Antwort auf deine Fragen
von Swami Krishnananda
Swami Krishnananda im Dialog mit seinen Besuchern zu verschiedenen Themen des Leben.
70. Der Segen Shivananda’s
Janie: Swamiji, ich würde mich freuen, wenn Du uns etwas darüber
erzählen könntest, wie Du Deinem eigenen Meister, Swami Shivananda,
begegnet bist?
Swamiji: Was möchtest Du wissen ?
Janie: Ich war erstaunt zu hören, daß Du, als Du IHN getroffen
hattest, etwas erkannt hattest, was Du schon immer wußtest.
Swamiji: Oh, das Zusammentreffen mit ihm war so, als würde man
einen Riesen treffen. Weißt Du, was ein Riese ist? Auf diese Weise
traf ich IHN, einen Riesen, der jeden, der ihm nahe kommt, in Erstaunen
versetzt. Doch dies „in Erstaunen versetzen“ war ein Art
Lehre und ein Empfangen. Wenn man aus einer Höhle oder einen Raum
kommend, in die heiße Sonne hinausgeht, ist man überrascht,
denn man wird von der Sonne Willkommen geheißen, die Macht und
Größe der Sonne läßt Dich erstaunen. Was meinst
Du dazu?
Besucher: Ja.
Swamiji: So ähnlich verhielt es sich bei der Begegnung mit Swami
Shivananda. Auf diese Weise habe ich Wochen und Monate gebraucht, um
mich auf die Atmosphäre der turmhohen Persönlichkeit einzustellen.
Was erwartest Du von mir, was soll ich Dir erzählen? Es war in
vielen Dingen nicht leicht, sich darauf einzustellen. Wir mußten
unsere Ernährung umstellen, die Lebensweise, die Wohnverhältnisse
ändern, auf Komfort verzichten und, was das schlimmste und am schwierigsten
war, wir mußten unsere Denkweise ändern.
Zu Hause denkt man in einer bestimmte Art und Weise und, wenn man hier
im Ashram ist, muß man vollkommen anders denken. Der Ashram ist
eine andere Welt mit neuen Gesetzen und Regeln, an die sich der Verstand
nur schwer sofort gewöhnen kann, und darunter leidet er eine Zeit
lang. Dieses Leiden kann einige Monate andauern; selbst das Leiden des
physischen Körper’s kann kaum ertragen werden. Die klimatischen
Bedingungen sind neu. Es ist sehr heiß, dann wieder kalt und manchmal
regnet es auch sehr ausgiebig usw.. Man muß sich auch auf die
klimatischen Bedingungen einstellen.
Doch trotz all dieser Schwierigkeiten sind wir, die hier leben, sehr
glücklich. Man mag erstaunt sein, wie ein Mensch unter diesem Leidensdruck
überhaupt glücklich sein kann. Ist das nicht das gleiche Glücksgefühl,
das man bei den Schmerzen während eines chirurgischen Eingriff
spürt, und sind das nicht die gleichen Schwierigkeiten? Man ist
darüber glücklich, daß man nach dem Eingriff wieder
ein gesundes Leben führen kann. Dieses Glücksgefühl geht
gleichermaßen mit dem Leidensdruck, den Schwierigkeiten, die man
hat, und dem Todeskampf während eines chirurgischen Eingriffs,
einher; - wie sollte man auch sonst diesen Leidensdruck durchstehen?
Trotz all dieser Schmerzen bei der medizinischen Behandlung existiert
gleichzeitig auch ein Glücksgefühl darüber, daß
man in guten chirurgischen Händen ist, die die Schmerzen beseitigen
können, und das macht froh, hoffnungsvoll und sicher. Solch ein
Gefühl hatten wir.
All jene Menschen, die vor mehr als fünfzig Jahre hier waren,
als ich hierher kam, sind heute nicht mehr hier. Die Menschen, die heute
hier im Ashram leben, sind wesentlich später gekommen. Nur zwei
oder drei von all den Menschen hier sind damals schon hier gewesen.
