsätzlich
zu sein. Dies führt dazu, daß alle Veränderungen, Fehler,
Disharmonien und Mängel eher dem Objekt als dem Subjekt zugeschrieben
werden, da das Subjekt diese Mängel nicht in sich selbst erkennen
kann, da es selbst ja Träger jenes “überragenden” Bewußtseins
ist, das weder Rivalität noch Fehler, Mängel oder Häßlichkeit
dulden kann. Demnach deutet der bloße Akt der Wahrnehmung eines Objekts
auf eine Opposition gegenüber diesem Objekt hin, was vielleicht die
Erklärung dafür ist, warum zwei Menschen nicht für alle
Zeiten Freunde sein können. Eine dauerhafte Freundschaft zwischen
zwei Personen bedürfte nämlich einer unveränderlichen charakterlichen
Ähnlichkeit zwischen Subjekt und Objekt, was völlig unmöglich
sein dürfte, da das Subjekt niemals zum Objekt und das Objekt niemals
zum Subjekt werden kann! So verbleibt dieser “kalte Krieg” zwischen dem
wahrnehmenden Zentrum und der außerhalb wahrgenommenen Form in einem
unmerklich gärenden Zustand, der in einen tatsächlichen Krieg
ausbrechen kann, in dem sich das Subjekt für die Zerstörung des
Objekts entscheidet. Diese Entscheidung ist unvermeidlich, da die Existenz
des Objekts eine ununterbrochene Verletzung und Bedrohung der Unabhängigkeit
und Überlegenheit des Subjekts darstellt. Die Lage der Menschheit
bedarf wohl keines ergänzenden Kommentars.
Wie jedoch
ist all dies überhaupt möglich? Kann irgend jemand das Verlangen
hegen, sein Gegenüber auszulöschen, und dabei gleichzeitig mit
sich selbst in Frieden verweilen? Die Antwort ist natürlich “nein”.
Was aber wird aus der Tatsache, daß das Subjekt die Gegenwart das
Objekts aus den bereits beschriebenen Gründen nicht tolerieren kann?
Das Subjekt geht einen Kompromiß ein und sucht sich in seiner Not
einen “Mittelweg”, der es ihm erlaubt, nicht das Objekt selbst zu zerstören,
sondern dessen “Unabhängigkeit”, indem das Objekt entweder zu einem
Teil der eigenen subjektiven Existenz gemacht wird, wie in der Liebe, oder
aber durch die Ausübung von Macht und Autorität unterworfen wird.
Bei primitiveren Individuen, in denen die niederen Schichten des Lebens
noch die Oberhand haben, so daß sie zu diesem kultivierten psychologischen
Kompromiß nur mangelhaft fähig sind, der ja eine scharfsinnige
Anpassung an andere Individuen erfordert, kann sich die Untolerierbarkeit
der Gegenwart eines Objekts, das der eigenen Triebbefriedigung trotzt,
dagegen sogar in dem Drang zur körperlichen Zerstörung dieses
Objekts niederschlagen. Hiermit stoßen wir auf die verborgenen Ursachen
von Streit und Rastlosigkeit, - Phänomenen, die in der heutigen Gesellschaft
überall deutlich sichtbar sind. |
|

Hier kostenlosen
Yoga Gesamtkatalog
anfordern





Broschüre und kostenlose Übungspläne anfordern
|
|
.
- Yoga Übungen lernst du am besten bei einem Yogalehrer
- Yoga Einführungs-Seminare gibt es in den Yoga Vidya Seminarhäusern als Wochenend- und Wochenkurse. Diese werden auch von Krankenkassen bezuschusst
- Bei Yoga Vidya findest du jährlich fast 3000 Seminare zu Yoga, Meditation und Ayurveda, darunter auch das umfangreichste Yogalehrer Weiterbildungs-Angebot
- In den Yogalehrer Ausbildungen beim Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen in 50 verschiedenen Städten lernst Du Yoga, Meditation, Yoga Philosophie, spirituelles Leben und auch, wie Du sie anleiten kannst
- In den Yoga Vidya Zentren gibt es regelmäßige Einführungskurse
- Im Yogalehrer-Verzeichnis findest Du eine/n qualifizierte/n Yogalehrer/in in Deiner Nähe
- Im Yoga-Shop findest Du DVDs, Bücher, Yoga-Matten, Kissen, CDs und vieles mehr für deine Yoga-Praxis
Auf unseren Internet-Seiten findest du viele weitere Informationen:
Yoga Vidya findest du auch in vielen sozialen Netzwerken
|