8. KAPITEL
JNANA YAJNA
(VERBREITUNG VON WISSEN
Aus
tiefen Erfahrungen entstehen zahlreiche Veröffentlichungen
Wenn ich die Schriften
studiere, kennzeichne ich die wichtigen Stellen. Ich denke ständig
darüber nach und überlege. Ich habe wirksame Mittel und
Wege gefunden, über Schwierigkeiten und Hindernisse hinwegzukommen.
Ich habe meine eigenen Erfahrungen aufgezeichnet. Tausende traten
persönlich oder schriftlich an mich heran auf der Suche nach
Abhilfe für ihre Probleme. Ich gab ihnen Ratschläge und
geeignete Hilfen auf der Grundlage meiner eigenen Erfahrungen.
Ich lasse keinen einzigen Gedanken außer acht, weil ich sie
alle aufschreibe. Auch den Erfahrungen der Schüler messe ich
großen Wert bei. Zum Nutzen anderer Schüler beobachte
und notiere ich alles genau. Ich sorge dafür, daß alle
Aspiranten auch an entfernten Orten durch meine Briefe, Abhandlungen
und Botschaften in allen führenden Zeitungen und Zeitschriften
in verschiedenen Sprachen sofort davon Kenntnis erhalten.
Zur Führung
für so viele ringende Seelen habe ich meine Erfahrungen offengelegt,
zum Beispiel in "Geheimnisse und Beherrschung des Geistes", "Spirituelle
Lehren", "Regeln für die Praxis". Ich ordne die einzelnen
Themen und veröffentliche sie als Broschüren oder Bücher.
So nehmen meine Veröffentlichungen einen nahezu unbegrenzten
Umfang an. Als ich einmal eine Menge Stoff für einen zweiten
Band von "Praxis des Yoga" weitergab, schlugen mir die Verleger
vor, nur einen Band zu machen. 1933 schrieb ich ihnen:
"Warum halten Sie
meine Arbeit auf? Lassen Sie die ,Praxis des Yoga‘ in mehreren
Bänden erscheinen, Band 3, 4, 5 und so weiter, sobald ich
neue Ideen und Lektionen zu vermitteln habe. Lassen Sie mich arbeiten,
solange meine Augen sehen, solange ich neue Botschaften und Lehren
für Wahrheitssuchende habe. Meine Liebe zum Dienst an der
Menschheit ist so groß, daß ich mit Hilfe von fähigen
Stenografen und Sekretären weitermachen werde, selbst wenn
ich mein Augenlicht verliere. Lassen Sie das Göttliche Werk
wachsen und der Welt Frieden und Seligkeit bringen."
Warum
es in meinen Büchern Wiederholungen gibt
Ich glaube an eine
einheitliche Entwicklung von Herz, Verstand, Geist und Körper.
Eine einseitige Entwicklung ist nicht vorteilhaft. Ich berücksichtige
alle Lehren der Weisen und Heiligen verschiedener Religionen und
Glaubensrichtungen. Im Sinne eines schnellen spirituellen Fortschritts
von Schülern mit unterschiedlichen Neigungen und Veranlagungen
gebe ich das Wesentliche aus allen Quellen wieder. Ich nenne das "Ganzheitlichen
Yoga" (Yoga der Synthese oder Integralen Yoga). Meine Lehren sind
das Ergebnis meiner eigenen Untersuchungen sowie der Erfahrungen
Tausender von Anhängern.
In allen meinen
Büchern betone ich die wichtigen praktischen Punkte für
eine allseitige Entwicklung. Manche empfinden das als "Wiederholung".
Für ernsthafte Schüler ist es aber sehr hilfreich. Sie
sind in der Lage, den Wert und die Bedeutung solcher nützlicher
Wiederholungen zu begreifen. Sie zielen darauf ab, tiefe, unauslöschliche
Eindrücke im Geist der Aspiranten zu schaffen. Wenn ich über
ein besonderes Thema schreibe, wiederhole ich zum Nutzen aller
Leser gleichzeitig die wichtigsten Punkte, die man im täglichen
Leben beachten muß. Diese Wiederholungen erweisen sich als
sehr hilfreich. Sie bearbeiten den von materialistischen Eindrücken überschwemmten
Geist und helfen, Willenskraft zu entwickeln. Jeder findet darin
eine Botschaft zum Trost, für Frieden, Freiheit und Vollkommenheit.
Manche Anhänger
haben eine große Bibliothek mit allen meinen Büchern
und bitten mich trotzdem oft um neu gedruckte Bücher. Sie
schreiben mir zum Beispiel: "Besonders schön an Ihren Büchern
ist, daß sie Lust auf geistigen Fortschritt wecken und dazu
verlocken, ihre Lehren auszuprobieren, obwohl ich eigentlich keine
natürliche Neigung für den spirituellen Weg habe. Die
Lektionen sind wie für mich bestimmt und ich finde sie auch
für mein materielles Wohlergehen höchst nützlich.
