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Reinigungserfahrungen in der Meditation
Wenn
wir meditieren, können verschiedene Reinigungserfahrungen auftreten, und zwar
können das körperliche, energetische, emotionelle und geistige Reinigungen
sein.
Yogis
sagen: Unsere wahre Natur ist Sat, Chit, Ananda, reines Sein, Wissen und
Wonne. Nun haben sich Unreinheiten wie eine Wolke vor diese unsere wahre Natur
gesetzt. Wenn wir zu unserer wahren Natur kommen wollen, müssen wir zuerst
unsere Unreinheiten überwinden. Die Meditation und verschiedene Praktiken auf
dem spirituellen Weg bewirken das. So geschieht es, dass die verschiedensten
Unreinheiten an die Oberfläche des Bewusstseins kommen. Das ist wie mit der
Sonne: Sie existiert immer, auch wenn sie hinter Wolken verschwunden ist. Die
Sonne verschwindet nicht dadurch, dass Wolken da sind, nur wir sehen sie nicht.
Genau so sind manchmal alle möglichen Wolken vor unserem Geist. Dann spüren wir
unsere innere Freude überhaupt nicht mehr, sondern denken ständig an alles
Mögliche, wenn wir überhaupt noch etwas klar denken können. Wenn der Geist
wenig konzentriert oder voller dunkler Gedanken ist, dann scheint unser
eigentliches wahres Selbst nicht mehr. Ist der Geist hingegen etwas ruhiger,
dann strahlt das Glück des Selbst. So ist ein wichtiger Aspekt des spirituellen
Weges, dass wir uns von den verschiedensten Unreinheiten befreien und lösen.
Und das kann eben passieren, wenn man meditiert oder überhaupt bei allen
spirituellen Praktiken.
Körperliche
Reinigungserfahrungen
Körperliche
Reinigungserfahrungen bei der Meditation können sich zum Beispiel äußern als
kurzfristiges Kopfweh, als kurze Reinigungserkältung oder als Auflösen
bestimmter Schutzverspannungen, die dann tiefere Verspannungen freilegen. Es
kann auch mal eine Übelkeit auftreten. Wenn sich diese öfter wiederholt, sollte
man natürlich schon prüfen, ob es etwas anderes ist als eine
Reinigungserfahrung. Vielleicht hat man eine Magen-Darmverstimmung oder man ist
schwanger oder der Blutdruck ist nicht in Ordnung. Aber wenn es eine einmalige
Sache ist, die ohne vorherige Anzeichen auftritt und dann wieder verschwindet,
kann es eine reine Meditations-Reinigungserfahrung sein. Im Zweifelsfall kann
es gut sein, vor der Meditation einen Tee zu trinken oder sich etwas zu
bewegen, um den Kreislauf anzuregen. Natürlich ist es nicht so, dass alle
eventuell auftretenden Gebrechen notwendigerweise eine durch die Meditation
hervorgerufene Reinigungserfahrung sind. Wobei im Grunde genommen im weiteren
Sinn jede Krankheit eine Reinigungserfahrung ist. Aber auf der körperlichen
Ebene werden durch die Meditation nur ganz kurzfristige Störungen
hervorgerufen. Sie halten typischerweise nur kurz an und sind normalerweise
innerhalb weniger Stunden überwunden.
Energetische
Reinigungserfahrungen
Es
wird einem zum Beispiel sehr heiß, entweder in Teilen des Körpers oder am
ganzen Körper. Nach yogischer Lehre versucht das Prana, die
Lebensenergie, in neuen Energiekanälen zu fließen, die sich durch die
spirituelle Praxis öffnen. Weil diese Energiekanäle noch verstopft sind, entsteht
Reibung, und diese Reibung wird zur Wärme. Diese Erfahrung von Wärme bei
der Meditation oder beim Pranayama (Atemübungen) ist eine verbreitete
Sache - was übrigens nicht heißen soll, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn
man diese Empfindung nicht hat. Es geschieht das, was in dem Moment bei dem
jeweiligen Menschen in seiner Situation geschehen soll. Und bei manchen
manifestiert sich das eben energetisch als Wärme. Die erhitzende, reinigende
Energie gilt als Sonnenenergie, mit Sitz im Bauchbereich. Umgekehrt kann es
aber auch passieren, dass plötzlich die Mondenergie fließt, eine kühlende,
sehr angenehme, wonnevolle Energie, die deshalb auch als nektargleich
bezeichnet wird. Das Mondzentrum hat seinen Sitz in der Stirn und wird
symbolisiert als liegender Halbmond über der rechten Augenbrauche. Wenn das
Mondchakra aktiviert ist, kann die Energie von dort hinunter fließen, manchmal
fast wie ein kühler Schauder. Diese Erfahrung ist seltener, aber das gibt es
auch.
