Antwort auf deine Fragen
von Swami Krishnananda
Swami Krishnananda im Dialog mit seinen Besuchern zu verschiedenen Themen des Leben.
19. Spirituelle Atmosphäre und
die Beziehung zwischen Gott und der Welt
Carlos: Warum können wir hier tiefer meditieren als an anderen
Plätzen?
Swamiji: Das kommt durch den Einfluß der Atmosphäre. Nur
das ist der Grund. In unterschiedlichen Atmosphären werden die
Gedankenbewegungen abgeschwächt. Die Umstände um Dich herum
und die Atmosphäre haben einen großen Einfluß. Wenn
Du alleine bist, dann denkst du in eine bestimmte Richtung; wenn Du
Dich aber unter vielen Menschen in einem Eisenbahnabteil befindest,
werden sich Deine Gedanken in eine andere Richtung bewegen. Wenn du
Dich in einer Kirche oder einem Tempel aufhältst, dann denkst Du
in einer bestimmten; wenn Du Dich aber auf einem Markplatz befindest,
denkst Du wieder vollkommen anders. Wenn Du bei einem Heiligen oder
einer großen Seele bist, dann denkst Du anders, als dies in Gegenwart
eines Diebes der Fall wäre. Dieses ist ein Beispiel dafür,
wie die Umstände und die Atmosphäre um Dich herum Einfluß
auf das Denken nehmen. Darum sagt man, daß es für spirituell
Suchende unbedingt notwendig ist, sich bei guten Menschen aufzuhalten.
Das nennt man Satsanga. Es gibt nichts, was mit Satsanga vergleichbar
wäre. Die Gesellschaft ehrenwerter Persönlichkeiten ist die
beste Hilfe bei Problemen im spirituellen Leben.
Die Bücher, die Du liest und die Gesellschaft, die Du wählst,
sagen etwas über Dich selbst aus. Finde heraus, welche Bücher
eine Person liest und in welcher Begleitung sie sich aufhält; dann
erfährst Du etwas über die Person selbst. Ein altes Sprichwort
sagt: „Sag’ mir, welche Bücher Du liest und in welcher
Begleitung Du Dich aufhältst, dann sage ich Dir, wer Du bist.“
Befasse Dich eine Zeit lang mit geistigen Schriften, denke über
geistige Dinge nach und vermeide die Gesellschaft von Menschen, die
Deinen Verstand in Unruhe versetzen. Heutzutage mögen die Menschen
Fernsehen, Kino und Klubs. Dieses ist die Gesellschaft, an der die Menschen
festhalten und Du kannst ermessen, wie enttäuscht sich der Verstand
nach solchen Gesellschaftsereignissen fühlen muß.
Carlos: Wie können wir im Westen ein spirituelleres Leben führen?
Manchmal sieht es so aus, als ab die Welt Gott ablehnt.
Swamiji: Das Objekt mag das Subjekt deshalb nicht, weil es zum Objekt
geworden ist. Die sogenannte Welt ist das Objekt des Bewußtseins.
Solange es als Objekt betrachtet wird, mag es nichts anderes als sich
selbst, und niemand sonst wird es mögen wollen. Aber es ist die
falsche Vorstellung, die ein „Ding“ zu einem Objekt macht.
Erst wenn das Objekt zum Subjekt wird, hört die Verwirrung auf.
Wenn die Welt zum Subjekt wird, gibt es keinen Grund mehr, diese Idee
zu verwerfen. Du gibst nur die falsche Vorstellung davon auf.
Carlos: Swamiji, wie kann man ohne Ablenkung durch Kino, Klubs usw.
in dieser Welt leben? Die ablenkenden Kräfte wirken wie eine Antithese.
Sie sind nun einmal vorhanden. Sie besitzen eine Anziehungskraft.
Swamiji: Du brauchst nicht in Kinos, Klubs oder Bars zu gehen. Wer
hat Dich darum gebeten? Du brauchst nicht dorthin zu gehen. Warum bist
Du an diesen Einrichtungen interessiert?
Carlos: Ich bin nicht daran interessiert, aber sie üben einen
Druck aus. Die soziale Atmosphäre hat einen Einfluß auf den
spirituell Suchenden.
Swamiji: Sie können Dich nicht beeinflussen, es sei denn, Dein
Verstand ist leicht beeinflußbar. Ein schwacher Verstand ist durch
jeden „Teufel“ beeinflußbar, und überall gibt
es Teufel in dieser Welt, die nur darauf warten, Dich zu beherrschen.
Carlos: Aber Swamiji, man sagt, es gibt nur Gott.
Swamiji: Ja, aber der Teufel ist auch da. Du kannst theoretisch an
irgend etwas festhalten, dennoch wird es Dir Dein Verstand nicht abnehmen.
