Antwort auf deine Fragen
von Swami Krishnananda
Swami Krishnananda im Dialog mit seinen Besuchern zu verschiedenen Themen des Leben.
39. Nach der Selbstverwirklichung
Amy: Wenn Wunschgedanken oder Ärger den Verstand erfüllen,
wundere ich mich darüber, denn das Selbst steht doch über
dem Verstand und hat keinerlei Beziehungen zu diesem...
Swamiji: Es gibt doch eine Beziehung, denn, wenn es keine Beziehungen
gäbe, wie wollte man dann durch den Verstand mit dem Selbst in
Verbindung treten? Es hat die gleiche Verbindung wie das Sonnenlicht
mit dem sich auf einem Spiegel reflektierenden Sonnenlicht.
Ich gebe Dir ein Beispiel. Stelle Dir vor, die Strahlen der Sonne treffen
hier im Raum auf einen Spiegel. Dieser Spiegel empfängt das Sonnenlicht
und projiziert es auf eine Wand. Nun kann das Licht an der Wand jedoch
nicht als das tatsächliche Sonnenlicht angesehen werden, weil das
tatsächliche Sonnenlicht, wenn es dort wäre, sogar dann gesehen
werden könnte, wenn der Spiegel entfernt würde. Wenn der Spiegel
nicht vorhanden wäre, könnte man es (das reflektierte Licht)
auch nicht sehen und doch ist es einzig und allein Sonnenlicht. Auf
die gleiche Weise ist der Verstand die Reflexion des Bewußtseins,
obwohl er nicht dasselbe wie das Selbstbewußtsein ist.
In der gleichen Weise, wie das reflektierte Licht mit dem Originallicht
in Verbindung steht, kann der Verstand das Höchste Selbst erreichen.
Es ist nicht so, daß es keine Verbindung gibt, obwohl es nicht
im selben Sinne identisch ist, wie dies in der erwähnten Analogie
der Fall ist. Wie lautet nun letztendlich Deine Frage?
Amy: Meine Frage betrifft die Natur des Verstandes selbst, in den viele
Gedanken kommen und gehen, und der lieber irgendwo sonst Wurzeln zu
schlagen, nicht zu handeln oder zuviel Bedeutung in etwas zu legen versucht,
als die Objekte, die sich in ihm erheben und vorbeiziehen, abzumessen
und zu beobachten. Darum sag’ mir, wenn Ärger im Verstand
aufsteigt und wieder verschwindet, sollte man sich davon nicht beeinflussen
lassen.......
Swamiji: Ärger usw. erhebt sich im Verstand nur deshalb, weil
das eigene Bewußtsein nicht in sich selbst ruht. Es bewegt sich
außerhalb; denn ansonsten gibt es keinen Anlaß, sich zu
ärgern. Der Verstand und das Selbst sind keine zwei Paar Schuhe,
- man kann sie nicht voneinander trennen. Du sprichst jetzt ausschließlich
mit Deinem Verstand zu mir.
Amy: Ja.
Swamiji: Wäre der Verstand nicht da, würdest Du jetzt nicht
sprechen, dennoch entspringt das hinter dem Sprechen stehende Bewußtsein
dem Selbst. Du bist Dir bewußt, daß Du zu mir sprichst,
womit eine doppelte Aktivität stattfindet. Der Verstand ist aktiv
und das Selbst ist ebenfalls aktiv; beide handeln spontan und direkt.
Dies ist der Grund, warum Du sprichst und weshalb Du Dir auch des Sprechens
bewußt bist. Sprechen ist eine Aktivität des Verstandes und
das Bewußtsein vom Sprechen ist eine Aktivität des Selbst.
Darum findet in diesem Augenblick eine duale Aktivität statt. Wenn
der Verstand nun ärgerliche Gedanken, Wunschgedanken usw. hegt,
hat er das Bewußtsein irgendwohin abgelenkt, anstatt es in die
Mitte des Selbst’ zu lenken.