Eine
dritte Erfahrung kann sein, dass der Körper anfängt sich zu bewegen oder
zu zucken. Man sitzt zum Beispiel in der Meditation und plötzlich durchzuckt es
einen. Auch das ist eine energetische Reinigung.
Es
kann auch sein, dass man dort sitzt und das Gefühl hat, dass der Oberkörper
kreist oder sich nach links oder rechts bzw. nach vorn und hinten bewegt.
Manchmal geschieht diese Bewegung tatsächlich körperlich, aber manchmal sitzt
man ganz gerade und hat trotzdem das Gefühl, hin und her zu schwanken. Das ist
auch ein Zeichen, dass neue Energiekanäle sich öffnen und der Astralkörper sich
hin und her bewegt. Während des Reinigungsprozesses bewegt sich der
Astralkörper weiter. Das ist ein gutes Zeichen und man lässt es im wesentlichen
geschehen. Man versucht zwar, in der Meditation alle körperlichen Bewegungen
zur Ruhe zu bringen, so weit das angenehm möglich ist. Wenn es aber vorkommt,
dass der Körper sich von selbst bewegt, und man nicht entspannt ruhig bleiben
kann, lässt man die Bewegung einfach geschehen. Das ist eine einfache
Reinigung, bei der neue Energien erwachen, welche die verschiedenen
energetischen Unreinheiten langsam lösen.
Man
kann auch das Gefühl von Energieschwingungen im Körper haben. Oder man
spürt das Herz, den Punkt zwischen den Augenbrauen, die Stirngegend, die
Wirbelsäule ganz intensiv oder warm oder es kribbelt in den Fingern, im Gesicht
oder in den Füßen. Solche Erfahrungen geschehen halt, sie zeigen einfach an,
dass die Energien auf subtileren Ebenen arbeiten.
Emotionelle
Reinigungserfahrungen
Man
sitzt friedlich in der Meditation und plötzlich kommen alle möglichen Emotionen
hoch - leichtere Gefühlen, Erinnerungen, aber auch stärkere Emotionen. Es mag
sogar sein, dass man darüber in Tränen ausbricht, aber das ist durchaus gut.
Man braucht keine Angst zu haben, dass da irgendwelche Emotionen ausgelöst
werden, mit denen man nicht zurechtkommt. Dieser emotionale Vorgang in der
Meditation ist etwas ganz anderes, als wenn man eine Psychotherapie oder
ähnliches macht und spezielle Techniken anwendet, um solche Emotionen absichtlich
zum Vorschein zu bringen. Wenn im Yoga irgendwelche Empfindungen auftauchen,
gehen wir nicht bewusst hinein, verstärken wir sie nicht und versuchen sie auch
nicht zu analysieren, sondern wir beobachten einfach, lassen es geschehen,
lassen es sich lösen. Dann mag es zwar sein, dass es sich nicht vollständig
aufgelöst hat - das tut es übrigens auch nicht, wenn man voll hineingeht -,
sondern es kann sein, dass ein paar mal während der Meditation dieser
Geistesinhalt, diese Emotion zum Vorschein kommt, und mit jedem Mal werden sie
etwas harmonischer. Vielleicht vertieft sich die emotionelle Spannung zuerst
eine Weile, danach wird sie ruhiger und dann löst sie sich auf und ist in
unserem Bewusstsein integriert.
Geistige
Reinigungserfahrungen
Es
kann plötzlich sein, dass man erheblich mehr Gedanken hat. Das ist überhaupt
auch ein Bewusstwerdungs-Prozess, wie wenig man den Geist unter Kontrolle hat.