Der Verstand sagt Dir, daß es einen Klub gibt, obwohl Du theoretisch
daran festhältst, daß es nur Gott gibt. Wenn Dir Dein Gefühl
sagt, daß dort ein Klub ist, welchen Sinn hat dann diese Theorie.
Sag’ mir, was Dein Herz begehrt? Sagt Dir Dein Herz, daß
der Klub nicht existiert? Wenn er nicht existiert, habe ich nichts einzuwenden;
doch Du sagst das eine und fühlst etwas völlig anderes. Darin
besteht der Widerspruch.
Carlos: Wie soll ich mich dann praktisch verhalten?
Swamiji: Werde zu dem, was Dir Sorge bereitet, dann wird diese Sorge
aufhören und sie wird Dich danach auch nicht mehr berühren.
Sie wird zu Deinem eigenen Selbst, welches Dich nicht ärgern kann,
und es werden sich dann diesbezüglich keine Fragen mehr ergeben.
Du wirst zur Frage selbst werden.
Carlos: Die Leute würden glauben, daß ich verrückt
wäre, wenn ich so spreche.
Swamiji: Laß jene Leute ebenfalls zu Deinem Selbst werden. Wer
wird sich dann noch Gedanken über Dich machen? Wenn jene Leute
zu Deinem Selbst werden, wird sich niemand mehr Gedanken über Dich
machen. Doch im Augenblick glaubst Du wieder, daß irgend jemand
außerhalb von Dir ist.
Carlos: Swamiji, es ist ein langsamer Prozeß.
Swamiji: Wenn man etwas nicht möchte, fängt man so zu reden
an; andererseits könnte man es innerhalb von einer Minute vollbringen.
Es erfordert auch keinen stufenweisen Prozeß. Wenn die Zeit reif
dafür ist, daß wir uns von dieser Welt verabschieden, dann
muß es sofort geschehen und kann nicht auf „Morgen“
verschoben werden.
Besucher: Swamiji, was sollen wir tun, wenn wir von anderen Menschen
nicht akzeptiert werden?
Swamiji: Warum machst Du dir darüber Gedanken, nicht akzeptiert
zu werden? Auf welche Weise berührt es Dich, wenn Du von anderen
Menschen nicht akzeptiert wirst? Möglicherweise versteht man Dich
nicht, und akzeptiert Dich darum nicht. Warum erwartest Du von anderen
Menschen, daß sie Dich verstehen? Die Welt ist so groß.
Viele Menschen werden Dich nicht verstehen, laß es sein, wie es
ist. Warum machst Du Dir darüber Gedanken? Worin liegt das Problem?
Du schaffst Dir unnötigerweise selbst Probleme. Es ist hauptsächlich
ein psychologisches Problem.
Besucher: Was könnte ich tun, wenn ich jemandem helfen möchte,
der mich aber nicht akzeptiert?
Swamiji: Dann sei still und tue gar nichts.
Besucher: Wir haben die Wahl zwischen zwei Lebenswegen. Einerseits
können wir uns der Welt und unserem Umfeld zuwenden und gute Arbeit
verrichten oder uns andererseits nur der Allmacht Gottes hingeben. Was
ist besser?
Swamiji: Du stellst mir also die Frage, ob Gott oder die Welt besser
ist? Wenn Du glaubst, daß die Welt besser sei, dann brauchst Du
gar nicht an Gott zu denken. Vergiß Ihn. Aber, wenn Du den kleinsten
Zweifel hast, dann denke eine Sekunde lang darüber nach. Es gibt
Menschen, die glauben, daß es überhaupt keinen Gott gibt,
und daß sie sich über Gott keine Gedanken zu machen bräuchten,
denn die Welt sei vollkommen in Ordnung und man könnte schließlich
ohne IHN auskommen. Wenn Du Menschen mit dieser Auffassung triffst,
dann überlasse sie sich selbst. Wenn es aber auch nur einen kleinen
Zweifel daran gibt, daß es vielleicht doch noch „etwas“
geben könnte, dann ist es wert herauszufinden, was es ist.
Gott erschuf die Welt. Wie könnte er dann Anstoß an Seiner
eigenen Schöpfung nehmen? Du stellst Dir vor, daß es einen
solchen Anstoß gibt, aber dieser Anstoß ist nicht vorhanden.
Gott ist in dieser Welt verkörpert, wie sollte er also an sich
Selbst Anstoß nehmen? Das ist unmöglich. Es ist weder Gott
noch die Welt, sondern nur unser Verstand, der Anstoß nimmt. Wir
haben weder verstanden was Gott, noch was die Welt in Wirklichkeit sind.
Somit haben wir in zweierlei Hinsicht unvollkommene Vorstellungen von
den Dingen. Die Welt ist eine göttliche Erscheinung; wie kann sich
daraus ein Widerspruch ergeben?
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