6. KAPITEL
DER SIVANANDA-ASHRAM
Probleme
spiritueller Einrichtungen
Spirituelle Organisationen
mit hohen Zielen sollten nur von großen Meistern (Mahatmas)
gegründet werden, die völlig frei, vollkommen und selbstlos
sind. Religiöse Einrichtungen selbstsüchtiger Menschen
werden zu Kampfstätten, zu einer Bedrohung für die Gesellschaft
und richten die Beteiligten zugrunde. Aufgrund falsch geführter
Institutionen und Ashrams verlieren die Menschen auf Dauer ihren
Glauben an Gott und an die Religion und verdammen alle Meister
als Pseudo-Yogis. Manchmal machen Leute mit egoistischen Motiven
spirituelle Einrichtungen als ein Geschäft auf. Sie leiten
die Menschen in die Irre.
Sogar ein von einem
selbstverwirklichten Meister ursprünglich mit hohen Zielen
und Idealen gegründeter Ashram kann später durch Gewinnsucht
entweiht werden. Die Gründer müssen überdurchschnittlich
befähigt sein, der Menschheit zu dienen. Dann, und nur dann,
kann jederzeit wahrer Dienst geleistet werden. Wenn es an Interesse
und Glaube (Shraddha) fehlt, wird es schwierig, die Arbeit
systematisch weiterzuführen. Vor allem ist es sehr schwer,
Mitarbeiter mit entsprechenden Fähigkeiten und der nötigen
Hingabe zu finden. Heutzutage schätzen Aspiranten den Wert
selbstlosen Dienstes nicht besonders. Viele Ashrams leiden unter
dem Mangel an fähigen Mitarbeitern.
Der
Ashram wuchs von selbst
Ich dachte nie
daran, einen Ashram aufzumachen. Als der große Andrang von
Schülern und Anhängern kam, die Führung suchten,
schuf ich, um ihnen zu helfen und sie für die Welt nützlich
zu machen, Betätigungsfelder für ihre Entwicklung und
für das öffentliche Wohl, ermutigte sie in ihren Studien
und spirituellen Praktiken (Sadhana) und sorgte für
die notwendigen Voraussetzungen hinsichtlich Unterkunft und Verpflegung,
wobei ich die Spenden verwendete, die ich von einigen Bewunderern
für persönliche Zwecke erhalten hatte. Im Laufe der Zeit
entstand so um mich herum ein riesiger Ashram und eine mustergültige
Institution in einem passenden Umfeld, eine große spirituelle
Siedlung – ShivanandaNagar.
Ich arbeitete nicht
nach großartigen Plänen oder Entwürfen. Ich bat
keine bedeutenden Persönlichkeiten oder Maharadschahs um Geld.
Die Welt schätzte den Dienst, der hier nach rechten Grundsätzen
geleistet wurde. Etwas Hilfe kam aus göttlicher Quelle und
ich setzte jeden Cent wohlüberlegt, zum höchsten spirituellen
Nutzen der Welt, ein. Jedes Jahr tauchen neue palastartige Gebäude
auf; trotzdem mangelt es immer noch an Unterkunftsmöglichkeiten
für die Bewohner und den Besucherstrom. In jeder Phase entwickelte
sich das Werk glänzend. Verschiedentlich drängten mich
meine Anhänger zu Werbetouren für Geldspenden. Das war
mir unmöglich. Ich freue mich, allen zu geben und zu dienen.
1940 wurden große Vorbereitungen für eine ausgedehnte
Reise im Pandschab getroffen. Ich schickte sofort ein Telegramm
und sagte ab. Die telegrafische Absage macht die Haltung deutlich,
mit der ich den Ashram führe:
"Es kümmert
mich nicht, ob die Divine Life Society gedeiht oder nicht.
Wenn es Gottes Gnade will und wir unsere spirituellen Praktiken
(Sadhana) und den Dienst mit der richtigen Einstellung,
mit Bhava (Gefühl) und Shraddha (Glauben) weiterführen,
wird sicher Hilfe aus Göttlicher Quelle kommen. Laßt
mich so viel wie möglich dazu beitragen, indem ich in meiner
eigenen kleinen Behausung am Ufer des Ganges bleibe. Wo Honig ist,
kommen die Bienen von selbst. Rottet den Wunsch nach Geld rücksichtslos
aus."