Ich kann mich erinnern, ich habe mich einmal mit einem Onkel von mir
unterhalten. Er wollte wissen, was Meditation ist. Ich habe versucht, es ihm in
einfachen Worten zu erklären: „Man setzt sich hin und versucht den Geist zur
Ruhe zu bringen, indem man sich erst einmal konzentriert. Sollte es gelingen,
dass man sich ganz konzentrieren kann, dann kann es sein, dass der Geist höhere
Bewusstseinsebenen erreicht.“ Da war er erst einmal ganz perplex. Er konnte
nicht verstehen, dass jemand, der einigermaßen intelligent ist, Schwierigkeiten
haben könnte, sich auf irgend etwas zu konzentrieren. Da habe ich ihn den Versuch
machen lassen, sich gerade hinzusetzen und gar nichts mehr zu denken. Das, so
meinte er, müsse doch ganz einfach sein. So denken viele Menschen. Wenn sie
anfangen zu meditieren, glauben sie, sie müssten gleich zur Ruhe kommen. Und
wenn ein paar Gedanken auftauchen, dann meinen sie entweder, sie seien für die
Meditation ungeeignet oder die Meditation sei sinnlos. Dem ist natürlich nicht
so. Zu erkennen, wie der Geist funktioniert, ist eine gute Sache. Und wenn man
die Praxis intensiviert, kann es sein, dass vorübergehend mehr Gedanken kommen.
Auch das sind Reinigungserfahrungen, die man als solche willkommen heißt.
Astralerfahrungen
Astralerfahrungen
sind am einfachsten zu erklären mit dem Modell der drei Körper und der fünf
Hüllen. Wenn man nicht an Astralkörper und solche Dinge glaubt, kann man sich
das einfach auch nur als eine Klassifikation menschlicher Erfahrungen und
Fähigkeiten auf verschiedenen Ebenen vorstellen. Gewisse Erfahrungen, die
Menschen machen, sind eben anhand des Modells des Astralkörpers und der
Astralwelten einfach zu erklären.
Astralerfahrungen
kann man unterteilen in (übersinnliches) Sehen, Hören und Fühlen.
Man
kann zum Beispiel in der Meditation plötzlich wunderschöne Farben und Formen
sehen. Das kann daher kommen, dass durch die Meditationspraxis die in einem
schlummernde Kreativität angeregt wird. Ich kenne einige Menschen, die durch
die Meditation zum Malen oder Zeichnen gefunden haben. Nicht umsonst
praktizieren ja viele Künstler die eine oder andere Form der Meditation, weil
sie eben ihre Kreativität anregen kann. Es kann aber auch sein, dass diese
Farben und Formen Wahrnehmungen von Astralenenergie sind. Zum Beispiel kann es
sein, dass man die Aura von Menschen sieht. Man hat die Augen geschlossen und sieht plötzlich Menschen, aber nicht mit
ihrem physischen Körper, sondern man sieht Lichtkörper. Das kann mit
geschlossenen Augen sein, es kann aber auch sein, dass man die Augen öffnet und
um die Menschen herum ihre Aura wahrnimmt. Zum Beispiel wenn man Tratak (Starren auf ein Objekt, meist eine Kerzenflamme) übt, kann es sein, dass man
nicht nur die Kerzenflamme bei geschlossenen Augen wahrnehmen kann, sondern
nachher auch um die Menschen herum dieses Strahlen sieht.
Möglicherweise
nimmt man auch Astralwesen wahr. Man sitzt in der Meditation und plötzlich
sieht man vor sich ein Astralwesen, eine Gestalt, oder man spürt etwas. Man
öffnet die Augen und es ist immer noch da. Man schließt die Augen wieder, es
ist weiter da. Gut, es kann natürlich sein, dass man einfach eine schizophrene
Einbildung hat, aber es kann auch sein, dass es tatsächlich ein Astralwesen
ist.
Hier
würde ich unterscheiden zwischen Astralerfahrung und spiritueller Erfahrung,
wobei die Übergänge nicht so einfach zu definieren sind. Man kann auch ein
Engelswesen oder einen Meister wahrnehmen, und das ist dann durchaus eine
spirituelle Erfahrung. Wie erkennt man nun, ob man ein niederes Astralwesen
wahrnimmt oder ein Engelswesen? Ein niederes Astralwesen wirkt eher kühl, etwas
bleich, man fühlt sich eher ängstlich, eng, zusammengezogen und gelähmt,
während ein höheres Wesen, ein Engelswesen oder auch ein Meister mit viel Licht
verbunden ist, mit dem Gefühl von Wärme, Weite, Öffnung, Freude. Aber natürlich
kann auch das kühle Schaudern der Mondenergie, das ich oben erwähnt habe, die
Energie eines Meisters oder eines Engelswesens sein. Aber auf jeden Fall ist es
kein lähmendes Gefühl, sondern im Gegenteil mit Wonne, Liebe, Energie, Kraft,
Zuversicht verbunden.
