Der Aufstieg des Geistes
von Swami Krishnananda
14 Die Probleme
des spirituellen Suchers
Der spirituelle
Lebensweg ist vermutlich die schwierigste und rätselhafteste aller
Kunstfertigkeiten und Wissenschaften. Die Schwierigkeit, ein spirituelles
Leben zu führen und die Bedeutung des Spirituellen zu begreifen, liegt
darin begründet, daß dieses anstrengende Abenteuer mit so vielen
subtilen Faktoren verbunden ist und vom Individuum von einem Moment auf
den anderen derart gewandte Anpassungsmanöver erfordert, daß
sich der gesamte Prozeß praktisch jenseits der Möglichkeiten
eines Durchschnittsmenschen befindet, der ja im allgemeinen an eine “Auf-gut-Glück-Haltung”
gewöhnt ist, die ihn in seinem persönlichen und sozialen Leben
völlig den Instinkten, Vorurteilen, Routinen und Trampelpfaden stereotyper
Verhaltensmuster überläßt. Man kann es durchaus als Gnade
des Schicksals bezeichnen, wenn ein Mensch vom spirituellen Ideal entflammt
wird, wobei die Gründe hierfür manchmal direkt sichtbar sein
können, manchmal jedoch auch völlig unverständlich sind.
Im allgemeinen kann ein spirituelles Streben im Herzen einer Person durch
den regelmäßigen Umgang mit spirituell Eingeweihten oder Meistern
angefacht werden; durch ein lange Zeit fortgesetztes Studium spiritueller
Literatur; durch ein plötzliches Erwachen zu Tatsachen, die sich aus
der Wahrnehmung von offenkundigen Widersprüchen, Leid und Elend ergeben;
oder durch einen unerwarteten Einsichtsimpuls in die Vergänglichkeit
und letztendliche Sinnlosigkeit alles Irdischen und Empirischen. All diese
Faktoren können als sichtbare Ursachen für ein plötzliches
Aufflammen des spirituellen Strebens im Geist einer Person erachtet werden,
auch wenn sich hinter diesen noch tiefer reichende und unsichtbare Gründe
befinden mögen, die die Reichweite der Kräfte der bewußten
menschlichen Ebene überschreiten. Das Fruchten äußerst
tugendhafter Taten, die man in vergangenen Leben vollbracht hat sowie rechte
Bemühungen aus solchen früheren Inkarnationen der Seele können
bereits in frühen Jahren des jetzigen Lebens als unsichtbare Ursachen
für die Offenbarung eines tief reichenden spirituellen Drangs wirken.
Der Druck,
der mit dem plötzlichen Erwachen zu einem spirituellen Wertempfinden
einher geht, kann völlig unerwartete Ausmaße annehmen und die
eigene persönliche und soziale Einstellung dermaßen verändern,
daß die Mitmenschen davor erschrecken und zur Überzeugung gelangen
können, “daß hier etwas nicht stimmen kann”. Anfänglich,
wenn auch vorübergehend, kann es zu sozialen Spannungen mit anderen
Personen kommen und zur Aneignung einer Lebensweise, die einen in Disharmonie
mit der außen vorherrschenden Atmosphäre versetzt oder gar in
völligen Gegensatz zur akzeptierten Etikette und Ethik der Gesellschaft,
in die man hinein geboren und in der man aufgezogen wurde. Dieser innere
Drang der Seele kann für eine Weile den stärksten Kräften
der Welt standhalten und wie ein Wirbelsturm wirken, der selbst die mächtigsten
Bäume entwurzeln kann und die Dächer von Häusern und Tempeln
davon zu wehen vermag, die man als lieb und heilig schätzte. Er kann
sogar die stabilsten Zuneigungen gegenüber jenen brechen, die man
bisher als unentbehrlich erachtete und die einem eigentlich so nah und
teuer wie die eigene Haut waren. In diesem Sinne ist das Entflammen
der Seele von innen her eine Art revolutionärer Gewalt, die alles
in Frage stellt, was normalerweise als moralisch gut, sozial notwendig
und traditionell unverletzlich angesehen wird. Die Gewalt der von innen
entflammten Seele kann den Scheinheiligkeiten irdischer Förmlichkeiten
zum Alptraum werden, gleich einem Feuer des Verderbens, das über all
die vertrauten Werte des Lebens hereinbricht. Wenn ein solches Feuer vom
Individuum Besitz ergreift, kann es zu dem Gefühl kommen, daß
in dieser Welt nichts auch nur den geringsten Wert hat und das einzig Lohnende
die Verwirklichung und die Erfahrung Gottes ist! Eine große Zahl
jener Menschen, die zu abgeschiedenen Orten, zu Tempeln, Kirchen, Klöstern,
Ashrams und dergleichen aufbrechen, befindet sich in einem solchen Zustand
und hofft darauf, dort vielleicht die Möglichkeiten zu einem verinnerlichten
und spirituellen Leben vorzufinden. Und so treffen wir den spirituellen
Sucher in einem heiligen Kloster wieder.