In kurzer Zeit
wuchs das Werk. Jetzt werden regelmäßige Kurse über
Yoga, Bhakti, Vedanta und
Gesundheit durchgeführt. Heute leben mehr als 300 Schüler
mit allen Annehmlichkeiten bei mir, folgen dem Yogaweg und dienen
der Welt auf vielfältige Weise. Ruhm dem Herrn. Gepriesen
seien die Aspiranten. Schüler unterschiedlicher Religionen
und Glaubensbekenntnisse kommen aus mehreren Ländern und bleiben
wochen- oder monatelang bei mir. Anhänger aus ganz Indien
kommen oft in den Ashram und schließen sich dem gemeinschaftlichen
Sadhana (spirituelle
Praxis) und Satsang (Zusammensein mit Weisen) an.
Wo
alle willkommen sind
In den Schriften
sind Viveka (Unterscheidungskraft), Vairagya (Leidenschaftslosigkeit),
Shat-sampat (sechs
edle Tugenden) und Mumukshutwa (Wunsch nach Befreiung) als
Voraussetzungen für spirituelle Anfänger vorgeschrieben.
Manche strenggläubigen Richtungen haben Kastenbeschränkungen
und bestehen darauf, daß die Schüler alle vier Lebensphasen,
nämlich Brahmacharya (Keuschheit), Grihastha (Berufs-
und Familienleben), Vanaprastha (Rentnertum) und dann Sannyasa (Gelübde
der Entsagung) der Reihe nach durchlaufen. Wenn Schüler zu
mir kommen, frage ich nicht nach ihren Voraussetzungen, ihrer Stellung,
Herkunft, Kaste oder Fähigkeit. Ich heiße selbst Diebe
und Schurken, Menschen in zartem Alter sowie Kranke und Alte willkommen.
Ich weiß wohl, daß sie alle zu dynamischen Yogis werden
in der Gesellschaft von Weisen und Heiligen oder wenn sie an einem
Ort voll wunderbarer spiritueller Schwingungen bleiben dürfen.
Vollkommene
Freiheit
Die spirituellen
Schwingungen des Ashrams tragen sehr wirkungsvoll dazu bei, die
Menschen auf dem Yogaweg zu formen. Tausende haben das erfahren.
Ich erlege den Aspiranten, die im Ashram bleiben wollen, keinerlei
Vorschriften oder Beschränkungen auf. So viele Menschen wie
wollen können kommen, bleiben, so lange sie wollen und wieder
gehen, sobald sie es wünschen. Ich verlange keine Arbeit,
Dienst oder Hilfe von ihnen. Ich gestatte ihnen, ihre eigenen Studien
und spirituellen Praktiken weiterzuführen und helfe ihnen
in jeder möglichen Art und Weise.
Sehr ergebene Aspiranten,
die selbstlosen Dienst für ihre eigene Entwicklung wertschätzen,
verbringen ihre ganze Zeit mit nützlicher Arbeit und führen
die Geschäfte der Gesellschaft sehr gut. Für sie ist
alles Yoga. Sie sind alle YogaBhrashtas (in früheren
Leben hochentwickelte, wieder gefallene Yogis), anschauliche Beispiele
und Vorbilder für die Welt. Tausende von Aspiranten waren
schon im Ashram und haben ihn nach der Ausbildung entweder zu vertieften
spirituellen Praktiken in der Einsamkeit oder zu tatkräftiger
Arbeit in der Welt wieder verlassen; trotzdem ist der Ashram immer
voll und jeden Tag bitten mindestens ein Dutzend hochgebildeter
Bewerber um Aufnahme. Die Gruppenmeditation, das Zusammensein mit
Weisen (Satsang) und das Bad im heiligen Ganges fördert
die Schüler auf unerklärliche Weise. Durch ihre Arbeit
kommen sie alle in engen Kontakt mit mir und lernen in Kürze
sehr viel. Rasch und ohne besondere Anstrengung entwickeln sie
göttliche Eigenschaften und werden große Yogis.
Das
Wunder der Wunder
Wie ist es möglich,
einen Ashram unter den oben beschriebenen Umständen zu führen?
Vielen ist das ein Rätsel. Auf die Welt wirkt es wie ein Wunder.
Die Leute stutzen. Ich mache mir nicht im geringsten Sorgen, wenn
die Sekretäre und Leiter des Ashrams oft mit einer langen
Liste von Verbindlichkeiten über 100.000 Rupien zu mir kommen.