Mit
niederen Astralwesen wollen wir eigentlich nicht übermäßig viel zu tun haben.
Das Klügste ist, ihm einfach Energie zu schicken. Beim Einatmen stellt man sich
vor, man nimmt Energie von oben auf, und beim Ausatmen schickt man diese
Energie dem Astralwesen. Oder man wiederholt ein Mantra, z.B. Om oder Om
Nama Shivaya. Besonders machtvoll ist die Wiederholung eines Mantras, in
das man eingeweiht worden ist, denn dann verbindet man sich automatisch mit
höheren Energien. Wenn man einen religiösen Bezug hat, kann man auch beten, an
einen Meister denken oder an eine Manifestation Gottes. All das hilft, sich an
etwas Höherem zu verankern, so dass einem dieses Wesen nicht zu nahe treten
kann. Manchmal sprechen diese Wesen auch mit einem, geben einem Ratschläge. In
diesem Fall rät man vom yogischen Standpunkt aus, sich nicht mit ihnen zu
unterhalten, nicht auf die Ratschläge einzugehen, nicht weiter auf diese
inneren Stimmen einzugehen, denn sie können sonst anfangen, einen zu
kontrollieren – wie Goethe im „Zauberlehrling“ sinngemäß sagt: „Die Geister,
die ich rief, werde ich nun nicht mehr los.“ Anders ist es dagegen, wenn man
Zugang zu einem höheren Astralwesen hat, eben z.B. eine Vision von einem
Engelswesen oder einem Meister. In diesem Fall kann dann auch eine Inspiration
kommen, eine Vision, so dass man plötzlich weiß, was man zu tun hat. Man
bekommt plötzlich Vertrauen in etwas, versteht etwas intuitiv. Und was macht
man, wenn man auf diese Weise eine konkrete Aufgabe bekommt? – Man setzt es um.
Manchmal bedeutet das, sein Leben auf den Kopf zu stellen. Manchmal muss man
aber erst noch einmal nachfragen: „Bitte, liebes höheres Selbst oder liebe
kosmische Energie oder lieber Gott, sag mir, ob das wirklich so gemeint war.“
Wenn sich der Eindruck dann verstärkt und zur Gewissheit wird, dann sollte man
auf diese innere Stimme hören.
Trotzdem
ist es nicht immer ganz leicht, eine wirkliche höhere Intuition zu erkennen.
Aber die spirituellen Erfahrungen kommen ja aus einer höheren Ebene, man würde
sagen, sie kommen von der Kausalebene. Deshalb sind sie unserer wahren Natur
und der kosmischen Natur von Sat, Chit, Ananda (reinem
Sein, Wissen, Glückseligkeit) sehr nahe. Höhere spirituelle Erfahrungen sind
daher immer verbunden mit der Erfahrung von Sat, Sein, Ausgedehntheit, Chit, gesteigerter Bewusstheit und Ananda, Wonne, was auch Liebe und Energie
einschließt. Es mag auch Zwischenerfahrungen geben, wo es nicht ganz so
eindeutig ist; dann muss man seinen Intellekt, sein Unterscheidungsvermögen
benutzen, um herauszufinden, ob das Sinn macht oder nicht.
Oft
wird auch gefragt, ob man auf die Erscheinungen und Stimmen eingehen sollte,
die auftreten können, wenn jemand in einem Haus stirbt. In diesem Fall sollte
man ihnen Energie schicken und Mantras wiederholen, so dass sie Kraft bekommen,
auf höhere Ebenen zu gehen. Man sollte sich mit diesen Wesen nicht weiter
beschäftigen, sich nicht mit ihnen unterhalten und auch nicht ihren Willen tun,
denn sonst kann man selbst viel Prana (Lebensenergie) verlieren und
unruhig werden. Das ist wichtig; sonst lebt man irgendwann nicht mehr sein
eigenes Leben. Man soll sie aber auch nicht austreiben wollen. Einfach bewusst
Mantras, Energie, Licht schicken. Das persönliche Mantra, in das man eingeweiht
worden ist, eignet sich dafür besonders gut oder auch das „Om Tryambhakam“-Mantra,
ein Heil- und Friedensmantra, mit dem man solchen erdgebundenen Geistern Kraft
geben kann, sich von dieser Erdebene zu lösen. So kann man ihnen helfen.
