Swami Krishnananda im Dialog mit seinen Besuchern zu verschiedenen Themen des Leben.
37. SATSANGA
Janie: Es scheint, so wie ich es verstanden habe, daß Du darüber
gesprochen hast, daß es nur in geistiger Hinsicht möglich
wäre, glücklich und dabei im eigenen Selbst zu sein.
Swamiji: Ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich gesagt habe. Kannst
Du es bitte wiederholen.
Janie: Ich erinnere mich Deiner Worte nicht mehr genau, aber es hatte
etwas mit „im eigenen Selbst sein“ zu tun.
Swamiji: Du meinst damit allein zu sein, mit Dir selbst allein zu sein.
Ja. Was ich gesagt habe war, je glücklicher Du bist, wenn Du mit
Dir selbst allein bist, desto näher bist Du möglicherweise
Deinem Selbst. Je näher Du Deinem Selbst bist, desto mehr fühlst
Du die Notwendigkeit, mit Dir allein zu sein, weil das Selbst keine
Freunde hat. ES hat keinen Kontakt mit irgend etwas Äußerem,
denn Es ist Universelle Existenz. ES ist in Dir gegenwärtig und
je mehr Du Dich zu dem Universellen hin bewegst, desto mehr fühlst
Du diese Notwendigkeit und desto glücklicher fühlst Du Dich,
allein zu sein. Dies sagte ich, und wie lautet jetzt Deine Frage?
Janie: Nun meine Frage lautet: In der Erfahrung, die wir mit unserem
Lehrer haben, ist das Wachsen der Sangha......
Swamiji: Sangha? Sangha bedeutet Gruppe.
Janie: Ich meine Gruppe, aber eine Gruppe von Menschen, die die Erfahrungen
über das Selbst teilt und die mit dem Selbst allein dasteht, woraus
eine gemeinsame Verherrlichung und Freude miteinander entspringt. Dies
hat nichts mit Freundschaft im sozialen Sinne zu tun, sondern ist als
ein Beisammensein im Selbst zu verstehen.
Swamiji: Dies ist eine Stufe des Bewußtseins. Es gibt im aufsteigenden
Bewußtsein einige Stufen. Man springt nicht sofort in etwas hinein,
sondern bewegt sich Schritt für Schritt von einer niedrigeren oder
mehr äußerlichen zu einer höheren bzw. mehr inneren
Stufe. Vom Äußeren bewegt man sich zum Inneren und vom Inneren
zum Universalen. Dies sind die drei Stufen des spirituellen Aufstieges.
Am Anfang ist das Bewußtsein in Äußerlichkeiten verwickelt.
In dem Augenblick, wo ich zu Dir spreche oder Du zu mir sprichst, bewegt
es sich in der äußeren Atmosphäre, aber es ist sich
auch seiner Bewegung bewußt. Darum gibt es zwei Arten der Bewegung.
Bewußtsein, das sich in der äußeren Atmosphäre
bewegt, nicht wissend, daß es sich auf diese Art und Weise bewegt,
führt zur Fesselung der Aktivitäten der normalen Menschen
in dieser Welt, denn diese Menschen sind äußerlich durch
den Kontakt mit den Außenobjekten gezwungen, ihre Sinnesorgane
zufrieden zu stellen. Dies ist eine Bewegungsweise des Bewußtseins.
Im anderen Falle bewegt ES sich so wie jetzt. Du bist nicht in mir
und ich nicht in Dir verwickelt. Doch das Bewußtsein bewegt sich
in dem Sinne in einer veräußerlichten Form, als mir bewußt
ist, daß Du außerhalb von mir sitzt und Du Dir bewußt
bist, daß ich außerhalb von Dir sitze. Dies ist die zweite
Stufe. Die erste Stufe ist eine Bewegung, ohne sich einer Bewegung gewahr
zu sein. Dies ist das normale Leben in der Welt mit seinen Wünschen,
Leidenschaften, Ärger, Konflikten usw., - das soziale Leben mit
all seinen Verwicklungen und Bindungen. Das zweitgenannte beinhaltet
die Verwicklungen in der Gesellschaft, ohne Verhaftungen und ohne Bindungen,
was Satsanga, Gruppe, allgemeine Meditation usw. genannt wird, so wie
Du es angesprochen hast, doch es ist nicht die höchste Stufe. Das
tatsächliche Ziel ist das Bewußtsein der Universalität,
und das Sich-dessen-bewußt-werden.
Wenn Du Dir des Universalen bewußt bist, was siehst Du dann?
Kannst Du Dir diese Situation vorstellen? Du wirst in dieser dritten
Stufe, die ich bereits erwähnte, fühlen, daß all die
Leute um Dich herum, all die Dinge, wie Hügel und Täler, Wälder,
Berge, Flüsse und was auch immer, Glieder des Universalen Körpers
sind. Siehst Du sie so, wie Du Deine eigenen Finger und Hände siehst?
Du siehst Objekte, - Du siehst sie als Objekte. Wenn ich etwas sehen
kann, dann sehe ich es als Objekt und dennoch ist es kein Objekt, da
es Teil meines Organismus selbst ist.