Das Mahabharata
und die Bhagavadgita sind die erhabenen epischen Illustrationen der Probleme
eines spirituellen Suchers, samt der Wege, diesen Problemen zu begegnen
und sie ein für allemal zu lösen. Das Adi-Parva des Mahabharata
repräsentiert den Zustand des Samens, in dem die spirituellen Neigungen
und Kräfte latent vorhanden liegen, die, sobald sie aus dem Samen
hervor gesprossen sind, mit empfindlichen Babys verglichen werden können,
die Schutz, Pflege und Nahrung benötigen. Die Kleinen wachsen in einer
verwirrenden Atmosphäre aus Hoffnung und Unsicherheit heran, in der
sie sich ihrer Umgebung und ihrer Zukunftsaussichten nicht gerade sicher
sind. Im Sabha-Parva scheint sich der Aspekt der Hoffnung im Zustand der
jubelnden Erfüllung zu befinden, in dem alles sicher, fein und erhaben
aussieht. Dies ist genau die Stufe des spirituellen Suchers, der Zustand
des gewaltigen Enthusiasmus und der Bestimmtheit, in dem er die Abgeschiedenheit
der Wälder oder die strenge Atmosphäre eines Klosters betritt,
in dem er ein erhabenes Leben der Kontemplation Gottes zu führen erhofft.
Doch am Ende des Sabha-Parva lauert ein Stachel, der all den Glanz der
anfänglichen Ereiferung in einen Anti-Höhepunkt äußerster
Leiden verwandelt. Hier sehen wir die Pandava-Brüder in die Klauen
eines betrügerischen Würfelspiels laufen, dem ihre Verbannung
in die Wälder folgt, wo sie sich in einem Elend wiederfinden, das
jeglicher Beschreibung spottet. Nun befinden wir uns im Aranya-Parva. Der
traurige Zustand hat sich derartig verschlimmert, daß sie sogar nach
Beendigung des Exils noch für eine Weile unerkannt leben müssen,
damit die übel gesinnten Kräfte nicht Rache an der Kühnheit
dieses edlen Strebens verüben mögen, das der spießbürgerlichen
Welt der sozialen Heuchelei so ein Dorn im Auge ist. So vergeht das Virata-Parva.
Doch die Wahrheit triumphiert, das Gute siegt, und die Kraft der Tugend
erregt sogar die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Götter. Eine plötzliche
Wendung der Ereignisse findet statt, und mitten im schlimmsten aller Leiden
kommen Aufmunterungen von den mächtigen Kraftspendern der göttlichen
Regierung, daß die Dinge nicht ganz so übel sind, wie sie bis
zu diesem Zeitpunkt erschienen sind. Gewaltige Energien sammeln sich, und
Sympathie und Hilfe kommt von allen Seiten. Himmlische Wesen wie Indra
und unbesiegbare Helden wie Sri Krishna bieten sich an, um den Kräften
der Tugend und des Strebens in ihrer Schlacht gegen die feindlichen Elemente
beizustehen, gegen Egoismus, Gier, Lust, Zorn, irdische Mächte und
ungöttliche Instinkte. Das Udyoga-Parva beschreibt die Versammlung
von mächtigen und furchtlosen Freunden der Pandavas, die über
den Kurs der zukünftigen Handlungen nachdenken. Dies ist der umfangreichste
aller 18 Abschnitte des Mahabharata, in dem wir eine Beschreibung von bunt
ausgeschmückten dramatischen Szenen vorfinden, die vor dem Beginn
des blutigen Krieges von den Naturkräften aufgeführt werden.