Astral-
bzw. spirituelle Erfahrungen kann man nicht nur sehen, man kann sie auch hören,
z.B. die sogenannten Anabata-Klänge, innere schöne Klänge, die wir im
Ohr hören, entweder einen Summklang oder wie der feine Klang einer Tampura (ind. Saiteninstrument) oder wie eine feine Glocke. Vielleicht ist das der
Grund, warum in verschiedensten Kulturen und spirituellen Traditionen Glocken
verwendet werden. Es kann auch klingen wie eine Laute oder eine Flöte.
Letztlich versuchen all diese Instrumente, die inneren Anahata-Klänge
nachzuahmen. Wenn man diese sehr schöne Erfahrung macht, gibt es zwei
Möglichkeiten: Entweder man beachtet sie nicht weiter oder man konzentriert
sich darauf. Es gibt auch Formen der Meditation, wo man sich auf diese inneren
spirituellen Erfahrungen bewusst konzentriert. Konzentriert man sich auf den
Ton, dann hört man oft in dem Ton einen subtileren. Dann konzentriert man sich
auf diesen, bis man dort den subtileren heraushört, der dann stärker wird, usw.
Und so kann die Meditation immer tiefer werden.
Nun
muss man unterscheiden zwischen Tinnitus und Anahata-Klängen. Tinnitus ist eine Schädigung des Gehörs, bei der Menschen ständig Geräusche im Ohr
haben. Diese Geräusche sind eher unangenehm, meist auch laut, wie Motoren, eine
Lokomotive, ein unangenehmes Pfeifen oder ähnliches, während Anahata-Klänge
grundsätzlich schön, erhaben, beruhigend sind. Das Geräusch bei Tinnitus wird stärker, wenn man unter Stress steht, während die Anahata-Klänge stärker werden, wenn man sehr ruhig ist und sich sehr gut fühlt. Durch
Konzentration auf die Anahata-Klänge wird kein Tinnitus ausgelöst. Man muss sich nicht auf die Anahata-Klänge konzentrieren,
wenn man nicht will. Man kann sich auch weiter auf seine normale
Meditationsmethode konzentrieren. Leider ist es so, dass in der Medizin der
Unterschied zwischen Tinnitus und Anahata nicht bekannt ist, so
dass manchmal Menschen, die diese schönen Klänge hören, auf Tinnitus behandelt und in Angst und Schrecken versetzt werden. Statt sich über diese
schönen, inneren Klänge zu freuen, haben sie Angst, ihre Lebensqualität sei nun
beeinträchtigt.
Das
Hören von Klängen ist eine Art Zwischenerfahrung, zwischen astraler und
spiritueller Erfahrung.
Dasselbe
ist der Fall mit dem Gefühl, seinen physischen Körper zu verlassen. Es kann in
der Meditation, in der Tiefenentspannung oder auch außerhalb von spirituellen
Praktiken geschehen, dass man plötzlich das Gefühl hat, man schwebt über sich,
und es kann sogar sein, dass man von oben sieht, was unten alles passiert. Es
kann sogar sein, dass man sich in einem Zimmer darüber sich befindet. Zwei
wichtige Ratschläge: erstens, keine Angst haben und zweitens, es geschehen
lassen, wenn es geschehen will; es vielleicht kurz bewusst wahrnehmen, aber
nicht weiter darauf eingehen. Auf jeden Fall hat man danach eine sehr wertvolle
Erfahrung selbst gemacht, die einen auf dem spirituellen Weg bestärkt, nämlich:
Ich habe die Welt von oben gesehen, ich habe etwas gesehen, was ich mit
physischen Augen nicht hätte sehen können. Das Bewusstsein ist nicht begrenzt
auf den physischen Körper. Und da können dann Wissenschaftler, Ärzte, Skeptiker
sagen was sie wollen – ich weiß es, ich habe es erfahren.