In der ersten Stufe herrscht ein Bewußtsein, das die Objekte
als gänzlich verschieden von sich selbst sieht. Das Bewußtsein
von Objekten als ein untrennbarer Teil einer spirituellen Ansammlung
ist die zweite Stufe. Die dritte Stufe schließlich ist das Bewußtsein
von Objekten als eine organische Verbindung mit der eigenen kosmischen
Existenz. In der höheren Stufe werden keine Glieder mehr vorhanden
sein, weil das Bewußtsein für die Glieder nur aufgrund von
Raum und Zeit entsteht, die sich zwischen den beiden (Subjekt und Objekt)
befinden. Wenn Raum und Zeit nicht vorhanden sind, wird man auch die
Hand nicht sehen. Man stellt sich Gliedmaßen vor und ist sich
dessen aufgrund der Einbildung von Raum und Zeit bewußt, - das,
was man als Gott oder Universalität bezeichnet, befindet sich jenseits
von Raum und Zeit. Wir haben heute morgen ein wenig darüber gesprochen.
ES ist zeitloses Sein, wie ich einem Deiner Freunde sagte. „Was
geschieht danach?“ hat er gefragt, und ich sagte: „Es gibt
kein ‘hinterher’ oder ‘danach’.“ Es gibt
kein „hinterher“, weil sich die Frage nach dem „danach“
nur durch das Hinzufügen der Zeit ergibt; auch gibt es dort kein
Satsanga, denn Gott hat kein Satsanga, sondern ist ausschließlich
SEIN.
Darum ist das, was Du angesprochen hast, eine wichtige Stufe. Es handelt
sich um eine höhere Stufe als die Stufe der normalen Verwicklungen,
doch es gibt noch eine weiterführende Stufe. Die Schriften erzählen
von sieben Entwicklungsstufen, wobei ich mich nicht auf das Yoga-System
von Patanjali beziehe, sondern auf die sieben Stufen, die als Stufen
des Wissens bekannt sind. In der siebenten und höchsten Stufe weißt
Du nicht, was mit Dir geschieht, denn gewöhnliche Sterbliche und
Leute, die in körperlichen Bedingungen und sozialer Vielfalt denken,
können sich nicht vorstellen, was wohl in dem Augenblick geschehen
würde, wenn das Sterbliche unsterblich wird, oder, wenn das, was
sich in Raum-Zeit befindet, in die raum- und zeitlose Ewigkeit eintritt.
Wir können uns nur etwas in figürlicher und symbolischer Weise
vorstellen, doch wir wissen es nicht wirklich. Wir wissen nicht, was
vor uns ist; wir können uns nur daran erinnern, was hinter uns
in der Vergangenheit liegt. Wir können nur einen und nicht einhundert
Schritte vorausschauen, denn der Geist ist in seiner Wissenskapazität
begrenzt.
Was ich letztendlich damit sagen will ist, daß diese von mir
erwähnte besondere Stufe namens Satsanga eine schöne Sache
ist, weil es sich dabei um eine höhere Stufe als die Stufe der
Verwicklungen in der normalen Gesellschaft handelt, daß es aber
noch höhere Stufen als diese gibt, wo man in verschiedenerlei Hinsicht
allein sein wird. Dieses Alleinsein hat nichts mit dem physischen Alleinsein
zu tun; vielmehr ist es ein Alleinsein im Bewußtsein, denn die
Universalität fühlt das Alleinsein durch das eigene SELBSTSEIN.
Das unendlich weite Meer des Kosmos fühlt Sein ALLEINSEIN. Auf
diese Art des Alleinseins wird Bezug genommen, denn es ist darunter
nicht ein physisches Alleinsein von irgend jemandem zu verstehen, der
sich allein in einem Raum befindet, - das meinte ich nicht. Verstehst
Du diesen Punkt?
Janie: Nach meinen Erfahrungen verhält es sich so: je mehr sich
die Leute in der Sangha allein empfinden, desto mehr fühle ich
mich allein....
Swamiji: Nach der Buddhistischen Lehre gibt es drei Stufen: Buddha,
Dharma und Sangha. Sangha ist die erste, Dharma die nächste und
Buddha die höchste Stufe. Am Anfang steht Sangha, die Versammlung
der Devotees, Brüder und Schwestern usw.. Es ist eine notwendige
Einrichtung und als institutionelles Leben bekannt. Darüber steht
das reine Dharma, das einzige geltende Gesetz, das nicht den menschlichen
Bedingungen wie bei einer Versammlung oder Sangha unterworfen ist. Letztlich
ist das Universum nichts anders als das handelnde Gesetz. Es ist ein
abstraktes Gesetz, obgleich es wie ein festgefügtes Objekt aussieht.
Das Universum besteht nicht aus festen Substanzen; das ist nur eine
Wahrnehmung der Sinnesorgane. Wenn man darüber hinausgeht, verschmelzen
diese in ein reines abstraktes Gesetz. Darüber steht Buddha, -
das Reine Sein.
In allen Religionen finden diese drei Stufen Anerkennung, einzig die
Leute geben ihnen unterschiedliche Namen.