Diese Kräfte versuchen mit aller Macht, die Schönheit und Freude
einer wahren Vielfalt von Werten und die Bedeutsamkeit von Sinneskontakt
und Besitz von irdischen Gütern hervorzuheben und die göttlichen
Kräfte zu zerstören, die ihrerseits nach letztendlicher Einheit
des Lebens streben. Dies ist genau der Punkt, an dem wir ein Bild der harmonischen
Mischung aus menschlichem Bemühen und göttlicher Gnade vorfinden
können, wie auch das Anwachsen einer Zuversicht in die Möglichkeit
des Erfolges. Gott selbst übernimmt die Verantwortung dafür,
sich um das Notwendige für den Schutz der Kräfte des göttlichen
Strebens und der göttlichen Tugend zu kümmern. Und so finden
wir im Udyoga-Parva eine Beschreibung des majestätischen Ereignisses,
daß ein solch übermenschliches Wesen wie Sri Krishna persönlich
die Aufgabe übernimmt, als Friedensmissionar zur Versammlung der Kauravas
zu gehen. Doch nicht nur dies: Als sich für Sri Krishna die Gelegenheit
ergibt, seine kosmische Form zu zeigen, wird die furchteinflößende
Macht Gottes deutlich demonstriert, die hinter den Kräften der Güte,
der Tugend und des Strebens steht. Die eigentliche Schlacht beginnt jedoch
erst im Bhishma-Parva, wo wir genau zu Beginn des unvermeidlichen Gefechts
die überraschende Beschreibung einer erstaunlichen, von Arjuna offenbarten
Haltung dargeboten bekommen, die sich in völligem Gegensatz zu den
heroischen Vorbereitungen für die große Schlacht befindet, die
für unvermeidbar gehalten wurde.
Dieser Zustand
ist genau genommen der Anfang der tatsächlichen spirituellen Praxis:
ein plötzliches Abklingen des Eifers, eine Gefühlsverwirrung
und ein gänzlich unerwartetes Beharren darauf, alle Werte zu verwechseln
und den Wagen vor das Pferd zu spannen, indem man versucht, alle Logik
und Ethik jener früheren Zeit auf den Kopf zu stellen, in der man
mit großartiger Weisheit erkannt hatte, daß in der Entscheidung
zum “Beginn eines Krieges” eine unausweichliche Bedeutung liegt. Was nun
folgt, ist das in 18 Kapiteln verkündete “Hohelied der Bhagavadgita”,
wobei diese 18 Kapitel die Stadien des Aufstiegs der Seele in ihrer spirituellen
Bewegung hin zum Absoluten darstellen. Im Krieg des Geistes sind es nicht
nur die Kräfte des offensichtlich Bösen in Gestalt von Duryodhana
und seiner Gefolgschaft, denen man sich stellen und die man überwinden
muß, sondern auch das traditionelle Recht und die traditionelle Moral,
die von Bhishma verkörpert werden, der ansonsten von allen als der
Älteste und Geachtetste angesehen wird. Tüchtigkeit und Gelehrtheit
gehen in der Person Dronas mit Gewissenlosigkeit einher, obwohl dieser
ungeheuer kraftvoll und hilfreich ist; fehlgeleitete Freundschaft und ein
falsches Gefühl der Brüderlichkeit lassen sich in der Figur Karnas
erkennen, auch wenn dieser äußerst kooperativ und eine verläßliche
Quelle furchtbarer Kraft sein mag. Alle diese guten, geschätzten,
wertvollen und heiligen Dinge müssen auf dem lodernden Altar der Seelentreue
gegenüber dem letztendlichen Lebensziel mit größter Hingabe
geopfert werden. Und in dem ehrfurchtgebietenden, herzzerreißenden
und schrecklichen Krieg, den der Geist zum Zweck der Verwirklichung von
Wahrheit und Rechtschaffenheit führt, ist die stille, helfende Hand
Gottes in ihrer kraftvollen Aktivität bis zuletzt, wenn der Krieg
schließlich siegreich beendet ist, sichtbar. Dies sind einige der
Szenen, die in den Kapiteln des Mahabharata reichlich ausgeschmückt
präsentiert werden.
