Vaishvanara Vidya
Der höhere Aspekt der Meditation ist das Prinzip der Vaishvanara
Vidya. Meditationen, die vollkommen auf Gedankengebilde gerichtet waren,
wurden von dem großen Lehrer, Ashvapati, dem König aus der
Chhandogya Upanishad abgelehnt. Wenn man auf etwas Bestimmtes meditiert,
schließt man automatisch alles Andere aus. Man kann nicht an
das Eine denken, ohne etwas Anderes auszuschließen. Der Gedanke,
der etwas ausschließt, - und dies sollte uns klar sein, - also
der Gedanke, der andere Gedanken bei der Konzentration ausschließt,
ist auch ein Gedanke. Das Ausschließen von anderen Gedanken ist
bei fortgesetzter Konzentration unmöglich, denn der Gedanke, der
etwas ausschließt, besteht auch fort, da die Absicht besteht,
nicht an andere Objekte zu denken. Es ist wie bei folgender Geschichte:
Jemand sagte: Wenn du Milch trinkst, denke nicht an Affen‘;
jedes Mal, wenn er Milch trank, kamen ihm nur Affen in den Kopf!
In der Geschichte des Kosmos gibt es keine Sache, die von einer anderen
Sache wirklich vollkommen ausgeschlossen ist. Der Gedanke, etwas ausschließen
zu wollen, ist nutzlos, denn der Geist, der etwas ausschließt,
sollte auch in jenem Objekt präsent sein, das er gerade ausschließt.
Hier spielt uns der Geist nur einen Streich. Dies ist der Grund, warum
der große Lehrer Ashvapati den sechs großen Lehrern, die
ihn aufsuchten, sagte, dass ihre Meditationsmethoden auf Atman allesamt
unvollkommen seien. Er stellte die große Frage: Auf was
meditiert ihr?‘ Sie gaben unterschiedliche Antworten. Die unterschiedlichen
Meditationsobjekte stellten sich als völlig isoliert heraus. Der
König sagte: Ihr macht alle zwei Fehler: Der erste Fehler
ist, dass ihr auf etwas außerhalb von euch selbst meditiert,
der zweite Fehler ist, dass eure Meditationsobjekte sich nur an einem
Ort befinden.
Dass das Meditationsobjekt nicht nur an einem Ort sein kann, wird
dadurch klar, dass der Geist nichts von seinem Meditationsobjekt ausschließen
kann. Wenn der Ausschluss von irgendetwas nicht möglich ist, weil
dies das Bewusstsein einschließen würde, dann hat man nur
Erfolg, wenn in die Konzentration alles ein- und nichts ausgeschlossen
wird.
Wenn Gedanken während der Meditation darüber aufkommen,
dass sich etwas außerhalb des Meditationsobjektes befindet, schließe
dieses Gedankenobjekt auch in die Konzentration mit ein. Ich
meditiere auf Bananen und dies schließt Apfelsinen aus.‘ Die
bringst Apfelsinen zu Bananen und behandelst beide wie ein einziges
Objekt. Nun stellst du fest, dass eine weitere Frucht ausgeschlossen
ist, schließe diese ebenfalls in dein Meditationsobjekt ein.
Wann immer du fühlst, dass etwas ausgeschlossen ist, schließe
es in die Konzentration ein. Damit wird das Konzentrationsobjekt immer
größer. Dann wird die Meditation kosmisch, denn nichts wird
mehr ausgeschlossen. Darum sprach der große König. Meditiere
nicht auf einzelne Dinge, denn wenn du auf einzelne Dinge meditierst,
dann wird etwas Anderes ausgeschlossen. Das, was fälschlicherweise
ausgeschlossen wurde, wird deine Meditation zerstören.‘ Die
Welt ist so erschaffen, dass nichts von der Welt ausgeschlossen werden
kann. Man kann nicht sagen: Ich will dies, aber nicht das.‘ Man
kann nicht das Eine wollen, ohne dass sich eine andere Sache einmischt,
von der man glaubte, dass sie nicht erwünscht war.