Von all den anderen haben viele nicht einmal Swami Shivananda persönlich
gesehen.
Leute wie ich, und zwei oder drei andere, empfinden es als besonderen
Segen unter dem Schutzschirm, der Sonnenwärme jener leuchtenden
Sonne, von Swami Shivananda, gelebt zu haben. Dies ist die Antwort auf
Deine Frage. Was möchtest Du sonst noch wissen? Wir hatten die
Ehre, uns in der Sonne Swami Shivananda’s zu wärmen.
Janie: Hast Du mit den anderen Leuten, die den selben Weg gingen, darüber
diskutiert, was mit Euch allen damals geschehen ist?
Swamiji: Ich sagte doch bereits, daß diese Leute nicht mehr hier
sind.
Janie. Hast Du damals mit ihnen darüber gesprochen?
Swamiji: Oh, es wird Dich erstaunen, aber damals waren Diskussionen
hier nicht erlaubt. Wir wollten nicht sprechen; wir sprachen mit niemandem.
Es gab keinen Grund mit anderen zu sprechen, denn es gab keine Themen,
über die man hätte sprechen können. Wir konnten auch
nicht mit Swami Shivananda sprechen, denn wir fürchteten uns vor
ihm. Wir hatten keine Gelegenheit, irgend etwas zu sagen; in diesem
Sinne verrichteten wir ohne jedes Gespräch unsere Arbeit, die uns
zugeteilt worden war. Wir sprachen nur mit uns selbst.
In jenen Tagen war es nicht so wie heute, denn es gab weniger als zwanzig
Ashrambewohner und nur ein halbes Dutzend Räume. Auf diese Weise
konnte niemand sprechen; es gab auch nichts, worüber man hätte
sprechen können. Wir standen alle unter dem beeindruckenden Einfluß
dieses großen Meisters, und ein beeindruckter Mensch ist nicht
in der Lage zu sprechen. [Gelächter] Es war eine große, wundervolle
Sache.
In der heutigen Welt ist solch eine Persönlichkeit nicht zu finden.
Solche Menschen sind selten, und ich weiß nicht, wie viele solcher
Menschen in dieser Welt leben. Solche Persönlichkeiten sind ausgestorben.
Sie sind nirgendwo zu finden. Sie sind keine normalen Menschen, sondern
Übermenschen. ER war von enormer Körpergröße, wohltätig,
großherzig, gütig, lächelnd, positiv und sagte immer:
„Wundervoll, ja, gut, gut.“ ER sagte niemals: „Das
ist schlecht, usw.. Alles ist gut, in Ordnung, schön.“ ER
sagte immer zusammenfassend, das alles in Ordnung ist. Dies gab einem
Mut, wenn man hörte: „Es wird schon richtig sein.“
Auf welche Weise es richtig war, sagte ER nicht, und doch war es nach
einiger Zeit in Ordnung. Ja. [Gelächter] Jetzt wohnt ER im Universalen,
und ist nicht mehr länger eine einzelne Person, so daß wir
ständig seine Gegenwart fühlen.
Heutzutage möchten die Leute bei den Gurus sitzen, doch wir liefen
vor IHM weg. Wenn ER des Weges kam, benutzten wir einen anderen Weg.
[Gelächter] Strömen die Schüler nicht heute zu ihren
Gurus? Doch so waren wir nicht. Wir liefen so weit wie möglich
davon, und wenn wir IHN drei Tage nicht sahen, waren wir sehr glücklich.
[Gelächter] Es ist wahr, denn, wenn wir IHN des Weges kommen sahen,
benutzten wir einen anderen Weg. Auf diese Weise war ER ein vollkommen
anderer Guru.