Die Leute wundern sich grenzenlos, wenn ich trotz solcher Schulden
den Kauf von Druckmaschinen für den Universitätsverlag
bewillige oder die neuesten Kameras, Vergrößerungsgeräte
und Projektoren für das Studio oder den Bau von großen
Hallen, Tempeln und Ghats am Ufer des Ganges.
Manche Bewohner
behaupten, daß sie hier mehr Essen und Annehmlichkeiten haben
als sie zum Leben brauchen. Sie fühlen sich reich und glücklich.
Manche sehen vielleicht aus wie gewöhnliche Dorfbewohner oder
haben keine besondere Ausbildung. Aber ich stelle fest, daß jeder
im Ashram ein großer Heiliger ist mit wunderbaren verborgenen
Fähigkeiten und Begabungen. Hervorragende Persönlichkeiten,
die den Ashram besuchen, sind sprachlos über die wunderbare
Entwicklung unserer Hausgenossen, wundern sich über ihr Können
und fragen: "Lieber Swamiji Maharaj, wie findest du so viele begabte
Leute?"
Gibt es irgendeinen
Fall, in dem ich einen Ashram-Bewohner aufgefordert hätte,
zu gehen oder ihm gegenüber negative Gefühle an den Tag
gelegt oder harte Worte gebraucht hätte? Kein einziger. Wenn
mir ernstliche Beschwerden vorliegen, daß ein Schüler
(Sadhaka) den Frieden des Ashrams stört oder sich nicht
in den reibungslosen Arbeitsablauf einfügt, bitte ich ihn,
zu gehen und sich woanders niederzulassen. Ich gebe ihm genug Reisegeld
und ein Empfehlungsschreiben an Anhänger, damit sie ihm helfen.
Bei seiner Abreise gebe ich ihm spirituelle Ratschläge und
bete für sein Wohlergehen und seine Erleuchtung. Nach ein
paar Tagen oder Wochen empfindet er den Ashram als sein trautes
Heim und kommt mit einer veränderten inneren Einstellung zurück.
Ich heiße ihn herzlich willkommen. Ich vergesse Vergangenes
leicht. Ich bin nicht nachtragend. Ich erlaube unnützen und
pessimistischen Menschen und sogar denen, die mich kritisieren
und die Leitung angreifen, im Ashram zu bleiben. Nach einem kurzen
Aufenthalt sind sie auf wunderbare Weise verwandelt. Ich entdecke
Freude und Glückseligkeit auf ihren Gesichtern.
Wie
man sich um Aspiranten kümmern sollte
Ich bringe allen
Yogaschülern grenzenlose spontane Großzügigkeit,
Liebe und Zuneigung entgegen, ungeachtet ihres Alters oder Geschlechts,
ihrer Fähigkeiten oder Anlagen. Ich freue mich sehr über
die, die Japa oder ein wenig Meditation ausüben oder
der Gesellschaft, Kranken und Armen Dienste erweisen. Ich biete
allen Arten von Menschen einen weiten Spielraum, im Ashram zu bleiben
und sich durch Sadhana oder Arbeit für die spirituelle
Erhebung der Menschheit zu entfalten. Ich kümmere mich besonders
um alte Menschen, junge Aspiranten und hilflose Kranke. Süßigkeiten
und Früchte verteile ich immer zuerst an sie und nehme dann
selbst ein wenig.
Ich erinnere mich,
wie ich den alten Mönchen (Sadhus) im Swarg Ashram
Milch und Quark brachte, ihre Beine wusch und ihnen Arzneien verabreichte,
wenn sie krank waren. Auch heute noch schicke ich einen Teil meines
Essens zuerst ein paar Sannyasi-Schülern und Besuchern
des Ashrams. Jahrelang brachte ich einen Teil meiner eigenen Mahlzeit
persönlich den Schwerarbeitern, die sich nur dürftig
ernährten und bei schlechter Gesundheit waren. Später,
als die Arbeit in jeder Hinsicht zunahm, hatte ich immer zwei junge
Brahmacharis bei
mir, die an alle Ashrambewohner Früchte und Kekse verteilten.
Sie wurden nicht einfach in die Räume geworfen in der Art
hochmütiger Wohltätigkeit weltlicher Menschen. Ich hatte
dabei das Gefühl (Bhav), Gott auf diese Weise zu dienen.
Ich verneigte mich zuerst und bot ihnen dann die Gaben an.