Dies ist eine völlig andere Denkweise. Eine Frage, die von dem
König, wie folgt beantwortet wurde: Glaube niemals, dass
sich das Meditationsobjekt nur an einem Ort befindet‘, denn
wenn es sich nur an einem Ort befindet, gibt es noch etwas Anderes
außerhalb dieses Meditationsobjektes, doch das ist aus psychologischer
Sicht unmöglich, wenn man eine Ganzheitsbetrachtung an Stelle
einer bruchstückhaften Betrachtung macht.
Auf diese Weise wird die Gesamtsicht zum Meditationsobjekt. Damit
kann der Geist sogar jenseits der Himmel gehen. Du gehst mit dem Geist
jenseits der Vorstellungsgrenzen, und wenn der Geist fühlt, dass
es dort noch etwas gibt, beziehe das ebenfalls ein, sodass sich ein überdimensionales,
einschließendes Inneres ergibt. Auf diese Weise wird ein rein örtliches
Objekt vermieden.
Eine zweite Sache ist folgende: Das Objekt befindet sich nicht innerhalb,
denn wenn sich ein Konzentrationsobjekt innerhalb befinden würde,
kann man es nicht als Objekt ansehen, - sonst wäre es Teil des
eigenen Subjekts. Niemand wünscht sich ein Objekt, das sich innerhalb
des eigenen Geistes befindet. Darum muss es außerhalb sein. Doch
in Wahrheit kann sich kein Objekt völlig außerhalb des Geistes
befinden, denn wenn es nur außerhalb wäre, könnte sich
niemand dessen gewahr werden. Das Durchdringen des Bewusstseins über
den Weg des so genannten äußeren‘ Objektes
ist notwendig, damit der Gedanke über die Äußerlichkeit überhaupt
aufkommt. Wenn sich das Bewusstsein nach außen bewegt und das
Objekt durchdringt, dann hört die Äußerlichkeit des
Objektes auf und wird Teil des Inneren. Auch hier wird das Kosmische
der Dinge berührt. Auf beiden Wegen wird es Teil der universalen
Meditation. Dies ist ein sehr tief greifendes Thema, in das die Heiligen
von König Ashvapati eingeführt wurden.
Dies ist ein viel versprechender Weg der Meditation, um das Ich-Bewusstsein
schmelzen zu lassen, dass sich auf einen Ort beschränkt und Gott
als etwas weit oberhalb der Himmel ansieht. Dies ist auch ein Weg einer
Saguna Upasana. Allein an alles zu denken, ist eine qualitativ gute
Meditation. Es ist auch als Saguna zu betrachten, wenn sich das geistige
Bewusstsein mit der ganzen Schöpfung befasst. Von dieser Art von
Meditation nimmt man an, dass sie zum höchsten Schöpfungsprinzip,
Brahma-Loka führt, wie es in der Sprache der Upanishaden heißt.
Es gibt zweierlei Persönlichkeiten, - die Eine ist die menschliche
Seite; Gott wird von vielen Weltreligionen als eine riesige auf dem
Thron des Himmels sitzende Persönlichkeit dargestellt. Wann immer
wir an Gott denken, stellen wir uns IHN als jemanden vor, der den ganzen
Raum erfüllt. Die andere Seite ist wie Vaishvanara, das Bewusstsein
der Absoluten Wirklichkeit.
Wenn diese Meditation durch den Vaishvanara Vidya Prozess in ihrer
Intensität zunimmt, empfindet man sich nicht mehr als der Meditierende
von Vaishvanara, denn der Meditierende ist darin selbst eingeschlossen.
Es ist ein alles vernichtendes Feuer und man hat keine Möglichkeit
zuzuschauen, denn man wird selbst zum Feuer.
Was bleibt übrig? Ein großes Leuchten einer universalen
Selbstidentität. Danach können wir nicht mehr viel darüber
sprechen, denn wenn uns diese universale Feuersbrunst überflutet,
sind wir drei Mal gesegnet, es wird uns zu Sadyo Mukti führen
und wir sind sofort befreit.