Der Unterschied zwischen seiner und unserer Situation war so groß,
daß wir es vor IHM nicht aushielten. Dies war der Grund, warum
wir weggelaufen sind; und wir fürchteten uns auch vor dem, was
ER uns sagen würde. ER mochte irgend etwas sagen, und es war wie
eine große Überraschung. Wir wollten keine Dinge hören,
die uns hätten überraschen können, aus diesem Grunde
wollten wir IHN überhaupt nicht sehen.
ER hätte beispielsweise plötzlich sagen können: „Verzichte
drei Tage lang auf das Essen.“ Wir hätten dies nicht von
IHM erwartet. Doch warum sprach ER so? Wir wären schockiert gewesen.
Was hatte es damit auf sich? „Von morgen an verzichtest Du drei
Tage lang auf das Essen!“ Was für ein Schock?
Wenn wir an kalten Wintertagen nur wenig bekleidet waren, sagte ER:
„Dies ist ein dummer Verzicht. Du setzt Deinen Körper unnötiger
Weise unter Druck und wirst noch krank, wenn Du weiter so herumläufst.
Dieser Körper wurde Dir von Gott als Tempel zum Dienen gegeben
und Du behandelst IHN unter dem Eindruck, als seist Du ein großer
Asket. Binde Dir einen warmen Schal um,“ sagte er.
Danach band man sich einen Schal um und verrichtete weiterhin seine
Arbeit. Zwei oder drei Monate lang liefen wir dann mit diesem Schal
herum; danach sagte ER dann: „Sieh Dir diesen Menschen an, er
ist so an diesem Schal verhaftet! [Gelächter] Selbst, wenn es warm
ist, hängt er an diesem Schal. Hey! Diese Verhaftung, selbst zu
einer Wolldecke, ist sehr schlimm!“ sagte ER. DU siehst, wir konnten
es nicht ertragen. Aufgrund seiner Beharrlichkeit hatten wir den Schal
umgebunden. Jetzt kritisierte ER uns, weil wir ihn umgebunden hatten.
Wie kannst Du vor diesem Swami bestehen? Man wußte nie, was ER
sagen würde.
Die Dinge, die ER sagte, waren sehr unangenehm, doch es waren große
Instruktionen, - man sollte weder zur einen noch zur anderen Seite übertreiben.
Spirituelles Leben hat nichts mit Übertreibungen zu tun, die sich
auf Vermeiden oder Erwarten beziehen. Man muß das Gleichgewicht
zwischen beidem bewahren. Man sollte weder an seinem Körper verhaftet
sein, noch sollte man ihn unter Druck setzen. Diese Mitte gilt es zu
bewahren, - die goldene Mitte war es, auf die ER Wert legte.
Die Menschen übertreiben immer. Sie betätigen sich in nichts
anderem als Japa, darum sagte ER: „Du wirst noch ganz lethargisch
werden. Arbeite ein wenig.“ Wenn man nur arbeitete, dann sagte
ER: „Du arbeitest nur noch. Übe auch ein wenig Japa.“
Auf diese Weise erhielt man durch diese Art der Instruktionen immer
kleine Nadelstiche, und es war darum für die Menschen nicht leicht
fortzufahren, solange sie IHN nicht richtig verstanden. Viele konnten
nicht bleiben und liefen davon. Und einige blieben durch Gottes Gnade,
und jene, die dabei blieben, wurden in vielerlei Hinsicht gesegnet.
Besucher: Swamiji, fanden mit IHM gemeinsam auch Diskussionen statt?
Swamiji: Wir hatten keine Gelegenheit zu diskutieren. Wir standen unter
dem Zauber seiner Gegenwart und, wenn man unter solch einem Zauber steht,
ist man sprachlos. Wir waren mit uns selbst sehr zufrieden, da wir unter
seinem Schutz standen, und ein zufriedener Mensch spricht nicht viel.