Nach der Lektüre von ein paar Seiten Ihres Buches ,Geheimnisse
und Beherrschung des Geistes‘ fühle ich neue Kraft und Hoffnung
in mir."
1935 sandten mir
die Herausgeber den Brief eines Lesers, der sich beklagte, meine
Bücher enthielten eine Menge Wiederholungen. Ich antwortete
ihnen:
"Jede Wiederholung
sollte sorgfältig vermieden werden. Sie werden sich drei,
vier Nächte lang mit vollen Teekannen hinsetzen und alle Wiederholungen
streichen müssen. Lassen Sie aber aus Furcht vor Wiederholungen
nicht die wichtigen Teile weg. Wiederholungen sind dann nötig,
wenn der Text darauf abzielt, den weltlich ausgerichteten Geist
zu bearbeiten. Die ganze Welt ist voller Wiederholungen. Man kann
es nicht jedem rechtmachen. Die Gita, die Upanishaden und andere
Schriften sind voller Wiederholungen. Das läßt sich
nicht vermeiden. Ohne ständiges Einhämmern verweigert
sich die Natur jeglicher Veränderung. Wenn wir in ein paar
Jahren neue Auflagen herausbringen, können wir jedes Buch,
jeden Abschnitt, jeden Satz gründlich überarbeiten und
verbessern. Drucken Sie alles. Lassen Sie nicht ein einziges Komma
oder Wort weg."
Der Briefeschreiber
sagt, meine Bücher seien voller Wiederholungen; trotzdem wünscht
er eine vollständige Liste meiner neuesten Veröffentlichungen!
Am Schluß fügt er hinzu: "Sie sind meine Nahrung und
mein Leben."
Es mag die Welt überraschen,
daß ich beliebig vielen Verlegern gestatte, neue Auflagen
meiner Bücher herauszubringen. Ein- und dasselbe Buch kommt
in verschiedenen Verlagen in Indien, Deutschland, der Schweiz,
Indonesien und Amerika heraus. Ich möchte so viel wie möglich
in kurzer Zeit erreichen. Die folgenden Briefe aus den Jahren zwischen
1934 und1936 zeigen, wie ich in diesem Bereich die Arbeit vorangetrieben
habe:
"Am liebsten sind
mir Produktionen innerhalb von 20 oder 10 Tagen. Können Sie
gleichzeitig drei oder vier Bücher herausgeben? So arbeiten
wir hier mit einer kleinen Druckerei in Rishikesh. Setzen Sie verschiedene
Druckereien ein. Machen Sie sich keine Sorgen über die Bezahlung.
Früher oder später werden die Rechnungen irgendwie bezahlt
werden."
"Setzen Sie mehrere
Druckereien ein, um bald fertigzuwerden. Verlassen Sie sich nicht
nur auf eine Druckerei. Drucker, Goldschmiede und Schneider gehören
zur selben Art Leute. Sie machen alles sehr langsam und gemächlich
und halten sich nicht an ihre Zusagen." Mein Ziel ist schnelle
Arbeit und rasche Verbreitung spirituellen Wissens. Darauf weist
mein nächster Brief hin.
Schnelle
Arbeit ist mein Ideal
Ich schränke
meine Publikationen nicht ein. Die Leser sollen sofort an allem
teilhaben, zu ihrem umgehenden spirituellen Nutzen. Ich möchte
nicht, daß meine Leser warten müssen, bis eine neue
Veröffentlichung fertig ist. Wenn daher neue Ideen auftauchen,
füge ich sie sofort dem letzten, in Druck befindlichen Werk
hinzu, auch wenn sie in keinem direkten Zusammenhang mit dem Hauptthema
des Buches stehen. Ich möchte auch nicht, daß wertvolle
Zeit verlorengeht, indem jedes Wort sorgfältig abgewogen wird.
"Machen Sie sich
keine Sorgen über Druckfehler. Sie brauchen keine Angst vor
Fehlern zu haben. Wenn Sie mir einen Probeabzug schicken, korrigiere
ich ihn. Beschränken Sie das Buch nicht auf 125 Seiten. Wenn
Sie guten Stoff haben, nehmen Sie ihn auf und verkaufen Sie es
etwas teurer. Was schadet es, wenn ein Buch 200 oder 300 Seiten
umfaßt? Sie können der Welt helfen, indem Sie bedeutende
Werke herausbringen."
Bei Verdiensten
zögere ich nicht, meiner Anerkennung Ausdruck zu verleihen:
"Das Buch ,Yoga
Asanas‘ ist wunderschön. Es hat seinen eigenen Reiz, obwohl
es schon viele Bücher auf diesem Gebiet gibt."