Das ganze Problem im spirituellen Leben besteht darin, das Bewußtsein
nicht außerhalb des Selbst’ zu lenken. Das Selbst sollte
nicht zum „Nichtselbst“ werden, denn man sollte nicht zu
etwas anderem werden oder zu etwas, was man selbst nicht ist. Man muß
das bleiben, was man ist. Wenn das Bewußtsein an etwas anderes
als sich selbst denkt, dann ist A zu B geworden. Du bist jemand anderes
geworden, doch wie kannst Du jemand anderes werden, wenn Du das bist,
was Du bist? Der Gedanke, daß es noch etwas außerhalb von
Dir gibt, beruht auf einer falschen Behauptung des Bewußtseins,
nämlich, daß es außerhalb von ihm selbst noch etwas
gibt. Es ist eher die Behauptung einer Besonderheit, als die der Universalität.
Ich hoffe, daß Du diesen Punkt verstanden hast, denn dies ist
wichtig und ein sehr spitzfindiger psychologischer Punkt.
Amy: Ja.
Amir: Mir ist die Wirklichkeit des Absoluten bekannt, mir ist bewußt,
daß ich, unabhängig davon, wie ich fühle und welche
Gedanken in mir vorgehen, nicht mein Verstand bin. Darum macht es auch
aus dieser Perspektive keinen Unterschied, ob sich Verwirrungen oder
Ärger im Verstand erheben.
Swamiji: Warum treten sie dennoch auf?
Amir: Weil es sich dabei um eine mechanische Handlung des Verstandes
handelt.
Swamiji: Nein, sie ist nicht mechanisch, denn, wenn sie mechanisch
wäre, dann wäre man sich des Ärgers nicht bewußt,
und es wäre so, als würde sich eine Dampfwalze auf der Straße
bewegen, ohne zu wissen, daß sie sich bewegt, doch man ist keine
Dampfwalze, denn man ist sich des Ärgers bewußt. Dies zeigt,
daß es sich nicht um eine mechanische, sondern um eine wohlüberlegte
Handlung handelt. Darin liegt die ganze Gefahr. Wäre sie jedoch
mechanisch, dann wäre man sich nicht einmal bewußt, daß
man ärgerlich ist; die Handlung würde sich wie ein Automobil
ohne Fahrer fortbewegen, doch hier handelt es sich um ein Automobil
mit Fahrer. Darin liegt der Unterschied.
Amir: Du meinst also, daß ich mir den Arger tatsächlich
selbst erschaffe?
Swamiji: Das ganze Problem ist, daß man sich den Ärger aus
irgendeinem Grund heraus selbst erschafft. Ohne Grund wird niemand ärgerlich.
Wer ärgert sich schon unnötigerweise, es sei denn, man ist
verrückt? Vielmehr steht dahinter eine wohlüberlegte Bemühung.
Der Ärger kommt daher, daß man etwas Bestimmtes erreichen
möchte, dessen man sich auch bewußt ist. Man ist nicht ohne
Bewußtsein; denn, wäre dies der Fall, dann würde sich
dafür keine Verantwortung erheben. Unbewußte Handlungen erzeugen
keine Ergebnisse; es sind die bewußten Handlungen, die Ergebnisse
hervorbringen. Dies ist es, was dahinter steht, und darum muß
man sehr wachsam sein.
Das ganze Leben eines Menschen ist in vielerlei Hinsicht ein Spiel
des Bewußtseins, und wo immer Bewußtsein vorhanden ist,
ist man auch darin verwickelt. Ohne Bewußtsein gibt es keine Verwicklungen.
Wenn unbewußt etwas geschieht, ist man nicht darin verwickelt.
Wenn man sich jedoch dessen bewußt ist, dann ist man auch dafür
verantwortlich.