In
seinen Yoga Sutras, dem Grundlagenwerk des Raja Yoga (Yoga der
Geisteskontrolle) gibt Patanjali eine verdeckte Technik an, wie man den
Astralkörper verlassen kann. Man kann das zwar mal ausprobieren – gerade in
unserer westlichen, materialistisch ausgerichteten Gesellschaft, um mal eine
solche Erfahrung zu machen -, aber vom yogischen Standpunkt aus fördert man
solche Erlebnisse eigentlich nicht. Es ist nur eine Zwischenebene - eine
gefährliche Zwischenebene, mit der man sich nicht weiter abgeben sollte, denn
sonst bleibt man auf einer Stufe hängen, statt weiter zu gehen.
Man
kann auch ein Gefühl haben, als befänden sich manche Körperteile in einer ganz
anderen Haltung als es tatsächlich der Fall ist. Das sind dann
Reinigungserfahrungen des Astralkörpers. Der Astralkörper verändert etwas, was
durch die Meditation in Gang gekommen ist und was in diesem Moment auch das
Richtige ist. Man kann es einfach seinen Gang gehen lassen und sich weiter auf
seine Meditation konzentrieren oder auch versuchen, bewusst hineinzuatmen, um
so die Energie ausstrahlen zu lassen.
Spirituelle
Erfahrungen
Auch
hier gibt es höhere und ganz hohe. Die allerhöchsten kann man nicht mehr
beschreiben, nicht in Worte fassen. Einige habe ich oben schon erwähnt:
Wahrnehmungen von Engelswesen oder von Meistern oder einer Manifestation
Gottes. Es gibt Menschen, die diese Bilder in der Meditation wahrgenommen
haben. Daraus sind ja diese Bilddarstellungen überhaupt erst entstanden. Man
kann tatsächlich Shiva, Jesus, Buddha, Krishna als Vision wahrnehmen. Und eine
solche Vision kann natürlich das Bewusstsein erheben, einen erfüllen mit einer
Ekstase, mit Liebe, mit Wonne. Man kann dabei einfach ein Gefühl haben von
Ausdehnung, von Leichtigkeit. Oder man verschmilzt ganz mit einem Anahata-Ton
oder geht in einem alles erfüllenden Licht auf. Alle höheren spirituellen
Wahrnehmungen führen dazu, dass wir von unserem Ego wegkommen, dass die
begrenzte Persönlichkeit verschwindet, dass wir mit einer starken Form von
Liebe und einer neuen Erkenntnis und Bewusstheit erfüllt sind. Wir können dabei
das Gefühl haben, uns nach oben hin auszudehnen. Oder wir spüren sehr stark:
Das Göttliche manifestiert sich durch uns, wir werden zu einem Kanal, etwas aus
einer höheren Ebene will sich durch uns hindurch manifestieren.
Und
noch höhere spirituelle Erfahrungen sind nicht wirklich in Worte zu fassen. Das
ist etwas jenseits von allem. Man sieht nichts mehr, hört nichts mehr, es sind
keine Emotionen in dem Sinne mehr da, sondern nur noch ein Gefühl reiner Wonne,
reiner Ausdehnung, reiner Einheit und direkten Wissens.
Höhere Erfahrungen
außerhalb der Meditation
Solche
Erfahrungen und Eingebungen passieren auch außerhalb der Meditation und
außerhalb spiritueller Praktiken.
Man
kann auch im Traum durchaus Erfahrungen haben, dass sich ein Engelswesen oder
ein Meister manifestiert. Man kann auch während seiner ganz normalen
Alltagsarbeit plötzlich von einer tiefen Erkenntnis durchzuckt werden.
Solche
Erfahrungen sind eine Gnade, das muss man einfach sehen. Es kommt dann, wenn es
so sein soll. Wir können es uns nicht wirklich erarbeiten. Aber durch
Meditation und andere spirituelle Praktiken wie Yoga-Übungen usw. können wir
uns darauf vorbereiten, so dass es leichter geschehen kann.