Auf
Einzelheiten achten
Ich bin auch sehr
darauf bedacht, genaue Anweisungen zu Einzelheiten zu geben.
"Du kannst Meditation über
das Zeichen von OM einführen. Das kann sowohl Saguna-
(mit Eigenschaften) als auch Nirguna-(ohne Eigenschaften)
Meditation sein. Drucke schöne Blätter mit dem OM-Zeichen
und schreibe als Fußnote ein paar Anleitungen für Konzentration
und Meditation darauf. Füge an den Seiten auch die Vier Mahavakyas (die
vier bedeutenden vedischen Lehrsätze, in denen verkündet
wird, daß Brahman und Atman identisch sind)
ein. Ich möchte auch ein Japa-Flugblatt: Drucke 108
Mal OM auf eine Seite. Wer keine Japa Mala (Perlenkette)
benutzen möchte, kann diese Seite durchgehen."
"Anbei ein ausführlicher
Artikel über Brahmarandhra (Fontanelle an der Schädeldecke).
Das reicht. Eine eingehende Schilderung über Perikarp, Nibodhaka-Feuer,
Nirwana Shakti und so weiter hilft dem Schüler nicht viel.
Das ist alles unverständlich und geheimnisvoll. Nimm keinen
Stoff aus anderen Büchern dazu. Was ich geschrieben habe,
genügt völlig. Kopiere nicht Stoff aus anderen Büchern
und verdirb die Schönheit damit."
Ich achte sorgfältig
darauf, wie meine Bücher herausgebracht werden. Manchmal wollten
die Verleger die Teile weglassen, die sie als nicht angemessen
oder als ungeeignet ansahen. Aber ich möchte nicht, daß dabei
irgendetwas Wertvolles verlorengeht. Im folgenden Brief verwies
ich daher auf deren Bedeutung und bat, sorgfältig darauf zu
achten, die Kraft des Geschriebenen zu bewahren, die beim Wechsel
der Sprache verlorengehen könnte.
"Sie können
einige Teile weglassen. Aber bedenken Sie, daß nicht die
Sprache oder der Stil die Menschen beeinflussen, sondern die Macht
hinter dem Gedanken. Beim Versuch, die Sprache und so weiter zu
verbessern, muß die ursprüngliche Kraft bewahrt werden.
Immer wenn Sie etwas ändern, müssen Sie sich die Absicht
des Verfassers überlegen. Rein metaphysische oder blumige
Ausschmückungen machen noch keine Verbesserung aus. Die Kraft
des Autors darf nicht verlorengehen. Behalten Sie das im Auge,
wenn Sie irgendwelche Verbesserungen vornehmen wollen."
Die folgenden Bemerkungen
zeigen, wie ich eine gute Produktion schätze und Streichungen
ablehne:
"Das Buch ist mit
der Einleitung sehr schön. Sie erwarten vielleicht, von den
Medien ,Kritik‘ zu bekommen. Das ist nur eine falsche Vorstellung.
Manche Zeitungen werden den Band loben. Wenn Sie eine ansprechende
Anzeige aufgeben, werden die Bücher weggehen wie warme Semmeln.
Zusammen mit der ,Praxis des Vedanta‘ gibt das eine gute Kombination
für das Studium des Vedanta."
"Zwischen der ersten
und zweiten Ausgabe von ,Yoga Asanas‘ besteht ein großer
Unterschied. Sie haben alle Sanskritausdrücke wie ,Parichchinna
Ananda‘, ,Bimba Ananda‘ und so weiter, weggelassen. Sanskritworte
haben eine ganz besondere Macht und Bedeutung. Unter dem Einfluß einer
humoristischen Wochenzeitschrift haben Sie sie gestrichen. Bitte
lassen Sie in Zukunft nicht eine einzige Silbe weg. Im Sanskrit
liegt Kraft, Schönheit und Eleganz. Es beeinträchtigt
den Gedankenfluß beim Lesen nicht im geringsten."
Kein
Urheberrecht
Ich erwarte von
den Verlagen keine Ertragsbeteiligung. Um die Arbeit tatkräftig
voranzubringen, bitte ich alle Verlage, mehrere Ausgaben meiner
Bücher in verschiedenen Sprachen herauszugeben. Ich verlange
kein Honorar. Ich gestatte allen Verlagen, meine Bücher zur
weiten Verbreitung auf der ganzen Welt zu drucken, ob sie mir nun
Prozente weitergeben oder nicht. Üblicherweise erhalte ich
pro 1000 gedruckte Exemplare 100 Stück. Diese verkaufe ich
nicht und verdiene nichts daran, sondern verteile sie an alle bedeutenden
Büchereien, Bildungs- und religiösen Einrichtungen und
an Zeitungen zur Rezension. Das erweist sich als wirksamer Werbekanal.