Wenn ich gelegentlich
Geld, Bücher oder Eßwaren an Schüler in Außenstellen
schicke, sage ich stets dazu: "Möge dies freundlich angenommen
werden". Für die spirituelle Vervollkommnung ist Bhav,
das innere Gefühl und Motiv, wichtiger. Das ergab sich bei
mir ganz natürlich, ohne bewußte Anstrengung. Es geschah
nicht wie der Dienst selbstsüchtiger Leute um des eigenen
Ansehens willen. Der freiwillige Dienst an Kranken, Armen und Hilflosen
in aller Demut ist mein Hauptyoga und diese eine Tugend allein
half mir, alle göttlichen Eigenschaften zu entwickeln und
Gott hinter allen Namen und Formen zu sehen.
Hilfsbereitschaft
und Liebe gegenüber allen
Aufgrund von Prarabdha (Wirkungen
des Karmas aus früheren Leben), Vikshepa (Unruhe, Verwirrung)
des Geistes, auf der Suche nach sinnlichen Vergnügen oder
Luxus oder weil sie andere Orte sehen wollen, versuchen manche,
vom Ashram wegzugehen. Manche fortgeschrittene Schüler möchten
nach Jahren im Ashram Meditationserfahrungen im Himalaya erleben.
Ich bewundere sie und stelle ihnen alles Nötige zur Verfügung.
Sie hängen alle von Almosen ab, aber ich schicke ihnen zusätzlich
Geld für Milch und Obst. Tatkräftige Schüler möchten
der Menschheit helfen und auf Vortragsreisen gehen. Ich organisiere
spirituelle Zusammenkünfte und schicke sie in verschiedene
Zentren.
In der Vergangenheit
gab es ein paar Schüler mit übermächtigen Sinnen
und Sehnsüchten, die mich kritisierten, den Ashram und den
ganzen Himalaya beschimpften und uns im Zorn verließen. Ich
segnete sie und betete um Licht, Wissen, rechtes Verständnis
und innere geistige Kraft für sie. Aber alle gehen nur weg,
um nach einer tiefgreifenden Veränderung des Herzens wieder
in den Ashram zurückzukehren. Ich nehme sie mit großer
Liebe und Zuneigung auf. Ich vergesse Vergangenes schnell. Jemand
kann hundertmal weggehen und wiederkommen. Meine Liebe zu ihm ist
größer. Menschen können nicht durch Zwang, Regeln
oder Vorschriften in göttliche Wesen verwandelt werden. Sie
müssen alle ihre eigenen, unmittelbaren Erfahrungen machen.
Im Ashram ist jeder
für den einen oder anderen Arbeitsbereich verantwortlich.
Wenn Mitarbeiter plötzlich weggehen, leidet die Arbeit natürlich
darunter. Eine Menge Unregelmäßigkeiten können
auftreten, wenn neue Leute die Arbeit übernehmen. Es könnte
sogar zu großen Verlusten führen. Trotzdem habe ich
nur den Fortschritt und das Wohlergehen, die Erkenntnis und den
Frieden des Einzelnen im Auge und stehe daher niemandem im Weg,
der weggehen will.
Persönliche
Aufmerksamkeit und Betreuung
Beispiele aus Briefen,
die ich vor Jahren an Schüler in Außenstellen geschrieben
habe, zeigen, wie ich mich um meine Schüler kümmere:
-
Shri A. verbessert
sich wunderbar. Er ist jetzt oberster Küchenmeister und
gleichzeitig Chefschreiber. Bitte gib ihm einen Satz Upanishaden,
einen Füller und eine Ausgabe meiner "Praxis des Vedanta" auf
meine Rechnung.
-
Bitte achte
gut auf Shri S.R.C. Seine Gesundheit ist schon schwach. Er
hat jetzt einige Beschwerden. Sein Essen ist dürftig. Sei
so nett und besorge ihm salzige Kekse und Obst. Er mag keine Süßigkeiten.
Mögest Du allezeit im Herrn bleiben.
-
Wenn Du Geld
brauchst, schreibe mir sofort. Verdirb Dir Deine Gesundheit
nicht im Namen von Tapasya (Askese). Du kannst machen was Du
willst. Jedenfalls verbringe die Zeit sinnvoll. Möge
Gott Dich segnen.
-
Wie geht es
Dir gesundheitlich? Schreibe alle Deine Erfahrungen auf und
schicke mir einen Bericht, wie Du die 24 Stunden des Tages verbringst.