Dhyana
Dhyana, volle Konzentration oder
Kontemplation, ist die vorletzte der acht Stufen (Ashtanga) des Raja
Yoga. Sie kann dadurch geschehen, dass wir ganz absorbiert sind und das
Ego, der individuelle Wille, in dem Moment nicht mehr da sind. Unbedingt eine
höhere Erfahrung haben zu wollen, kann ein großes Hindernis sein – dann
nämlich, wenn wir die Erfahrung haben und denken: „Ah, jetzt hab ich es!“ Das
haben wohl die meisten schon mal erlebt. Wenn die Meditation einmal besonders
schön und tief wird, sagt man sich: „Ah, jetzt habe ich es erreicht!“, und im
nächsten Moment ist es schon wieder weg. Es ist dieses Ego, das uns hindert, in
die tiefe Meditation zu gehen. Darum zielen ja alle Praktiken im Yoga im Grunde
genommen darauf ab, das Ego abzubauen.
Alle
spirituellen Erfahrungen, die mit Wahrnehmungen von Licht, von Klängen, von
Gefühlen verbunden sind, sind auf der Dhyana-Ebene angesiedelt. Das
Bewusstsein ist erweitert und wir dehnen uns zum Göttlichen hin aus oder
umgekehrt, das Göttliche kommt zu uns herab, wir werden zum Kanal dieses
Göttlichen und es fließt durch uns hindurch.
Samadhi
Und
dann gibt es die noch höheren Erfahrungen, die nicht mehr mit Bildern und
Worten verbunden sind, das ist Savikalpa Samadhi und Nirvikalpa
Samadhi. Samadhi ist der überbewusste Zustand, die Erfahrung der
Einheit mit allem. Savikalpa ist schwierig zu übersetzen. Es bedeutet,
ich bin noch da und weiß, ich erlebe die Erfahrung der Einheit, es ist jemand
da, der diese Erfahrung bewusst wahrnimmt. Aber es sind keine Worte, Bilder,
Gefühle mehr da. In Nirvikalpa Samadhi ist nur noch Einheit. Nicht mehr,
ich habe die Erfahrung der Einheit, sondern es ist einfach nur diese Erfahrung
der Einheit da. Es ist die reine Verschmelzung, die Selbstverwirklichung.
Aus diesen Zuständen kommt das intuitive Wissen, und aus dem intuitiven Wissen kommt die Erkenntnis der Wahrheit und der Wirklichkeit. Und anschließend versucht man, diese in Worten zu beschreiben. Das metaphysische System ist jenseits dessen, was physisch sichtbar und mit dem Verstand begreifbar ist. Es wird „erkannt“ und „geschaut“ in meditativer Versenkung und dann von denen, die es erlebt haben, irgendwie zu schildern, weiterzugeben versucht. Diese Schilderung, diese Weltanschauung, hilft uns zum einen, die spirituellen Erfahrungen zu verstehen, die wir machen und zum anderen, unser Bewusstsein systematisch zu erweitern durch spirituelle Praktiken. Es
ist wichtig, das zu verstehen: Die höchste Wirklichkeit ist nicht in Worte zu
fassen. Worte sind nur eine Annäherung, eine Hilfe für uns, selbst den Weg zu
gehen, um es selbst zu erleben und zu erfahren.
Es
gibt heute sogar eine Strömung in der modernen Wissenschaftstheorie, die
erklärt, das Universum sei rational nicht zu erfassen. Man beschreibt ja schon
das Universum immer mehr in Paradoxien, in Wahrscheinlichkeitsrechnungen, in
Chaostheorien usw. Also selbst auf der physischen Ebene entzieht sich das
Universum einer streng rationalen Analyse und Erklärung. Das Universum verhält
sich nicht rational im Sinne der menschlichen Vernunft, der Kapazität des
menschlichen Geistes. Das heißt nicht, dass es sich ungeordnet verhält, es sind
Gesetze da, aber nicht Gesetze, die nur dem menschlichen Geist entspringen und
entsprechen. Und eine Philosophie, die versucht zu beschreiben: „Was ist
wirklich?“, „Was ist unwirklich?“, „Wer bin ich?“, „Was ist Bewusstsein?“, „Was
ist die Welt?“ kann nur aus einer höheren Erfahrung von Samadhi (überbewusster Zustand) kommen. Samadhi ist nicht in Worte zu fassen.
Und auch die Erfahrung dabei ist nicht beschreibbar. Nur, wenn man sie
anschließend anderen Menschen kommunizieren will, muss man versuchen, sie
irgendwie auszudrücken: Man muss reden oder schreiben oder die Menschen lehren,
wie sie diese Erfahrung selbst machen können.
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