Der Eintritt
des Suchers in ein Kloster oder einen Ort der heiligen Abgeschiedenheit
ist wahrlich erst der Anfang seiner Schwierigkeiten. Die freiwillig gewählten
Entbehrungen und die von der Umgebung oder der Atmosphäre dieses Lebens
von außen auferlegte Disziplin versuchen den Schatz auszugraben,
der in der Mine des inneren Wesens des Suchers verborgen liegt. Das Graben
wirbelt jedoch auch eine Menge Staub auf, der einem sogar die klare Sicht
nehmen kann, und nicht selten findet man zusammen mit dem in der Tiefe
begrabenen Schatz harte Steine und stechende Dornen. Der spirituelle Drang
kann plötzlich nachlassen, wenn er von dem Staub und dem Schmutz verdeckt
wird, den die Kräfte der Anhänglichkeit an die äußere
Vielfalt aufwirbeln, die vorübergehend sogar den Glanz der Sonne des
höchsten Geistes verfinstern können, der als wahres Selbst im
Herz des Menschen ruht und dieses von außen her als Unendlichkeit
zu sich winkt. Zustände der Lethargie, der Gefühllosigkeit, des
Hungers und des Schlafes können als nächstes Stadium unmittelbar
auf das Entflammen des religiösen Enthusiasmus und die Sehnsucht nach
spiritueller Befreiung folgen, mit der der Sucher in ein Kloster eintrat
oder einen Platz in der Nähe eines Meisters aufsuchte. Das Ergebnis
eines derartigen Geisteszustandes kann ein Zurückfallen in das Prinzip
des geringsten Widerstandes sein. Darüber hinaus wird der spirituelle
Drang von der aufgestauten Wirkung jener verdunkelnden und vernebelnden
Reaktion unterdrückt, die von den ansonsten ganz normalen Mächten
der Begierde ausgelöst wurde, die für einen kurzen Zeitraum in
Vergessenheit geraten waren, solange der spirituelle Drang noch vorherrschend
war. Die Sinne und das Ego sind wie der Teufel und das tiefe Meer, zwischen
welchen das suchende Individuum Gefahr läuft festzusitzen. Und ganz
gleich, in welche der beiden Richtungen es sich bewegen mag, sein Schicksal
ist mit Sicherheit die eigene Vernichtung.
Nach einer
mehrjährigen Einlullung in Trägheit und Müdigkeit kann ein
unwiderstehliches Verlangen nach Sinnenfreuden aufsteigen, was genau dem
Zustand entspricht, den der Sucher einst, als es ihn in einem Anfall der
Entsagung in die Einsiedelei oder das Kloster trieb, als nicht wünschenswert
erkannt hatte. Da die gewöhnliche Form der Begierde einen aktiv sinnlichen
Charakter hat, läßt sich der Sucher eventuell dazu hinreißen,
sich dem Druck der Leidenschaften hinzugeben, die auf ihrer Befriedigung
bestehen. Hier begegnen wir den ungestümen Instinkten der barbarischen
Tierwelt, die keinerlei Rücksicht auf die Wohlfahrt anderer nehmen.
Der Sucher kann neurotisch und exzentrisch werden, wenn die Ausdrucksmöglichkeiten
seiner Gefühle und Triebe von der vorherrschenden äußeren
Atmosphäre blockiert werden. Die schlimmsten Feinde des spirituell
Strebenden sind Wohlstand, Sex, Ruhm und Zorn. Eine Sehnsucht nach törichter
Befriedigung selbst durch unbedeutende Sinnesobjekte, Spiele und Zerstreuungen
kann zur Oberfläche drängen und ihre Erfüllung erzwingen.