Mein lieber Yogiraj, Du kannst jederzeit in den Ashram
zurückkehren. Das ist Deine geistige Heimat. Voraussetzungen
für ununterbrochene spirituelle Praxis und Vervollkommnung
sind:
Sie stellen einen
schnellen spirituellen Fortschritt sicher. Dann kann man ohne Besorgnis
und Angst in der Yogapraxis voranschreiten. Und alle nötigen Voraussetzungen
findest Du hier im Ashram. Soll ich Dir Geld für die Zugfahrt schicken?
Herzliche Grüße.
Ermutigung
und Ratschläge
Ich bin stets jenen dankbar,
die der DivineMission Dienste geleistet haben. Ich schätze
ihre Dienste ungeheuer und lobe sie überschwenglich. Ich kümmere
mich auch um die persönlichen Bedürfnisse meiner Schüler,
um ihre Gesundheit und spirituelle Entwicklung. Vor einigen Jahren schrieb
ich an einen meiner Schüler:
-
Achte gut auf Deine
Gesundheit. Du kannst nicht nur von Wasser und Luft leben. Gib
diese Idee sofort auf. Nimm nahrhaftes Essen und viel energiereiches
Obst
zu Dir. Lerne Dich zu entspannen. Das ist sehr wichtig. Unternimm lange,
schnelle Spaziergänge. Du hast dieses Jahr gute Arbeit beim
Drucken geleistet. Das reicht bei weitem. Alles ist Sein Werk.
Alles ist Seine
Gnade. Spüre das. Hast Du es bequem dort? Kann ich Dir Geld
für
Deine persönlichen Ausgaben schicken? Wer aktiv an der Verbreitung
von Wissen arbeitet oder sich zu intensivem Sadhana zurückzieht,
braucht Milch und nahrhaftes Essen.
-
Du hast Wunder vollbracht.
Das ist keine Schmeichelei. Ich habe nie so viel von Dir erwartet. Überarbeite
Dich nicht. Reguliere Deine Energie. Ruhe Dich in Vororten aus,
wenn Du ausgelaugt bist. Organisiere Kirtans (Mantrasingen) in
verschiedenen
Zentren an Ekadashi (11. Tag nach Vollmond und nach Neumond).
Führe wöchentliche Kurse durch. Rede einzeln mit den
Leuten; damit kannst Du sie mehr beeinflussen. Übernachte
nie bei Familien. Meide die Frauen, spiele und scherze nicht
mit ihnen.
-
Fürchte Dich nicht
vor der Kälte in Rishikesh. Sorge Dich nicht unnötig.
Du kannst meine Decken benutzen. Hole Dir Milch und Tee aus dem
Laden auf meine
Rechnung. Mögest Du Dich Ewigen Friedens erfreuen.
-
Ruhe Dich
aus. Arbeite nicht so hart. Behandle den Kopf mit kühlendem Öl.
Mache frühmorgens
Pranayama,
wenn es kühl ist. Das wird Dich wieder reichlich mit Energie
aufladen. Iß auch Früchte. Vernachlässige die
Morgen- und Abendmeditation nie. Das Ziel eines Sannyasi ist
die Verwirklichung
des Absoluten. "Aham
Brahma Asmi – ich bin Brahman". BrahmaNishta (Verwirklichung
Brahmans) ist Deine Nahrung und Dein Alles. Diese Einstellung
kannst Du beim Karma Yoga aufrechterhalten.
Ich schätze Sanskrit
sehr und ermutige Schüler, die sich dafür interessieren, es zu lernen – auch
wenn es zu Lasten des Ashrams selbst geht. Einmal schrieb ich an einen Schüler:
"Besäße ich
einen Geist oder einen Baum, der Geldnoten und Münzen als Früchte
hervorbringt, so könnte ich die Sanskritstudenten leicht zufriedenstellen.
Ihr Bedarf nimmt kein Ende. Ich muß etwas tun, um ihnen zu helfen.
Sie leisten wundervolle Forschungsarbeit. Ihr Studium wird ernstlich beeinträchtigt,
wenn wir die Bücher nicht besorgen können. Ich möchte ein
Sanskrit-Kolleg mit vielen Studenten gründen und ihnen alle Unterlagen
für ihre Quellenarbeit in der Sanskritliteratur zur Verfügung
stellen. Wir sollten uns erbarmen und anderen helfen, selbst unter Opferung
unserer eigenen Wünsche. Das ist meine angeborene Natur. Das ist das
Dharma (Pflicht)
eines Heiligen."
