Antwort auf deine Fragen
von Swami Krishnananda
Swami Krishnananda im Dialog mit seinen Besuchern zu verschiedenen Themen des Leben.
50. Was ist Yoga?
Besucher: Swamiji, wie definiert man Yoga?
Swamiji: Yoga bedeutet letztendlich Meditation; es ist eine Übung
des Geistes. Es ist auch eine Übung des Körpers, doch im Grunde
ist es eine Übung des Geistes. Es ist mehr ein Denksystem als eine
Methode, die physikalisch angewendet wird. Unter Yoga versteht man nicht,
etwas zu tun, sondern etwas zu denken, was ganz nebenbei „Selbstsein“
(in sich Selbst zu sein) bedeutet, denn, das was man ist, ist hauptsächlich
das, was man denkt. Die Gedanken und das eigene Dasein sind untrennbar
miteinander verbunden. Was auch immer man ist, beginnt mit dem Denkprozeß
im Verstand. Der Verstand und das eigene Selbst sind untrennbar miteinander
verbunden; man ist selbst der Verstand.
Das, was dem eigenen Körper widerfährt, ist nicht so bedeutsam
wie das, was dem Verstand widerfährt. Glück und Unglück
hängen mehr vom Zustand des Verstandes, als vom Zustand des Körpers
ab. Auch wenn der Körper widerstandsfähig und sehr gesund
ist, kann man innerhalb einer Sekunde durch eine andere Art des Denkens,
das den Verstand befällt, unglücklich werden. Darum ist physische
Gesundheit nicht gleichbedeutend mit Glückseligkeit. Zum Unglücklichwerden
ist nur ein einziger zerstörerischer Gedanke erforderlich. Er wird
das Gleichgewicht aller Dinge durcheinander würfeln.
Der Urwurzel des Seins, dem Denkprozeß, muß mehr Bedeutung
in der Kunst des Denkens beigemessen werden als der physikalischen Übung.
Ich sage damit nicht, daß physikalische Übungen nicht notwendig
sind. Sie sind notwendig, doch sie sind nicht alles. Wie allgemein bekannt
ist, ist der Mensch mehr als nur Körper. Die eigenen Gefühle
und Gemütsbewegungen, das Verstehen und die Gedanken sind weitaus
lebendigerer Ausdruck im eigenen Leben, als die physikalische Erscheinung.
Ich komme zu dem Punkt, daß Yoga die Kunst ist, den Verstand
in eine speziell zugewiesene Richtung zu kanalisieren. Die Schwierigkeit
liegt darin, die Richtung zu erkennen. Der Verstand muß fest gegründet
sein und dazu gebracht werden, sich in diese vorgegebene Richtung zu
bewegen. Wo liegt der Weg? Das ist die Hauptfrage. Yoga beginnt mit
der Antwort auf die Frage: Was habe ich zu denken?
Es ist nicht so einfach zu verstehen, was Leben ist. Es bezieht sich
nicht nur auf das, was man ist, sondern es beinhaltet auch die Beziehungen
zu anderen Menschen. Dies ist auch ein Teil des Lebens. Das Leben spielt
sich nicht nur im eigenen Körper ab, sondern es hat auch mit den
Beziehungen zu anderen Menschen zu tun, die das eigene Leben wiederum
beeinflussen, denn das ist man ebenfalls selbst. Alles, was irgendwie
auf einen selbst Einfluß nehmen kann, ist man selbst, darum betreffen
soziale Kontakte nur jemanden selbst. So ist man nicht nur eine individuelle
geistige und physische, sondern auch eine soziale Persönlichkeit.
Manchmal kann die Gesellschaft jemanden, unabhängig davon, was
mit Körper und Geist geschieht, zu etwas machen oder auch nicht.
Doch das ist nicht alles. Es gibt noch mehr Dinge, die einen Menschen
ausmachen.
Starke Windböen, strömender Regen und außerordentliche
Hitze oder Kälte können ebenfalls jemanden beeinflussen. Dies
ist eine andere von Beziehung, die von der Natur ausgeht, - so kann
man sich leicht vorstellen, wie kompliziert die eigene Persönlichkeit
ist. Man ist nicht nur der eine Mensch dieser Art. Dies ist eine falsche
Vorstellung.
Zuerst habe ich erzählt, daß man ein Körper ist, der
Übungen ausführt. Dann habe ich gesagt, daß man auch
Verstand, Gefühl, Verstehen usw. ist. Dann sagte ich auch, daß
das noch nicht alles ist - man hat auch soziale Beziehungen, und daß
die ganze Menschheit Einfluß nehmen kann. Nun sage ich, daß
darüber hinaus die ganze Natur Einfluß nehmen kann. Sogar
die Sonne, die am Himmel scheint, hat uns etwas mitzuteilen; sie kann
irgend etwas tun oder unterlassen - über solche Macht verfügt
die Sonne. Und schließlich hat Gott zu guter Letzt auch etwas
zu sagen. Es ist der Schöpfer des Universums.
Die eigene Persönlichkeit besteht somit aus einer Anordnung von
Ebenen (physikalisch, geistig, emotional, sozial, kosmologisch, natürlich
und göttlich), die alle in einer systematischen Anordnung organischer
Vollkommenheit zusammen gebracht, das Gefühl hervorrufen, sich
wie ein riesiges kosmisches Individuum zu empfinden.
Diese Idee, eine begrenzte Person zu sein, muß aufhören.
Man ist etwas Größeres als das, was man glaubt, zu sein.
Wenn man das einsieht, hat man einen großen Fortschritt in der
Korrektur des eigenen Lebens erzielt. Es ist die erste Stufe im Yoga,
und wenn es sich fortsetzt, wird die Freude unbeschreiblich sein. Man
wird fühlen, von jedermann beschützt zu werden. Die Gesellschaft,
Gott, der eigene Verstand und die Natur werden Freunde sein. Man wird
in einer Welt von Freunden leben. Auf diese Weise kann man glücklich
werden.
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