Im Geiste des Suchers, der sich noch im Kampf befindet und im Dunkeln tappt,
herrscht ständig ein Wechselspiel von Trägheit (Tamas) und Begehren
(Rajas). Was er bis zu dieser Stufe, wenn überhaupt, erreicht hat,
ist eine Unterdrückung von Begierden, die sich aus dem lodernden Feuer
der Entsagung und der Liebe zu Gott ergab. Die Lage ist hier mit einem
Ozean vergleichbar, der über Müllhalden, Abflußkanäle
und Abwassertümpel hinweg schwappt, wobei er diese mit seiner überwältigenden
Kraft überflutet und sie für eine Weile untertauchen läßt,
dabei jedoch nicht wirklich in reinere Substanzen verwandelt. Der anfängliche
spirituelle Drang des jubilierenden Enthusiasten, unseres jugendlichen
Helden auf dem Pfad, weist genau diesen Charakter auf. Der Staub, der Schmutz
und der Müll sind allesamt noch dort, wo sie waren, wenn sich der
Ozean zurückzieht, wenn das Tageslicht der Sinnesaktivität auf
sie fällt und sie in ihre ursprüngliche Form der Fäulnis
und des Gestankes zurück verwandelt. Spirituelle Sucher, seid wachsam!
Der Pfad, den ihr beschreitet, ist alles andere als das Ruhen auf einem
Bett aus Rosenblättern oder ein labender Trunk aus Milch und Honig.
Wahrlich, er ist eher wie die Schneide einer scharfen Rasierklinge!
Jeder vernünftige
Ratschlag, der nicht zur Erfüllung der Begierden beiträgt, kann
auf Opposition stoßen. Und jeder zu starke, vom Kloster ausgeübte
Druck, kann den Sucher in das Stadium der Schläfrigkeit, des unsozialen
Verhaltens (in seltenen Fällen sogar in antisoziale Ausbrüche),
in ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, in eine melancholische Stimmung
und in eine Art Entseeltheit zurückwerfen. Dann kann auch die zischende
Schlange des Mißtrauens in alle spirituellen Bemühungen, ja
selbst in die Existenz Gottes, ihren Kopf erheben und eine Sehnsucht danach
herbei züngeln, vielleicht doch besser dem Ruf zur Rückkehr ins
weltliche Leben Gehör zu schenken, und somit in jenes Stadium, aus
dem sich die Seele einst mit feurigem Eifer befreien wollte. Wie unergründlich
der spirituelle Pfad doch ist! Viele Yogaschüler, die sich einst in
diesem Leben mit nichts Geringerem als der Erfahrung Gottes zufriedengeben
wollten, sahen sich später dazu gezwungen, zu den alten Routinen der
Alltagswelt zurückzukehren, die von den Sinnen und dem Ego gelenkt
wird. Lange unterdrückte Begierden rufen eine sehr seltsame Reaktion
hervor, deren Besonderheit in der Heftigkeit und Wildheit liegt, mit der
sie - mit verdoppelter Kraft - auf die Genuß-Zentren zurückschlagen
können, wobei der moralische Zustand einer Person dann erheblich schlimmer
sein kann, als dies bei einem akzeptierten normalen weltlichen Leben der
Fall gewesen wäre. Lange anhaltende sexuelle Enthaltsamkeit, die auf
einer Verdrängung der Instinkte beruht, kann dazu führen, daß
man sich doch noch ins Eheleben stürzt oder sich auf niedrigeren Ebenen
körperliche Befriedigung verschafft, was dem psychologischen Rückschritt
auf frühere instinktive, von der modernen Psychologie als “Libido”
bezeichnete Stadien entspricht. Störende Träume und fehlgeleitete
Gedanken an Befriedigung in vielfältiger Weise können zu einem
alltäglichen Problem werden. Als Resultat eines Angriffs der Wünsche,
die durch die Wirkung des überwältigenden Einflusses des einst
an die Oberfläche gestiegenen spirituellen Enthusiasmus unterdrückt
waren, kann es zu einer Wiederbelebung von materiellen Bedürfnissen
kommen. Die Sehnsucht nach regelmäßigen Ausflügen, Rundfahrten
und Reisen kann zu einem harmlosen Weg zur Befreiung von Energie werden,
die zwar aufgestaut, aber nicht spirituell umgewandelt wurde. Eine tiefgreifende
Abneigung gegenüber Umständen, die einen dazu nötigen, alleine