Der
Geist der Anpassung
Als einer meiner Schüler
den Ashram aus irgendeinem Grund verlassen hatte, hatte ich auf einmal
das Gefühl, seine wertvolle Erfahrung und Fähigkeit sollten um
des Dienstes an der Menschheit willen nicht verlorengehen. So schrieb ich
ihm:
"Ich hatte Dir Geld für
Deine Ausgaben geschickt. Es kam zurück mit dem Vermerk ,Ist weggegangen¢ .
Ich bin Dir stets zu Diensten. Doch Du lehnst es ab. Warum solltest Du
von irgend jemandem abhängig sein, wenn ich da bin, um Dir auf jede
Art und Weise zu helfen? Warum solltest Du in Städten mit weltlichen
Menschen zusammenleben? Es gibt verschiedene Gebiete hier, auf denen Du
ruhig, sanft, langsam, wenig und unabhängig arbeiten kannst, ohne
mit jemand anderem als mir verkehren zu müssen.
Auf allen Gebieten fehlt
es an Leuten und richtiger Aufsicht. Selbst wenn Du Dich nur ein wenig
um den Schriftwechsel kümmerst, ist das eine große Hilfe für
die Welt. Du kannst mich auf hunderterlei Arten unterstützen. Arbeite
nicht so hart wie vorher. Arbeite ein bißchen, ohne jegliche Verpflichtung.
Das ist Gottes Segen und Gnade. Ruhe viel und arbeite ein wenig. Du kannst
dem Ashram fernbleiben. Man wird Dir Dein Essen in Dein Zimmer stellen.
Ich werde Dir Geld für Deine Auslagen geben.
Hier ist kein Mangel an
Essen für Dich. Ich verweigere niemandem die Nahrung. Warum
solltest Du in Städten leben? Nach und nach wirst Du all Deine
Fähigkeiten
verlieren, wenn Du sie nicht einsetzt. Die weltliche Atmosphäre
ist dem spirituellen Fortschritt nicht zuträglich. Komm deshalb
gleich nach Rishikesh. Darf ich Dir das Geld für die Fahrkarte
schicken? Wenn Du willst, kannst Du sechs Monate hier leben und sechs
Monate in der
Stadt.
Wenn Du Deinen Standpunkt,
Deine Sicht, Vorstellung und Haltung ein bißchen änderst, kannst
Du hier und überall glücklich sein. Der Mensch leidet aufgrund
seiner eigenen Vorstellung und alter Denkgewohnheiten. Er gestattet sich
nie, sich zu ändern. Das ist Maya (Täuschung). Füge
Dich ein und passe Dich an. Sei immer glücklich und heiter. Entwickle
Dich schnell, werde ein dynamischer Yogi und bringe der ganzen Welt Licht
und Wissen."
Wer
einen Ashram gründen kann
Ein Ashram ist ein herrliches
Zentrum zur Sicherung des Weltfriedens. Viele begeisterte Menschen gründen
Ashrams mit einem schönen Briefpapier. Das reicht nicht. Es bringt
keine guten Ergebnisse, wenn Anfänger neue Ashrams ins Leben rufen.
Um einen Ashram erfolgreich zu leiten, braucht man besondere Fähigkeiten.
Für Anfänger ist ein solcher Versuch ein Hindernis, für
fortgeschrittene Schüler ein Rückfall. Vor vielen Jahren baten
mich einige Sannyasins schriftlich um finanzielle Unterstützung
und Rat, um die Aktivitäten ihres Ashrams zu verbessern. Meine Antwort
an einen von ihnen ist nachstehend wiedergegeben. Sie erklärt eindeutig
meine Haltung und Grundsätze:
"Geliebter Swamiji, Deine
Errungenschaften, Bestrebungen, Zwecke und Ziele sind in der Tat lobenswert.
Oh Swamiji, strebe nicht nach Ansehen als Guru oder nach Bequemlichkeit
und Berühmtheit, wenn Du einen Ashram oder eine religiöse Gemeinschaft
gründest. Gründer von Ashrams sind im allgemeinen anfangs bescheiden
und leisten zahlreiche Dienste. Wenn sie reich geworden und fest etabliert
sind, kümmern sie sich nicht mehr um das Gemeinwohl oder die individuelle
Entwicklung. Sie werden überheblich und selbstherrlich. Hüte
Dich vor Versuchungen und arbeite immer als demütiger Diener (Sevak).