Die Auflagen sind schnell vergriffen und die Verlage verdienen
dabei. Ich möchte, daß alle Erfolg haben.
Mein Anliegen ist
die Verbreitung von Wissen. Von meiner kleinen Behausung zu Füßen
des Himalaya am Ufer des Ganges aus habe ich Hunderte sehr nützlicher
Bücher in allen Sprachen zur Auflage auf der ganzen Welt herausgebracht.
Das war möglich, weil ich keinerlei gewinnsüchtige Motive
damit verband. Meine großzügige Einstellung motivierte
viele Verlage in Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Amerika
und Indonesien. Manche Herausgeber möchten nichts mit wertvollen
Büchern über hohes Vedanta zu tun haben. Sie möchten
lieber mit dem schnellen Verkauf von Büchern über Magie,
Wunder und Yoga Gewinne erzielen. Bedeutende Werke über Vedanta
und Gesundheit verkaufen sich nur allmählich, daher sind die
Verlage nicht so sehr daran interessiert. Daher dachte ich über
eigene Veröffentlichungsmöglichkeiten nach. Um wertvolle
Bücher im Interesse zukünftiger Generationen zu erhalten,
habe ich jetzt das Urheberrecht für alle meine Werke der Divine
Life Society oder der Yoga Vedanta Forest
University übertragen. Trotzdem dürfen auch andere
meine Bücher veröffentlichen.
Wenn ich auch keine
Exemplare als Gewinnbeteiligung fordere, so bitte ich die Herausgeber
doch höflich, mir einige Ausgaben zur kostenlosen Verteilung
zur Verfügung zu stellen. In der Regel geben sie mir großzügig
100 oder 150 Exemplare pro 1000 Stück Auflage. Ich nenne diese "Beteiligungsexemplare" Ganesha
Puja (Verehrungsritual für Ganesha), eine Opfergabe an
Gott. 1936 schrieb ich die folgenden Zeilen an einen indischen
Verleger:
"Bitte denken Sie
an die Ganesha-Puja-Exemplare. Das liegt in Ihrem eigenen
Interesse. Die ersten Früchte, die ein Baum trägt, sollten
Gott oder Sannyasins dargebracht werden. Das bringt Wohlergehen
und Erfolg. Dasselbe gilt für die Ganesha-Puja-Ausgaben.
Der Verleger sichert sich damit Wohlstand hier und im künftigen
Leben. Ich setze sie auch wunderbar werbewirksam für den Verkauf
der Bücher ein."
Es freut mich sehr,
wenn alle Bücher im Universitätsverlag gedruckt werden,
da ich dann volle Freiheit habe. Die druckfrischen Ausgaben verteile
ich sofort kostenlos an Ashrambewohner, Besucher, Pilger und per
Post an alle Anhänger, Zweigstellen der Divine Life Society,
religiöse und schulische Einrichtungen. Jeden Tag mache ich
das Büro leer und finde doch immer wieder neue Vorräte
aus der Druckerei. Jetzt gibt es in ganz Indien und Hongkong zahlreiche
Anhänger, die meine Bücher in großen Auflagen drucken
und mir zur Verfügung stellen. Ich freue mich sehr, wenn Anhänger
Beiträge für diese Veröffentlichungen, den Unterhalt
der Schüler im Ashram oder die Kranken im Krankenhaus spenden.
Einstellung
zum Gewinn
Als es einmal buchhalterische
Unstimmigkeiten mit einem Verleger gab, bat ich einen meiner Schüler,
sich richtig zu benehmen und einen kühlen Kopf zu bewahren.
Nachstehend wiedergegebene Briefe an ihn machen meine Haltung gegenüber
Geschäftsleuten deutlich:
"Sei ruhig und
gelassen. Ärgere Dich nie. Sei großzügig und würdevoll.
Die ganze Welt ist Dein, ist Dein Körper, Deine Heimat. Benimm
Dich wie ein Sakshi (unbeteiligter Zeuge). Sei auf der Hut."
"Streite nicht.
Sei unter allen Umständen höflich, zivilisiert und anständig.
Geld ist nichts. Sei immer freundlich zu den Verlegern. Werde furchtlos.
Streite nicht bezüglich der Rechnungen. Sei edel. Sei vernünftig.
Wenn sie unrecht haben, zeige ihnen den Fehler auf. Wenn sie darauf
beharren und an ihren Fehlern festhalten, schweige. Übergehe
die ganze Angelegenheit, auch wenn wir einen schweren Verlust erleiden.
Gebrauche keine schroffen Worte in Deinem Brief. Jede Zeile muß Höflichkeit
und Gefälligkeit ausstrahlen. Regle die Angelegenheit ohne
vor Gericht zu gehen. Konsultiere einen Anwalt. Verliere nicht
Deinen Gleichmut. Handle wie ein Sannyasi!"