Janie: Swamiji, nach meinem Verständnis, kommt die Bewußtheit
oder das Bewußtsein des Ärgers nicht aus meinem Verstand,
sondern es kommt von meinem Selbst, das jenseits des Verstandes ist.
Ich kann aufgrund meines Selbst’ die Gedanken unterschiedlich
behandeln und danach auswählen, welchen Sinn sie haben, nicht aber,
um aus ihnen heraus zu handeln und ihnen gemäß zu reagieren.
Swamiji: Nicht zu reagieren?
Janie: Ja.
Swamiji: Ja, ja. Sicherlich. Man sollte nicht reagieren.
Janie: Ich will damit sagen, daß das die Freiheit ist - darin
liegt die Freiheit.
Swamiji: Freiheit?
Janie: Freiheit vom Verstand, was bedeutet, zu wissen, daß ES
sich jenseits des eigenen Geistes befindet.
Swamiji: Nun, ich kann nicht genau erkennen, wovon Du sprichst. Falls
Du Dich jenseits des Verstandes befindest, kannst du Dich nicht ärgern,
denn es ist der Verstand, der sich ärgert. Das Selbst kann sich
nicht ärgern, denn ES ist das Universale Bewußtsein. Du bist
irgendwie nicht in das Selbst eingebunden. Du hast Dich mit diesem Medium,
wie mit einem Spiegel, der, wie ich schon erwähnte, der Verstand
ist, identifiziert und das beunruhigt Dich. Wenn er beunruhigt, dann
fühlt man, daß man etwas tut, denkt, sich ärgert oder
sonst etwas. Das Bewußtsein greift nicht ein, ES gerät nicht
in Schwingungen oder tut irgend etwas; es ist der Verstand, der alle
diese Dinge bewirkt. Wenn man die Sonne sich auf der Wasseroberfläche
bewegen sieht, ist es nicht wirklich die Sonne, sondern die Wasseroberfläche,
die sich bewegt, doch man sieht es anders und eine unintelligente Wahrnehmung
kann zu dem Schluß führen, daß sich die Sonne bewegt,
denn es sieht so aus, als ob sich die Sonne bewegen würde.
Auf die gleiche Weise fühlt man, daß man über etwas
nachdenkt, während man tatsächlich nichts dergleichen tut,
da es sich, wie ich bereits erwähnte, um eine gleichzeitige Handlung
von Verstand und Bewußtsein handelt. Die Bewußtheit darüber
kommt vom Selbst; die Aktivität stammt vom Verstand. Sie sind harmonisch
miteinander verbunden und es sieht dabei so aus, als ob man selbst der
Handelnde wäre.
Amir: Swamiji, gibt es nach Deinen Erfahrungen einen Unterschied oder
eine Veränderung im Inhalt des Verstandes?
Swamiji: Inhalt?
Amir: Ja. Was erhebt sich nach der Selbstverwirklichung im Verstand
- findet nach der Selbstverwirklichung im Inhalt des Verstandes eine
Veränderung statt?
Swamiji: Nun, wir haben gestern diese Frage diskutiert. Man muß
sich zuerst darüber klar sein, was unter „Selbstverwirklichung“
zu verstehen ist. Wir haben es bereits zum wiederholten Male diskutiert.
Verstehst Du unter „Selbstverwirklichung“ Deine eigene Vereinigung
mit dem Universalen Selbst?
Amir: Ja.
Swamiji: Dann ergibt sich auch keine Frage mehr bezüglich des
„Danach“, weil es dann keinen Zeitbegriff mehr gibt. „Danach“
ist ein zeitlicher Begriff, doch es gibt weder ein „Danach“
noch ein „Davor“, weil keine „Zeit“ mehr vorhanden
ist. Es ist zeitlose Ewigkeit, in der sich die Frage nach dem „Danach“
nicht mehr erhebt. Es handelt sich um „Ewigkeit“, die nicht
in Zeitbegriffen verstanden werden kann. Für Gott oder für
einen Selbstverwirklichten Menschen gibt es kein „Danach“.