Gib auch nach der Selbstverwirklichung Deine tägliche spirituelle
Praxis (Sadhana) nicht auf.
Ich kenne keinen reichen
Herrscher oder Großgrundbesitzer. Ich habe keine Schüler. Ein
paar Anwärter, die echte spirituelle Anleitung wollen, betrachten
mich als ihren Lehrer. Ich kümmere mich sorgsam um sie. Das ist alles.
Ich kann Dich nicht mit Geld unterstützen. Ich diene der Welt auf
vielfältige Art und wirke durch alle Ashrams, Mutts (Klöster)
und religiösen Einrichtungen.
Wenn Du selbstlosen Dienst
für das Gemeinwohl leistest, wenn die Menschen den Geist der
Entsagung in Dir spüren, werden sie Dir von sich aus gerne auf
jede mögliche
Art und Weise helfen. Bewege nicht Himmel und Erde um Geld. Versuche
Dein Glück nicht bei Rennwetten. Sadhus (Mönche) sollten
nicht an so etwas denken.
Heutzutage legen Aspiranten
keinen Wert auf ihren spirituellen Fortschritt. Sie rasieren den Kopf kahl,
färben ihre Kleider, bleiben eine Weile in Rishikesh und gelten dann
als große Yogis. Sie fangen an, Geld zur Gründung von Ashrams
zu sammeln, um ein angenehmes Leben zu führen.
Es gibt genug Ashrams und Mutts (Klöster)
in Indien. Aufrichtige, selbstlose Arbeiter sind selten. Bevor man einen
Ashram ins Leben ruft, muß man ein vorbildliches Leben geführt
haben. Allein durch seine Gegenwart muß man allen Frieden, Kraft
und Segen vermitteln. Nur dann kann man die Einrichtung erfolgreich führen."
Man
darf die Ideale nicht vergessen
"Vor der Gründung
eines Ashrams sind die Wahlsprüche, Beweggründe und Ziele zweifellos
erhaben und positiv. Sobald sich ein wenig Geld und Ruhm einstellen, sind
diese Ideale vergessen. Der Geist selbstlosen Dienstes schwindet dahin.
Die Ziele werden aufgegeben. Die Gründer wollen ein angenehmes Leben
mit einigen auserwählten Schülern und Gefolgsleuten führen.
Selbst angenommen, die Gründer wären in der Lage zu einem vorbildlichen
Leben, so werden ihre Schüler das Werk später doch nicht mit
demselben Geist fortsetzen können. Es wird eine Stätte von Zank
und Streit oder ein geschäftliches Unternehmen. Der Leiter eines Ashrams
und seine Mitbewohner sollten ein Leben in Vairagya, vollständigem
Verzicht auf weltliche Wünsche, führen. Ein Ashram, der von solchen
Menschen geführt wird, bildet einen Mittelpunkt und Kern dauerhaften
Friedens, ewiger Wonne und Freude. Er zieht alle an. Millionen auf der
ganzen Welt werden angeregt. Solche Ashrams braucht die Welt immer.
Jeder Sannyasi,
jeder Yogaschüler hat den einen oder anderen Fehler. Nur ein voll
entfalteter Yogi ist ganz frei von schlechten Eigenschaften und Fehlern.
Alle befinden sich auf dem Weg der Entwicklung. Jeder kann sich manchmal
oder sogar auch oft irren. Werde duldsam. Siehe das Gute in allen. Einen
leichten Bruch oder eine Reibung gibt es sicher gelegentlich zwischen Freunden
und Mitarbeitern, manchmal auch zwischen Sannyasins. Man muß dem
anderen verzeihen, sich wieder zusammenfinden und Vergangenes vergessen.
Du mußt die Neigung entwickeln, nur das Gute in anderen zu sehen
und diese Aspekte im täglichen Umgang betonen. Niemand ist vollkommen
schlecht. Denke daran. Du mußt anpassungsfähig sein, wenn Du
mit anderen verkehrst. Beherrsche Deine Regungen vollkommen. Nur dann werden
sich mehr Leute glücklich fühlen, bei Dir zu leben und Deinem
Ashram zu dienen. Möge die edle Mission, die Du ins Leben gerufen
hast, prachtvoll gedeihen. Ich helfe Dir jederzeit gern."