zu leben, sowie ein panisches Verlangen nach Gesellschaft mit anderen,
können zu einem einfachen Mittel gegen die grauenvollen Schrecken
werden, denen die Sinne und das Ego durch die würgenden Hände
des spirituellen Rufes ausgesetzt waren. Grammatik und Literatur, Kunst
und Musik können nicht nur die Rolle eines harmlosen Zubehörs
zur Gestaltung des eigenen Lebensideals annehmen, sondern auch die Formen
einer spirituellen Praxis in sich selbst. Und so geht unser Held seinen
Weg, ganz gleich, was ihm die Welt von außen oder sein Gewissen von
innen her zurufen mag.
Die fast unheilbare
Angewohnheit, an anderen Leuten Fehler zu sehen, egal ob an ihrem philosophischen
Standpunkt, der Technik ihrer spirituellen Praxis oder ihren persönlichen
Errungenschaften, kann zu einer Quelle der negativen Befriedigung werden,
wenn man selbst nichts Positives besitzt. Große Menschen und edle
Seelen in den Schmutz zu ziehen ist wahrscheinlich der einfachste Weg,
um selbst großartig zu wirken. Sisupala wurde plötzlich einflußreich,
nur weil er die Frechheit besaß, Sri Krishna mit Schimpfattacken
zu überhäufen. Für viele ist ein derartiges Verhalten die
wichtigste Quelle, um soziales Ansehen, Urkunden und Zertifikate von der
unvorsichtigen Öffentlichkeit zu erwerben, da die Ausnutzung der Unwissenheit
der Massen dank dieser trügerischen Mittel der prahlerischen Selbstgefälligkeit
eine begehrte Methode zur bequemen Lebensführung ist. Beim Zorn der
Natur und der Vergeltung seitens der göttlichen Ordnung handelt es
sich jedoch um Faktoren, die von den Augen solch erstaunlicher Einfältigkeit,
wie sie das menschliche Verhalten zur Schau stellt, nicht vorhergesehen
werden können. Natürlich verläuft das Aufdecken der Fehler
in anderen Hand in Hand mit dem Gebaren der Selbstrechtfertigung und Selbstlobpreisung,
indem man seine Standpunkte und Methoden lautstark als unfehlbar verkündet.
Es gibt spirituelle
Lehrer und Meister, mit denen sich ein spirituell strebender Mensch nicht
immer so ohne weiteres anfreunden oder ihnen dienen kann. Hierfür
gibt es ein klassisches Beispiel in der Geschichte der spirituellen Suche
des tibetischen Yogi Milarepa, der unter seinem Lehrer Marpa ein untolerierbar
strenges Training erdulden mußte. Die Strapazen im Zusammenleben
mit einem spirituellen Lehrer sind eine Angelegenheit, die unsere modernen,
von Neugier getriebenen Studenten nicht verstehen, geschweige denn schätzen
oder gar ertragen können. Wer jedoch wirklich aufrichtig auf diesem
herrlichen Pfad voranschreitet, muß für die spirituelle Errungenschaft
diesen Preis zahlen. Und all die unbezahlbaren Güter dieser Erde können
den Wert der Früchte einer solch strengen persönlichen Disziplin
und eines solchen Wissens nicht aufwiegen. Zweifel und Ängste schweben
selbst über dem aufrichtigen Sucher wie Vampire, die bereit sind,
ihm das Blut auszusaugen. So kann es dazu kommen, daß man den Wert
des eigenen spirituellen Lehrers anzweifelt. Ist dies der letzte Schlag,
zu dem Satan in seinem Kampf gegen die Wurzeln aller spirituellen Bestrebungen
ausholt? Vielleicht nicht, denn es kann noch schlimmer kommen. Man kann
den Glauben in die Existenz Gottes verlieren und die Überzeugung gewinnen,
daß die spirituelle Erlösung, nach der jeder Sucher auf dem
spirituellen Pfad eigentlich streben sollte, bloßer Unsinn sei. Doch
ein Milarepa oder ein Nachiketas, von dem uns in der Kato-Upanishad berichtet
wird, ist von einem anderen Kaliber. Beharrlichkeit in seiner Verfolgung
des Zieles und Zähigkeit in der eigenen Praxis sind die Kennzeichen
solcher Helden, die nicht nur das Salz der Erde sind, sondern auch leuchtender
Vorschuß auf die unsterbliche Herrlichkeit der essentiellen Aufgabe
der Menschheit.