So etwas wie „Danach“ gibt es nicht, weil damit der Zeitfaktor
mit ins Spiel gebracht wird, der zu dem Zeitpunkt nicht existent ist.
Amir: Aber dennoch findet das Ereignis der Selbstverwirklichung in
der Zeit statt.
Swamiji: Die Charakteristik der Ereignisse hört mit dem Ereignis
der Selbstverwirklichung auf. Es existiert nicht mehr, denn ein Ereignis
unterliegt auch einem zeitlichen Konzept. In dem Augenblick, wo man
dort eintritt, wo es keine Zeit mehr gibt, kann nicht mehr länger
unter den Bedingungen von Zeit geurteilt werden, da der Zeitfaktor verschwunden
ist. Es ist wie mit dem Aufwachen aus einem Traum, - die Gesetze des
Träumens funktionieren nicht im Wachzustand, und darum gibt es
weder ein „Davor“ noch ein „Danach“. „Was
geschieht nach der Selbstverwirklichung?“ - Solche Fragen sollten
sich nicht erheben, weil es kein „Danach“ mehr gibt. Der
Zeitbegriff selbst ist nicht mehr vorhanden und man wird dann Universal
und All-durchdringend sein, denn das Selbst steht über der Zeit.
Kelly: Du hast gesagt, daß man entweder wach ist und nicht wieder
einschlafen kann, oder man ist es nicht; ansonsten würde man schlummern.
Ich würde mich freuen, wenn Du mehr darüber sagen könntest.
Swamiji: Was soll’s? Du hast es bereits korrekt erklärt.
Kelly: Ich habe es nicht genau verstanden, wie man entweder wach sein
oder schlafen kann oder .......
Swamiji: Im Augenblick bist Du wach, nicht wahr?
Kelly: Ja.
Swamiji: Nun, schläfst Du jetzt auch gleichzeitig?
Kelly: Nein.
Swamiji: Genau dies ist der Punkt. Du kannst nicht zur selben Zeit
schlafen und wach sein. Wenn Du schläfst, dann bist Du nicht wach
und umgekehrt, wenn du wach bist, kannst Du nicht gleichzeitig schlafen.
Wie lautet nun Deine Frage?
Kelly: Aber, Du hast auch gesagt, daß man schlummern könnte.
Swamiji: Wenn Du nicht vollständig wach bist und die Eindrücke
des Schlafes noch bestehen, dann könntest Du schlummern, doch,
wenn Du völlig wach bist und die Notwendigkeit zu schlafen vergangen
ist, dann schlummerst Du nicht.
Kelly: Eindrücke von.....
Swamiji: Die Eindrücke des Schlafes, weil man manchmal nicht gut
geschlafen hat, aufsteht und sich am liebsten gleich wieder hinlegen
möchte. Du hast schlecht geschlafen und fühlst Dich schläfrig,
obgleich Du sprichst, ein wenig arbeitest, frühstückst usw..
Doch, wenn Du richtig aufgewacht bist und ausgeschlafen hast, wirst
Du nicht schlummern. Darum wird derjenige, der ausgeschlafen hat, auch
nicht wieder einschlafen, sonst setzen sich die Schlafmerkmale fort
und man fühlt sich schläfrig. Aber in der Selbstverwirklichung
ist alles überall wach.
Amir: Ist es nicht möglich, manchmal vollkommen wach und manchmal
schläfrig zu sein?
Swamiji: Du kannst hier nicht das Wort „vollkommen“ gebrauchen.
Amir: Ich fühle mich vollkommen wach.