Und wir waren alle aus dem gleichem Holz geschnitzt. Niemand wollte
„mehr“ als der andere sein und darum gab es auch nichts,
was man untereinander hätte sprechen können, so als wäre
einer besser als der andere. Was hätten wir uns untereinander auch
erzählen sollen, da wir doch alle gleich waren? Außerdem
mußten wir den ganzen Tag unermüdlich arbeiteten. Wenn es
jedoch ernsthafte Schwierigkeiten gab, konnten wir natürlich damit
zu Swami Shivananda gehen. Normalerweise gingen wir mit unseren Problemen
nicht zu IHM; doch, wenn es sehr zwingend und dringlich war, konnten
wir es IHM natürlich erzählen, und dann sagte ER, daß
es schon in Ordnung sei. Seine Antwort war einfach: „Es geht schon
in Ordnung.“ Das war alles, - und irgendwie funktionierte es danach
auch. Wie es funktionierte, kann ich nicht sagen. Sein Wort selbst war
das Mittel. Seine Gegenwart war seine Lehre. Er hatte es nicht nötig,
irgend etwas zu sagen. Es war einfach nicht notwendig. Die meisten großen
Persönlichkeiten bedürfen keiner Worte. Sie bleiben einfach
still, man sieht sie, hat Darshan und geht nach Hause. Das reicht aus.
Er hat niemals jemanden ermutigt, Fragen zu stellen usw.. ER sagte:
„Frage überhaupt nichts. Sieh her, was ich tue, meine Handlungsweise
ist Lehre genug.“ Manchmal sagten wir dann: „Swamiji, wir
möchten Anleitungen und Instruktionen von Dir.“ Dann sagte
ER: „Nein, nein. Sage nichts. Frage nichts. Sieh her, was ich
tue. Das ist Lehre genug. Beobachte wie ich lebe, was ich von morgens
bis abends tue, das ist meine Lehre.“
Swami Shivananda ging niemals irgendwo hin. Er blieb von Anfang bis
Ende am selben Ort. ER hatte eine kleine Hütte unten am Ganges
und dort lebte ER. Er ist niemals in ein anderes Haus oder eine andere
Hütte umgezogen. Er wollte keine andere Behausung oder irgendeine
andere Unterkunft. Er bewohnte einen verliesartigen Raum ohne Belüftung,
und selbst dieses Verlies gehörte nicht zum Ashram! Er gehörte
irgend jemandem. Und darin lebte er. ER hatte seinen eigenen Ashram,
und obwohl ER hätte umziehen können, zog er es vor, dort zu
bleiben. „Dies ist in Ordnung. Der Ganges ist überall. Alles
ist gut.“ Sein Segen ist immer über uns.
|
|

Hier kostenlosen
Yoga Gesamtkatalog
anfordern





Broschüre und kostenlose Übungspläne anfordern
|
|
.
- Yoga Übungen lernst du am besten bei einem Yogalehrer
- Yoga Einführungs-Seminare gibt es in den Yoga Vidya Seminarhäusern als Wochenend- und Wochenkurse. Diese werden auch von Krankenkassen bezuschusst
- Bei Yoga Vidya findest du jährlich fast 3000 Seminare zu Yoga, Meditation und Ayurveda, darunter auch das umfangreichste Yogalehrer Weiterbildungs-Angebot
- In den Yogalehrer Ausbildungen beim Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen in 50 verschiedenen Städten lernst Du Yoga, Meditation, Yoga Philosophie, spirituelles Leben und auch, wie Du sie anleiten kannst
- In den Yoga Vidya Zentren gibt es regelmäßige Einführungskurse
- Im Yogalehrer-Verzeichnis findest Du eine/n qualifizierte/n Yogalehrer/in in Deiner Nähe
- Im Yoga-Shop findest Du DVDs, Bücher, Yoga-Matten, Kissen, CDs und vieles mehr für deine Yoga-Praxis
Auf unseren Internet-Seiten findest du viele weitere Informationen:
Yoga Vidya findest du auch in vielen sozialen Netzwerken
|