Körperliche
Krankheit, extreme Geschwätzigkeit, Gedächtnisverlust, Gefräßigkeit,
schwache Strebsamkeit, verschiedenartige Zweifel, Nachlässigkeit in
der Kontinuität der Praxis, Trägheit, eine unterschwellige Begierde
nach Sinnengenuß, die Verwechslung illusionärer Wahrnehmungen
mit der Realität, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Unbeständigkeit
in der Meditationspraxis sind einige der Haupthindernisse auf dem Pfad
des Suchers. Ein Verlangen danach, sich zu sehr unter die Leute zu mischen,
große Stiftungen zu errichten und den Kreis der eigenen Schüler
zu erweitern, können als fatale Waffe dazu dienen, dem Hunger der
Seele nach Gott den Todesstoß zu versetzen. Die Geschichte ist hier
unser bester Lehrer. Das Leben von Rishyasringa, wie wir es im Mahabharata
aufgezeichnet finden, das Leben Visvamitras, das uns von Valmiki im Ramayana
geschildert wird, das Leben Buddhas im Gedicht von Edwin Arnold, das “Wiedergewonnene
Paradies” von Milton, “das Leben des Yogi Milarepa” von Evan-Wentz, die
Leben der Alvars und Nayanars aus Südindien, das Leben des heiligen
Augustinus, die Schriften von Thomas von Kempen und solch großartige
Beispiele wie Rishabhadeva, Jadabharata oder Dattatreya aus alten Zeiten,
das Leben von Sri Krishna-Chaitanya-Deva und ähnlichen Helden wären
für jeden Strebenden auf dem Yoga-Pfad ein äußerst hilfreiches
und anregendes Studium.
|
|

Hier kostenlosen
Yoga Gesamtkatalog
anfordern





Broschüre und kostenlose Übungspläne anfordern
|
|
.
- Yoga Übungen lernst du am besten bei einem Yogalehrer
- Yoga Einführungs-Seminare gibt es in den Yoga Vidya Seminarhäusern als Wochenend- und Wochenkurse. Diese werden auch von Krankenkassen bezuschusst
- Bei Yoga Vidya findest du jährlich fast 3000 Seminare zu Yoga, Meditation und Ayurveda, darunter auch das umfangreichste Yogalehrer Weiterbildungs-Angebot
- In den Yogalehrer Ausbildungen beim Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen in 50 verschiedenen Städten lernst Du Yoga, Meditation, Yoga Philosophie, spirituelles Leben und auch, wie Du sie anleiten kannst
- In den Yoga Vidya Zentren gibt es regelmäßige Einführungskurse
- Im Yogalehrer-Verzeichnis findest Du eine/n qualifizierte/n Yogalehrer/in in Deiner Nähe
- Im Yoga-Shop findest Du DVDs, Bücher, Yoga-Matten, Kissen, CDs und vieles mehr für deine Yoga-Praxis
Auf unseren Internet-Seiten findest du viele weitere Informationen:
Yoga Vidya findest du auch in vielen sozialen Netzwerken
|