Swamiji: Du bist nicht vollkommen wach, sonder eher halbwach. „Vollkommenheit“
schließt alle anderen Faktoren aus. Wenn man das Wort „Vollkommen“
gebraucht, dann kann man keinen anderen Faktor hinzufügen. Wenn
man „Vollkommen“ ist, gibt es keine Wünsche mehr, weil
Deine Persönlichkeit jeden Tag „Vollkommenen“ ist und
keine Wünsche mehr hat. „Vollkommene“ Wachheit unterscheidet
sich dadurch, daß der „Vollkommenheit“ kein Faktor
hinzugefügt werden kann.
Amir: Ich verstehe.
Michael: Swamiji, ich bin sehr daran interessiert von Dir zu hören,
was Dir auf dem Wege zur Erleuchtung widerfahren ist.
Swamiji: Nichts ist mit mir geschehen. Ich bin durch nichts hindurchgegangen.
Was soll ich Dir erzählen?
Michael: Ich meine, wie hast Du ES entdeckt?
Swamiji: Ich habe nichts entdeckt. ES ist irgendwie - und das weiß
nur Gott - zu mir gekommen. Vielleicht habe ich in früheren Leben
etwas Gutes getan, und diese Eindrücke haben die Sehnsucht nach
Selbstverwirklichung erblühen lassen, die sich dann in dieser Geburt
spontan vollzogen hat. Ab dem Alter von sechs Jahren befand ich mich
auf dem religiösen Weg, denn bereits in diesem Alter hatte ich
Verlangen nach Gott, was keiner persönlichen Bemühung angelastet
werden kann, denn um welche Bemühungen sollte es sich hier handeln?
Ich weiß heute noch, worüber ich als Sechsjähriger nachgedacht
habe. Das gibt mir ein Gefühl von Bewunderung darüber, wie
die Dinge funktionieren.
Ich wurde in einer sehr religiösen Familie geboren. Mein Vater
und mein Großvater waren Heilige, Meister der Veden und Weise,
deren Segen darüber liegen muß. Wenn man an die Vererbbarkeit
der Gene glaubt, müssen ihre Gene auch in mir sein. Mein Vater
und mein Großvater waren wirklich Heilige. Das mag ebenfalls ein
Faktor gewesen sein; außerdem mag es auch an guten Taten in früheren
Leben gelegen haben, und alles zusammen genommen hat das aus mir gemacht,
was ich bin. Dies ist meine kurze Autobiographie.
Janie: ... Die Hauptsache ist, daß man von der Absicht, „frei
zu sein“ geführt wird. Daß man an die Absicht „frei
zu sein“, denkt?
Swamiji: Der Gedanke an die Absicht, frei zu sein, sollte andauern.
Ist es das, was Du meinst?
Janie: Und jeder andere Gedanke, glaube ich....
Swamiji: Jeder andere Gedanke unterscheidet sich davon. Ich erwähne
jedoch besonders die Gedanken, die im Zusammenhang mit der endgültigen
Freiheit stehen.
Janie: Ja. Richtig.
Swamiji: Wie erzeugst Du diesen Gedanken?
Janie: Ich verweile wirklich bei dem Verlangen, frei zu sein, das ist
alles.
Swamiji: Dieses Verlangen ist etwas, das Du als Bewußtheit in
Dir selbst bewahrst. Du bist Dir immer Deines Verlangens „frei
zu sein“ bewußt.
Janie: Ja.
Swamiji: Es ist sehr wichtig, daß Du Dir immer Deine Bewußtheit
darüber bewahrst und niemals darauf verzichtest; doch manchmal
ist es möglich, daß der Verstand in andere Gedanken abgleitet.
Es ist auch manchmal unvermeidlich, auf eine andere Weise zu denken,
als vorher beschrieben, z.B. wenn man verreist, einen Fahrschein kauft,
im Markt spazieren geht usw.. Was sagst Du dazu?
Janie: Ja, dies geschieht, doch zu Hause ist immer wieder dieses Verlangen,
„frei zu sein“, vorhanden.
Swamiji: Obgleich die anderen Gedanken nicht grundsätzlich dem
Hauptgedanken widersprechen, so können sie doch verwirrend sein,
wenn man nicht in der Lage ist, die Harmonie zwischen der weltlichen
Existenz und seinem Leben in der Sehnsucht nach Selbstverwirklichung
zu entdecken. Die meisten Menschen, die Mehrheit, ja nahezu neunundneunzig
Prozent der Menschen sehen keine lebende Verbindung zwischen dem eintönigen
weltlichen Leben und dem Leben spiritueller Sehnsucht. Sie glauben,
es seien zwei unterschiedliche Dinge, doch tatsächlich ist es nicht
so, denn es sind lediglich zwei Aspekte des Wirkens menschlicher Umstände.
Immer, wenn man fühlt, daß es zwei unterschiedlicher Dinge
sind, wird man des normalen weltlichen Lebens überdrüssig.
Man hat keine Lust mehr und möchte allem entsagen, wie die Leute
im allgemeinen sagen. Das liegt daran, daß man etwas abgeben möchte,
was man auf dem spirituellen Weg als nicht mehr notwendig erachtet.
Dies ist eine psychologische Sackgasse, durch die die Menschen gehen
müssen, und jeder, ob groß oder klein, und wer immer es auch
sein mag, muß dort hindurch gehen.
Man ist normalerweise nicht in der Lage, die beiden Dinge miteinander
zu versöhnen, nämlich einerseits die Welt der Handlungen und
Konflikte, von Krieg und was sonst auch immer, und andererseits die
Allmacht Gottes. Obwohl wir mit der Tatsache, daß Gott diese Welt
geschaffen hat, einverstanden sein mögen, wissen wir nicht, wie
wir beides unter einen Hut bekommen können. Was für eine Welt
hat Gott erschaffen? Man fühlt, daß nicht alles in dieser
Welt wunderbar und friedvoll ist. Man möchte sich eine bessere
Welt wünschen. Das wäre in gewisser Weise ein Vorwurf gegenüber
Gott, daß er keine gerechte Welt erschaffen hätte. Wenn man
eine bessere Welt erwartet als das, was man mit den eigenen Augen sieht,
so will man damit ausdrücken, daß Gott vor der Schöpfung
dieser Welt nicht gut genug darüber nachgedacht hätte. Diese
unsere Einstellung ist nicht richtig, denn Gott hat gut gedacht und
keine unansehnlichen, unästhetischen Dinge in dieser Welt erschaffen;
dennoch scheinen sie sich vor unseren Augen zu befinden.
Das Problem für einen spirituellen Sucher liegt in der Versöhnung
dieser beiden Dinge, die Integration des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren,
des Äußeren mit dem Inneren, der Erfahrung mit dem Transzendentalen,
des Weltlichen mit dem Spirituellen und der Welt mit Gott. Wenn sie
harmonisch miteinander vermischt werden können, wie dies mit Seele
und Körper der Fall ist, führt man ein integrales Leben. Dies
ist das Problem für einen spirituellen Sucher, und diese Spaltung,
die man im Bewußtsein wahrnimmt, geschieht aufgrund des Anstoßes
der Sinnesorgane, die in eine Richtung drängen, und des Bewußtseins,
das sich in eine andere Richtung bewegt. Hierin liegt die große
Aufgabe des spirituellen Suchers.
Janie: Bevor ich meinen Meister traf, war ich immer nur dann in der
Lage, mit Gott in Verbindung zu treten, wenn ich an einem ruhigen Platz
meditierte. Nachdem ich meinen Meister getroffen habe, wußte ich,
daß das nicht richtig ist, denn, wie Du ja weißt, Gott ist
überall.
Swamiji: Ja, Du beklagst Dich nicht mehr so wie früher. Das ist
gut. Dein Meister hat Dich in Euren Satsangas (spirituellen Treffen)
unterwiesen, nicht wahr?
Janie: Ja.
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